Borknagar - True North

Review

Soundcheck September 2019# 6 Galerie mit 20 Bildern: Borknagar - Winter Thrice Tour 2016

Mit „Winter Thrice“ gelang BORKNAGAR vor drei Jahren eine erstaunliche Überraschung. Nachdem die Band mit den Alben „Universal“ und „Urd“ auf einem hohen Niveau förmlich erstarrt und somit auch unspektakulär erschien, veröffentlichten die Norweger ein Album, das von vielen Fans als bislang bestes ihrer, an Höhepunkten ohnehin nicht armen, Karriere angesehen wurde.

Umso mehr wurde aufgehorcht, als „True North“ angekündigt wurde, zumal sich seit dem vergangenen Album einiges im Line-Up der Band getan hat. Der Schwede Vintersorg verließ nach fast zwanzig Jahren den Platz am Mikrofon, wodurch der Gesang von ICS Vortex mehr Raum einnimmt. Auf „Urd“ und „Winter Thrice“ hatten sich die beiden Sänger noch die Vocals mit Keyboarder Lars Nedland geteilt. Ebenso verließ der langjährige Gitarrist Jens F. Ryland die Band. An seine Stelle trat Jostein Thomassen, der gemeinsam mit Bjørn Rønnow bei PROFANE BURIAL aktiv ist, der wiederum Baard Kolstad am Schlagzeug ersetzte. Neben ICS Vortex, der auch den Bass bedient, verblieben somit nur Bandkopf Oystein G. Brun an der Gitarre und Lars Nedland am Keyboard in der Band.

Neues Line-Up, neuer Sound?

Einen ganz neuen Sound sollten Fans deswegen aber nicht erwarten oder gar befürchten. Denn „True North“ knüpft an den Sound und Stil von „Winter Thrice“ an, glänzt durch das Zusammenspiel von Gitarre und Keyboard, wodurch ein voller, warmer Klang entsteht. Darüber legen sich die Stimmen von Vortex und Nedland, die einander ähneln, aber doch klar zu unterscheiden sind und sich harmonisch ergänzen. In diesem Punkt sei der Vergleich zu ALICE IN CHAINS gestattet, bei denen die beiden Sänger ebenfalls in gemeinsamer Arbeit ein dichtes Stimmbild erschaffen, auch wenn die BORKNAGAR freilich ein anderes Genre bedienen und immer wieder Black-Metal-Schreie einsetzen.

Aber um welches Genre handelt es sich denn bei „True North“ überhaupt? So richtig Black Metal waren BORKNAGAR eigentlich nur auf ihrem ersten Album. Danach wurde es, inspiriert von ULVER, ENSLAVED und nicht zuletzt VINTERSORG, immer progressiver und avantgardistischer, wie es damals hieß. Die Aura des Verträumten, beinahe schon Mystischen, welche die ersten drei Alben auszeichnete, ging trotz hoch bleibender Qualität verloren. Auf Urd deutete sich ihre Rückkehr an und schien mit „Winter Thrice“ vollendet. „True North“ setzt aber noch einmal einen drauf und überschüttet den Zuhörer mit einer unfassbar dichten Atmosphäre und detailverliebten Arrangements.

BORKNAGAR brechen in den wahren Norden auf

Gestaltet sich der Einstieg mit „Thunderous“ noch etwas unvermittelt und dadurch distanziert, baut das Album schnell eine mitreißende Sogwirkung auf. Bald entdeckt man am Rand des Weges Streichinstrumente, flächige Chöre, harmonische Keyboardläufe – alles perfekt produziert und mit einem ganzheitlichen Sound. Jens Bogren, der bereits „Urd“, „Winter Thrice“ und auch die aktuelle Platte von AMORPHIS veredelte, hat ganze Arbeit dabei geleistet, den von Oystein G. Brun vorproduzierten Songs im Mastering den letzten Schliff zu geben.

Was BORKNAGAR ausmacht, auf „True North“ wird es zusammengefasst. Das Album ist wie eine Reise durch die Bandgeschichte und in diesem Punkt sogar etwas abwechslungsreicher, ja: bunter, als der ohnehin schon beeindruckende Vorgänger „Winter Thrice“. Ein Song wie „Up North“ kommt ganz ohne Brutalität aus, wird von Vortex klarer Stimme, beschwingten Keyboardklängen und melodischen Gitarren in sehnsüchtig vermisste nördliche Gefilde getragen. Auch „Wild Father’s Heart“ bleibt ruhig und entspannt, lässt den Zuhörer in die unerforschten Tiefen der Natur und auch der eigenen Seele eintauchen.

