Bang Your Head!!!
Der große Festivalbericht 2013

Konzertbericht

Billing: Accept, Angel Witch, At The Gates, Crematory, Die Apokalyptischen Reiter, Dream Evil, Entombed, Exumer, H.E.A.T, Hell, Iced Earth, Lake of Tears, Lordi, Masterplan, Pretty Maids, Rage, Raven, Sanctuary, Saxon, Stratovarius und Thunder
Konzert vom 2013-07-12 | Messegelände, Balingen

 

Samstag, 13.07.2013

Samstag morgen, die Frisur (?) sitzt und die Sonne strahlt erneut. Wunderbare Voraussetzungen für Festival-Tag Nummer Zwei und offenbar nicht nur meine Wenigkeit hat schon zur Morgenstund‘ bereits wieder mächtig Appetit auf Musik. (Walter Scheurer)

 

REBELLIOUS SPIRIT
(10:00 – 10:40)

Eröffnet wird der Reigen wird von den Jungspunden REBELLIOUS SPIRIT, die jene Funktion schon beim „Schwester-Festival“, dem „Rock Of Ages“, übernehmen durften und sich ebendort offenbar auch eine ganze Menge Fans erspielen konnten. Anders ist es nämlich nicht zu erklären, dass das geräumige Areal vor der Bühne bereits um diese Uhrzeit nicht nur überraschend stark frequentiert ist, sondern sich viele Fans auch schon zum Mitmachen animieren lassen. Der Auftritt selbst ist selbstredend von Songs des erst vor wenige Wochen zuvor veröffentlichten Debütalbums „Gambler Shot“ geprägt und die zum Teil leicht sleazig-angehauchten Nummern der Schwaben sind unüberhörbar für die Bühne geschrieben. Der Set und die Tracks machen nämlich durch die Bank gute Laune und daher werden REBELLIOUS SPIRIT auch mehr als nur wohlwollend aufgenommen. (Walter Scheurer)

 

ALPHA TIGER
(10:50 – 11:35)

Galerie mit 8 Bildern: Alpha Tiger - Bang Your Head 2013

Nicht mehr ganz so jung wie die Schwaben zuvor sind die Sachsen ALPHA TIGER, die für eine erste Portion Heavy Metal an diesem Tag sorgen. Wie immer fast „uniformell“ gekleidet, wissen die Freiberger ihren melodischen Mix aus NWOBHM und traditionell-inspiriertem US-Metal mit viel Spielfreude und Ambition darzubieten und ernten dafür sowohl jede Menge „Hörner“, wie auch bereits die ersten Chöre. Mit dem Titeltrack ihres zweiten Drehers „Beneath The Surface“ und dem von sphärischen Gitarren eingeleiteten, vom Debüt „Man Or Machine“ stammenden „Black Star Pariah“ beenden die Burschen einen gelungenen Auftritt und werden diesen mit Sicherheit ebenso positiv in Erinnerung behalten wie die zahlreichen Zuseher, die sich zu vormittäglicher Stunde dem Treiben auf den Brettern hingeben und dem Festival-Motto auf gepflegte Weise nachkommen. (Walter Scheurer)

 

HELL
(11:45 – 12:30)

Die britischen (Ok)Kult-Rocker HELL haben mit einem großen Problem zu kämpfen, als sie um die Mittagszeit die Bühne betreten. Es ist einfach noch – man möge mir das alberne Wortspiel verzeihen – verdammt hell. Doch obwohl Frontmann David Bower sein weißgeschminktes Gesicht mit Kunstblut besudelt und bei der Selbstgeißelung eifrig versucht, den bösen Satanisten zu mimen, macht die völlig überzogene Theatralik rasch deutlich, dass die Band ausgiebig vom einzig wirksamen Mittel gegen die Atmosphäre killende Himmelsfunzel Gebrauch macht: Jede Menge Humor und eine Extraportion Selbstironie. „We’re from England, we’re not used to such weather. We are not a sunshine band,“ verkündet der Sänger grinsend, fühlt sich aber offensichtlich doch pudelwohl in seiner Haut.

