Mötley Crüe
Mötley Crüe und Slash live 2012

Konzertbericht

Billing: Black Veil Brides, Mötley Crüe und Slash feat. Myles Kennedy and the Conspirators
Konzert vom 12.06.2012 | Max-Schmeling-Halle, Berlin

SLASH und MÖTLEY CRÜE, das ist ein Package, das sich niemand entgehen lassen sollte. Bereits 1987 konnte man Slash mit seiner damaligen Band GUNS ‚N ROSES auf der „Girls Girls Girls“ Tour im Vorprogramm von MÖTLEY CRÜE erleben. Ich weiß nicht, wie das Verhältnis damals war, aber am heutigen Abend sind meines Erachtens SLASH feat. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS musikalisch die deutlich stärkere Band.

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Doch bevor diese die Bühne betreten, kommen wir erst einmal in das zweifelhafte Vergnügen der BLACK VEIL BRIDES. Die Max-Schmeling-Halle ist bei Weitem noch nicht voll, als die fünf Kalifornier um 19 Uhr die Bühne betreten. Das Publikum betrachtet das Schauspiel der Post-Hardcore Band, die auf mich wie TOKYO HOTEL für Zombiefans wirkt, mehr oder minder regungslos. Stimmung sieht anders aus! Da hilft es auch nichts, den BILLY IDOL Hit „Rebell Yell“, der auf der 2011er EP „Rebels“ veröffentlicht wurde, auszupacken. Ich weiß nicht, wie die EP-Version klingt und werde sie mir auch nicht anhören, denn die Version, die die BLACK VEIL BRIDES heute Abend darbieten, ist schlicht und ergreifend schlecht und da mich auch die anderen Songs nicht überzeugen können schliesse ich die Akte BLACK VEIL BRIDES an dieser Stelle. Da die Band, wie auch MÖTLEY CRÜE, nur Fotografen zulässt, die einen Fotovertrag unterschreiben, beschränkt sich die Fotoauswahl auf ein Smartphone Foto aus den Rängen.

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Als nächstes steht SLASH feat. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS auf dem Programm. Die Stimmung ist ab der ersten Minute großartig und nicht nur der kürzlich zur „Kerrang! Icon“ gekürte Slash sondern auch Myles Kennedy und THE CONSPIRATORS können durch eine hervorragende Performance überzeugen. Der Fokus der Show liegt dabei ganz klar auf der Musik. Ein einfaches Backdrop mit dem Cover des aktuellen Albums „Apocalyptic Love“ ziert den Bühnenhintergrund und die Lichtshow hat offenkundig den Zweck, dass man die fünf Musiker gut sehen kann. Da diese nicht nur bester Laune sind sondern auch auf aufgesetztes Gepose verzichten, besticht die Show von Slash, Myles Kennedy, Todd Kerns Brent Fizz und dem für die Tour zusätzlich angeheuerten Gitarristen Frank Sidoris durch ihre Natürlichkeit. Egal, ob sie Songs von „Apocalyptic Love“, die aktuelle Single „You’re A Lie“ oder GUNS ‚N ROSES Hits wie „Sweet Child O‘ Mine“ spielen, das Publikum singt begeistert mit und bejubelt nicht nur Gitarrenheld Slash sondern auch den hervorragenden Sänger Myles Kennedy. Bei „Anastasia“ darf Myles sogar seine Gitarre während Slashs Solo zur Hand nehmen und beim Abschlusssong „Paradise City“ hätte sich Stefan Raab gefreut. Slash, den er ja unbedingt singen hören wollte, singt beim Backgroundgesang mit.

 

Galerie mit 24 Bildern: Slash feat. Myles Kennedy & The Conspirators - Berlin

 

Um 21:30 Uhr beginnt das MÖTLEY CRÜE Theater. Für die Fotografen heisst das, dass wir anders als bei SLASH (und wie es bei den meisten Konzerten gehandhabt wird) nicht aus dem Graben sondern nur vom FOH aus fotografieren dürfen. Was sich Band und Management davon versprechen, ist mir schleierhaft denn es gibt keine Pyroshow oder ähnliche Besonderheiten, die dies triftig begründen würden. Die Show, die die vier bieten ist von vorne bis hinten durchgeplant und lässt die Natürlichkeit vermissen, die SLASH und seine Band ausstrahlen und so richtig will der Funke nicht überspringen. Nach und nach ziehen sich immer mehr Fans von den Steh- auf die Sitzplätze zurück und manche verlassen die Max-Schmeling-Halle sogar komplett. Der Fan, der in meiner Nähe „We want Slash!“ ruft, scheint nicht der einzige zu sein, den die Show von MÖTLEY CRÜE nicht überzeugt. Eigentlich erstaunlich, besteht doch die Setlist entsprechend dem zum 30jährigen Jubiläum der Band veröffentlichten „Greatest Hits“ Album aus Hits, Hits und noch einmal Hits! Ob „Dr. Feelgood“, „Girls, Girls, Girls“, „Shout At The Devil“ oder „Looks That Kill“, die Songauswahl vereinigt das Beste aus 30 Jahren MÖTLEY CRÜE.

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Nichtsdestotrotz ist das Highlight der Show keiner der Songs sondern Tommy Lee’s Drumsolo, bei dem sich sein Drumset auf einer kreisförmigen Achterbahn in Bewegung setzt. Dass er als Untermalung Musik wählt, die eher an die Love Parade als ein Rock Konzert erinnert, ist merkwürdig, aber die Showeinlage ist insgesamt stimmig und auch optisch hervorragend untermalt. In Gang gesetzt wird sein Drumcoaster durch eine Hand, die ihn zunächst von links nach rechts schiebt bis er endlich genug Schwung für den kompletten Kreis hat. Nachdem er unter lautem Jubel ein paar Runden gedreht und selbst kopfüber erstaunlich tight gespielt hat, darf sogar noch jemand bei ihm mitfahren. Tommy tut so, als ob er das glückliche Mädchen spontan auswählt, was albern ist, wenn man bedenkt, dass diese Fahrt in der Bild verlost wurde. Aber gut, MÖTLEY CRÜE scheinen Wert auf Theater zu legen. Stephanie wird auf die Bühne geholt, hinter Tommy Lee festgeschnallt und darf ein paar Runden mit ihm drehen bevor es mit „Dr. Feelgood“ wieder normal weiter geht. Zum Abschluss bekommen die ersten Reihen sogar noch ein Geschenk von der Band: Nachdem Tommy Lee seine Drumsticks ins Publikum gekickt hat, schüttet er einen Eimer rot gefärbtes Wasser ins Publikum und noch einen und… beim dritten höre ich auf zu zählen.

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Alles in allem verwundert es mich im Rückblick nicht mehr, dass die Max-Schmeling-Halle bei Weitem nicht ausverkauft war – obwohl die oberen Ränge an den Seiten abgehängt waren, war auf den unteren Rängen und im Innenraum noch viel Platz – denn MÖTLEY CRÜE konnten mich als Headliner nicht überzeugen. SLASH feat. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS haben dagegen eine rundum überzeugende Show gespielt, die gerade im Kontrast zu MÖTLEY CRÜE zeigt, dass eine gute Rockshow auch ohne großes Tamtam auskommt.

17.06.2012

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