metal.de-Redaktion
Durch die Lappen gegangen - Das erste Halbjahr 2026

Special

Polis

POLIS – Pilger (29. Mai 2026)

Das neue Album „Pilger“ der teutonischen Prog-Formation POLIS könnte eine Marktlücke offenbaren. Oder zumindest sind unsereinem erstaunlich wenige (unironisch hörbare) Retro-Prog-Bands geläufig, die in deutscher Sprache singen. Es gibt ausreichend deutschsprachige Bands, die zwar mit Progressivität experimentieren, meist jedoch mehr in den Core-Gefilden beheimatet sind wie THE HIRSCH EFFEKT oder die zum Zeitpunkt des Verfassens inaktiven MONOPHONIST. Die hier gegenständlichen Plauener dagegen bedienen tatsächlich eine Retro-Prog-Spielart mit dem Anspruch analoger Klanggestaltung, die so ein bisschen den Bogen von THE TANGENT (nur kompakter) über die unvermeidbaren FLOYDismen und Ansätzen geradezu ursprünglicher Prog-Mystik á la der Peter Gabriel-GENESIS hin zu den Alternative-nahen Ansätzen aus dem PORCUPINE TREE-Umfeld spannt.

Das Ganze wird abgerundet durch eine erfrischend ungekünstelte Intonation von Christian Roscher, der dem Sound mit seinen irgendwie gedankenverloren wirkenden Sophistereien über das Leben, den Tod und alles dazwischen noch einmal ein Stück in Richtung Indie-Rock rücken lässt. Die Kunst hinter „Pilger“ besteht indes vor allem darin, all das in einen organischen, mitreißenden Sound zu bündeln, der einerseits auf dem Boden verankert wirkt, sich dennoch gern mal hymnisch, d. h.: mehrstimmig gesungen gen Himmel abhebt, den Kopf aber nie zu tief in die Wolkendecke steckt. Das Ganze atmet die Lockerheit von Bands wie SUBURBAN SAVAGES, geht aber seinen eigenen, stimmungsvollen Weg und hebt sich damit erfrischend ab. „Pilger“ empfiehlt sich durch seinen Charme und sein Selbstbewusstsein dringend teutonischen Prog-Nasen und solchen, die es werden möchten.

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30.06.2026

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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