Campaign For Musical Destruction
Die Never-Ending-Tour

Konzertbericht

Billing: Napalm Death, Whiplash und Dopelord
Konzert vom 11.02.2026 | Backstage, München

Zur alljährlichen „Campaign For Musical Destruction“ haben die einstigen Grindcore-Speerspitzen um Barney Greenway auch heuer wieder ein buntes Vorprogramm zusammengestellt. Nehmen wir als Beispiel direkt mal den Opening-Act DOPELORD. Die Band verleiht dem Münchner Backstage heute den wohl den klarsten Metallanstrich und wirkt zwar nicht unbedingt deplatziert, bildet aber einen beinah schon als extremistisch zu bezeichnenden Gegenpol zu NAPALM DEATH.

DOPELORD: Gegensätze ziehen sich an

Warum? Das Trio aus Lublin, Polen überschreitet selten die Geschwindigkeit eines Einrad-fahrenden Artisten, der gleichzeitig fünf Bälle jongliert. Zudem ist die Gitarre auf lüsternen Angriffsmodus im BLACK-SABBATH-Style gestimmt und thematisch geht es nicht um Politik sondern um Drogen und „Songs For Satan“. Die Griffhand des Bassisten steckt passenderweise in einem Handschuh, was dem überaus fetten Gesamtsound keinen Abbruch tut. Für sich ist das eine stimmungsvolle Darbietung, die vom Publikum auch wohlwollend aufgenommen wird. Die Ränge auf der linken und rechten Seite der Halle sind mit schwarzen Stoffbahnen abgehängt und generell ist noch sehr viel Platz, was sich im Laufe des Abends auch nicht mehr dramatisch ändern wird. Guter Einstieg.

Galerie mit 12 Bildern: Dopelord - Campaign For Musical Destruction Tour 2026 in Köln

Punks mit Charme: THE VARUKERS

Im Anschluss treten mit der britischen Punk-Garde-Band THE VARUKERS echte Legenden auf die Bühne. Sänger Anthony „Rat“ Martin kommt so wunderbar angepisst daher, dass es die reinste Freude ist ihn dabei zu beobachten, wie er seine Tiraden gegen die Regierung oder einfach gegen alles ins Mikro speit. Wieder ist der Sound sehr gut und glasklar, während die Band keine Standard-Powerchord-Vibes aufkommen lässt und immer wieder mit kurzen und präzisen Soli die Songs aufwertet. Bei der Anmoderation zu „Die For Your Government“ gerät Martin derart in Rage, dass er mit seinem bösen Blick in Richtung einer Konzertbesucherin in der ersten Reihe ganz offenbar zu weit geht. Das merkt er aber schnell und bittet höflich um Entschuldigung. Britische Höflichkeit von einem Alt-Punk mit Halstattoo und doppelter Irokesen-Bürste. Herrlich.

Während die Saiten-Instrumente mit einer warmen Spielfreude bedient werden, hat der Drummer alle Hände voll zu tun, tight zu bleiben. Scheinbar ist der Mann voll auf sein Schlagwerk konzentriert, denn als er Anthony „Rat“ bei einer Ansage mit einem verfrühten Einzähler in die Parade fährt, wird es für einen Moment eiskalt auf der Bühne. Ansonsten ergeht sich der Sänger weitestgehend in Politker-Anfeindungen, die aber kaum jemand versteht, weil der gesprochene Slang weit über das Fremdsprachen-Englisch in deutschen Schulen hinausgeht. THE VARUKERS existieren übrigens schon seit 1979, haben sich 1987 aufgelöst und 1993 wieder zusammengefunden. Diese Informationen sind  auf Wikipedia zu finden, genauso wie der einzige aktuelle Weblink, der auf die Myspace-Seite (!) der Band führen soll. Das ist pure Anarchie. Beim Klassiker und Höhepunkt „I Don´t Wanna Be A Victim“ flirtet Martin dann mit der Frau aus der ersten Reihe, die er zuvor noch finster angeschaut hatte und wir spüren große Sympathie für den eigentlich doch ganz gut gelaunten Burschen.