„True North“ – ein Ort oder ein Traum?

Es sind vor allem die drei Songs „Mount Rapture“, „Into The White“ und „Tidal“, die Erinnerungen an das zweite Album „The Olden Domain“ aufkommen lassen, dabei aber auch etwas Neues schaffen. Es wird deutlich, dass bei BORKNAGAR stets auch die Vergangenheit, der bisher zurückgelegte Weg, mitschwingt, letztlich sich aber immer der Wunsch nach Kreativität durchsetzt.

Dieses Verlangen drückt sich auch in den Texten aus. Letztlich geht es auf „True North“ fast immer darum, dass wir eines Tages Futter für die Würmer, die Flammen oder die Wellen sind. Dies ist jedoch nicht das Ende, sondern Teil eines größeren Kreislaufs. Mensch und Natur, die oft einander gegenübergestellt werden, sind in der Welt von BORKNAGAR eins. Diese Welt ist ein Sehnsuchtsort, imaginiert, aber nicht fiktiv, weit oben im Norden, „Up North“. Im Tod überwindet der Mensch die Schranken zwischen ihm und der Natur, zersetzt sich, wird dabei aber wieder ganz.

Mensch und Natur vereinen sich im Tod

So schließt das Album entsprechend mit dem tieftraurigen aber auch wunderschönen „Voices“. Wenn die Stimmen erst einmal verstummt sind, dann schwinden auch die fesselnden Ketten, heißt es dort im Text. Wenn das Atmen endet, dann ist die Freiheit endlich erreicht. Der wahre Norden, der „True North“ in all seiner natürlichen Pracht, erscheint somit als Reich des Todes, aber auch der Befreiung und Heimkehr, schließlich der Vervollständigung.

Auch „True North“ fühlt sich vollständig, abgeschlossen und rund an. Merkte man bei „Winter Thrice“ noch verschiedene Einflüsse beim Songwriting von Brun, Nedland und Vintersorg, wirkt das neue Album mehr wie aus einem Guss. Zu sagen, dass es makellos wäre, wäre übertrieben. Schließlich lernen wir beim Hören, dass dies mit den Ketten des Menschseins ohnehin nicht möglich wäre. Was allerdings alles möglich ist, das schaffen BORKNAGAR mit diesem Album – und der Zuhörer schöpft aus dem Vollen.

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21.09.2019

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55 Kommentare zu Borknagar - True North

  1. nili68 sagt:

    Das klingt extrem geil und das Video ist auch top!!

    >Letztlich geht es auf „True North“ fast immer darum, dass wir eines Tages Futter für die Würmer, die Flammen oder die Wellen sind. Dies ist jedoch nicht das Ende, sondern Teil eines größeren Kreislaufs.<

    Der erste Teil ist korrekt, der größere Kreislauf jedoch ist für das Individuum irrelevant, da "die Natur" kein Bewußtsein" besitzt. Das ist Eso-Blödsinn..

    1. BlackNumber2 sagt:

      @nili68
      Aha, die Natur hat also kein Bewusstsein.
      Aber du schon oder?
      Zu was zählst du dich dann?

      10/10
      1. nili68 sagt:

        Ich hab‘ Natur absichtlich in Anführungszeichen gesetzt und ansonsten.. Kontext.
        ..oder um mal poetisch zu werden: Wenn mir nach meinem Tod aus meinem kalten Arsch ’ne Rose wächst und das mit größerer Kreislauf gemeint ist, ist mir das herzlich egal..

  2. L@THERIVERFLOW sagt:

    😂😂😂😂😂😂 Der Nili wird mir immer sympathischer

    1. nili68 sagt:

      Jo, da hab‘ ich mich selbst übertroffen. lol

      So richtig Black Metal waren die eh nur auf dem Debut, wenn man da gesteigerten Wert drauf legt. Danach traten immer mehr die epischen progressiv/psychedelischen Elemente in den Vordergrund..

  3. L@THERIVERFLOW sagt:

    ,Up North‘ rockt! Borknagar ist mir allgemein aber etwas zu kitschig gworden.

  4. Watutinki sagt:

    Oh man, hab schon befürchtet, dass das hier wieder abgefeiert wird. Ich habe es echt versucht, aber daz ganze klingt so lasch, vor allem die Produktion. Das wäre mir selbst als Rock Album noch zu lasch. Und dann diese Pseudo Black Metal Einlagen, mur damit kenier glaubt die hätten vergessen, wo die herkommen. Doch haben Sie, das hier kannst Du im Supermarkt spielen und es würde niemanden stären. Und sorry, wenn ein Album denn Titel True North verdient hat, bleibt es weiterhin „The Olden Domain“, welches für mich absolut unerreich tbleibt.
    Von mir aus bin ich dann halt der angepisste, engstirnige Purist, wenn mir das absolut null gibt, kann ich auch nichts dafür. Abrer nordisch klingt hier Mal gar nichts.

