Moonspell, Insomnium, Borknagar, Wolfheart & Hinayana
Ultima Ratio Fest 2022

Konzertbericht

Billing: Moonspell, Insomnium, Borknagar, Wolfheart und Hinayana
Konzert vom 14.10.2022 | Markthalle, Hamburg

Seit Ende September rollt die Tour zum Ultima Ratio Fest 2022 mit MOONSPELL, INSOMNIUM, BORKNAGAR, WOLFHEART und HINAYANA. Wir führen über die Stationen, Geschehnissen und Anekdoten ein Tagebuch. In dem Tagebuch ist auch eine Vorstellung der teilnehmenden Bands zu finden.

Ort des heutigen Geschehens ist die Markthalle, Hamburg, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt und somit für ÖPNV-Nutzer prädestiniert. Einlass ist bereits um 18 Uhr und der Andrang am späten Nachmittag ist noch sehr gering. Im Laufe des Abends füllt sich die Lokation circa zu zwei Drittel. Am heutigen Freitagabend sind einfach zu viele Veranstaltungen. Im Grünspan spielen PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS, dazu findet das Fußballspiel zwischen den beiden Lokalrivalen statt. Bereits um 18.30 Uhr steht die erste Band auf der Bühne.

HINAYANA aus Texas eröffnen das Ultima Ratio Fest 2022 in Hamburg

Galerie mit 21 Bildern: Hinayana - Ultima Ratio Fest 2022 in Berlin

Nur im vorderen Bereich der Bühne und mit überschaubaren Equipment sind HINAYANA aktiv. An den Drums sitzt Joonas Kauppinen von WOLFHEART, der sich innerhalb von gerade mal acht Stunden das Repertoire von HINAYANA angeeignet hat, und die gesamte Tour der Ersatz für Daniel Vieira ist. Die Spielzeit ist mit gerade einmal 30 Minuten knapp bemessen. In der kurzen Zeit gelingt es HINAYANA die noch dünn besetzten Reihen zu überzeugen. Melodic Death Metal schwedischer Spielart mit Keyboard  liefern die Herren. Auffällig ist das T-Shirt von Keyboarder Michael Anstice: NAILED TO OBSCURITY aus Ostfriesland? Wie kommt eine Band aus Texas auf diese Band? Die Auflösung erfolgt nach dem Konzert. Volker Diecken, der Gitarrist von NAILED TO OBSCURITY, ist im Publikum und berichtet nach der Show, dass HINAYANA als Support für die DARK TRANQUILLITY und ENSIFERUM-Tour durch die USA im Frühjahr 2022 mit NAILED TO OBSCURITY die Bühne teilten. Daraus hat sich ein intensiver Kontakt entwickelt. Diecken versorgt HINAYANA mit den notwendigen Informationen für ihren erstmaligen Besuch in Europa. Einmal mehr zeigt sich die funktionierende Metal-Community in Europa, wo die Bands gemeinsam nach Lösungen suchen.

Musikalisch gibt es fünf Songs, darunter mit „Taken“ ein Vorgeschmack auf des kommende Album. Der primäre Fokus liegt auf der 2020er EP „Death Of The Cosmic“. Wer auf Melodic Death Metal mit Keyboard steht, der sollte HINAYANA zum Beispiel auf Bandcamp antesten.

WOLFHEART reisen durch ihre Diskografie

Galerie mit 20 Bildern: Wolfheart - Ultima Ratio Fest 2022 in Berlin

Die Umbaupausen sind knapp, aber ausreichend, da das Drumkit nicht verändert werden muss. Circa 15 Minuten nach HINAYANA stehen WOLFHEART aus Finnland auf der Bühne. Ursprünglich als Solo-Projekt von Tuomas Saukkonen gegründet, haben sich WOLFHEART mittlerweile einen Namen im melodischen Death Metal gemacht. Das aktuelle Release nennt sich „King Of The North“ und wurde Mitte September 2022 veröffentlicht. Die Reihen vor der Bühne sind nach wie vor eher locker gepackt, es ist aber deutlich voller als beim ersten Opener.

