Powerwolf
Interview mit Matthew Greywolf zu "Lupus Dei"

Interview

Wenn es eine Band gibt, die auf ihren Alben der unbedingten Eingängigkeit auf der Spur ist, dann kann es sich nur um POWERWOLF handeln, die ihre Beute auf ihrer zweiten Platte sauber gerissen haben. Mit Chören, die sich äußerst hartnäckig im Ohr festsetzen und einem fantastischen Fronter ist es dem Fünfer mühelos gelungen, ein Highlight des Jahres einzuspielen. Da wollen wir doch mal Klampfenwolf Matthew auf die Fangzähne fühlen…

 

Powerwolf

Zuerst: Mächtiges Album! Kompliment! Das Level des Debüts zu halten und es sogar noch toppen zu können, wie so mancher Rezensent meint, ist mehr als beachtlich. Wie sehr seid ihr selbst mit der aktuellen Platte und den Reaktionen darauf zufrieden?

Wir lieben dieses Album wie ein Katholik den Papst! Wir sind sehr stolz auf „Lupus dei“, und auch sehr stolz darauf, dass das Album sehr gut anzukommen scheint.

In Sachen Eingängigkeit habt ihr euer bärenstarkes Debüt ja mühelos übertroffen. Wäre man gehässig, könnte man glatt fragen, ob ihr euch in ein stilles Kämmerlein zurückgezogen habt, um dort aus den besten Teilen der Metal-Geschichte Ohrwurmrefrains auf Teufel komm raus zu destillieren. Dazu die „Ah-Oh“ und „Aheiaheia-uh!“-Chöre, die den Hörer ja förmlich zum Mitsingen zwingen. Ich bin übrigens gerade gehässig!

Haha, Gehässigkeit gehört zum Metal!!! Wir haben in der Tat dieses Mal besonderen Wert auf die Hooklines der Refrains gelegt, denn ich finde, dass ein guter Metalsong einen starken Refrain haben muss. Wir sind dabei beim Songwriting so weit gegangen, dass wir zu den Songs immer zuerst die Refrains komponiert haben. Wir haben den jeweilien Refrain dann zwei Wochen bewusst nicht mehr gespielt und wenn dann nach diesen zwei Wochen jeder von uns den Refrain noch auswendig singen konnte, dann – und nur dann – war er gut genug für das Album, und wir schrieben den restlichen Song drum herum…

Wie seid ihr auf „Lupus Dei“ (was mein besserwisserisches Word immer als „Lupus Die“ schreiben will, das alte Lumpenpack!) als Albumtitel gekommen?

Der Albumtitel entstand in einer Phase, in der wir unsere religiösen Seiten entdeckten und als Band gemeinsam sehr viel jenseits der Musik aktiv waren. Der Wolf findet im Verlauf des textlichen Konzepts des Albums zu Gott – und das drückt der titel „Lupus die“ aus.[Wie schön, dass das Wolf-Word auch so ein Besserwisser ist – Anm.d.Verf.]

Wer hatte überhaupt die Ideen zu den neuen Texten? Das Ganze kommt ja immer noch ein wenig pseudospirituell daher… in Richtung Metal als Religion, mit nem Wolf als Priester sozusagen.

Haha, pseudospirituell ist gut… sei froh, dass nicht Attila dieses Interview macht, der wäre jetzt sicherlich sehr schnippisch geworden. Nun, unsere spirituelle Seite ist etwas sehr Privates, daher möchte ich da nicht zu direkt drauf eingehen; nur so viel: wir sehen Powerwolf nicht als eine religiöse Band, dazu gibt es innerhalb der Band auch zu unterschiedliche Standpunkte (Attila etwa ist in einem orthodoxen Umfeld aufgewachsen, Stefane andererseits ist ein sehr konsequenter Atheist) – aber wir sind sehr spirituelle Menschen, und ich finde, da gibt es tatsächlich einen Bezug zur Musik, denn wer wie viele Metalfans so positiv fanatisch für seine Musik lebt, für den ist die Musik das, was für viele ihre Religion ist.

Um beim Thema zu bleiben: Wer steckt hinter der Ledermaske? Warum ist Mutter Maria ein Raubvogel?

Jeder steckt hinter einer Ledermaske – oder was glaubst du, was unsere Haut letztendlich ist?
Und dass die Mutter Gottes ein Greifvogl ist, ist ein sehr altes Sprichwort, das Falk Maria, der sich intensiv mit Heimatforschung beschäftigt, ausgegraben hat. Er ist ein echtes Lexikon in Sachen traditioneller Sprüche. Im lyrischen Konzept des Albums setzt sich der Wolf hier mit der in vielen Religionen verbreiteten Götzenverehrung auseinander und erkennt so nach und nach, dass der Glauben der Menschen und Wölfe zunehmend verwässert wird. [Wolfsglauben? Muss was mit Schafen zu tun haben – Anm.d.Verf.]

