Devil Side Festival
Der große Bericht vom Devil Side Festival 2012

Konzertbericht

Billing: Amorphis, Arch Enemy, Biohazard, Clawfinger, Danko Jones, Doro, Emil Bulls, Everlast, Hatebreed, Ignite, In Flames, Overkill, Royal Republic, Sabaton, Skindred, Suicidal Tendencies, The Bones, The Souls und Thin Lizzy
Konzert vom 2012-07-20 | Turninenhalle, Oberhausen

 

Sonntag, 22.07.2012

 

Devil Side Festival

Irgendwie wird man auf dem letzten Tag des Festivals das Gefühl des „Resteessens“ nicht los. Nicht nur muss man zusehen, wie die beiden Hauptbühnen abgebaut und das Gelände vorgereinigt wird (der komplette Sonntag findet in der Turbinenhalle statt), auch die Bandauswahl ist mehr als fraglich – hier passt stilistisch leider nicht viel zusammen.

KELLERMENSCH

Den Bands kann man jedoch selten einen Vorwurf machen – so wie KELLERMENSCH. Die Dänen werden schon zu völlig unsittlicher Stunde vor einer Handvoll Zuschauer verbraten. Optisch ähneln sie Franz Ferdinand, bieten musikalisch aber deutlich mehr Tiefe. Mit Geige, Kontrabass, E-Orgel und anderen abgefahrenen Instrumenten, kreieren die sieben Exzentriker eine spannende Mischung mit viel Dramatik in den Songs. Die beiden Sänger ergänzen sich super, und auch der Rest geht in der eigenen Musik auf. Ein toller Gig zu schrecklichen Bedingungen.

KISSIN‘ DYNAMITE

Und es bleibt unpassend. Nach den melancholischen Tönen folgt das krasse Gegenprogramm mit KISSIN‘ DYNAMITE. Deutschland ist nicht unbedingt das Heimatland des Hair Metals. Trotzdem kriegt man genau den geboten – mit ganz viel hochtoupiertem Hair auf der Bühne. Weder Zeit noch Ort passen zu den fröhlich-seichten Songs. Trotzdem kennen die Dynamitstangen kein Halt – man post, prollt und rockt nur so ab. Selbst für Glam-Hasser ist es bei so viel Spielfreude nicht einfach, sich dem Charme zu wiedersetzen. Der blonde Fronter sieht zwar ziemlich fertig aus wie eine Drogenleiche, macht seinen Job aber hervorragend. Vielleicht auch gerade deswegen? Und als der Gitarrist am Ende seinen abgerissenen Gurt mit den Zähnen fest hält und dabei tapfer weiterrockt, weiß man – hier meint man seine Spaßmusik durchaus ernst. Durchaus geil!

WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER

Die Frisuren bleiben gleich, nur der Sound wird jetzt bei WBTBWB um einiges härter. Die Berliner Jungs sind allerdings heute eher was fürs Auge. Der Sound in der maximal halb gefüllten Turbinenhalle lässt leider einige Wünsche offen. Die vielen Kids mit Tageskarte bekommen außerdem einen recht statischen Session-Gitarristen zu sehen. Ansonsten gibt es aber Entertainment vom feinsten. Egal ob große Luftballons, Positionslichter an der Lederjacke oder Konfettikanone und Pyrotechnik, jeder Song hat was Neues zu bieten. Die Stammbesetzung zeigt darüber hinaus eine wirklich energiegeladene und engagierte Show.

DEEZ NUTS

Die Hardcore/Crossover Band DEEZ NUTS bekommt heute leider nicht die gewohnt heftige Publikumsresonanz und ist davon auch offensichtlich ein wenig enttäuscht. Der Sound in der Halle ist wirklich nicht sonderlich ansprechend, und das Publikum macht auch einen schlappen Eindruck. Hier und da wird ein Two-Step aufs Pakett gelegt, aber außer einem harten Kern in der Mitte geht niemand so richtig mit bei den knackigen Gangshouts. Der Vierer ist trotz Problemen authentisch und cool wie immer und zockt sein Set routiniert bis zum Ende runter.

