Tons Of Rock 2019
Der große Festivalbericht

Konzertbericht

Billing: Kiss, Def Leppard, Volbeat, Slayer, Dropkick Murphys, In Flames, Behemoth, Wolfmother, Dream Theater, Satyricon, Mayhem, Ulver, Vreid, Kalmah, The Hu, Possessed, Conception, Vltimas, Testament, Carcass, Accept und Djerv
Konzert vom 27.06.2019 | Ekebergsletten, Oslo

Samstag, 29.06.2019

Der Festivaltag beginnt mit CIRCUS MAXIMUS, und die klingen ungefähr so wie ihr Name. Power Metal ist drin, ein wenig Progressive Metal, und insgesamt locken die fünf Musiker aus Oslo schon einige Leute ins Zelt.

Galerie mit 29 Bildern: Impressionen - Tons Of Rock 2019

Zeit für uns, mal über die Bierpreise auf dem Festival zu reden. 84,00 NOK für einen 0,4-Liter-Becher Pils ist für unsere Breiten schon ein gewagter Preis, für norwegische Verhältnisse allerdings nichts Besonderes. Da zahlt man also 8,80 Euro oder 44,00 Euro für einen dieser praktischen Pappträger mit fünf Bechern, und das ohne mit der Wimper zu zucken. Das mit dem Wimpernzucken sehen wir nur einmal, als nämlich bei SLAYER dieser Typ plötzlich losrennt und einen stolzen Besitzer eines dieser Fünferpacks anrempelt. Und schon sind gute 20 Euro über den Boden verteilt … Wer auf diesen Schreck Hunger hat, kauft sich einen Burger; Kostenpunkt: 120,00 NOK (= gute 12 Euro). Kein Wunder, wenn man solch ein Festival abstinent und rank und schlank wieder verlässt.

Gnadenlose Bierpreise, körperbetonte Shows

Die nächste Entscheidung will getroffen werden: OBLITERATION im Zelt oder THE DOGS auf der großen Bühne. Letzteres ist eine Rockband des Allroundkünstlers Kristoffer Schau, die seit 2012 bereits sieben Alben veröffentlicht hat und heute eine körperbetonte Show liefert. Wer ihn kennt, weiß, dass er sich nicht scheut, sich selbst ins größte Getümmel zu stürzen.

Galerie mit 11 Bildern: Dream Theater - Tons Of Rock 2019

Im Zelt machen sich derweil POWERWOLF auf, Norwegen dem Reich der Blutsauger einzuverleiben – und das gelingt den Publikumsreaktionen nach zu urteilen sehr gut. Legendenalarm? Bei DREAM THEATER scheint dieses Etikett angebracht, und die fünf Prog-Metaller liefern auf der Hauptbühne auch eine routinierte Leistung. Allein: Routine und Perfektion ist das eine, wenn aber auf der Videoleinwand hinten auf der Bühne mehr passiert als davor, wird es schwer mit echter Begeisterung. So richtig will der Funke nicht überspringen.

Galerie mit 15 Bildern: Kalmah - Tons Of Rock 2019

Nicht viel los vor der kleinen Scream Stage, als die finnischen Swamplords KALMAH auf die Bühne kommen. Aber die Anwesenden haben ihren Spaß, initiieren schnell einen Circle Pit, moshen, toben umher. Und langsam wird das Zelt auch voller. Zu recht, denn der Melodic Death Metal der fünf Mannen aus dem hohen Norden ist nicht nur gekonnt dargeboten, sondern auch verdammt eingängig. Und nicht zuletzt die Brüder und Gitarristen Antti und Pekka Kokko sind zusammen eine Schau: Sie posen zusammen, grinsen sich dabei verschwörerisch an, so wie es eben nur Brüder tun. Bei einem Song setzt sich wiederum die gesamte Band auf den Absatz des Drumkits und spielt los. Das ist nicht zuletzt witzig anzusehen, und die Band grinst sich gegenseitig an. Wer also da war, wurde bestens unterhalten.

Gitarrensoli, Aushilfsgitarristen und die Sache mit dem Dildo

Während die Lokalmatadoren OSLO ESS im Zelt auf der Vampire Stage spielen, kommen auf der größeren Scream Stage die Bay-Area-Thrasher TESTAMENT zum Zug: Mit gewohnt starker Songauswahl und einer ganzen Reihe Klassikern, von „The New Order“ über „Over The Wall“ bis hin zu „Into the Pit“ ist einiges dabei.

Galerie mit 23 Bildern: Testament - Tons Of Rock 2019

Und natürlich mit starken Gitarrensoli des Sechssaiter-Duos Eric Petersen und Alex Skolnick. Wer allerdings genau hinguckt, merkt, dass der Fünfer ein bisschen müde wirkt. Trotzdem: Ein gelungener Auftritt. Fun Fact: Der Mikrofonhalter von Chuck Billy wird bei den Kollegen der englischsprachigen Presse liebevoll als Dildo bezeichnet. Wir würden das selbstverständlich niemals tun. Ehrenwort.