    1. nili68 sagt:

      >Abrer nordisch klingt hier Mal gar nichts.<

      Hier, nur für dich: https://www.youtube.com/watch?v=qPa0bYLYZSU

      🙂

      1. Watutinki sagt:

        Habe ich doch gleich Mal als Favorit hinterlegt! :))
        Ich weiß jedenfalls zu 1000% was das nicht ist, Borknagars Proberaum! Denn sonst würde das neue Album nicht nach nem Lidl Markt um die Ecke klingen. :((

      2. nili68 sagt:

        Ach, man kann das schon mögen, aber wenn einem nach nordisch klingendem Metal ist, dann sind Borknagar nach der „The Olden Domain“ nicht die erste Wahl, mal diplomatisch ausgedrückt, das ist wohl wahr..

      3. BlindeGardine sagt:

        Versteh ich nicht, warum hast du das „befürchtet“? Klar hat das mit black- und viking metal nur noch herzlich wenig zu tun und sollte vielleicht auch, wurzeln hin oder her, entsprechend gekennzeichnet werden. Aber das alleine sagt ja noch nichts über die qualität der musik aus. Irgendwie wird sich hier im kommentarbereich etwas haarspalterisch über genrebezeichnung und albumtitel echauffiert, statt tatsächlich auf die mucke einzugehen.

    2. BlindeGardine sagt:

      Also auf den ganzen kommentarbereich bezogen, watutinki hat ja gesagt er mag es nicht, absolut legitim.

  5. FanDerErstenStunde sagt:

    Vielleicht bin ich konservativ und in den 90ern hängengeblieben, aber das hier ist kein Black Metal. Soweit kann niemand die Definition des Genres dehnen um das hier noch als BM zu bezeichnen. Nennt es doch Black Rock (wie den Finanzverwalter) oder denkt euch ein neues Sub-sub-Genre aus…

    1. royale sagt:

      ist es den sooo wichtig? Es wurde doch schon “ Black Metal, Progressive Metal, Viking Metal“, als Genre angegeben. Sie haben nun mal ihre Wurzel Black, man doch echt alles zerlegen. Kleines Beispiel, jede kennt und erkennt wohl The Cure. Schau mal was die so machen/gemacht haben.

      Genre(s) Post-Punk (1978–1980)
      Dark Wave, Gothic Rock[1][2][3](1981–1983)
      New Wave (1984–1988)
      Dark Wave (1989–1990)
      Rock, Pop, Alternative Rock (seit 1991) …

    1. royale sagt:

      L@THERIVERFLOW 😀 wie wahr! das ist so wie „ich höre nur trve black metal, kennst du eh nicht, die sind bei spotify“ 😀

  6. nili68 sagt:

    Mich wundert ja eher, dass überhaupt noch jemand reinen Black Metal, der durchaus in Anteilen noch vorhanden ist (Das ist nicht das einzige Lied auf dem Album) von Borknagar erwartet, der nicht erst seit gestern solche Musik hört.. egal, wie Metal.de das nun nennt..
    Black Metal an sich ist natürlich auch nicht per se ein Qualitätsmerkmal, mal so am Rande..
    Was ich bisher davon gehört habe ist top und einen Kauf wert!

    1. Watutinki sagt:

      Mir persönlich geht es gar nicht darum, dass Borknagar Black Metal spielen müssen, ich mag experimentelle Sachen. Wobei ich der Meinung bin, wenn man sich stark verändert, dass man dann idealerweise auf Sideprojects zurückgreifen sollte, dann hat man auch die Möglichkeit das ursprüngliche Konzept würdevoll weiterzuführen.
      Bei aktuellen Borknagar Album verstehe ich aber zum einen den Titel nicht, „True North“. Wenn man die alten Borknagar Alben kennt, weiß man wird der Norden klingt und damit hat das neue Album garantiert nichts zu tun. Dann diese Produktion, was soll das? Da kann man ja sogar vom Boden Essen, wer will so eine Weichspülmist hören? Ich zumindest nicht. Es sind ja immer noch Borknagar und Sie binden temporär Black Metal Parts mit ein. Das klingt mit dieser Produktion dann aber derart aufgesetzt und lächerlich, dann sollen Sie es doch gleich sein lassen und es konsequent durchziehen. Ich meine hier gibt es einfach keine Ecken und Kanten, das ist so derart steril, das passt vielleicht zu Songs von Antimatter, aber bei solcher Musik sollte doch auch etwas Grip vorhanden sein, etwas Erde, Dreck und Schmutz. Hier aber ist gar nichts davon zu vernehmen, das klingt nach sterilisierte Heiden die ihre Eier suchen.

