Amon Amarth
Am Stammtisch - AMON AMARTHs "Deceiver Of The Gods"

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Amon Amarth

FD: Halte ich für ziemlichen Quatsch. Gerade die drei Videos über die Hintergründe des Albums zeigen, dass das Textkonzept überaus durchdacht und ausgearbeitet ist. Johann ist ja auch keine 18 mehr und muss nicht mit Fellen und Hörnern durch die Gegend latschen.

PS: Danke für die Unterbrechung, ihr Banausen. Was ich sagen wollte: Mir kommt das Konzept hinter den Gitarren-Spielereien meistens nicht ganz schlüssig rüber, bzw. ertönt mir meist zu einfallslos. Die Melodien in den Strophen etc. werden im Solo meist stumpf wiederholt. Von den Texten gar nicht zu sprechen, das ist für mich auf Live-Tauglichkeit getrimmt, hat nicht mehr den rohen Charme inklusive Aussage damaliger Werke. In Bezug auf “Shape Shifter” und Lokis Fähigkeit, verschiedenste Gestalten anzunehmen: Für mich klingt das so, als hätte sich der Gute damals neben dem Betrügen auch gerne mal in der Luft in einen Fisch und zu Wasser in einen Vogel verwandelt. Oller Wirrkopp, der.

FJ: Konzepte, Konzepte, was interessieren mich Konzepte? Pascal und Florian können ja mal zusammen durch den Wald gehen und bei ALCEST über Neiges Kindheit und dessen lyrisches Konzept diskutieren, aber zum Teufel, doch nicht bei AMON! Klar ist es auf live konzipiert, weil diese Musik am besten live geht, Massen von schreienden Leuten, Flammen auf der Bühne, und Mitsingen, DAS ist wichtig hier, kein Konzept.

NS: Zum Thema “live” – ich habe AMON AMARTH bei Rock Am Ring gesehen und “Deceiver Of The Gods” geht live dermaßen ab, dass man die “glatte Produktion” sofort vergisst. Zum Thema “Konzept”: Man hört deutlich, dass Johann das Album eben nicht einem Konzept unterworfen hat. Jeder Song ist eigenständig und hangelt sich am „Loki-Konzept“ lang, aber die Basis ist diesmal AMON AMARTH und das ist ein guter Kompromiss zwischen “Reifeprozess der Band“ und „nahe an den Bandwurzeln”.

FD: AMON auf dem Rock am Ring, und dann mit so einer Fanreaktion – für eine totgesagte Truppe aus alten Säcken spektakulär, oder? Wie kommt das, dass die Band offenbar immer noch wächst und auch immer wieder junge Hörer rekrutiert?

FJ: Bin ich jetzt wieder dran, weil es um junge Leute geht?

PS: Was soll ich da mit meinen zarten 22 sagen?!

FJ: 22? Deine Argumente klingen wie von meiner Oma, aber nichts für ungut. AMON AMARTH totgesagt? Wo hast du das denn her? Als die Jungs letztes Jahr das Breeze “abgeschlossen” haben, war keine Spur von Tod, der Platz war bis zum letzten Meter voll, und da waren Jung und Alt. Aber vielleicht reden wir mal wieder über Musik, nicht über Belangloses?

FD: Oft kritisiert, mehr als die Musik, wurde von unseren Lesern der Sound – gerade der ist doch aber wieder um einiges bissiger geworden als zuletzt, oder? Nicht nach Metalcore-Maßstäben, aber grundsätzlich…

NS: Metalcore-Maßstäbe sagt mir nicht wirklich was… aber gerade mit dem Sound bin ich sehr zufrieden, ich mag die Produktionen von Andy Sneap und ganz besonders gut gefällt mir, dass er AMON AMARTH das Thrashen beigebracht und eine ganz neue Dynamik etabliert hat. Er hat der Band diesen “lahmen Zahn” gezogen…

PS: Ich gebe dir da einfach mal teilweise Recht. Zunächst einmal aber ist Andy Sneap für mich neben Andy Classen und Jacob Hansen der übelste Soundpfuscher, den das Metalgenre je erdulden musste. Auf “Deceiver Of The Gods” passt das Soundgewand aber durchaus, er hat schon schlimmere Verbrechen vollzogen. Und sie haben mit dem neuen Album auch die beiden Total-Gähner von Vorgängern definitiv ausgestochen, da hat er sicherlich auch seinen maßgeblichen Anteil.