Galerie mit 19 Bildern: Hell - Bang Your Head 2013

Der überbordende Pathos und die weitausladenden Gesten würden wohl – genauso wie das Kopf-Mikro – besser in ein Musical-Theater als auf eine Rock-Bühne passen. Doch selbst wenn man das ganze Gebahren im Grunde reichlich albern findet, macht es Spaß, der Band um Produzenten-Legende und Gitarrist Andy Sneap zuzuschauen. Musikalisch ist alles im grünen Bereich, der traditionelle NWoBHM-Sound passt hervorragend aufs „Bang Your Head!!!“. Ohne die exaltierte Show dürfte das allgemeine Interesse an der wiederbelebten Kult-Band inzwischen aber sicherlich längst abgeflaut sein. (Florian Schörg)

 

ANGEL WITCH
(12:40 – 13:30)

Galerie mit 11 Bildern: Angel Witch - Bang Your Head 2013

Auch nach der nächsten Umbaupause gibt es erlesene NWOBHM-Sounds zu hören, steht mit ANGEL WITCH doch eines der Aushängeschilder der Bewegung auf den Brettern. Die zu Beginn des Jahres absolvierte Club-Tournee zusammen mit den jungen Bands GRAND MAGUS und ENFORCER scheint sich auf Bandoberhaupt Kevin Heybourne nachträglich positiv ausgewirkt zu haben, denn der gute Mann zeigt sich heute nicht nur vergleichsweise gesprächig, er scheint auch erkannt zu haben, dass sein Charisma alleine ausreicht um die Fans zu begeistern. Zwar weiß er den Raum auf der Bühne nicht wirklich zu nutzen, was in seiner Funktion als Sänger und Gitarrist natürlich auch nicht einfach ist, doch allein seine Ausstrahlung wie auch der Anblick des riesigen Backdrops scheint auszureichen um unzählige Fans in der „Frontrow“ regelrecht zu hypnotisieren. Intensiviert wird dieser Umstand von einem soliden Set, das nahezu ausschließlich Klassiker der Bandgeschichte enthält. Lediglich das vom letzten Dreher „As Above, So Below“ stammende „Guillotine“ unterbricht diesen Reigen, der hinsichtlich der Setlist keine Wünsche offen lässt und von „Atlantis“ eingeleitet wird und unter anderem über „White Witch“ und „Sorcerers“ bis hin zur Bandhymne „Angel Witch“ reicht. Mit dieser wird der Auftritt – gänsehautverursachende Mitsingparts inklusive – auf imposante Weise beendet und legt eindeutiges Zeugnis von der aktuellen Top-Verfassung dieser Legende ab. (Walter Scheurer)

 

MORGANA LEFAY
(13:40 – 14:30)

Dieser Samstag-Nachmittag ist generell von reiferen Zeitgenossen geprägt, die uns wissen lassen, dass sie vom „Alteisen“ allesamt noch verdammt weit entfernt sind. Wobei nach ANGEL WITCH zunächst einmal die Schweden MORGANA LEFAY zu beeindrucken wissen und mit einer mächtigen, alles niederstreckenden Version von „Source Of Pain“ auch bei denjenigen Fans, die doch etwas enttäuscht von der Tatsache sind, dass die Herrschaften schon seit längerer Zeit mehr kein aktuelles Album liefern konnten, Überzeugungsarbeit leisten. Zu diesem Zeitpunkt ist es zwar noch nicht abzusehen, im Nachhinein aber lässt sich festhalten, dass Charles Rytkönen und seine Mannen damit auch das Fundament für einen „Arbeitssieg“ legen können, denn in Sachen Bühnenpräsenz und Ambition kommt an diesem Festival kaum eine andere Band an MORGANA LEFAY heran!