Wie HINAYNANA nutzt das Quartett aus Lahti nur den vorderen Bereich der Bühne, welche in tiefdunkelblaues Licht getaucht wird, als WOLFHEART mit „Skyforger“ die Show eröffnen. Der Sound ist für den zweiten Opener der Ultima Ratio Fest 2022-Show nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten mehr als ansprechend. Neben „Skyforger“ werden „Knell“ und „The King“ vom aktuellen Release performt. Die Gitarren kommen rasend zur Geltung bei den älteren Nummern wie „Strength And Valor“ vom 2013er Debüt „Winterborn“ und erinnern an die Anfänge mit schwarzmetallischem Einfluss. Saukkonen und seine Mitstreiter berücksichtigen fast jede Scheibe, welche von WOLFHEART veröffentlicht wurde. Für das 2017er „Tyhjyys“ reicht die Spielzeit von circa 40 Minuten leider nicht. Trotzdem ein bockstarker Auftritt, welchen die Anhängerschaft mit im Rhythmus fliegenden Haaren honoriert.

BORKNAGAR könnten die doppelte Spielzeit gebrauchen

Galerie mit 24 Bildern: Borknagar - Ultima Ratio Fest 2022 in Berlin

Die Progressive-Black-Metaller BORKNAGAR aus Norwegen machen dann den ersten Genre-Exoten im heutigen Line Up aus. Erneut nach einer knappen, aber ausreichenden Umbaupause stehen die Mannen rund um Fronter ICS Vortex auf der Bühne und präsentieren ihr Songmaterial. Doch wie sollen elf Alben in 45 Minuten gequetscht werden, insbesondere wenn die Band selten Songs unterhalb der Fünf-Minuten-Marke schreibt?

Die Antwort darauf lautet: gar nicht! BORKNAGAR konzentrieren sich auf ihr aktuelles Material der letzten beiden Alben „Winter Thrice“ und „True North“. Das macht aber auch gar nichts, da diese beiden Kältebrocken so viel verdammt starkes Liedgut zu bieten haben. Wenn die Norweger so etwas wie einen Smash Hit haben, wird es wohl „Up North“ sein, doch auch „The Rhymes Of The Mountain“ macht eine stabile Figur. Eine kleine Ruhepause und laute Fan-Chöre gibt es dann bei „Voices“, das fast schon zerbrechliche Stück vom noch aktuellen Meisterwerk „True North“ ist ein wahres Highlight in der Setlist und wird von einer atmosphärischen Lightshow untermalt.

Fronter Vortex (sympathisch in normaler Streetwear inklusive MOTÖRHEAD-Shirt unterwegs) teilt sich den Gesang mit Keyboarder Lars Nedland und die ganze Band macht einen hochprofessionellen Eindruck bei sehr gutem Sound. Nachdem Rausschmeißer „Winter Thrice“ tönen erstmals am heutigen Abend vereinzelte Zugabenrufe durch die Markthalle und das zu Recht, denn BORKNAGAR könnten lässig 90 Minuten statt der heute gebotenen 45 füllen. Dann wäre auch Platz für Songs vom kürzlich neu veröffentlichten Debütalbum. So muss die Klassikerabteilung mit zwei Stücken von „Quintessence“ auskommen.

INSOMNIUM tauchen die Markthalle in Melancholie

Galerie mit 26 Bildern: Insomnium - Ultima Ratio Fest 2022 in Berlin

Für MY DYING BRIDE sind INSOMNIUM ins Billing gerutscht, sodass der Anteil an Melodic-Death-Metal-Bands beim Ultima Ratio Fest 2022 überwiegt. Der Stamm-Gitarrist Markus Vanhala betrauert den Verlust seiner Mutter und ist nicht mit INSOMNIUM unterwegs. Sein heutiger Ersatz ist ein guter alter Bekannter: Dr. Ville Friman, eigentlich mehr an der Universität in York aktiv als auf der Bühne, übernimmt die Rolle von Vanhala. Die Leadgitarre und der Klargesang obliegt Jani Liimatainen.