      1. nili68 sagt:

        Nun, offensichtlich will der Reviewer so etwas hören, ich und überhaupt jeder, der das anders sieht als du.. 😉
        Der wahre Norden klingt genau so, wie jeder Künstler will, dass er klingt. Das nennt man künstlerische Freiheit. Der Norden ist einfach ’ne Himmelsrichtug und klingt nach garnichts. Ich verstehe schon, was du meinst, aber die Wikinger oder so haben auch keinen Black Metal oder frostiges Rauschen gehört. Ich vernehme bei Borknagar durchaus Versatzstücke nordischer Folklore, die archaischen Kulturen aus dem Norden vermutlich eher gefallen würden, als dass, was frustrierte Teenager der ’90er im Suff fabriziert haben, inklusive „authentischem“ Sound in Ermangelung an Finanzen. Das hat auch seinen Reiz und gefällt mir auch, ist aber mitnichten der „wahre Sound des Nordens.“
        Was die Band sollte und was sie als würdevoll erachtet, ist auch niemandes Sache, außer der Band selber, oder?

      2. BlindeGardine sagt:

        „Bei aktuellen Borknagar Album verstehe ich aber zum einen den Titel nicht, „True North“.“

        Das ist aber eine reine (Black-)Metaller-Sicht. Skandinavien im Allgemeinen und Norwegen im Speziellen sind auch schon lange für eine ziemlich experimentelle und abgefahrene Pop- und Folk-Szene bekannt. Klar, als Metaller denkt man sofort: Norwegen=Black Metal, ergo True North=Black Metal. Aber wie gesagt, das ist dann einfach eine sehr eingeschränkte Sicht auf die dortige Musikszene. Und dass die Protagonisten von Borknagar schon lange ihre Finger in die verschiedensten Richtungen ausstrecken macht da durchaus Sinn.

  7. Watutinki sagt:

    „was frustrierte Teenager der ’90er im Suff fabriziert haben“

    Für mich haben diese frustrierten Teenager ganz einfach von Grund auf ehrliche, hochemotionale, von allen Konventionen befreite, kompromisslose, unkommerzielle, gerne auch fanatische Musik gemacht. Haben einen Scheiss darauf gegeben ihre Musik alltagstauglich zurechtzubügeln und hatten eine immens starke und große Szene im Hintergrund, die Sie seelisch ernährt hat.

    Dass die alten Borknagar technisch gesehen lange nicht so ausgefeilt sind, wie es heute der Fall, wen interessiert das?
    Die alten Burzum Klassiker sind an Minimalismus kaum zu überbieten und mit das atmosphärischste, was man bis heute hören kann. Was dieser „frustrierten Tennager aus den 90er“ verstanden haben ist, dass weder Komplexität, noch eine saubere, fette, alltagstaugliche Produktion etwas mit Atmosphäre zu tun hat. Das glauben nur die die die 90er nie erlebt haben oder denen das Ganze generell verschlossen ist und bleibt – und das sind eine gane Menge Leute.

    Wie bei so vielen Musiker gilt auch für Borknagar, dass Sie heute einen möglichst großen Höhrerkreis erreichen wollen und ihre Musik entsprechend an den gemeinen Hörer anpassen, es soll nur ja niemand davon verschreckt werden. Erfolg, Kommerz… es ereilt Sie irgendwan alle!
    Wenn Borknagar heute so klingen wie Vintersorg, dann ist doch etwas grundlegend schief gelaufen.

    1. nili68 sagt:

      Vorweg: Ich verstehe deinen Standpunkt durchaus und mag ja AUCH diesen alten, von jugendlichem Ungestüm getriebenen Black Metal. Für mich ist das kein entweder oder. Du siehst mir das nur alles zu verbissen, was natürlich dein gutes Recht ist und ich glaube nicht, dass es für Borknagar nun goldene Schallplatten und Emmys regnen wird.
      Man könnte den alten Recken genau so vorwerfen, hauptsache so unkonventionell wie möglich, zum reinen Selbstzweck, ohne künstlerischen Hintergedanken, einfach nur aus Frust und Alkohol. Das ist für diesen Lebensabschnitt auch okay, aber wenn man sich weiterentwickelt, geht man in der Regel halt fokussierter an die Sache.
      Jeder korrupte Geschäftsmann oder Anwalt hat mehr Satan und Nihilismus im Leib, als die ganze Black Metal-Szene Norwegens zusammen. Dazu braucht es kein martialisches auftreten, um authentisch zu sein. Ich glaub‘ ich schweife ab und gehe jetzt schlafen.. 😀