Galerie mit 29 Bildern: Morgana Lefay - Bang Your Head 2013

Doch nicht nur die Herren selbst toben wie ein Wirbelwind über die Bretter, auch im Auditorium geht es dementsprechend zu. Kein Wunder, denn die von einem zwar lauten, aber gut ausbalanciertem Sound intonierten Riff-Massaker der Kategorie „Master Of The Masquerade“ oder „Hollow“ verfehlen ihre Wirkung zu keiner Sekunde. Die Kombination aus Spielfreude, positiver Ausstrahlung und Bühnenagilität auf der einen, und die unglaubliche Energie von Songs wie „I Roam“, „In The Court Of The Crimson King“ sowie dem Finale Grande in Form von „Maleficium“ auf der anderen Seite sorgt für wahre Begeisterungsstürme im Publikum und lässt die Burschen zweifelsfrei zu einem der Gewinner der 2013er Ausgabe des „Bang Your Head!!!“-Festivals werden. Danke die Herren, jetzt aber bitte rasch an die Arbeit, denn ein neues Album ist dennoch überfällig. (Walter Scheurer)

 

SANCTUARY
(14:45 – 15:35)

Ein neues Album haben die nach dem unrühmlichen Ende von NEVERMORE wieder zum Leben erweckten SANCTUARY zwar bereits angekündigt, dennoch wartet der Großteil der Fans selbstredend auf die Intonation der beiden zum Inventar jeder erlesen US-Metal-Sammlung zählenden Alben „Refuge Denied“ und „Into The Mirror Black“. Durch die Tatsache, dass Frontmann Warrel Dane leider schon mehrfach bei Festival-Gigs von krankheitsbedingten Stimmproblemen geplagt war (wie auch beim letzten NEVERMORE-Gastspiel in Balingen vor zwei Jahren) mischt sich jedoch auch Skepsis (stimmt’s, Herr Kollege?) in die Anspannung, wodurch man fast meint es in der „Frontrow“ regelrecht knistern zu hören. Doch der Sympathikus zeigt sich von Beginn an von seiner besten Seite und beweist im eröffnenden „Taste Revenge“ jedem Zweifler, dass er immer noch zu den Meistern seiner Zunft gehört. Wer mit einer solchen Granate in einer dermaßen intensiven Version ein Konzert eröffnet, hat zwar ohnehin schon die besten Chance auf den Sieg, doch darauf verlässt sich der Fünfer keineswegs und stellt mit einer erlesenen Songauswahl die Stimmung sicher. Wohl nicht nur mir dürfte im Verlauf des Set abermals so richtig bewusst geworden sein, welche Klassiker die Herren einst ins Leben gesetzt haben, denn nach dem Opener folgen mit dem ebenso vom Zweitling stammenden „Seasons Of Destruction“ die beiden Edelperlen „Die For My Sins“ und „Battle Angels“, beide bekanntermaßen vom Debüt, beide auf mehr als nur anbetungswürdige Variante dargeboten!

Galerie mit 24 Bildern: Sanctuary - Bang Your Head 2013

Als schlauen Schachzug der Amis empfinde ich danach den Zeitpunkt um unveröffentlichtes Material vorstellig werden zu lassen und so erntet Warrel aus der entfachten Euphorie heraus schon für die bloße Ankündigung des voraussichtlich „The Day The Sun Died“ betitelten kommenden Albums reichlich Applaus. Diesen rechtfertigen SANCTUARY auch postwendend und zwar zunächst mit „Frozen“, einem Ohrwurm der Sonderklasse, der zudem über einen Refrain verfügt, der sich schon beim Erstkontakt nachhaltig ins Gedächtnis einbrennt. Zwar erinnert die Band damit eher an die letzten NEVERMORE-Scheiben, doch das danach kredenzte zweite neue Stück lässt auch die Liebhaber der komplexeren Seite des Frühwerks der Formation aus Seattle mit der Zunge schnalzen. Viel Zeit zur dadurch entfachten Vorfreude auf das kommende Werk gewähren die Amis jedoch weder sich noch dem Publikum und so geht es mit dem bekannten wie bewährten JEFFERSON AIRPLANE-Gassenhauer „White Rabbit“ kurz zurück in die 60er, ehe Warrel, sein langjähriger getreuer Sidekick Jim Shepard und die beiden Original-SANCTUARY-Gründungsmitglieder Lenny Rutledge und Dave Budbill sowie „Neuling“ Brad Hull mit „Soldiers Of Steel“ und dem Gnadenstoß „Future Tense“ den Sack zu machen und ein mehr als nur zufriedenes Publikum in Balingen hinterlassen. Feiner Auftritt, den die Truppe jedoch kaum feiern kann, da sie so schnell wie möglich gen Tschechien jetten muss wo ein Auftritt beim „Masters Of Rock“ auf dem Programm steht. Welcome back, SANCTUARY, wir erwarten schon jetzt den Tag, an dem die Sonne (musikalisch) erlischt… (Walter Scheurer)