Nach dem Intro „Karelia“ legt das Quartett mit „Ephemeral“ und dem Klassiker-Album „Shadows Of The Dying Sun“ los. Der Sound benötigt den ersten Track, passt bei „Valediction“ aber soweit. Überraschend ist die Zurückhaltung von Friman, immerhin einer der Bandmitbegründer, welcher Liimatainen und Sevänen die Show überlässt. Die typische INSOMNIUM-Melancholie wabert durch die Markthalle. Die Bühne ist in dunkles Licht getaucht, und das Quartett fokussiert sich auf die Alben  „Heart Like A Grave“ und den bereits erwähnten Klassiker „Shadows Of The Dying Sun“. „And Bells They Toll” sorgt für geschlossenes Headbangen in den fordern Reihen, während „Pale Morning Star“ einen heftigen Moshpit verursacht.

Nach einer kurzen Unterbrechung beenden INSOMNIUM ihr circa einstündiges Set mit den beiden Must-Play-Songs „While We Sleep“ und „Heart Like A Grave“. Unter dem verdienten Applaus verlassen die Herren die Bühne. INSOMNIUM liefern genau das, wofür die Anhängerschaft der Band heute in den Club gekommen ist. Ein Gitarrensound mit einem derart melancholischen Unterton, welcher INSOMNIUM ein sehr spezielles Merkmal gibt und fast ein eigenes Genre kreiert hat: Melancholic Melodic Death Metal.

MOONSPELL bringen den Abend zu einem düsteren Ende

Galerie mit 28 Bildern: Moonspell - Ultima Ratio Fest 2022 in Berlin

Trotz Headlinerposition ist die Fläche vor der Bühne nach dem großartigen INSOMNIUM-Gig erst einmal ziemlich leer, fast scheint es so, als hätte kaum noch einer Lust auf den Gothic Metal der Portugiesen, die dieses Jahr dreißig Jahre zusammen musizieren. Anlässlich dieses Jubiläums spielt die Band ein Best-Of-Set, das sich stark auf „Irreligious“ konzentriert. Der aktuelle Wurf „Hermitage“ wird nur mit dem Opener „The Greater Good“ bedacht, vom Vorgänger „1755“ gibt es heute Abend nichts zu hören. Auch die umstrittenen Werke „Sin / Pecado“ und „The Butterfly Effect“ gehen leer aus, ebenso das Doppelalbum „Alpha Noir / Omega White“. Vom Rest der Diskografie wird mindestens ein Stück zum Besten gegeben.

Nachdem der erste Song verklungen ist, hat sich die Markthalle allerdings doch wieder gut gefüllt, vermutlich hat die Bier- und Pinkelpause einfach länger gedauert als der Umbau. MOONSPELL zocken souverän und okkult durch ihr Set, liefern dabei showtechnisch keine große Überraschung, haben aber ein sehr stimmiges Vollmond-Backdrop dabei, das mit den Lichtern sehr stimmungsvoll angestrahlt wird und eine super Atmosphäre liefert.

MOONSPELL wissen offensichtlich, in was für Genres die Bands, die vor ihnen gespielt haben agieren, denn das Set fällt sehr metallisch und hart aus, Stücke wie „Finisterra“ von „Memorial“ und „Breathe (Until We Are No More)“ sorgen auch hier für kreisende Mähnen und in die Luft gestreckte Fäuste. Den Abschluss bilden nach einer Stunde natürlich „Alma Mater“ und „Full Moon Madness“, der Bandklassiker „Opium“ war bereits in der Mitte des Sets zu finden.

Insgesamt können MOONSPELL aber auch an diesem stark von Melodic Death Metal geprägten Abend viele Leute überzeugen, dennoch sollte sich angesichts der Fülle der Markthalle gefragt werden, ob INSOMNIUM und MOONSPELL nicht lieber die Setplätze getauscht hätten. Zufrieden können um 23:30 jedenfalls alle die Location verlassen. Insbesondere auch dieser Schreiberling, der während des MOONSPELL-Sets von einem metal.de-Fan angesprochen wurde, wie toll er doch diese Seite fände. Vielen Dank dafür und vielen Dank an die fünf Bands für diesen tollen Konzertabend.

Text: Jannik Kleemann und Jürgen Fenske
Bilder: Andrea Friedrich

20.10.2022

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