      1. nili68 sagt:

        Im Endeffekt läuft es doch lediglich darauf hinaus, dass mir das Album gefällt und dir nicht und für beide Standpunkte lassen sich endlos Argumente finden, da es außerhalb strenger Wissenschaft keine absolute Wahrheit gibt. So, jetzt aber..

  8. Watutinki sagt:

    Dieses „hauptsache so unkonventionell wie möglich, zum reinen Selbstzweck, ohne künstlerischen Hintergedanken“ sehe ich nicht so. Black Metal ist nicht Death Metal, wo es teilweise darum geht einfach immmer noch ein Stück extremer, als die anderen zu sein. Die haben früher einfach das gemacht, was der Atmosphäre und natürlich auch dem aktuellen Trend, dem geist der Szene zu Gute kam. Und ich rede hier von den guten Alben, nicht von dem ganzen Mist der natürlich auch fabriziert wurde.

    Mir könnte die neue Borknagar auch einigermaßen gefallen, aber diese glatt gebügelte, lasche Produktion geht einfach gar nicht, da sollen sich doch lieber ein Split mit Bon Jovi machen. Es ärgert mich unheimlich, dass Bands wie Borknagar auch auf diesen Mist setzen, einfach immer gefälliger zu klingen. Das ist alles, nur nicht nordisch!

    1. BlindeGardine sagt:

      Es graust mir davor, nili zustimmen zu müssen, aber ich finde er hat mit seinen ausführungen komplett recht. Du siehst das zu verbissen, was dir aber natürlich zugestanden sei. Du gehts von den alten borknagar von vor 20 jahren aus, aber (die meisten) musiker entwickeln sich eben weiter und das kann dann eben auch in eine komplett andere richtung gehen. Borknagar bedienen halt heute nicht mer die selbe szene wie früher und wollen das vermutlich auch gar nicht. Wenn einem das nicht gefällt muss man die band halt für sich abhaken. Denn ja, im endeffekt kommt es eben darauf an, ob dir das album gefällt oder nicht. Nicht darauf, ob das black metal ist.

      1. doktor von pain sagt:

        Da kann ich auch mal was unterschreiben, was Nili gepostet hat. Soll vorkommen, so was.

      2. Watutinki sagt:

        Wie oft ich das schon gehört habe, dass ein kommerziellerer Werdegang mit dem Todschlageargument „Weiterentwicklung“ entschuldigt wurde. Wenn eine Band die Seele ihrer Musik verkauft um das ganze massenkonformer zu gestalten, damit Sie damit größeren Erfolg hat, dann sehe ich darin absolut keine Weiterentwicklung.
        Zwar kann man das Borknagar in ihrer nun veranlagten Komplexität der Musik durchaus nachsagen, aber ganz sicher nicht was diesen Weicheisound angeht. Die Band zieht damit jeden Funken nordischer Kälte aus ihrer Musik und das hat wahrlich nichts mit Weiterentwicklung zu tun. Und ich sagen nicht die sollen klingen wie eine dieser Homerecord Garagenbands, aber damit hier würde sich nicht Mal Bon Jov brüsten, das ist einfach so was von lasch, das geht gar nicht!

      3. nili68 sagt:

        Ich habe gehört, wenn man erfriert, ist einem am Ende wohlig warm, also ist soft die ultimative Form von Kälte.. 😀
        Selbst wenn die einen Sound wie Bon Jovi hätten, kann da dennoch komplett andere Musik bei raus kommen.

        >Wenn eine Band die Seele ihrer Musik verkauft um das ganze massenkonformer zu gestalten, damit Sie damit größeren Erfolg hat, dann sehe ich darin absolut keine Weiterentwicklung.<

        Hast du die Band interviewt? Das kann doch eine ganz natürliche Entwicklung sein, oder um mal die abgedroschene Phrase "erwachsen werden" zu bemühen. Im Alter wird man halt etwas ruhiger.. lol

        Spaß beiseite, ich verstehe 100% was du meinst und bei vielen Bands sehe ich das auch so wie du (Dimmu Borgir *kotz*) nur im Falle Borknagar eben nicht.. 😉

