Apoptygma Berzerk - Rocket Science

Review

Galerie mit 13 Bildern: Apoptygma Berzerk - M'era Luna 2015

Da ist es also, das neue Album von APOPTYGMA BERZERK. Es wurde schon viel geschrieben, über den Wandel dieser Band und alle, die diese Entwicklung verfolgt haben bzw. verfolgen mussten, wissen was ich meine: Aus einer kultigen und einflussreichen Elektro-/EBM-Band ist in den vergangenen Jahren eine austauschbare (Elektro)-Rockband geworden, die sich dem Kommerz verschrieben hat und inzwischen als unschlagbarer Hit-Tipp bei PRO7 & Konsorten gepushed wird. Videos kann man auf den Klingeltonsendern VIVA & MTV auch regelmäßig bewundern und den Anhängern aus der guten alten Zeit wird ganz übel, wenn man Stephan Groth und seine Mannen dabei beobachten muss. Dass jedes Video eigentlich mehr oder weniger identisch ist und die Band in den ewig gleichen Rockposen-/situationen zeigt, dürfte der Klingelton-Zielgruppe eh nicht auffallen und mit Sicherheit auch zur Kommerzialisierungstaktik von Band und Label zählen. So war auch die Vorabsingle „Apollo (Live on your TV)“ sowohl optisch als auch musikalisch eine zwar plump-eingängige, jedoch wenig innovative Kopie von „In this together“.

Für das Album ließ dies nichts Gutes erwarten, sondern eher eine konsequente Festigung des neuen Stils von APOPTYGMA BERZERK in der massentauglichen Pop/Rock-Szene. Gehört man dieser an, kann man mit „Rocket Science“ eventuell sogar einiges anfangen, gehört man jedoch zur alten Elektrogarde, ist das alles eine überwiegend traurige Angelegenheit. Der Beginn der Scheibe macht noch ein wenig Hoffnung, da der Opener „Weight Of The World“ mit viel Wohlwollen Erinnerungen an alte Tage aufkommen lässt, wenn man sich vorstellt, wie dieser Song ohne diese leidigen Gitarren klingen könnte. Mit der Single „Apollo“ sowie „Asleep Or Awake“ geht es dann sehr eingängig weiter und Stephan Groth & Co. präsentieren sich hier von ihrer gnadenlos-kommerziellen radio- und fernsehkompatiblen Seite. „Incompatible“ ist dann das vielleicht traurigste Beispiel der Entwicklung von APOPTYGMA BERZERK und der Titel ist in dem Sinn Programm, dass er ein ernüchternder Beweis dafür ist, wie „inkompatibel“ Gitarren und Elektro und dementsprechend auch die „alten“ und die „neuen“ APB doch sind. Völlig versaut durch stupides Gitarrengeschrammel kann man bei genauem Hinhören im Refrain Feinheiten entdecken, wie man sie von Stephan Groth vor einigen Jahren noch gewohnt war – anno 2009 ist „Incompatibe“ aber leider nur noch Ausdruck einer Fehlentwicklung.

Kann man den ersten Songs bei extrem guter Laune und genauem Hinhören somit noch vereinzelt etwas abgewinnen, geht es danach dann allerdings rapide bergab in die Abgründe des kommerziellen 08/15-Rock. Was APOPTYGMA BERZERK im weiteren Verlauf abliefern, ist schlicht und ergreifend eine Bankrotterklärung. Sieht man einmal vom noch recht ordentlichen „Shadow“ ab, verlieren sich die restlichen Songs in einer grenzenlosen Belanglosigkeit. Songs wie „Green Queen“, „State Of Your Heart“ oder „Pitch Black/Heat Death“ sind nicht nur durch die grauenvollen Gitarren, sondern auch von ihrer Qualität her ein Schlag ins Gesicht. Verzweifelt möchte man APOPTYGMA BERZERK zurufen:“Ihr seid keine Rockband! Lasst es bleiben! Ihr macht alles nur noch schlimmer!“. Doch dafür ist es zu spät, denn Stephan Groth hat sich entschlossen, diesen Weg zu gehen. Mainstream, Kommerz, Videos, Tokio Hotel für Ältere, kantenloser Pop/Rock – das sind die Dinge, für die APOPTYGMA BERZERK nun stehen. Neue Fans werden dazukommen, die alten werden sich enttäuscht abdrehen, sofern sie dies nicht schon längst getan haben. Eine Umkehr ist definitiv nicht mehr möglich und „die“ APOPTYGMA BERZERK, die es einst gab, wird es nie mehr geben.

Klingt wie eine Grabrede – soll es auch…

APOPTYGMA BERZERK – R.I.P.

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03.02.2009

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4 Kommentare zu Apoptygma Berzerk - Rocket Science

  1. chr1s sagt:

    So, und nun musst du nur noch das Tellerchen vom Tisch schieben, das Glas umkippen und mit dem Fuß auf den Boden stampfen und weinend in dein Zimmer rennen. Ich weiß nicht, aber ich komm sowohl mit den Ur-Apop, den Techno-Apop und den rockig-klebrig-kommerziellen Apop klar.

    9/10
  2. kingrandy sagt:

    Drei Punkte hierfür und fünf für die sterbenslangweilige Blue October UK-Platte? Kann nicht Dein Ernst sein…

    5/10
  3. kingrandy sagt:

    Oops, sollten acht, nicht fünf Punkte bei mir sein…

    8/10
  4. Anonymous sagt:

    Sehr passendes Review zum Schwanengesang einer einstmals grandiosen Band. Die "neuen" APOPTYGMA braucht leider echt kein Mensch mehr…

    3/10