Pink Floyd
Nick Mason "Inside Out" - Mein persönliches Porträt von PINK FLOYD

Special

Pink Floyd

Es ist sehr bezeichnend für den Charakter der Band PINK FLOYD, dass die erste von einem Bandmitglied geschriebene Biografie ausgerechnet von Nick Mason stammt – dem einzigen ständigen Mitglied in der über 45 Jahre währenden Geschichte der Band, dem unauffälligen, ausgeglichenen und skeptischen Schlagzeuger. Wie alles, was PINK FLOYD in all den Jahren ihrer einigermaßen beispiellosen Karriere getan und veröffentlicht haben, ist auch „Inside Out“ ein wohlüberlegtes und von Sinn für die Kunst durchdrungenes Dokument. Das hat Vor-, aber auch ein paar Nachteile.

Auffällig an dieser Biografie ist zunächst: man könnte einen Ochsen damit erschlagen. Ganz im Gegensatz zu vielen Low-Budget-Drucken ist diese Version von „Inside Out“ ein Hardcoverbuch (eine Taschenbuchedition ist ebenfalls erhältlich) von beachtlichem Gewicht und großem Format, und das nicht nur auf das Papier bezogen. Das Umschlagdesign, das der Hausgrafiker der Band, Storm Thorgerson, lieferte, ist voller Anspielungen auf die Bandgeschichte und macht das Buch auch von der Rückseite zu einem echten Hingucker. Über 300 größtenteils unveröffentlichte und sehr hübsche Fotos illustrieren einen Text, in dem Nick Mason den Schleier des Mysteriums um PINK FLOYD zumindest um ein paar Zentimeter lüftet. Was man darunter erahnen kann ist: alle der Band zugeschriebenen Skandale, die persönlichen Animositäten der Mitglieder untereinander, die Legenden um die Entstehung eines Albums wie „Dark Side Of The Moon“ sind zumeist eben, was sie sind: Geschichten, halb so schlimme noch dazu. Dabei kommt dem Autor seine offenbar angeborene Sentimentalität zugute: „Inside Out“ ist keine Abrechnung mit der Vergangenheit, sondern ganz offensichtlich ein von Harmoniebedürfnis und stoischem Überblick vom Drumsessel geprägtes Buch. Die unerwartete Reunion der Band für ein Live-8-Konzerte 2005 kam dem Happy-End-Charakter Mason also mehr als recht.

Nick Mason, der Syd Barrett, Roger Waters, Rick Wright und David Gilmour vermutlich besser kennt als deren eigene Großmütter, macht zwar keinen Bogen um die mitunter schwierigen Charaktere und ihre Darstellung. In seinem klaren, geordneten und von einem feinen, subtilen englischen Humor getragenen Schreibstil sind PINK FLOYD aber immer noch Menschen, erstaunlich bodenständige sogar. Das macht das Buch und seinen gesamten textlichen Inhalt aber auch unaufregend. Mitunter wirkt Masons gemächlicher Gang durch die Jahrzehnte fast, als würde er ihn am Strand einer Karibikinsel, umgeben von seinen Enkeln und einem Haufen leerer Cocktailgläser, dösend in sein Diktiergerät sprechen. „Inside Out“ ist ein Rückblick auf eine Bandkarriere, die von harter, kontinuierlicher Arbeit geprägt wurde und in der nicht viel Platz für Mystik und Rock ’n‘ Roll ist. Ein Rückblick von der Sonnenseite – das heißt aber auch, dass die positiven Aspekte überwiegen und sich das Buch liest, wie sich eine Hängematte anfühlt. Von Drogen, Sex und Dekadenz ist hier (bis auf Masons Vorliebe für teure Sportwagen) nichts zu lesen. Ich gehe aber auch davon aus, dass PINK FLOYD-Fans im Gegensatz zu ihren LED ZEPPELIN verehrenden Kumpels eher auf Rotwein, Sofaabende und (Spar-)Büchern mit Gehalt stehen. „Inside Out“ ist ein teures, aber auch sehr hochwertiges, überaus schickes und durchaus unterhaltsames Buch für genau die Menschen, für die Rock keine Lebenseinstellung, sondern ein Beruf ist.

22.03.2009

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