    2. BlindeGardine sagt:

      Der weichere und etwas wärmere, wegen mir auch glattere sound passt hier aber doch auch einfach besser zur prog-lastigen musik als klirrendes „geschepper“. Und ja, auch eine entwicklung hin zu subjektiv als massentauglich wahrgenommenen sounds kann durchaus natürlich stattfinden und hats bei borknagar mMn auch getan. Wobei massentauglich…ich kann ja mal im freundeskreis rumfragen, wer borknagar kennt. In der metalszene ist das irgendwie ein inflationär verwendeter begriff. Und überhaupt, wer aus der szene spielr denn heute noch den sound von damals? Ihsahn? Nope. Darkthrone? Fehlanzeige. Mayhem? Keine ahnung was die überhaupt wollen. Satyricon? No, sir!

  9. Watutinki sagt:

    Na zumindest gefällt es mir besser als die letzte Amorphis Album, welches produktionstechnisch völlig überladen klingt. True South hat zwar kein Arsch in der Hose, aber wenigstens ist eine gewisse Klarheit in der Produktion zu erkennen.

    1. doktor von pain sagt:

      „True North“ ist übrigens eigentlich eine geografische Richtungsangabe – oder auch ein Album von Bad Religion. Hat auch beides nix mix Black Metal zu tun, und auch in den beiden Fällen isses mir egal. Ich freue mich jedenfalls auf das neue Borlnagar-Album, das schon lange vorbestellt ist.

      1. Watutinki sagt:

        Wenn eine ehemalige nordische Black Metal Band von True North spricht, dann hat das indirekt immer etwas mit Black Metal zu tun. :-/

      2. nili68 sagt:

        Auch Ulver..? 😉

      3. doktor von pain sagt:

        Das ist deine Interpretation. Für mich ist es nur ein Name.

      4. Watutinki sagt:

        Natürlich auch Ulver, echter nordischer Black Metal ist ja nicht nur ein Musikstil, vor allem ist es eine besondere Stimmung, Atmosphäre die vermittelt wird und diese kannst Du in vielerlei Formen gießen. Aber insbesondere wurde Sie am intensivsten halt in den 90er vermittelt, auch von Borknagar und davon kann man sich nicht vollständig lösen. Das gilt auch für Bands für die Borgirs, nur dass das Geld, der Erfolg und das Spektakel halt mit der Zeit offensichtlich eine höhere Priorität bei denen eingenommen hat.

      5. BlindeGardine sagt:

        Das sagst du, effektiv haben das aber alle von dir genannten bands und musiker getan und fahren scheinbar sehr gut damit. Da ist die überschneidung zwischen black-metal-fans und jurastudenten irgendwie sehr lustig. Die kommen auch extrem verbissen und teils mit anzug und aktenkoffer zur vorlesung, während die profs die ganze angelegenheit eher locker nehmem.

      6. nili68 sagt:

        >echter nordischer Black Metal ist ja nicht nur ein Musikstil, vor allem ist es eine besondere Stimmung, Atmosphäre die vermittelt wird und diese kannst Du in vielerlei Formen gießen.<

        ..und das ist bei anderen Musikstilen nicht so? Jetzt mal Hand auf's Herz: Ist das vielleicht nicht doch nur Geschmackssache?

      7. nili68 sagt:

        Neues Video: https://www.youtube.com/watch?v=ksAcIrO1pHc Das gefällt Watutinki bestimmt. Entschuldigungen werden entgegengenommen. *Sacktuch und Asche verkauf’*

      8. Februar sagt:

        Fast so langweilig wie Tool.

  10. Waldfleisch sagt:

    Manchmal gehe ich auf Albenrezensionen bei metal.de, einfach weil es viele Kommentare gibt. Ich bin mit Herzblut beim Black Metal seit 2001 dabei und hätte das hier damals relativ schnell als Kommerzrotz abgetan. Ehrlichgesagt konnte ich mit Borknagar auch nie was anfangen. Mein erster Kontakt war ein Track auf einem Metal Hammer Sampler von der „Empricism“. War nicht meins, ok.

    Jetzt lausche ich gerade zum 1. Mal der Platte auf Spotify und finde sie auch nicht mehr als ok. Ich kann die Kommentare bzgl. Produktion nachvollziehen. Für mich ist das hier auch etwas viel Geklimper. Als ob der gute Windir Valfar sich nochmal mit Dani F., Catamenia und Hammerfall zusammengetan hat. Ja, mit Black Metal hat das an vielen Stellen sehr wenig zu tun.