FJ: Wenn Hansen und Sneap solche Pfuscher wären, hätten in der Vergangheit sicher nicht Bands wie DEADLOCK, TESTAMENT oder CRADLE OF FILTH ihre Dienst in Anspruch genommen. Die Produktion von Sneap ist, wie auch auf “Deceiver Of The Gods”, genau auf den Punkt, sauber, druckvoll, und wie Nadine schon richtig sagte, dynamisch ohne Ende, um Längen besser als das, was AA in der Vergangheit auf die Ohren losgelassen haben.

Amon Amarth

FD: Kommen wir von den Ohren mal zu den Augen. Darf man solche Cover 2013 überhaupt noch drucken lassen, oder fällt das unter 80er-Retro?

PS: Zweckmäßig, würde ich sagen. Bis auf das Gekritzel von “Surtur Rising” hatten AMON AMARTH bisher auch immer großartige Artworks, wie ich finde. Man darf sich das “Deceiver Of The Gods”-Cover auf der Homepage auch gerne in seiner Gänze antun, ich find’s gelungen. Das dürfen die Burschen genauso wie immer wieder ihren immerselben Stiefel runterspielen. Es passt definitiv zum Titel und der Thematik, stellt die „Epik“ des Konfliktes eigentlich sehr gut dar.

NS: Schon das Cover versinnbildlicht den Unterschied zu “Surtur Rising”. Während dieses Album dunkel und brachial daherkam und dies auch im Cover verdeutlichte, spielt “Deceiver Of The Gods” mit den Gegensätzen von Melodiebögen und tiefen Riffs, von schnell und langsam und auch von laut und leise. Das Duett mit dem Ex-CANDLEMASS-Sänger stellt lediglich den Höhepunkt dar und auch das “Loki-Konzept” befasst sich ja mit diesem Kontrast. Ich finde das Cover sehr gelungen und passend!

FJ: Natürlich ist das Cover geil und passend, weil es mächtig ist! Ich habe zwar im Gegensatz zu manchen hier keinen Hobbymaster in Epik und nordischer Mythologie, aber das gehört doch dazu: Dunkle Wolken, ein epischer Kampf, mächtige Wesen. Was soll anderes drauf auf ein AMON AMARTH-Album? Das von “Surtur Rising” war einfach schwach.

FD: Wie wird es nach so einem Album weitergehen? Wird nicht irgendwann die Spitze der Fahnenstange erreicht sein? Werden wir 2041 noch über die letzten Ecken nordischer Mythologie informiert werden, von Wikingern am Stock, sodass auch Fabi dann mit Ende 50 seinen Mythologie-Master hat?

FJ: Die Fahnenstange ist vielleicht schon lang erreicht, aber wen interessiert das, solange noch geile Alben kommen? Es wird weitergehen wie bisher, alle zwei, drei Jahre wird ein neues Album kommen, die einen heulen, die anderen feiern es, wie immer. Irgendwann ist auch für AMON AMARTH mal Sense, aber ganz sicher noch nicht jetzt. “Deceiver Of The Gods” ist doch das beste Beispiel, dass nach einem jahrelangen Tief auch bei alten Säcken (die Band, bei Florian ist der Zug schon abgefahren) noch was Geiles kommen kann!

PS: Eben, AC/DC sind ja auch schon längst im Altersheim und leiern sich noch neues Material aus den Rippen.

NS: Also erstmal hört auf AMON AMARTH, alte Säcke zu nennen! Den AC/DC-Vergleich finde ich sehr weit hergeholt, dafür sind AMON AMARTH zu facettenreich und genau das kritisieren ja viele an der neuen Platte. Fakt ist, die Band regt sich und sucht Veränderungen, aber dass die Band in 30 Jahren noch mitspricht, ist unwahrscheinlich.

FD: Sperrstunde, Leute – “Deceiver Of The Gods” in einem Wort.

FJ: Zuvielfüreuch.

PS: Durchwachsen!

NS: Faszinierend!

 

 

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04.07.2013

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2 Kommentare zu Amon Amarth - Am Stammtisch - AMON AMARTHs "Deceiver Of The Gods"

  1. Anton Kostudis sagt:

    Stark. 🙂

  2. Thorsten sagt:

    Ich musste mich teilweise am Tisch festhalten um nicht vor Lachen vom Stuhl zu kippen, sehr geil 😀