Powerwolf
Interview mit Matthew Greywolf zu "Return In Bloodred"

Interview

Eigentlich sehen die Jungs auf den Promopics ein wenig blass um die Nase rum aus – und die rotumränderten Äuglein legen nahe, dass man schon um so manches Haus gezogen ist. Aber auch wenn der Multi-Kulti Fünfer optisch wie ne schwer angeschossene King Diamond Variante durch die Wälder streift und anscheinend zu leckerem Gekröse auf dem Teller nicht nein sagen kann, haben sie doch ein saustarkes Debüt abgeliefert, das jedem 80er Freak bestens reinlaufen sollte. Und da muss man selbstredend mal bei den sinistren Herren anklopfen, um höflich bei Matthew Greywolf anzufragen, wie denn das werte Befinden ist.

 

Powerwolf

Ahuuuhuuuu Jaul! Tach, Powerwolf! Erstmal ein fettes DANKE für die grandiose Platte, die ihr da zusammengezimmert habt. Starkes Stück. Mit so nem Langeisen im Kreuz müsste es Euch ja zurzeit verdammt gut gehen, oder?

Allerdings. Wir sind sehr stolz auf „Return in bloodred“.

Allgemein sind die Plattenkritiken ja sehr gut, wenn nicht zuweilen euphorisch ausgefallen … wie seid Ihr mit dem Feedback zufrieden?

Wir freuen uns, dass offensichtlich sehr viele Leute das Album mögen. Wir haben viel Energie und Herzblut in das Album investiert und es tut gut zu sehen, dass es sich gelohnt hat.

Jetzt mal ehrlich, der Name Powerwolf ist doch schon ein wenig seltsam, wenn nicht gar ein bisschen ulkig … ich werde jetzt nicht auf dem Namen Greywolf (so heißen die Herren an Bass und Klampfe) rumreiten, aber mal frei heraus : wie seid ihr denn darauf gekommen? Musste es unbedingt was mit Wolf sein?

Ja. Das war Attilas Idee. Man muss dazu wissen, dass Attila ja gebürtiger Rumäne ist, und Rumänen anders denken als wir Westeuropäer. Für Attila ist der Wolf ein Symbol für Stolz und Kraft. Genau das macht für ihn unsere Musik aus, also kam er auf Powerwolf. Kurzzeitig stand auch zur Debatte, die Band Greywolf zu nennen, aber Charles und ich legten unser Veto ein, denn das hätte für uns nach einem Soloprojekt geklungen. Klar, Powerwolf klingt klischeehaft und verdammt old school, aber wir wollten einen Namen, der das transportiert, was unsere musik ausmacht, und nicht einen Namen, der originell ist.

Da seid Ihr ja gleich mit Eurem Debüt auf dem nicht so unbekannten Label (hahaha, David) Metalblade gelandet … mit den Durchstartern Brainstorm also in bester Gesellschaft. Wie geht’s euch dort?

Sehr gut. Metalblade sind ein Teil des Wolfsrudels geworden, haha… Wir haben alle Freiheiten, die wir brauchen, und das ist gut so, denn wir sind eine sehr unkonventionell arbeitende Band. Metalblade unterstützen uns bedingungslos – und was uns auch sehr wichtig bei der Labelwahl war: bei Metalblade arbeiten echte Metaller, die die Musik, die sie veröffentlichen leben wie ihre Bands.

Kommen wir mal zur Mucke. Als erstes fällt natürlich der Einsatz der Orgel und Attilas charakteristisches Organ (was ein Wortspiel, ha!) auf. Ich hoffe zudem mal, dass sich dieser Sound nicht grundlegend verändern wird. Nach „The Second Great Awakening“ von Fireball Ministry hat mich jedenfalls kein Old School Album (auch wenn die mehr stoned sind und gar keine Orgel haben) in diesem (weit gefassten) Genre so umgehauen wie „Return In Bloodred“ … wer liefert die Songideen?