RAGE
(15:50 – 16:45)

Das erste eigene Album ihres Orchester-Projekts LINGUA MORTIS ORCHESTRA steht gerade in den Startlöchern, doch heute dürfen RAGE noch einmal eine richtig erdige Rock-Show abliefern. Und das genießen sie offensichtlich, während die Sonne Fans und Musikern ordentlich einheizt, was Frontmann Peavy mit einem launigen „Ich glaub, die Bühne brennt unter mir!“ kommentiert. Doch obwohl jede Bewegung bei diesen Temperaturen zu viel scheint, geht da Publikum gut mit und singt den schon als dritten Song in die Menge gefeuerten Evergreen „Straight To Hell“ aus voller Kehle mit. Mit Gitarren-Virtuose Victor Smolski und Drummer André Hilgers hat Peavy derzeit die perfekten Counterparts gefunden, um RAGEs Status als eine der wichtigsten Metal-Institutionen des Landes auch nach fast dreißig Jahren Bandgeschichte noch unverändert aufrecht zu erhalten.

Galerie mit 23 Bildern: Rage - Bang Your Head 2013

Eine knappe Stunde Spielzeit füllt das Trio mit einigen Klassikern, aber auch drei Stücken vom jüngsten Studio-Album „21“. Die Live-Darbietung von „Forever Dead“ und „Feel My Pain“ bestärkt mich dabei deutlich darin, dem Album, mit dem ich bislang noch nicht so recht warm geworden bin, unbedingt dembaldigst noch einmal eine Chance zu geben. Richtige Sommer-Party-Stimmung kommt aber erst auf, als RAGE bei ihrem Klassiker „Refuge“ mit einer kleinen Reggae-Jam-Einlage (THE POLICE lassen grüßen!) dem Wetter Tribut zollen. Und natürlich scheint auch heute der Zuschauer-Chor beim Alltime-Klassiker „Higher Than The Sky“ überhaupt nicht mehr enden zu wollen. (Florian Schörg)

 

THUNDER
(17:00 – 18:00)

Galerie mit 21 Bildern: Thunder - Bang Your Head 2013

Der Beginn des THUNDER-Auftritts hat schon etwas surreales an sich. Da treten fünf ältere Herren auf die Bühne und lassen sich minutenlang stolz posierend abfeiern, als wäre es schon die größte Leistung, überhaupt den Weg hierher gefunden zu haben. Doch als sie dann endlich loslegen, beginnt die Show ziemlich rasch, ihren Reiz zu entfalten. Der seichte Gute-Laune-Rock ist zwar bestimmt keine musikalische Offenbarung, atmet aber jenen launigen CHEAP-TRICK-Vibe, der einen unwillkürlich mitwippen lässt. Das breite Grinsen auf den Gesichtern müsste man schon aktiv bekämpfen, was bei strahlendem Sonnenschein und endlich wieder auf ein erträgliches Niveau abfallenden Temperaturen aber selbst dem größten Miesepeter schwer fallen dürfte. (Florian Schörg)

 

AT THE GATES
(18:20 – 19:20)