Galerie mit 13 Bildern: Varukers - Campaign For Musical Destruction Tour 2026 in Köln

WHIPLASH: Hemdsärmelig, schnell und mitreißend

Während dem Changeover und Linecheck für WHIPLASH kommt es zu ein paar schönen Momenten. Als ein paar wenige Fans den Bandnamen skandieren, freut sich Bassist Will Winton spitzbübisch, während Drummer Mitch Hull ein Gestänge mit Backdrop auf die Bühne schleppt. Seitlich vom Drumkit stehen ebenfalls zwei windschiefe Backdrops, was dilettantisch und herzerwärmend zugleich ist. Genauso erdig ist dann auch das Old-School-Set der US-Thrasher, was auch sonst? Die Band existiert seit den mittleren 80er Jahren und hat seitdem ganze sieben Alben veröffentlicht. Mastermind Tony Portaro flaniert beinahe herrschaftlich über die Bühne, mit Sonnenbrille und tief ins Gesicht gezogenem Cowboyhut der Coolness zu tiefst verpflichtet.

Wir freuen uns über den superschnell, durch Fingerpicking bedienten Bass, während der Sound dieses Mal aber nicht optimal ist. Auch galoppieren die Songs manchmal den, in die Jahre gekommenen, Fingerfertigkeiten Portaros ein bisschen davon und er muss auf ein paar Noten in den Soli verzichten. Aber seis drum, das Publikum hat seinen Spaß und lässt sich auch schön zu einem ersten Moshpit dirigieren. Während die Rhythmussektion auf der Bühne fachsimpelt, leitet Portaro die Höhepunkte in der Setlist („Spit On Your Grave“ und „The Burning Of Atlanta“) mit fesselnden Ansagen ein. Dass es sich heute aber nicht um DAS WHIPLASH-Publikum handelt, merken wir, als Portaro zum Band-Klassiker „Power Thrashing Death“ ausholt, während ein paar Jungspunde im Publikum irgendetwas wie „Power Trash Till Death“ grölen.

Galerie mit 14 Bildern: Whiplash - Campaign For Musical Destruction Tour 2026 in Köln

Nichts neues bei NAPALM DEATH

Eigentlich könnten wir den Abend jetzt auch schon wieder beenden, denn zu NAPALM DEATH ist ja eigentlich alles gesagt, oder? Völlig unaufgeregt spazieren die Herrschaften auf die Bühne, Mark „Barney“ Greenway hat die Hosenträger stramm angezogen und wieder fehlt Shane Embury am Bass. Dem Sänger ist es aber ein Bedürfnis Trennungsgerüchten vorzubeugen und verkündet schnell, dass Embury bald wieder zurückkehrt. Aushilfsbassist Adam ist den meisten Anwesenden noch vom letzten Jahr bekannt und der Mann ist ein würdiger Ersatz.

Ansonsten gibt es aus dem Hause NAPALM DEATH nicht viel neues zu berichten. Der Sound ist satt, Greenway versucht sich an Ansagen auf Deutsch, die er aber mit der Begründung „seit ein paar Tour-Tagen funktioniert meine linke Gehirnhälfte nicht mehr richtig“, dann doch in seiner Muttersprache verfasst. Bei der wuchtigen Hingabe, mit der er bei „Narcissus“ performt, ist es kein Wunder, wenn sein Gehirn Aussetzer hat. Für den Höhepunkt der Show („Amoral“) kündigt Mark „Barney“ Greenway ein bisschen mehr „niceness“ an, die sei schließlich zwischen all den Noise-Bomben auch wichtig. Während die Drums extrem präsent den Saal ausfüllen, spielen die Briten ihren Weltrekordsong „You Suffer“ heute zwei Mal und mit „Suffer The Children“ gibt es wie immer Fanservice deluxe. Natürlich lassen es sich die Birminghamer nicht nehmen und setzen mit „Nazi Punks Fuck Off“ ein Statement, wir gehen ohne Einwände mit und haken einen weiteren, schönen Abend im Zeichen der musikalischen Zerstörung ab.

Galerie mit 21 Bildern: Napalm Death - Campaign For Musical Destruction Tour 2026 in Köln
24.02.2026

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