Darkthrone - Pre-Historic Metal

Review

Prähistorie, auch Urgeschichte genannt, bezeichnet einen Teil der Ur- und Frühgeschichte mit dem ältesten Zeitabschnitt der Geschichte der Menschen, aus welchem keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen. Nehmen uns also DARKTHRONE mit „Pre-Historic Metal“ in die Steinzeit, oder in die Ursuppe norwegischen Black Metals?

DARKTHRONE – Steinzeit oder die Ursuppe norwegischen Black Metals?

Nun, weder führen uns die beiden Schrate Fenriz und Nocturno Culto zurück zum Aufbruch der Menschheit, noch dürfen wir zurück zu „A Blaze In The Northern Sky“ (1992), dem ersten Album der zweiten Black-Metal-Welle. Vielmehr folgen DARKTHRONE weiter ihrem seit „Circle The Wagons“ (2010) eingeschlagenen Pfad, frönen ihren frühesten Wurzeln und kombinieren ursprünglichen Heavy Metal mit ruppigem Thrash und Speed, räudigem Punk, schleppendem Doom und nostalgischer Schwarzmetall-Raserei. Ein roher, urwüchsiger Höhlen-Sound aus den tiefen der norwegischen Wälder, altertümlich durch und durch. Da passt also der Titel „Pre-Historic Metal“ – barbarisch primitiv und dreckig und mit schlechter Laune aus Prinzip!

Schlechte Laune aus Prinzip

DARKTHRONE sind Metal mit Old School Vibe und direkt ins Gesicht, wie auch beim direkten Vorgänger „It Beckons Us All“. Es riecht nach Schweiß und Bier statt Prosecco, altes Eisen voll charismatischem Rost statt poliertem Stahl, übersteuerte Amps und organisches Schlagzeug statt drückender Kompression und sterilem Trigger. Fenriz sagt: „The old school never gets old“ und trifft damit den rostigen Sargnagel auf den Kopf. Kompromisslos stur beschwören DARKTHRONE den Geist der Siebziger und Achtziger und drehen diesen stumpf und beherzt rumpelig durch ihren ureigenen Fleischwolf. Das grantig rohe, einfach und spärlich produzierte „Pre-Historic Metal“ ist ein weiterer Schritt in der fortschreitend würdevollen Verkauzung des Duos und deren Pfeifen auf irgendwelche Konventionen und Erwartungen.

Fortschreitend würdevolle Verkauzung

Laute, trockene Gitarren liefern simple und doch effektive Riffs, darunter primitive Rhythmen, garstiger Gesang, kalte, rohe Atmosphäre. Die Zutaten sind altbekannt und werden auf „Pre-Historic Metal“ kompakt verwurstet. Das neue Album wirkt in sich reduzierter und verdichteter als zum Beispiel „Astral Fortress“.

„They Found One Of My Graves“ – was für ein Titel! Krude nach vorne preschende, bissige Riffs im klassischen Heavy-Metal-Stil, charmant ungehobelt energische Grooves, Nocturnos finstere Stimme, die typische Dunkelheit der Norweger. Direkt und wirkungsvoll. Und DARKTHRONE kommen sogar am Ende mit einer Überraschung um die Ecke: Kauzige Siebziger-Jahre-Psychedlic-Rock-Keyboards! Ein weiterer Beweis, dass Fenriz und Culto einfach machen, worauf sie Bock haben.

Der programmatische Titelsong eröffnet roh und ungezügelt mit ordentlich angezogenem Tempo, shreddenden Gitarren, räudig-kauziger Gesang. Dreckig ursprünglicher Blackend Speed Heavy Metal mit primitiver Wucht und einigen Doom-Momenten. DARKTHRONE klingen voller Trotz authentisch alt, der Song unterstreicht glaubwürdig ihre ureigene DNA.

HELLHAMMER in Sibirien

„Siberian Thaw“ – fast sieben Minuten Spielzeit mit drückend schweren Riffs, hypnotischer Flow, archaisch abgründige Atmosphäre. Repetitiv wiederholen sich die Gitarrenlinien, das Stück pendelt zwischen Midtempo und schleppenden schwarz-getünchten Doom-Passagen. Viel HELLHAMMER in Sibirien.

Im knorrigen „Deeply Rooted“ mischen DARKTHRONE urwüchsigen Doom mit klassischen Achtziger-Jahre-Heavy-Metal-Galopp-Gitarren, schwarzer Stimmung insbesondere durch die düster-kratzig böse Stimme und schräg theatralischen Gesangseinschüben.

„The Dry Wells Of Hell“ ist ein schwerer Banger, klassisch durch und durch, Metal-Bildsprache, eigentümlich erhaben, hoher Clean-Gesang. Ok, aber nicht zwingend genug.

Wieder psychedelisch ist das kompakte, sphärische Instrumental „So I Marched To The Sunken Empire“ mit trippigem Schlagzeug und tiefer Gitarre.

„Eat Eat Eat Your Pride“ – DARKTHRONE haben es mit ihren Titeln. Musikalisch hätte der Song so auch auf „The Underground Resistance“ gepasst. Eine räudig aggressive, treibend rohe Abrissbirne mit bissigen Riffs, die doomigen Parts erinnern an CELTIC FROST.

Das Finale ist ein weiteres „Eon“, dieses Mal die vierte Variante, und walzt langsam und wuchtig mit stoisch geradlinigen Riffs, der getragene Gesang unterstützt die Endzeitstimmung. Gut, aber kein Ausrufezeichen im Werk von DARKTHRONE.

Kein Ausrufezeichen im Werk von DARKTHRONE

„Pre-Historic Metal“ reiht sich nahtlos in die DARKTHRONE-Alben der letzten 20 Jahre ein. Fenriz und Nocturno Culto bleiben sich treu. Das archaische „Pre-Historic Metal“ ist dreckig, ungeschliffen und rau, was nicht ein Zeichen von Unbeholfenheit darstellt, sondern einfach dem gewollten Ausdruck der beiden Überzeugungstäter in bemerkenswerter Konsequenz entspricht.

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03.06.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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3 Kommentare zu Darkthrone - Pre-Historic Metal

  1. doktor von pain sagt:

    Darkthrone machen Darkthrone-Sachen.

  2. Hansi sagt:

    Und das machen sie nicht schlecht.

  3. Sikk sagt:

    Da ist sie 🙂 Hab mich schon gewundert, wo Eure Review zum neuen Album bleibt. Gut beschrieben, auch wenn ich dieses Werk am Ende noch etwas besser bewerten würde. Das Songwriting finde ich in weiten Teilen echt gelungen! Darkthrone ist und bleibt eben ein besonderes Duett. Schön, dass sie einfach immer weiter ihr Ding machen. Und schön, dass es solche Bands noch gibt.

    8/10