Vader - Necropolis

Review

Galerie mit 15 Bildern: Vader - Rockharz 2019

Angenommen, bei einem Fußballverein machen sich auf einen Schlag drei Viertel der Stammspieler aus dem Staub, und zudem wird der Hauptsponsor gewechselt. Was mag der geneigte Fan von dieser Abwanderungswelle halten, denn immerhin hat er jüngst das Fantrikot des beliebten Außenstürmers erworben, das er nun am liebsten wieder eintauschen würde? Und überhaupt: Wie soll er sich mit einer Mannschaft identifizieren, deren Antlitz sich so radikal verändert hat?

Alles halb so wild, denn nach wie vor ist die wichtigste Person im Verein, Schlüsselspieler, Trainer und Sportdirektor in Personalunion. Die Person, die schon seit Jahren den Kurs des Vereins bestimmt, die Spielweise der Mannschaft vorgibt und zudem das markante Aushängeschild darstellt.

Womit wir, und jetzt übertragen wir das Beispiel aus dem Rasensport in die bunte Welt der Musik, beim Problem sind, das sich Ende letzten Jahres bei der polnischen Death-Metal-Band VADER einstellte – und deren Lösung. Kurz nach ihrem Jubiläumskonzert stand Sänger und Gitarrist Peter plötzlich ohne Mannschaft da und durfte sich einmal mehr neue Mitstreiter suchen. Aber Peter ist ein erfahrener Mittelfeldstratege, genauso wie ein kenntnisreicher Chefscout, der ein gutes Gespür für talentierte Spieler hat und somit schon bald eine schlagkräftige Truppe um sich scharen konnte. Allerdings hat er diesen Bruch auch dazu genutzt, um in sich zu gehen: Vielleicht hat er deshalb entschieden, das neue Album „Necropolis“ allein mit dem neuen Taktgeber Paul einzuspielen. Vielleicht klingt deshalb der neue Streich so kompromisslos nach VADER, weil ihm die Bandsituation vor Augen geführt hat, wie sehr er die Geschicke im kreativen Bereich im Laufe der Zeit selbst gesteuert hat.

Dabei wird er den einen oder anderen Blick auf vergangene Taten geworfen haben, denn bei genauem Hinhören gibt es immer wieder Parallelen zu den ersten Alben von VADER zu entdecken: Der Opener „Devilizer“ hätte sich zwar gut auf „Revelations“ gemacht, doch mit dem nachfolgenden „Rise Of The Undead“ beginnt eine Zeitreise in die Mittneunziger. Ein Track wie „Dark Heart“ offenbart die schon immer vorhandenen Thrash-Metal-Einflüsse, und der Rausschmeißer „When The Sun Drowns In Dark“ geht sogar noch weiter zurück – allein die Vocals und die düsteren Harmonien stehen für den typischen Death Metal VADERscher Prägung.

Allerdings sind die restlichen Stücke umso heftiger ausgefallen – nicht umsonst trägt Song Nummer vier den Titel „Blast“. Und äußerst erfreulich ist die Tatsache, dass wirklich alle Tracks eine eigene Identität besitzen und auch zünden – sieht man einmal vom etwas merkwürdigen Zwischenspiel „The Seal“ ab (bei dem man immer im nächsten Moment den Einsatz eines Didgeridoos erwartet). Bei einer Spielzeit von knapp 33 Minuten sollten sich VADER allerdings auch keine allzu großen Verschnaufpausen erlauben. Erwähnt werden sollte noch die Produktion, die Tue Madsen übernommen hat – und die „Necropolis“ schön druckvoll und gleichzeitig sehr transparent klingen lässt. Insgesamt stehen VADER also trotz des zwischenzeitlichen Massenexodus weiterhin für kontrolliertes und attraktives Offensivspiel – so gesehen ist „Necropolis“ ein unerwartet souveräner Sieg.

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15.08.2009

- Dreaming in Red -

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2 Kommentare zu Vader - Necropolis

  1. bloodlust sagt:

    Immer das scheiss Gelaber bezüglich irgendwelchen zu kurzen Spielzeiten ist halt mal so im DM Bereich. Lieber 30 Minuten Vollgas als 60 Minuten Opeth!!

    9/10
  2. sir k0ng sagt:

    Mir fehlen die Hits die sich direkt in die Gehörgänge schrauben und 1-2 Lieder mehr hätten dem Album sicher nicht geschadet. Stinkt gegen Litany beispielsweise ab. Schade… aber live haben sie mich dieses Jahr wenigstens gänzlich überzeugt.

    7/10