Galerie mit 20 Bildern: At The Gates - Bang Your Head 2013

Auch heute fällt mit AT THE GATES wieder eine Death-Metal-Band aus dem stilistischen Rahmen des Festivals. Die Mitbegründer des Göteborg-Sounds liefern logischerweise eine energiegeladene Melo-Death-Show ab. Der Schwerpunkt liegt auf dem 1995er Kult-Album „Slaughter Of The Soul“, auf dessen möglichen Nachfolger die Fans bis heute vergeblich warten. Der überschaubare Publikums-Zuspruch dürfte der musikalischen Ausrichtung des „Bang Your Head!!!“ und den zeitgleich in der Halle spielenden RAVEN geschuldet sein, die Fans vor der Bühne kommen aber auf ihre Kosten. Etwas weniger statisch dürften die Musiker sich gerne geben, doch diesen Schönheitsmakel macht Frontmann Tomas Lindberg damit wett, dass er bei der Ankündigung des SLAYER-Covers „Captor Of Sin“ dem verstorbenen Jeff Hanneman gedenkt: „Without him, there’d be no death metal!“ Amen, Bro! (Florian Schörg)

 

RAVEN
(18:20 – 19:40)

Danach ist zwar bei vielen Zusehern zunächst eher abwarten und eventuell auch „Parallelslalom“ angedacht, doch schon der fulminante Einstieg der seit bald 40 (!) Jahren über die Bühne wuselnden Gallagher-Brothers lässt im Endeffekt nicht nur mich in der Halle verharren um sich an der unnachahmlichen Weise von RAVEN zu ergötzen. Mehr noch, da sich selbst bis dato offenbar noch nicht mit RAVEN vertraute Besucher vom „Wahnsinn“ auf den Brettern sichtlich amüsiert und unterhalten fühlen, steht sogar schon bald fest, dass den drei Herren nicht nur rege Beteiligung und Jubel gewiss ist, sondern sie darüber hinaus zu den Gewinnern des „Entertainment“-Pokals des Wochenendes zählen. Anders gesagt:  wer „Spielfreude“ sagt, muss einfach auch RAVEN erwähnen, denn mehr an Einsatz geht kaum!

Galerie mit 9 Bildern: Raven - Bang Your Head 2013

Dass die Herren dabei einmal mehr auch wirklich alles richtig machen und zudem mit einem Programm glänzen, das ausschließlich Klassiker enthält, spricht weiterhin für die Routiniers. Von „Take Control“ über „Live At The Inferno“ bis hin zu „Fire Power“, „Speed Of The Reflex“, „All For One“ und „Rock Until You Drop“ reicht der Reigen, der für Laune sorgt, wobei letztgenannter Titel bei diesen drei Herren zweifellos immer noch Programm ist. Und selbst wenn man sich von der Musik und dem zugegebenermaßen immer noch recht schrillen Gesang von Bassist und „Frontclown“ John nicht direkt angesprochen fühlt, gibt es der Tatsache, dass man Zeuge einer der agilsten Bands überhaupt ist, nicht den geringsten Zweifel! Keine Ahnung, wo John, der regelrecht stoisch wirkende, aber dennoch unglaublich heftig und präzise den Takt vorgebende Joe Hasselvander und der bullige Mark an der Gitarre ihre Kraft und Kondition hernehmen, im direkten Vergleich jedenfalls sehen so manche deutlich jüngere Bands viel, viel älter aus. Applaaaaaaaaaaaaus! (Walter Scheurer)

 

ICED EARTH
(19:40 – 20:55)

Ich mag Matt Barlow, aber ICED EARTH hätte nichts besseres passieren können, als sein erneuter Ausstieg im Jahr 2011. Sein Nachfolger Stu Block füllt die Sänger-Rolle inzwischen perfekt aus hat der Band die dringend benötigte Frischzellenkur verpasst, um Jon Schaffer und seine wechselnden Mitstreiter mit frischer Energie nochmals durchstarten und einen zweiten Frühling erleben zu lassen. Das jüngste Studioalbum „Dystopia“ dominiert heute zurecht die Setlist und obwohl die Band bereits mitten in der Produktion des Nachfolgers steckt, gibt es leider kein neues Material zu hören. Macht aber nix, denn der Raum für Klassiker wie „Pure Evil“ oder „A Question Of Heaven“ ist ohnehin schon knapp genug. Angesichts des starken Back-Katalogs könnten Schaffer und seine Mannen wohl selbst im Rahmen einer dreistündigen Mammut-Show nicht alle Song-Wünsche ihrer Fans befriedigen. Angesichts dessen darf man mit dem heute gebotenen durchaus zufrieden sein.

