Nocte Obducta
Interview mit Marcel zur Rückkehr der Band

Interview

Nocte Obducta

In den letzten Jahren haben sich einige bekanntere Black Metal-Bands, gerade aus dem deutschsprachigen Raum, nach und nach aus dem aktiven Musikmachen zurückgezogen. Neben Euch kommen nun zum Beispiel auch LUNAR AURORA, KOROVAKILL und vielleicht die GRABNEBELFÜRSTEN zurück. Was glaubst Du, woher der Wunsch kommt, aufzuhören und dann doch die Füße nicht stillhalten zu können?

Ich denke, man braucht von allem mal eine Pause. Außerdem ist es doch so, dass wir das alle nebenher und ohne Verdienst machen, letztlich kosten die genannten Bands doch allesamt Zeit und oftmals sogar Geld. Das heißt, man hat dazu noch komplett das „normale Leben“. Wenn man dann aber auch andere Musik macht, aus schlichten Zeit- und Organisationsgründen aber eben nur eine Sache wirklich verfolgt, dann wird dieser Wunsch, mal zu pausieren oder einen anderen musikalischen Schwerpunkt auszuloten, intensiver. Wenn ich jeden Tag nur Mucke machen könnte, dann hätten vielleicht all meine Projekte irgendwie aktiv was gemacht und ich wäre ausgelastet gewesen. Aber im wahren Leben ist es nunmal so, dass du Dein Instrument auch mal einige Wochen nicht anfasst und dazu auch echt keine Zeit und keinen Kopf hast, und im Falle von NOCTE OBDUCTA, wo ja auch die Erwartungen von innen und außen nicht eben gering waren, ist das dann einfach irgendwann nur noch Druck gewesen. Natürlich waren die widrigen Umstände damals nicht gerade eine Erleichterung.

Schon vor Jahren hast Du Dich mehr und mehr vom Metal entfernt und Erfahrungen in anderen Musikstilen gesammelt. NOCTE klingen jetzt allerdings doch wieder ziemlich metallisch. Was hat Metal an sich, dass man selbst als gestandener Mann jenseits der 30 immer wieder zu ihm zurück kommt?

Naja, vielleicht hast Du die Antwort grad selber gegeben. Bei der derzeitigen Kernbesetzung im Proberaum (also mit Heidig, aber ohne Flange) bin ich mit meinem 34 Jahren der jüngste, manch einer hat die 40 wirklich schon ekelhaft nah vor der Nase. Wir sind damit sicher noch nicht altes Eisen. Aber wir hören den Kram somit allesamt seit den 80ern, mit sowas hört man ja nicht einfach auf, das ist ja keine blöde Mode, das ist Musik, die einem verdammt viel bedeutet. Ich hab ja auch schon immer anderes Zeug gehört, das hört ebenfalls nicht auf.
Was letztlich die Umsetzung nach außen angeht, so habe ich das ja in der Antwort davor angedeutet. Man würde am liebsten (immer) alles machen (dürfen), aber das geht einfach nicht. Und nunja, man braucht vielleicht auch manchmal Pausen nach außen hin oder einen Ausgleich. Ich habe z.B. die letzten Jahre viel, viel mehr Metal gehört als in der Zeit, in der wir mit „Stille“ und „Nektar“ unterwegs waren, wo der private Konsum von Metal manchmal wochenlang bei null lag. Ich denke aber, wir haben mittlerweile die Ruhe und die Fähigkeit, einen sehr großen Teil dessen, was uns musikalisch umtreibt, auch wirklich unter dem Namen NOCTE OBDUCTA zu vereinen. Einige sehr unterschiedliche Alben, ein Freischwimmen mit Sequenzen, eine nach außen unglücklich umgesetzte Pause mit reiner Konzentration aufs Spielen und eine Rückkehr über die alte Schule sind da sicher keine schlechte Grundlage.

Weil wir bestimmt im November nochmal sprechen wollen, soll’s das mit der Fragerei für heute erstmal gewesen sein. Falls Du trotzdem noch Dinge anmerken oder Dich über das vergangene halbe Jahrzehnt auskotzen willst, ist das hier vorerst die letzte Chance. Vielen Dank für die Zeit.

Ja, hm, war halt fast alles Scheiße, ne? Dass das auch in die Zeit fällt, in der wir nicht NOCTE OBDUCTA hießen, das ist sicher ein Zeichen Gottes, ich bekomme schon lange Zeichen von Toten.

Galerie mit 16 Bildern: Nocte Obducta - Live in Berlin

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23.08.2011

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