Primordial & Moonsorrow
zum zweiten Mal zusammen auf Heathen Crusade

Konzertbericht

Billing: Primordial, Moonsorrow und Der Weg Einer Freiheit
Konzert vom 19.04.2018 | Rockfabrik, Ludwigsburg

2006 waren PRIMORDIAL und MOONSORROW zusammen auf Heathen Crusade, auf Heiden-Kreuzzug. 2018 tun sie es wieder – weil es so schön war. Vor zwölf Jahren hatten sie die irischen Doomer MOURNING BELOVETH dabei, heuer sind es die deutschen Black Metaller von DER WEG EINER FREIHEIT. Wir sind gespannt, ob das alte Pagan-Feuer wieder entfacht werden kann und treffen in der ordentlich gefüllten Rockfabrik in Ludwigsburg ein.

DER WEG EINER FREIHEIT

Konzertfoto von Der Weg Einer Freiheit auf Heathen Crusade 2018 in Ludwigsburg

Der Weg Einer Freiheit – Heathen Crusade 2018 in Ludwigsburg

Die Würzburger eröffnen den Abend aber nicht heidnisch, sondern kalt und post-schwarzmetallisch. Rot und Schwarz dominieren, Nebel und Stroboskop-Lichter unterstreichen die düstere Stimmung, die DER WEG EINER FREIHEIT mit „Einkehr“ von der Bühne wallen lassen. Völlig rund und in einer Einheit agieren die vier auf der Bühne miteinander, auch wenn Tobias Schulers hervorragendes Drumming oft aus dem Nebel kommt. Sänger Nikita ist in seiner Rolle als Sänger sichtlich gewachsen, er drückt seine Texte mit Hingabe und Leidenschaft in die noch zurückhaltende Menge – oder lässt die Instrumente für sich sprechen wie bei „Skepsis Part I“. Mutig, hier ein Instrumental zu bringen, vor allem als einzige Post-Band heute Abend. Aber die kalte Schönheit des Songs überzeugt auch ohne Gesang und spätestens beim letzten Song „Aufbruch“ ist der Damm gebrochen. Das gesprochene Intro lässt viele aufhorchen, Fans der Band grölen ihre Zustimmung und DER WEG EINER FREIHEIT ziehen sichtlich Fans in ihren Bann.

Galerie mit 17 Bildern: Der Weg Einer Freiheit - Heathen Crusade Tour 2018

Setlist DER WEG EINER FREIHEIT

Einkehr
Skepsis Part I
Zeichen
Requiem
Aufbruch

 

Wir gönnen uns jetzt eine Apfelschorle für 5,50 Euro. Holla, ein stolzer Preis für einen halben Liter kalte Flüssigkeit, die gleiche Menge Bier wäre schon für 3,90 Euro zu haben gewesen. Aber es handelt sich um Direktsaft und vielleicht ein Upperclass-Tablewater und wir sind selbst schuld, dass wir es nicht langsam genießen, sondern herunterstürzen in der heißen Rofa.

Plötzlich steht Nikita Kamprad vor uns, Sänger, Gitarrist, Hauptsongwriter von DER WEG EINER FREIHEIT. Die Band hat nicht vergessen, dass wir nach der Setlist gefragt haben. Nikita schreibt zuerst die Songs in unser Notizbuch und erzählt uns dann, dass die Band nach der Tour eine kreative Auszeit nehmen wird, dass das neue Line-Up sehr gut harmoniert und wie wichtig ihre Sound- und Lichttechniker sind. Auf die Frage, wie sich Nikita selbst fühlt mit der Doppelaufgabe Gitarre/Gesang, meint er, dass das für ihn authentischer sei, als nur Gitarre zu spielen. Mit der Gitarre alleine habe er es nie so gut geschafft, seine Emotionen ins Publikum zu bringen, wie wenn er sie mit seiner Stimme direkt in die Gesichter vor der Bühne haue. Das sei für ihn selbst sehr unerwartet gekommen und fühle sich besser an. Inzwischen stehen noch mehr Mitglieder der Band und Techniker um uns herum und was kann es Schöneres geben für einen Fan, als erst ein emotionsgeladenes Konzert anzuschauen und danach die Musiker vor sich zu haben, die ganz klar im After-Show-High sind und vor Begeisterung sprudeln? Im Gespräch kommt noch einmal eins zu eins rüber, was man beim Auftritt schon gespürt hat: Dass DER WEG EINER FREIHEIT brennen für ihre Musik.

