Pink Floyd - Ummagumma (Re-Release)

Review

Zu Beginn ihrer Karriere waren die Briten PINK FLOYD alles andere als berechenbar. Zwischen dem bahnbrechenden Debüt “The Piper At The Gates Of Dawn” und dem Nachfolger “A Saucerful O f Secrets” lagen bereits Welten. Mit dem vierten Album „Ummagumma“ schwammen sich PINK FLOYD dann komplett vom Einfluss ihres ehemaligen Frontmanns Syd Barrett frei. Die Art und Weise wie das geschehen ist, wird im Folgenden erörtert. “Ummagumma” jedenfalls kommt, wie die Vorgänger auch, als qualitativ hochwertiges, schwarzes 180 Gramm Vinyl in die Regale der Läden.

Zwei Seiten einer Medaille

“Ummagumma” geht dabei einen sehr eigenen Weg. Die Doppel-LP ist in Live- und Studioaufnahmen unterteilt. Die Liveaufnahmen kommen sehr intensiv daher und haben auch satte 47 Jahre nach der ersten Veröffentlichung nichts von ihrer Intensität verloren. “Astronomy Domine” und “Set The Controls For The Heart Of The Sun” sind in diesen Versionen unschlagbar. Eine solche Atmosphäre zu kreieren wie PINK FLOYD es hier tun, schaffen nur ganz wenige Bands. Auch “A Saucerful Of Secrets” und “Careful With That Axe, Eugene” können auf ganzer Linie überzeugen. Die vier Stücke genießen auch heute und in diesen Versionen Klassikerstatus. Nicht auszudenken, was den Fans verwehrt geblieben wäre, wenn die Band weiter an dem schwer drogensüchtigen Syd Barrett (der nur selten in der Lage war Konzerte zu spielen) festgehalten hätte. Freuen wir uns an dieser Stelle lieber, dass es diese vier Liveversionen auf eine offizielle LP der Band geschafft haben. Sollte man kennen.

Mit der zweiten Hälfte kommt das Chaos

Natürlich völlig übertrieben reißerisch formuliert diese Überschrift, schießt sie aber dennoch nicht so wirklich über das Ziel hinaus. Denn was Keyboarder Richard Wright dem Hörer mit seinem etwas über 13 Minuten langen “Sysyphus” anbietet, ist für den Mainstream-Konsumenten nur schwer erträglich. Wright arbeitet mit vielen Dissonanzen und einem Songaufbau, der nicht gerade Massenkompatibel geraten ist. Auch seine Kollegen Roger Waters und Nick Mason gehen auf “Ummagumma” sehr eigene Wege, die man vielleicht am besten mit dem Begriff avantgardistisch umschreibt. Waters setzt beispielsweise gänzlich auf Soundcollagen mit wenig ‘richtiger’ Musik. Drei von vier Bandmitgliedern zelebrieren auf dem vierten Album von PINK FLOYD die absolute musikalische Freiheit ohne Rücksichtnahme auf irgendwelche Standards oder Konventionen. Einzig David Gilmour geht mit “The Narrow Way” zurück in psychedelische Gefilde und kreiert so das eingängigste Stück der Studioaufnahmen von “Ummagumma”. Musikalisch steht Gilmour natürlich nicht schlechter da als seine Kollegen. Nichtsdestotrotz ist die zweite LP von “Ummagumma” ein schwer verdaulicher Brocken, der dem Hörer volle Konzentration abverlangt (“Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict” verleitet durch einige Sequenzen schon dazu abzuschweifen), andererseits aber auch durch die totale künstlerische Freiheit der Musiker zu gefallen weiß.

Fazit

“Ummagumma” stellt also ein Gesamtkunstwerk dar, das aus unzähligen Facetten besteht und nur in seinem ersten Teil (die Liveaufnahmen) als konventionelles Rockalbum zu verstehen ist. PINK FLOYD zeigen hier, welch gute Liveband sie sind. Dementgegen zeigt die zweite LP die vier verschiedenen Charaktere der Band, sowie deren unterschiedlicher Herangehensweise an die Musik. Ohne Zweifel ist “Ummagumma” ein interessantes Album, das die beiden Seiten von PINK FLOYD (künstlerischer Anspruch/die Fähigkeit wunderbare Rocksongs zu schreiben) auf zwei LPs verknüpft.

03.07.2016

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