By the way: Ist Wolfsmilch eigentlich euer bevorzugtes Getränk? Mein’ ja nur…

Haha, nein. Wölfe zu melken ist aber auch sicherlich alles andere als einfach… Aber wir mixen ab und an einen legendären Cocktail namens „Greywolf“ – der, wenn alle Zutaten vermengt sind, wolfsfellgrau ist und durchaus verheerende Wirkung zeigt… [Ich dachte i.d.Z. eher an Wolfsmilchgewächse,hehe – Anm.d.Verf.]

Und wieso steht auf meinem T-Shirt eigentlich „Vive le vrai metal?“

Weil unser Drummer Stefane Franzose ist und die Idee zu diesem Spruch hatte. Wir fanden es langweilig, wie alle Bands einen englischen Spruch auf unsere Shirts zu schreiben, also fanden wir Stefanes Idee gut. Und dass der echte Metal hoch leben soll, steht außer Frage, oder? [Natürlich – Anm.d.Verf.]

Um die Aufnahme der Bassspuren zu begünstigen, habt ihr laut Studiotagebuch die Geister von Cronos, Tom Angelripper, Steve Harris und Dave Ellefson beschworen.
Abgesehen davon, dass die Kerle ja im Grunde noch gut im Saft stehen: Wer war die angenehmste Erscheinung?

Eindeutig Cronos, weil er von allen das kleinste Ego hatte und sich auch bei der Beschwörung äußerst kooperativ zeigte. Bei Steve war das schon schwieriger; er hat sich ziemlich gewehrt, haha… für uns war es wichtig, uns im Studio den Spirit legendärer Musiker zu vergegenwärtigen, um in einen entsprechenden Metalrausch zu kommen.

Ihr habt mit einem Chor in ner alten Kapelle aufgenommen. Wie war das genau? Keine aufgebrachten Ministranten und Diakone, die euch hetzen wollten? Vielleicht ne weitere Erscheinung von Steve Harris?

Nein, wir beriefen Steve nur einmal ein – bei den Bassaufnahmen. Man sollte mit solchen Dingen nicht übertreiben, sonst kann es gefährlich werden. Nach einer passenden Kapelle für die Aufnahmen haben wir lange gesucht. Schließlich fanden wir eine sehr abgelegene Kirche, die früher zu einem großen Gehöft gehörte, nahe der französischen Grenze. Nach vielen Gesprächen und gutem Zureden bekamen wir schließlich die Erlaubnis, die Kapelle zu benutzen. Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt; es war ein unglaubliches Gefühl, einen Kirchenchor in einer Kirche unsere Lieder singen zu hören.

Was könnt ihr uns über die Mix-Arbeiten im schwedischen Studio Fredman berichten? Da ist euch gewiss öfter ein guter Geist erschienen, also ein Weingeist, hähä.

Der Eindruck täuscht. Wir hatten eine sehr arbeitsintensive Woche in Schweden. Das Fredman ist vor einiger Zeit aus der Göteborger Innenstadt aufs Land gezogen, wo es wirklich nichts außer Wald gibt – wir waren also quasi im Studio gefangen und konnten nichts anderes tun, als uns ganz und gar auf den Mix zu konzentrieren, was sich aber wirklich gelohnt hat. Trotzdem kann man nicht Tage lang mit einem Fredrik Nordström arbeiten ohne die ein oder andere lustige Party…

Aber warum versteckt sich die Orgel im Gegensatz zum Debüt hin und wieder im Hintergrund? Sollten die Klampfen besser braten?

Ich finde nicht, dass sie das tut; im Gegenteil – die Orgel ist wichtiger denn je, denn sie macht viel von der Atmosphäre auf „Lupus dei“ greifbar. Wir haben die Orgel dieses Mal viel gezielter eingesetzt als noch auf „Return In Bloodred“: an Stellen, an denen die Gitarren braten müssen, sollen die auch die Aufmerksamkeit bekommen und dafür übernimmt die Orgel in bestimmten Passagen komplett das Geschehen. Das schafft eine sehr interessante Dynamik wie wir finden…

Auf „Return In Bloodred“ seid ihr in die Doom-Richtung gegangen und habt euch stellenweise tief vor SABBATH verbeugt, nun war ne Mischung aus MAIDEN und KING DIAMOND dran.