Wie gesagt, wir arbeiten sehr unkonventionell. Es gibt keinen Hauptsongwriter und überhaupt arbeiten wir selten etwas im traditionellen Sinn aus. Bei uns „passieren“ Songs. Wenn alle Powerwolf Mitglieder zusammenkommen, was aufgrund der räumlichen Distanz nicht so oft der Fall ist, dann entsteht eine sehr spezielle Stimmung. In dieser Stimmung entstehen unsere Songs, sie werden nicht ausgearbeitet oder konponiert, sondern entstehen. „We came to take your souls“ bespielsweise entstand in unserer allerersten Probe mit Attila. Wir hatten dieses Riff – Attila eine Gesangslinie – und eine halbe Stunde später war der Song da – genau so wie er jetzt auf „Return in bloodred“ zu hören ist.

Ich liebe diese verdammte Orgel … erzählt mir was drüber!

Falk Maria Schlegel ist ein altgedienter Keyboardhaudegen, der schon mit vielen Bands unterwegs war. Als er bei uns einstieg, schlug er vor, von den üblichen Keyboardsounds weg zu gehen, und stattdessen einen klassischen Orgelsound zu benutzen. Wir alle sind große Deep Purple Fans, und mochten die Idee sofort. Die Orgel gibt unseren Songs eine sehr morbide, feierliche Stimmung. Falk Maria ist auch ein sehr spiritueller Mensch, und seine Orgel spricht ihm aus der Seele.

Neben Sabbath und Konsorten … welche Einflüsse gehen darüber hinaus noch ins Songwriting ein?

Naja, wir sind alle nicht erst seit gestern im Metal unterwegs, und über die Jahre sammeln sich so einige Einflüsse an. Mercyful Fate haben beispielsweise einen großen Einfluss auf das was wir machen. Wir ziehen die dunklere Seite des Heavy Metal vor. Dieser Happy-Metal heutzutage ist für mich einfach nur lächerlich. Metal muss dunkel und majestätisch klingen. Und er muss rocken. Das ist das, was die Jungspunde heute vergessen. Rocken.

Können Euch die alten Helden heute noch überzeugen oder zieht Ihr Euch lieber modernere Formationen rein?

Beides. Es gibt auch heute noch bands, die wissen, wie man Metal spielt. Soilwork finde ich zum beispiel sehr gut.

Ihr wirkt wie ein eingespielter Haufen, welche Erfahrungen in anderen/früheren Bands bestehen?

Mein Bruder Charles und ich machen schon ewig zusammen Musik. Falk und Stefane sind ja auch schon seit fast 3 Jahren dabei. Als letztes kam Attila dazu, und zu dem Zeitpunkt als er zu uns stieß, war der Rest der Band sicherlich schon gut eingespielt.

In Eurer Bio steht zu lesen, dass Attila in Rumänien Gesang studiert hat und erst spät zum Metal gefunden hat, was sind denn außer Klassik seine sonstigen Einflüsse?

Er entdeckt gerade den Metal. Bis vor zwei Jahren hatte er keine Ahnung, was Metal ist, bis er ein Iron Maiden Tape in die Finger bekam. Das ist manchmal lustig, wenn wir in interviews auf Einflüsse angesprochen werden, und Attila nur mit den Schultern zucken kann, weil ihm Bands wie Savatage nun mal nichts sagen… es war wohl in Rumänien auch sehr schwer an harte Rockmusik heranzukommen, so dass Attila sich zwangsläufig auf die klassische Schiene konzentrierte.

Zudem ist es i.d.Z. sehr angenehm, dass Attila nicht ständig ne Arie schmettert, sondern stimmlich absolut perfekt zu der Mucke passt … war das ein Problem für ihn?

Nein, im Gegenteil, er wollte ja weg von dem klassischen Gesang. Für ihn ist es ein verwirklichter Traum, endlich mal so zu singen, wie er wirklich will, ohne klassische Ideale und Vorgaben erfüllen zu müssen. Die Gesangsausbildung in Rumänien soll auch sehr strikt und hart sein. Wir mussten ihn regelrecht dazu überreden, bei „Son of the morning star“ für einen Song seine klassische Stimme zu verwenden.

Er ist zudem für das Konzept der Lyrics verantwortlich … wie sieht es aus, werden Powerwolf auch fortan „Grusel Metal“ machen und sich textlich an rumänischen Legenden und alten Gänsehautstreifen orientieren?

