



Einer Sache kann man sich auch bei “Lifeblood” sicher sein: Es klingt wie ein EINHERJER-Album. Das liegt nicht nur daran, dass die Norweger diesmal eine Reflexion über Zugehörigkeit, Herkunft und Wurzeln in den Mittelpunkt stellen. So gesehen handelten ja alle Alben von der nordischen Mythologie, Wikigertraditionen und norwegischer Geschichte, und damit stehen die Norweger auch bei Album Nummer zehn wieder in ihrer eigenen Tradition.
Reflexion über Zugehörigkeit, Herkunft und Wurzeln
Gleichzeitig haben die vier Musiker aus Stavanger ihren Viking Metal schon immer sehr breit abgesteckt: Zwar keine schwarzmetallische Raserei wie ihre Landsleute ENSLAVED (und auch nicht deren progressiven Eskapaden), dafür melodischen, stampfenden und grimmigen Viking Metal, der gleichzeitig zupackend und geschickt inszeniert ist und von der Band sehr breit interpretiert wird. EINHERJER gehen also mal einen Schritt nach vorn, drehen sich dann nach rechts, wenden sich um, und dennoch bewegen sie sich immer auf ihrem ureigenen Terrain.
“Lifeblood” beginnt denkbar eingängig: Der Opener “Bloodborn” startet mit einem Chor, der energisch wie eine Sirene sofort ins Ohr geht und dort auch nicht mehr verschwindet. Der Song verbindet mitreißendes Uptempo mit stampfendem Midtempo, bei dem sich die Faust ganz von alleine zur Anfeuerung reckt. Kurzum: Ein gelungener Auftakt, live eine sichere Bank und der Song mit dem größten Hitpotential auf dem Album.
… die Faust zur Anfeuerung gereckt
Danach bewegen sich die Norweger in verschiedenen Feldern ihrer heimischen (musikalischen) Scholle: “At The Threshold’s End” geht rockig und auch zupackend nach vorne, “Gone” setzt eher auf hymnenhaftige Melancholie und “Malstrøm” vertont den zehnten Tag Windstille auf hoher See (und noch immer ist kein Land in Sicht). “Dei Då Ser” wiederum beginnt mit Akustikgitarren und dem sanften Klargesang (aus der Kehle von Rhythmusgitarrist Tom Enge, der das ansonsten grimmige Krächzen von Frontmann Frode Glesnes kompetent ergänzt) und entwickelt sich zu einer Art Powerballade, die EINHERJER ebenfalls gut zu Gesicht steht.
“Arr For Arr” klingt hingegen wieder grimmiger und wechselt mit seinen angezerrten Gitarren fließend zwischen Powerakkorden und den für EINHERJER so typischen Melodien. Ein feiner Song, der so auch auf dem Debüt “Dragons Of The North” hätte stehen können. Dagegen überzeugen “Saltworn Runes” und der überlange “The Eternal North” eher stückweise: hier durch das Gitarrensolo (Lead-Gitarrist Ole Sønstabø hat einfach ein gutes Gespür für Melodien und Harmonien), dort durch den mal flowigen, mal stampfenden Rhythmus – was ja eine Spezialität von Drummer Gerhard Storesund ist.
EINHERJER bleiben sich auf „Lifeblood“ treu
EINHERJER bleiben sich also auch auf Album Nummer zehn wieder treu: Seine Herkunft kann “Lifeblood” jedenfalls nicht verleugnen. Nach dem eingängigen und mitreißenden Auftakt lassen es die Norweger allerdings immer mal wieder gemächlicher, balladiger und epischer angehen. Das ist weitgehend stimmig, nur manchmal wünscht man sich eine etwas zupackendere Herangehensweise. Andererseits: Ein Album muss ja nicht immer ein Hitfeuerwerk sein, um letztlich doch zu überzeugen.

Einherjer - Lifeblood
Eckart Maronde






























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