EVERLAST

Für das Duo EVERLAST, bestehend aus Everlast und Danny Boy, wird die Bühne bis auf zwei Mikros, einen Tisch und zwei Stühle völlig leergeräumt, denn mehr brauchen die beiden auch nicht. Mit lediglich zwei Akustikgitarren gehen die Jungs an den Start. Die Ansagen bleiben kurz, eine Show in dem Sinne gibt es auch nicht zu sehen. Gediegenes Songwriting, aus dem Radio bekannte Tracks wie „What It’s Like“ und das Johnny Cash-Cover „Folsom Prison Blues“ lässt die Menge trotzdem schunkeln. An Beifall mangelt es Everlast zwar nicht, aber nach brachialen Bands wie Deez Nuts und den Butterbroten, ist stellen sie einen weiteren, ärgerlichen Bruch im Line Up. Abwechslung schön und gut, aber wie soll man bei solchen Übergängen in Stimmung kommen?

AGAINST ME

Es folgt Punkrock, und das sehr, sehr laut. Ordentlich beginnen AGAINST ME! und geben bis zum Schluss kein Stückchen klein bei. Für ihr Genre ist der Sound ziemlich klar und die Vocals samt Backvocals zeigten auch Denjenigen, die diese Band nicht kennen, dass hier nicht erst seit gestern Musik gemacht wird. Schließlich gibt es die Band seit 2000 dem Milleniumsbeginn. Leider scheinen die musiker an ihren Plätzen festbetoniert zu sein – Bewegung sucht man vergeblich. Gerockt wird trotzdem, auch wenn kaum was hängen bleibt.

BIOHAZARD

Auf BIOHAZARD wartet eine gut gefüllte Turbinenhalle. Kein Wunder – viel Metal gab es heute noch nicht. Die Anwesenden werden zum Auftakt mit einem knalligen Sound und einer dicken Portion Strobo belohnt. Es zeigt sich aber schnell – den Ausstieg von Evan Seinfeld haben die Amis nicht gut überwunden. Der geteilte Gesang von Billy Graziadei und Bobby Hambel ist mehr schlecht als recht und auf Dauer furchtbar eintönig – die beiden sind nun mal keine begnadeten Kehlchen. Sonst stimmt der Gig aber. Der Song „Reborn“ vom neuen Album erweist sich live als deutlich heavier als auf Platte. Was die Band mit den relativ simplen Songs ohne große Höhepunkte verbockt, macht sie mit unerschöpflicher Energie wieder wett. Billy crowdsurft beim Gitarrespielen, während der Rest die Bühne beackert. Schweißtreibende Angelegenheit, die live bis auf die Vocals super funktioniert.

POWERWOLF

An Stilbrüche hat man sich mittlerweile gewöhnt. Außerdem warten eh die meisten heute auf die deutschen Durchstarter des Jahres. POWERWOLF scheinen seit ihrer Gründung alles richtig gemacht zu haben, denn die Menge frisst ihnen aus der Hand. Wie denn auch nicht? Aufwendige Bühnenoptik, herrlich bekloppte Songtexte, ein mehr als solider powermetallischer Unterbau und ein Frontmann, den man einfach lieb haben muss. Und dann wäre da noch das schier endlose Hitpotential der Wölfe. „We Need Your Blood“, „Ressurection By Errection“, „Sanctified With Dynamite“ – ein Fest für Nacken und Zwerchfell. Eine letzte Segnung zum Schluss, und der Gig geht mit einem leider recht unspektakulärem „Lupus Dei“ zu Ende.

FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS

Wie FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS es auf das Billing eines Metal Festivals geschafft haben, wird für immer ein Rätsel bleiben. Die 15-jährigen Mädels machen sich beim Anblick der smarten Hemdträger in die Höschen, das Metal Publikum verlässt kopfschüttelnd die Halle und tankt lieber ein bisschen Sonne und Bier. Der Band kann man absolut keinen Vorwurf machen – sie ziehen ihr Ding konsequent und souverän durch. Trotzdem sind Turners harmlos-charmante Ansagen und Songs auf diesem Festival einfach fehl am Platz. Vor allem in dem Slot.

 

Devil Side Festival

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28.08.2012

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