    Da ich mit soviel Klargesang im Metal einfach auch nicht klar komme kann ich das Album auch kaum bewerten. Ehrlicherweise ist da jede Suicide Silence Platte mehr Black Metal. Aber: die Herrn sind jetzt seit 22 Jahren unterwegs. Und meine Güte, wenn ich mein jugendliches Ich von 2001 mit heute vergleiche bin ich froh, mich weiterentwicklet zu haben. Vintersorg ist Jahrgang ’73. Klar, ändert man sich. Ich wünsche jedem Künstler mit seiner Truppe, dass sie am besten gemeinsam wachsen.

    Gestern habe ich Behemoth in Warschau gesehen. Wenn man verfolgt, wie die Jungs sich von Mitter der 90er bis heute entwickelt haben, ist man einfach nur restlos begeistert.

    Was auch immer ich sagen wollte. Danke für die kurzweilig zu lesende Diskussion, die Schmunzler und mit der Platte werde ich niemals warm werden, ist aber auch ok. Das Album wird seine Anhänger finden.

  11. Watutinki sagt:

    >echter nordischer Black Metal ist ja nicht nur ein Musikstil, vor allem ist es eine besondere Stimmung, Atmosphäre die vermittelt wird und diese kannst Du in vielerlei Formen gießen.> ..und das ist bei anderen Musikstilen nicht so? Jetzt mal Hand auf’s Herz: Ist das vielleicht nicht doch nur Geschmackssache? <<

    Das behaupten wahrscheinlich alle, aber Du kannst mir glauben, dass ich außer Hip-Hop, SKA und deutscher Volksmusik so ziemlich jeden Musikstil höre und auch Experimente liebe. Und ich bin der Meinung, dass der Black Metal der 90er eine Ausnahmeerscheinung ist. Wobei wenn ich es mir recht überlege, das nicht ganz stimmt. Es ist die Aufbruchstimmung, wenn neue Musik von einer neue gegründeten Szene das Dunkel der Welt erblickt und dich vollständig vereinnahmt. So etwas lässt sich dann später einfach nicht mehr in der Form reproduzieren, wenn der kommerzieller Mob erst Mal alles zerstört hat. Daher würde ich behaupten, dass wir die Spitze des Eisberges einfach erreicht hatten und alles darauffolgend mehr oder weniger zum Scheitern verurteilt ist, weil es sich damit messen muss, das aber nicht wirklich kann. Das ist den meisten Musikern sicher auch bekannt, weshalb Sie auch keinen Wert mehr darauf legen, vergangenen Zeiten nachzueifern die Sie sowieso nicht toppen können. So gesehen ist das damm sicher auch in Ordnung, so lange man sich irgendwie noch treu bleibt. Borknagars Musik ist meines erachtens mittlerweile aber deart verweichlicht, dass ich daran keinen Spass mehr habe. Nehmen wir Ihsahn mit seinem Soloprojekt, das ist wenigstens konsequent durchgezogen! Die produktion passt zur Musik. Borknagar dagegen haben mit "True Irgendwas" ein Folk Black Metal light Album für blutige Anfänger erschaffen, bloss niemanden vergraulen.
    Ok, mag nur meine Meinung sein, aber so sehe ich es halt.

    1. nili68 sagt:

      Deine Meinung sei dir auch unbenommen. Für dich ist das alles stimmig und darauf kommt es ja letztlich an.
      Ich hab‘ da ja noch die Theorie, dass man, wenn man jünger ist, einfach begeisterungsfähiger und noch in der „Prägungsphase“ ist. Was man da wie aufnimmt und subjektiv verinnerlicht, begleitet dich im Großen und Ganzen den Rest des Lebens, wie man Sachen beurteilt usw. Mit objektiv hat das alles aber nicht viel zu tun.
      Ich persönlich finde Sachen wie Schammasch, Mephorash, Nightbringer etc. die Spitze der Black Metal-Evolution und nicht die frühen Norweger oder deren Ableger.. ohne die jetzt abwerten zu wollen oder so. Zwar kein nordischer BM, aber der Spirit des BM wird durch diese Bands/Spielart des BM IMO getoppt.
      Das mit der Aufbruchstimmung ist aber schon wahr..

      1. Watutinki sagt:

        Ich bin da zwar kein Insider, aber ich glaube beim Jazz hast Du ja das gleiche Phänomen, die Suche nach dem echten Jazz, der vom easy-listening Gebaren sehr häufig verwässert wird, weil die meisten Leute mit den improvisierten, unmelodiösen, ohne Rhythmus versehenen Songstrukturen überfordert sind. Auch hier wird oft vom echten Jazz gesprochen und es ist nicht nur eine Epoche damit gemeint, sondern eine besondere Art Musik zu spielen.
        Ich finde dass da die Sichtweise beim traditionellen BM nicht viel anders nicht, nur dass dieser natürlich bewusst nicht durch Komplexität glänzt. Schneller, höher, weiter, lauter geht immer, aber der Wald ist und bleibt unsere Natur, auch wenn wir jetzt im Winter bei molligen 24 Grad in Tetrapack Wohnungen wohnen und gefühlt ein besseres Leben führen.