MOONSORROW

Konzertfoto von Moonsorrow auf Hetahen Crusade 2018 in Ludwigsburg

Moonsorrow – Heathen Crusade 2018 in Ludwigsburg

Im Publikum sind heute auffallend viele MOONSORROW-T-Shirts unterwegs und die Finnen freut das natürlich. Sie sind mit ihrem Album „Jumalten Aika“ – finnisch für „Zeitalter der Götter“ – unterwegs. Von Post Metal geht es jetzt also weit zurück in die Zeit, als die alten Götter noch auf der Erde lebten. Die Bandmitglieder sind archaisch bemalt und starten gleich mit einem ebenfalls archaischen Song, nämlich „Pimäa“. Schon jetzt ist klar, warum die Heathen Crusade eine Co-Headliner-Tour ist. MOONSORROW haben hier eindeutig auch Headliner-Status in der immer heißer werdenden Rockfabrik. Die Fans gehen vom ersten Song an mit und in den vorderen Reihen herrscht Gedränge. Frontmann Ville Sorvali ist wie immer authentisch, egal, ob er singt oder seinen Bass bearbeitet. Seine Mitstreiter stehen dem aber in nichts nach und präsentieren ihre überlangen, epischen Songs so kurzweilig, dass man sich immer wieder besorgt fragt, warum die Zeit so schnell vergeht.

„Are you ready for the older shit?“, fragt Ville irgendwann und die Menge schreit natürlich „Ja!“ Der epische, tanzbare Titelsong vom 2003er „Kivenkantaja“-Album sorgt für eine Bombenstimmung, Bangen und Fäusterecken inklusive. Sogar Mitgrölen ist angesagt. Sprechen hier so viele Finnisch oder haben die das einfach auswendig gelernt? Wir sind beeindruckt, bis heute waren wir schon stolz, dass wir vereinzelte Fetzen wie „Kivenkantaja“ oder „Kuolleiden maa, kuolleiden maa“ beisteuern können. Die haben aber auch lange Wörter, die Finnen! Wir dürfen dann aber plötzlich Englisch singen: Keyboardplayer Marcus Eurén hat Geburtstag und fast die gesamte Rockfabrik schmettert „Happy Birthday“, das geht freudig-bekannt über die Lippen.

MOONSORROW bieten uns ein Kontrastprogramm von drei Songs vom neuen Album und drei ganz alten Epen, da kann jeder mit glücklich werden und das Publikum dankt es mit Begeisterungsstürmen. Egal, ob episch, folkig oder schwarzmetallisch, MOONSORROW nehmen die Metaller in der Rofa mit in den hohen Norden und die Fans danken das mit viel Geschrei und Bewegung im Publikum.

Galerie mit 17 Bildern: Moonsorrow - Heathen Crusade Tour 2018

Setlist MOONSORROW:

Pimeä
Ruttolehto
Suden Tunti
Kivenkantaja
Mimisbrunn
Kuolleiden Maa

 

Um wieder fit zu werden für PRIMORDIAL, gönnen wir uns jetzt einen Cappuccino (ausgezeichnet und lange nicht so teuer wie die Apfelschorle). Da sehen wir mit Entsetzen, dass schon wieder eine stattliche Anzahl Fans das gastliche Haus verlässt. Was soll das? Werden die Metaller immer fauler und gucken nur noch genau die eine Band an, wegen der sie hergekommen sind? Oder müssen sie heutzutage früh ins Heia-Bettchen? Das zieht sich in den letzten Jahren so durch, dass bei der letzten Band des Abends die Bude nicht mehr voll ist.