Es wäre langweilig gewesen, wenn wir nochmal einen Song wie „The Evil Made Me Do It“ oder „Lucifer In Starlight“ geschrieben hätten. Das war Sabbath pur und als Statement und Huldigung zu verstehen, aber man muss so etwas nicht wiederholen. Du hast Recht, im Nachhinein hört man wirklich, dass unsere Vorliebe für Maiden beim Songwriting allgegenwärtig war, aber das ist gut so. Wir mögen es, an bestimmten Stellen auch mal, bewusst beeinflusste Parts einzubauen. Der Wolf will nicht originell sein, der Wolf will guten Metal schreiben – und wenn ein guter Metalsong nunmal an einer Stelle nach einem Maidenpart schreit, dann bekommt er ihn – für uns ist das Album eine Liebeserklärung an den Metal!

Wie ist die Songwritingphase abgelaufen? Welches sind die Haupteinflüsse?

Wir sind eine sehr spontan agierende Band. Wir könnten niemals, wie viele Bands das tun, als einzelne Musiker Songs schreiben. Der Geist des Wolfs entsteht nur dann, wenn wir fünf zusammenkommen, und dann kann es sehr schnell gehen. „Saturday Satan“ bespielsweise haben wir in weniger als einer Stunde geschrieben. Ich finde ohnehin, dass gute Songs „passieren“ müssen – wenn das der Fall ist, ist das immer ein Zeichen dafür, dass der Song rund ist und gut funktioniert. Einen Song dagegen, an dem man Tage lang basteln muss, ist nur selten natürlich, das wäre nichts für den Wolf…

Wie werdet ihr euch musikalisch weiterentwickeln? Ich nehme an, es wird auch weiterhin fleißig an eingängigen Hymnen gebastelt…

Natürlich, denn die sind zu einem Markenzeichen für den Wolf geworden. Heavy Metal muss eingängig sein; böse sein und unterhalten.

Sind beim nächsten Album immer noch Gruselatmosphäre und entsprechende Texte zu erwarten?

Wir planen niemals; was wir tun, tun wir spontan, daher kann ich dir darüber noch nichts sagen. Der Wolf bezieht seine Stärke aus dem Überraschungsangriff, weißt du…?

Ganz nebenbei: Jemals im blassen Mondlicht mit dem Teufel getanzt?

Nein, mit dem Teufel würde ich nicht tanzen – ich kann mir vorstellen, dass der sehr tolpatschig ist mit seinen Hufen.

Um das an dieser Stelle gleich mal abzuhaken: Was haltet ihr davon, als Multi-Kulti-Truppe bezeichnet zu werden? Werdet ihr rot dabei? Haha!

Nein, warum sollten wir? Wir haben aber selbst nie Wert darauf gelegt, als Multi-Kulti-Band bezeichnet zu werden, denn letztendlich ist das vollkommen unwichtig; wichtig sind unsere Musik und unsere Shows; wo wir herkommen und wo wir hingehen, wenn wir von der Bühne oder aus dem Studio kommen, ist unwichtig. Lustig finden wir, dass wir immer wieder als rumänische Band bezeichnet werden, was wir nie behauptet haben, denn nur Attila hat rumänische Wurzeln. Drei von uns sind Deutsche, und unser Drummer Stefane ist Franzose, was daran liegt, dass wir sehr nahe der französischen Grenze leben. Stefane lebt also nur 10 km von uns entfernt, aber in einem anderen Land. Daraus muss man nicht gleich Multi-Kulti machen… [Dachte da auch eher an die rote Parallelwelt – Anm.d.Verf.]

Wie sieht es denn nun aus mit einer anständigen Tour? Bis jetzt stehen ja lediglich das Saarstahlmetal-Festival und ein Gig auf dem Summerbreeze an.

Wir sind derzeit in Verhandlungen wegen möglicher Gastspielreisen. So wie es aussieht, wird der Wolf im Herbst zu einer ausgedehnten Tour aufbrechen, allerdings steht derzeit noch nicht fest, wann und mit wem. Es gibt mehrere Optionen und die sind wir gerade am checken – sicher ist: der Wolf wird heulen!!!!!!!!!!!

Mit welchen Wunschbands würdet ihr mal gerne die Bühne teilen? Abgesehen von LEATHERWOLF.

Mit unseren quasi Namensvettern von Wolf. Ich mag ihre Alben sehr, und sie scheinen eine ähnliche Einstellung wie wir zu haben. Vielleicht kommt es ja eines Tages zu einem Wolfspackage mit Leatherwolf, Wolf und Powerwolf… praktisch wäre, dass dann alle Bands ein gemeinsames Backdrop benutzen könnten und man immer nur Teile abkleben müsste, haha…

An dieser Stelle natürlich wie immer die Möglichkeit, euer Geheul an die werte Leserschaft zu richten:…

Werte Leser: Ahhhuuuuuuuuuuuuuuuuu! Gut so?

[Bestens – Anm.d.Verf.]

Galerie mit 23 Bildern: Powerwolf - Wacken Open Air 2019
24.05.2007

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