Avatarium - The Fire I Long For

Review

Soundcheck November 2019# 10 Galerie mit 21 Bildern: Avatarium - Rockharz 2018

Nach den beiden hervorragenden ersten Alben, bildete „Hurricanes And Halos“ einen Umbruch, sowohl im Bandgefüge als auch im Songwriting von AVATARIUM. Leif Edling (u.a. CANDLEMASS) stieg mehr oder weniger aus und das Ehepaar Jennie-Ann Smith und Marcus Jidell steuerten mehr Songs bei. Vor allem letzterer hatte als Produzent natürlich einen sehr großen Anteil am gesamten Klangbild. So bewegte man sich ein wenig weg vom Doom, hin zu „Doomy Psychedelic Folk Rock“, wie es Jidell im Interview bezeichnete. Wird sich dieser Trend nun auch auf „The Fire I Long For“ weiter fortsetzen?

AVATARIUM – Sound kann vom Start weg überzeugen

Wow! Was wirklich vom Start weg überzeugen kann, ist der unglaublich warme, absolut natürliche Sound. Darin waren AVATARIUM zwar schon immer stark, aber hier bewegt sich Marcus Jidell nun auch als Produzent nah an der Perfektion. Wahnsinn, wie die Bassdrum aus dem Subwoofer pumpt, ohne dabei negativ im Vordergrund zu stehen.

Mit „Voices“ hat die Band letztlich auch den idealen Opener gefunden, auch wenn es sich dabei um einen der unspektakuläreren Songs der Scheibe handelt. Dafür fasst er aber den bisherigen Wandel der Formation sehr gelungen zusammen: Der Doom ist deutlich heraushörbar, während der etwas psychedelischere „neue Stil“ dennoch allzeit präsent ist.

„Rubicon“ dürfte als erste Vorab-Single allen Interessierten bereits bekannt sein. Besonders deutlich wird hier auch der US-Einfluss, der sich durch die meisten der Songs zieht und hier ganz besonders durch einen leichten Gospel-Touch deutlich wird. Mit seinem grandiosen Refrain hat „Rubicon“ etwas hymnenhaftes, Jennie-Ann thront mit ihrem Gesang ohnehin erneut über allem. Nicht minder stark kommt das ruhige „Lay Me Down“ daher, in dem eine ordentliche Portion Country und Western mitschwingt. Letztlich kann man gar nicht beschreiben, warum diese Nummer so wahnsinnig unter die Haut geht, das muss man einfach selbst gehört haben. Extrem stark!

In „Shake That Demon“ ist der Name Programm und die Schweden beweisen, dass es durchaus möglich ist, eine Up-Tempo-Rock-n-Roll-Nummer so zu gestalten, dass immer noch eine Menge BLACK SABBATH durchscheint. Eine gelungene Verknüpfung von Düsternis und tanzbarer Mucke. Während „Great Beyond“ solide, aber nicht unbedingt großartig ist – bei dem hohen Niveau fällt tatsächlich sogar ein solcher, eigentlich hochklassiger Song leicht ab – werden im Titel-Track wieder alle Register gezogen.

Fast schon bombastisch, klingt „The Fire I Long For“ enorm cineastisch, vor allem zu dem ein oder anderen Tarantino-Streifen könnte der Song perfekt passen. Die traurigen Gitarren irgendwo zwischen Nick Cave und Leonard Cohen täuschen erst ein wenig darüber hinweg, wohin die Reise eigentlich gehen soll, bis sich der Song zum Refrain hin öffnet und erneut für Gänsehaut sorgt.

Gemeinsam mit „Porcellain Skull“ zeigt die typische Leif-Edling-Nummer „Epitaph Of Heroes“ ein gewisses Dilemma von AVATARIUM: Jidell und Smith haben mittlerweile einfach die stärkeren, variableren Songs am Start, die viel eher in der Lage sind, den Sound der Band im Jahr 2019 zu definieren. Der Altmeister, der nach wie vor als Berater im Studio und Lieferant einiger Songs zur Verfügung steht, tritt hingegen ein wenig auf der Stelle, man hat häufig den Eindruck vieles davon bereits gehört zu haben.

Mit der Ballade „Stars They Move“, die ein wenig an „Lady In The Lamp“ vom Debüt erinnert, endet das Album gefühlvoll und erneut denkt man unweigerlich an Film-Soundtracks, wobei vor allem das Ende fast schon zu einem James-Bond-Streifen passen könnte.

Perfekte Mischung aus Alt und Neu – „The Fire I Long For“

Wer nach dem letzten Album befürchtet hat, AVATARIUM würden sich gänzlich dem Psychedelic Rock verschreiben und dem Doom endgültig den Rücken kehren, den dürfte „The Fire I Long For“ in jedem Fall beruhigen können. Neben den immer noch vorhandenen Doom-Riffs zieht sich wieder eine düstere Grundstimmung durch praktisch alle Songs. Während „Hurricanes And Halos“ einen Umbruch darstellte, ist dieses Album nun die gelungene Mischung aus Alt und Neu.

AVATARIUM haben ihren Sound endgültig gefunden und sind dabei ihn zu perfektionieren. Viel fehlt dazu auch nicht mehr. Langsam muss man sich wirklich fragen, wo die eigentlich noch hin wollen, zumal die Band bislang noch kein einziges schwaches Album herausgebracht hat. Warum dann trotzdem keine zehn Punkte? Die beiden Edling-Nummern wirken ein wenig wie Fremdkörper, ohne allerdings qualitativ wirklich schlecht zu sein und „Great Beyond“ kann mit den Highlights nicht ganz mithalten. Aber wie auch schon die Kollegin Becker kann auch ich nur sagen: Das ist Meckern auf hohem Niveau. Okay, auf GANZ hohem Niveau!

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13.11.2019

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