PRIMORDIAL

Konzertbilder von Primordial auf Heathen Crusade Tour 2018 in Ludwigsburg

Primordial – Heathen Crusade Tour 2018 in Ludwigsburg

Die Iren lassen sich aber von solchen Marotten nicht beeindrucken, sie ziehen einfach ihr Ding durch. PRIMORDIAL machten schon immer eine Doom-Pagan-Ursuppe und wir werden auch heute nicht enttäuscht: Alan „Naihmass Nemtheanga“ Averill erscheint wieder in Fetzen auf der Bühne und sorgt mit theatralischem Gesang und dramatischen Gesten dafür, dass die Zuschauer sich vorne drängen. „Nail Their Tongues“ vom neuen Album „Exile Amongst The Ruins“ geht gleich in die Vollen und gibt die Richtung vor: hart, finster, episch und vor allem keltisch. Alan ist gut bei Stimme. Dabei jammert er nie, er klagt, er klagt an und hat Wutausbrüche. Die Saitenfraktion macht keine große Show, sondern spielt eher versunken, aber extrem tight zusammen. Kein Wunder: Bassist Pól MacAmlaigh und Gitarrist Ciáran MacUiliam spielen seit 31 Jahren zusammen in dieser Band und hauen auch heute immer wieder wunderschöne Doppelläufe raus. Schlagzeuger Simon O’Laoghaire sitzt oft im Nebel und muss akustisch geortet werden und so ist Sänger Alan allein für Show und Dramatik zuständig. Kein Problem für ihn, das Publikum hängt an seinen Lippen. Die Rofa ist vielleicht nicht mehr wirklich voll, die Fans sind aber zu 100 % dabei. Sie schreien mit, lassen ihre Matten kreisen oder recken Fäuste in die Luft.

Mit „Gods To The Godless“ kramen die Kelten einen uralten Klassiker raus, wie immer auf den Punkt. Was mich aber wirklich überrascht, ist, wie großartig sich die Songs von „Exile Amongst The Ruins“ in ein PRIMORDIAL-Set einfügen. Majestätisch, dunkel erheben sie sich von der Bühne und rollen in den Zuschauerraum. Ich habe die CD zu Hause, bin aber noch nicht ganz warm geworden damit. Live sieht das ganz anders aus und Song für Song entfaltet sich hier der majestätische Keltenmetal, alles Elend der Welt (und der Iren) wird greifbar. Speziell „To Hell Or The Hangman“ treibt so grandios nach vorne, dass einem fast die Spucke weg bleibt. Sogar das Intro mit Pferdegetrappel im Countrystil ergibt plötzlich Sinn. Die Gitarristen und der Bassist übertreffen sich selbst im Mittelteil – ganz großes Kino, das könnte der nächste Live-Klassiker werden!

„The Coffin Ships“ erzählt wieder von The Great Famine, gälisch „an Gorta Mór“, der großen irischen Hungersnot: Eine Million Iren verhungerte, zwei Millionen mussten auswandern. Alan lebt das auf der Bühne vor und wir fühlen das Entsetzen am ganzen Leib. Es kommt uns fast so vor, als ginge es um unsere eigenen Vorfahren. Und dann ist es schon wieder Zeit für den letzten Song „Empire Falls“, der PRIMORDIAL und den Fans das Letzte abverlangt. Das erschöpfte Publikum ruft anschließend laut nach Zugaben, die aber nicht kommen. Vielleicht waren das auch schon die Zugaben, richtig klar ist das nicht. Wir sind aber total erschlagen von so viel Elend und machen uns auf den Heimweg. Im Auto lassen wir „Exile Amongst The Ruins“ laufen und es hört sich ganz anders an als vor dem Konzert. Viel besser.

Galerie mit 19 Bildern: Primordial - Heathen Crusade Tour 2018

Setlist PRIMORDIAL

Nail Their Tongues
Gods To The Godless
Exile Amongst The Ruins
No Grave Deep Enough
To Hell Or The Hangman
As Rome Burns
Stolen Years
Golden Spiral
Upon Our Spiritual Deathbed
The Coffin Ships
Empire Falls

06.05.2018

Foto-Team

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