Galerie mit 36 Bildern: Iced Earth - Bang Your Head 2013

Das Personalkarussell dreht sich im Hause ICED EARTH bekanntlich etwas schneller als bei den meisten anderen Bands und während sich Bassist Luke Appleton seit seinem Einstieg vor etwas mehr als einem Jahr bereits zu einem echten Sympathieträger entwickelt hat, muss der erst im Mai hinzugestoßene Drummer Raphael Saini sich seinen Platz im Bandgefüge erst noch erarbeiten. Rein technisch liefert er bereits einen tadellosen Job ab und legt gemeinsam mit Appleton ein tightes Rhythmus-Fundament, auf das Jon Schaffer und Lead-Gitarrist Troy Seele (immerhin seit 2007 in der Band) Killer-Riff um Killer-Riff stapeln, ohne dass die wuchtig-filigranen Konstruktionen jemals ins Wanken kämen. Viel zu schnell geht der grandiose Auftritt zu Ende, der qualitativ durchaus das Zeug zu einer Headliner-Show gehabt hätte. (Florian Schörg)

 

EXUMER
(20:55 – 22:15)

Auf die zweifelsfrei hinsichtlich Setlist und der allgemeinen Reaktion zur Folge durchaus headlinerwürdige Darbeitung von ICED EARTH – die sich für mein Dafürhalten jedoch leider soundtechnisch als die Enttäuschung des Wochenendes schlechthin entpuppt und nur durch Flucht aus der „Frontrow“ zu einem einigermaßen zufriedenstellenden Ergebnis führt – folgt die Überraschung schlechthin unmittelbar danach in der Halle. Für viele Zuseher wohl eher als „Pausenfüller“ betrachtet und von daher zunächst eher nur mäßiges Interesse verbreitend, fegen EXUMER mit einem Thrash-Tornado durch die Halle, dass man sich wahrlich Gedanken über die Statik des Gebäudes machen muss.

Galerie mit 4 Bildern: Exumer - Bang Your Head 2013

Angetrieben vom mehr als nur motiviert wirkenden Frontmann und Karate-Meister Mem von Stein kredenzt die deutsche Szene-Ikone ein mächtiges Brett, das sowohl klassisches Liedgut („Xiron Darkstar“, „Fallen Saint“ oder „I Dare You“) wie auch vom aktuellen Dreher „Fire And Damnation“ stammendes Material (allen voran zu nennen: der überaus festivaltaugliche Titelsong, der auch als Mitsing-Spiel bestens funktioniert, aber auch „Vermin Of The Sky“ kommt mörderisch gut daher!) beinhaltet. Wirklich beeindruckend, wie Mem seine beiden „Leidenschaften“ auf der Bühne auslebt, ebenso wie harmonisch die brettharten Tracks dargeboten werden.

Kurzum: eine imposante Vorstellung, die einmal mehr unter Beweis stellt, dass EXUMER immer noch mit zu den besten (aber leider auch unterbewertetsten) ihre Zunft zählen! Auf Grund des gegen Ende hin wirklich regen Interesses obendrein auch ein Zeichen dafür, dass beim diesjährigen Festival nicht nur meiner Meinung nach der Thrash Metal vielleicht ein wenig zu kurz gekommen ist! (Walter Scheurer)

 

ACCEPT
(21:15 – 22:50)