Galerie mit 19 Bildern: In Flames - Tons Of Rock 2019

Danach ist Zeit für die schwedische Alternative-Metal-Band IN FLAMES. Zwinkerzwinker. Die Schweden – beziehungsweise ist durch die Hinzunahme von Chris Broderick als zweiter Gitarrist mittlerweile die halbe Band amerikanisch – haben den Bühnenrand über die gesamte Breite mit einem Metallgitterpodest erhöht. Blöd nur, wenn lediglich Sänger Anders Fridén ab und zu emporsteigt, die anderen Musiker jedoch dahinter bleiben und für den gemeinen Zuschauer hüftabwärts unsichtbar sind. Vielleicht soll das ja auch ein Spezialeffekt sein. Den Fans ist das allerdings auch egal, denn die feiern sowohl die neueren Songs als auch die älteren Stücke ab, die es ins Programm geschafft haben: „Pinball Map“ und „Colony“ gehören dazu, aber auch „Cloud Connected“.

Galerie mit 22 Bildern: Carcass - Tons Of Rock 2019

Old schooliger wird es bei CARCASS: Die haben ja mittlerweile mit dem Lockenkopf Tom Draper einen neuen zweiten Leadgitarristen, und der trägt wie Bill Steer Hosen mit Schlag. Das mag ein Auswahlkriterium gewesen sein, aber letztlich überzeugt der Bursche dann doch eher durch sein Spiel, seine Posen, seine Bühnenpräsenz. Die hat Frontmann Jeff Walker ganz sicher, wenn er beispielsweise die angewidertsten Grimassen schneidet. Ansonsten bieten die Briten einen gelungenen Querschnitt durch ihre Diskographie und werden vom Publikum zurecht gefeiert.

Stadionrock hat einen Namen: DEF LEPPARD

Wenn es eine Band gibt, die für den Begriff Stadionrock steht, dann doch wohl die Briten DEF LEPPARD. Was nicht viel mehr bedeutet, als dass der Fünfer Songs spielen, die am besten im gut gefüllten Zuschauerrund mitgesungen werden können, und dass er die Größe der Bühne voll ausnutzt. Frontmann Joe Elliot lässt dabei keine Pose aus – Hand hinters Ohr, Fingerzeig in die Luft, breitbeinige Victory-Pose (bitte frei ergänzen). An seinem Mikroständer weht derweil ein langes Tuch im Wind (der Ventilatoren). Optisch machen die Jungs aus Sheffield jedenfalls einiges her. So auch Gitarrist Phil Collen mit nacktem und öl/schweißglänzendem Oberkörper und Vivian Campbell, der dauergrinst und dabei so unglaublich sympathisch rüberkommt.

Galerie mit 26 Bildern: Def Leppard - Tons Of Rock 2019

Im Hintergrund flackern derweil über die überdimensionale LED-Wand Szenen passend zur Musik. Die lässt keine Hits aus, die auf die Titel „Rocket“, „Animal“ oder „Pour Some Sugar On Me“ hören und vom Publikum mitgesungen und bejubelt werden. Da fallen die wenigen „neueren“ Songs auch nicht so stark ins Gewicht, die vielleicht nicht ganz die Prägnanz der genannten Stücke haben. Insgesamt ist DEF LEPPARD also ein souveräner Headliner und ein gelungener Abschluss des Tons Of Rock 2019.

Apropos Abschluss: Da das Ende um 23:00 Uhr vielleicht doch ein wenig zu hart erscheint, gibt es an jedem Abend im Rockefeller eine After-Show-Party. Bei guter Musik: Am letzten Abend legt beispielsweise Steingrim von VREID auf, der den Wunsch seiner Kumpel ignoriert, doch bitteschön SCOOTER aufzulegen und statt dessen Metalhits spielt. Der einzige Makel: Wo ist denn bitteschön die Tanzfläche, wenn sie gebraucht wird?

Kein SCOOTER, trotzdem positives Fazit

Was bleibt? Das Festival hat durch den Umzug ein Stück weit sein Gesicht verändert, aber in den entscheidenden Punkten eben nicht. Statt auf das Gelände um die Festung in Halden gibt es jetzt eben das Gelände der Ekebergsletta, das aber ebener und weiträumiger ist. Es fühlt sich alles großzügig an, angenehm unaufgeregt, und das, obwohl mit KISS und DEF LEPPARD nicht gerade kleine Band spielten.

Dieser Schrei kommt nicht von Munch: Festivalbesucher im Mini-Twister.

Die Preise haben es norwegentypisch in sich, aber dafür bekommen wir ein für die Besucher perfekt organisiertes Open Air mit freundlichen Mitarbeitern und netten Fans. Und mit bewundernswert wenig Müll: Das Thema hatten wir ja bereits letztes Jahr angesprochen, und da hat sich glücklicherweise nichts geändert. Davon könnten sich andere Festivals eine Scheibe abschneiden.

Um das frühe Festivalende an jedem Tag um 23:00 Uhr zu kompensieren, haben sich die Veranstalter auch einiges ausgedacht: After-Show-Party und Konzert in der Oper sind nur einige Punkte, die neu dazu gekommen sind. Uns hat es jedenfalls auch in Oslo gefallen, und so bleibt uns nur eins zu sagen: Wir kommen wieder!

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24.07.2019

- Dreaming in Red -

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