      2. nili68 sagt:

        Das wird auch bei Blues, Country, Hip Hop etc. nicht anders sein..
        Ich will ja jetzt auch nicht die offensichtlich auf Mainstream getrimmten Varianten jeweiliger Stile verteidigen, aber manchmal ist das eben nicht so offensichtlich.
        Ich habe auch meine (Vor)urteile: Wenn ich im Laden ’ne CD in die Hand nehme und dann sehe, dass die von Nuclear Blast ist, lege ich die in der Regel gleich wieder weg.
        Selbst in akademischen Kreisen gibt es ja die ewige Diskussion über E-Musik und U-Musik.
        Das ist so ähnlich, wie über Politik, Ethik oder Religion zu diskutieren, was zwar durchaus Spaß machen kann, aber..

  12. L@THERIVERFLOW sagt:

    Ich finde die Musik ist super geeignet als Einstieg in den BM Kosmos, gerade für jüngere Menschen die vom true norwegian back metal noch nie was gehört haben. Ich denke da gibt es viele die diese kommerziellere Form der Musik bevorzugen, um überhaupt erst einmal das Verständis zu entwickeln welches es braucht um sich mit dem älteren Zeug und die Geschichte auseinander zu setzen.

    1. nili68 sagt:

      Das kann so sein, aber man kann die Variante, die vielen Leuten gefällt (um das Wort „kommerziell“ zu vermeiden, das einige ja automatisch mit schrott, minderwertig etc, gleichsetzen.. im Umkehrschluss müsse alles Nonkonforme ja gut sein) auch einfach für das mögen, was es ist, ohne Bezug zu den älteren, extremeren Sachen.
      In The Woods wären bei mir so ein Fall. Da gefallen die neuen Sachen mir genau so wie die Alten, jedes auf seine Weise..

  13. Watutinki sagt:

    Ja, das zieht sich sicher durch viele Musikarten und wenn man sich anschaut was diese früher ausgemacht haben, dann war es eben die absolute Kompromisslosigkeit. Alles wird der Kunst als solches untergestellt und genau das geht mit der Zeit dann leider mehr und mehr verloren. Wenn man mich fragt „Was ist echte Kunst“, würde ich zuerst immer sagen, „echte Kunst immer zu 100% kompromisslos!“

    1. nili68 sagt:

      ..und wenn diese Bands jetzt genau das machen, weil das jugendliche Feuer und der Zorn weg sind..?

      1. Watutinki sagt:

        Dann können Sie es so machen, aber dann ist es eben Kacke! :))

      2. nili68 sagt:

        Das ist dann AOBM. Adult Oriented Black Metal.. 😀

      3. nili68 sagt:

        ..aber wen interessiert das alles eigentlich? Am 11. 11. kommt das neue BABYMETAL Album „Metal Galaxy“ haha..

  14. doktor von pain sagt:

    Mittlerweile habe ich das neue Borknagar-Album gehört und finde es, wie auch schon den Vorgänger, sehr gut. Ich gehe die Sache aber auch anders an als manch anderer und betrachte die Musik gar nicht erst als irgendeine Form des Black Metal, denn das ist sie in meinen Augen bzw. Ohren nicht. Okay, ein paar rudimentäre Black-Metal-Elemente findet man da vielleicht, aber sonst überwiegen ganz klar Prog, Folk und was weiß ich nicht alles. Und für das, was es ist, ist „True North“ für mich nun halt einfach ein tolles Album.

    1. nili68 sagt:

      ..aber früher waren die viel besser, weil frostiger und so! VERRÄTER!!! EINS!!11!!!!

    2. Watutinki sagt:

      Ich finde die Produktion ist einfach generell zu dünn, ohne Ecken und Kanten, da ist nichts griffig, egal ob Black Metal oder nicht. Es wird halt nur noch tragischer wen man bedenkt, wo diese Band herkommt. Auch die Melodien sind teilweise sehr gut, teilweise aber auch schon irgendwie tausend Mal gehört. Insgesamt finde ich The Olden Domain in jeder Facette deutlich intensiver. Die Punktevergabe ist meiner Meinung nach ein Witz!