Amon Amarth
Alte Mythen, neue Geschichten – Der Lyrik-Check

Special

Phase 1: Antichristlicher Furor und erste Mythen (1998–2001)

Albumcover „Once Sent From The Golden Hall“ von AMON AMARTH

Wer die Entwicklung von AMON AMARTH nachvollziehen will, muss an die Wurzeln zurückgehen. Schon auf dem Debütalbum „Once Sent From The Golden Hall“ gingen Hegg und Co. „textlich in die Viking-Ecke“, allerdings mit „viel Klischees, Blut und Odin-Beschwörungen“ – „das Übliche eben“, wie der Redaktionskollege damals konstatierte.

Die Bildsprache war allerdings roher als auf späteren Alben. Ein bestimmendes Motiv dieser Jahre ist der gewaltsame Widerstand gegen die Christianisierung des Nordens. Songs wie „Ride For Vengeance“ („Once Sent From The Golden Hall“, 1998), „Bleed For Ancient Gods“ („The Avenger“, 1999) oder „Bastards Of A Lying Breed“ („The Crusher“, 2001) tragen Konfrontation und Rache bereits im Titel. Der letztgenannte Song ist mit der Passage „Moral Preached By Immoral Fucks / All I Feel Is Despise / Lie No More You Fucking Cunts“ dabei so vulgär wie davor und danach keiner mehr. Auch in „God, His Son And Holy Whore“ (1999) setzen die Akteure auf schwerthafte Maßnahmen.

Albumcover „The Avenger“ (1999)AMON AMARTH„The Sound Of Eight Hooves“ (2001) geht von der Prämisse aus, dass der christliche Prediger falsch liegt und im Moment des Todes Odin begegnet. Noch härter trifft es die Konvertiten in „Abandoned“ (1998), die von „Nordmännern“ überfallen werden und sich von ihrem Gott verlassen fühlen.

Neben der Religion finden sich weitere Anlässe für Gewalt. Der Protagonist von „Avenger“, dem Quasi-Titeltrack von „The Avenger“, will einen nicht näher bezeichneten Verlust durch Feuer blutig rächen. Den Schuldigen macht er im Wortsinne einen Kopf kürzer und wählt anschließend den Freitod durch die eigene Klinge.

Die Stoffe der nordischen Mythologie sind gerade auf den ersten beiden Alben eher durch Schlagworte präsent. Das zeigt beispielhaft der Song „Metalwrath“, in dem Johan Hegg eher beiläufig Odin, einen seiner Beinamen („Ygg“, sinngemäß „der Schreckliche“), Thor, die „Nine Worlds“ und den Fimbulwinter einfließen lässt. Ein kleines Easter Egg ist hier der elegante Bezug zum Vorgängerwerk („See us ride for vengeance / Friends of the suncross / We are born of steel“). Eine erste ernsthafte Hinwendung zu einem konkreten mythologischen Stoff ist „Thor Arise“, der achte und abschließende Track von „The Avenger“.

Albumcover „The Crusher“ (2001) von AMON AMARTHAuch „The Crusher“ bleibt grundsätzlich in der antichristlichen Lyrik verwurzelt; die stärker hervortretende Mythologie dient vor allem dem Storytelling. Der gewalttätige Auftritt Thors in „Annihilation Of Hammerfest“ stellt eher heidnische Gegenwehr dar. Die inhaltliche Fortsetzung „Releasing Surtur’s Fire“ ist ebenfalls mythologisch grundiert, baut daraus aber eine eigene AMON-AMARTH-Geschichte, die sich gegen die unterstellten christlichen „Thousand Years of Tyranny“ wendet. „Risen From the Sea 2000“, eine Neuaufnahme eines Songs vom Demo „Thor Arise“ (1992), wiederum ist ein wildes Ragnarök-Panorama aus Jörmungandr, Hels Totenheer und dem Riesen Surtur – angereichert mit christlicher Apokalyptik.

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04.10.2026

From the Underground and Below

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