Ich glaube schon, denn für Attila ist das kein ausgedachtes Konzept für ein Album, sondern das, womit er sich einen Grossteil seiner Zeit beschäftigt. Er beschäftigt sich sehr viel mit rumänischer Geschichte und Mythologie und hat hunderte von Büchern gelesen. Als wir anfingen, an dem Album zu arbeiten, war es für ihn keine Frage, worüber er singen würde. Er singt über das, was ihn beeinflusst, und diese rumänischen Sagen sind ein Teil von ihm. Außerdem passen sie sehr gut zum Heavy Metal.

Wo wir gerade dabei sind … einer meiner Lieblingssongs auf der Platte ist „Kiss Of The Cobra King“ … dazu hätte ich gerne ein paar Hintergrund Infos von Attila … worum genau geht’s?

Das kann ich dir nur schwer beantworten. Attila redet auch uns gegenüber nicht viel über seine Texte. Er erzählt in diesem Song eine Geschichte, in der ein Wolf im Kampf mit einer Schlange stirbt. Es ist wohl eine sehr symbolische Geschichte, die, wie er mir erzählt hat, über Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurde und daher nur schwer zu deuten ist. Für Attila haben all diese Geschichten einen sehr tiefen Sinn und er hat einen sehr emotionalen Bezug zu seinen Texten. Daher ist er auch immer genervt, wenn die Texte auf den Grusel Aspekt reduziert werden. Man kann Attila zur Weißglut treiben, wenn man ihn auf Dracula Filme anspricht. Aus der Sicht eines stolzen Rumänen sind diese Filme, so wie fast alle Vampirfilme, eine Farce auf das, was ihm heilig ist.

Bis auf zwei Gigs (Rock Well und Summer Breeze) steht laut Eurer Homepage ja gar nichts weiter auf dem Livesektor an. Das solltet Ihr aber schnellstens ändern! Wann seid Ihr auf Tour?

So wie es aussieht, wird der Wolf im Herbst zu einer Gastspielreise aufbrechen. Wir wollen da nichts überstürzen und haben von Anfang an für uns entschieden, dass wir nicht auf die nächstbeste Tour aufspringen, nur um live zu spielen. Wir wollen Powerwolf in einem guten Rahmen präsentieren und den Fans etwas Besonderes bieten können. Die Sommerfestivals sind eine gute Gelegenheit, Powerwolf live vorzustellen und im Herbst wird das Heulen des Wolfes auf vielen Bühnen erklingen!!!

Der letzte Track auf der Scheibe („Son Of The Morning Star“) erinnert ein wenig an Saviour Machine’s geniale (meines Wissens noch unvollendete) Legend Trilogie. War das tatsächlich ein Einfluss oder nur die böse Konvergenz?

Der Weisskopf? Nein, der ist kein Einfluß für uns. So was albernes. „Son of the morning star“ verkündet die biblische Apokalypse; der einzige Song, der inhaltlich Rumänien verlässt. Die Apokalypse ist ja schließlich eine globale Angelegenheit.

Dann die Frage (aufgrund der dort gebotenen Lyrics) : Spielt Glaube eine Rolle innerhalb der Band?

Definitiv. Ich würde Powerwolf eindeutig als eine spirituelle Band bezeichnen. Für die Bandmitglieder geht Powerwolf weit über das Musikalische hinaus. Ich will da aber nicht zu viel von erzählen, denn wir haben die Glaubensfrage bewusst aus dem Album herausgehalten, weil wir finden, dass Heavy Metal und Glaube in einem sehr schwierigen Verhältnis zueinander stehen, und ein einzelnes Album nicht die richtige Plattform ist, das zu diskutieren.

Zuletzt die Frage : Werwolf oder Vampir? Entscheiden Sie sich … JETZT!

Der Werwolf ist eine gleichermaßen mächtige wie gequälte Kreatur, genau wie der Heavy Metal. Von daher sollte unsere Wahl und die eurer Leser klar sein!

Und wie immer an dieser Stelle DIE Gelegenheit, der werten Leserschaft ein paar Takte zu sagen : …

Die Falle des Teufels für die Menschheit – vor allem für die Jungen – ist der Körper!

Das lasse ich dann mal so stehen …

Galerie mit 21 Bildern: Powerwolf - Wolfsnächte Tour 2018 in Ludwigsburg
09.05.2005

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