Es lebe die Gleichberechtigung! Denn warum sollten nur Frauen das Privileg genießen dürfen, ihren nackten Bäuchen unter zu kurz geratenen T-Shirts etwas Auslauf an der frischen Luft zu bescheren? Gut, der von ACCEPT-Sänger Mark Tornillo ist für meinen Geschmack ein wenig zu pelzig, aber das sei ihm angesichts seiner Stimmgewalt gerne verziehen. So ganz kann er den Schatten des großen (höhö) Udo Dirkschneiders natürlich noch immer nicht abschütteln, in ihrer jetztigen Inkarnation funktionieren ACCEPT dennoch hervorragend und brauchen sich hinter der Band ihres Ex-Sängers sicherlich nicht verstecken. Das vertritt man auch offensiv, indem man den Stücken der beiden Tornillo-Alben „Blood Of The Nations“ und „Stalingrad“ viel Platz auf der Setlist einräumt. Klar, da vermissen die Fans dann zwangsläufig den ein oder anderen Klassikern, die „wir können auch ohne U.D.O. geile Musik machen“-Message kommt aber in jedem Fall an.

Galerie mit 22 Bildern: Accept - Bang Your Head 2013

Konnte bereits der ICED-EARTH-Gig auf ganzer Linie überzeugen, so gelingt ACCEPT das Kunststück, dieses Niveau zu halten und sogar noch ein paar mehr Fans vor der Bühne zum Ausrasten zu bringen. Dem Axt-Doppel Wolf Hoffmann / Herman Frank trieft die Spielfreude aus jeder Pore und Bassist Peter Baltes erreicht spätestens beim verdammt coolen Bass/Gitarre-Duell mit Hoffmann Unsterblichkeit. Natürlich tummeln sich die absoluten Klassiker-Highlights am Ende des rund anderthalbstündigen Sets. Auf den regulären Schlusssong „Fast As A Shark“ folgt ein Zugabenblock mit den unerreichbaren „Metal Heart“ und „Balls To The Wall“, zwischen die sich klammheimlich der „Blood Of Nations“-Track „Teutonic Terror“ geschlichen hat. So spiegelt die ACCEPT-Show perfekt das Feeling des diesjährigen „Bang Your Head!!!“ wieder: arm an Überraschungen, aber absolut engagiert, sehenswert und in perfekt entspannter Wohlfühl-Atmosphäre. Als Fan traditioneller Metal-Klänge fühlt man sich auf keinem anderen Festival besser aufgehoben. (Florian Schörg)

 

CREMATORY
(22:45 – 00:15)

Wer nach der starken ACCEPT-Show noch immer nicht genug hat, den zieht es in die Halle zu den deutschen Gothic-Metallern CREMATORY. Dabei entwickelt sich der Gig offenbar nicht nur für mich zur Retro-Zeitreise in die eigene musikalische Frühentwicklung. Die Pfälzer strahlen auch anno 2013 noch den gewohnten 80er-Jahre-Chic aus, bei dem man heute schamhaft bestreitet, dass man den in seiner Jugend irgendwie cool fand. Eine kleine, aber umso schamresistentere Die-Hard-Fangruppe feiert die Band indes besonders hartnäckig dafür ab, dass sie sich selbst stets treu geblieben sind und auch dem neutralen Beobachter ringt dies durchaus Respekt ab. Sympathisch ist auch die selbstironische Art, mit der Sänger Felix die show kommentiert: „Das ist unser erster Auftritt auf dem ‚Bang Your Head!!!‘ – sonst spielen hier immer nur gute Bands.“

Galerie mit 17 Bildern: Crematory - Bang Your Head 2013

Wirklich schlecht kann man den Auftritt aber auch nicht nennen, denn obwohl alle Songs seit mehr als zwanzig Jahren demselben, simplen Kompositionsschema zu folgen scheinen, ist der Synthie-Pop mit Growls und verzerrten Gitarrenriffs doch irgendwie unterhaltsam. Das auf meiner persönlichen „Guilty Pleasure“-Rangliste weit oben rangierende „Fly“ bringt die Menge gleich als zweites Stück zum Mitfeiern, in der Folge bekomme ich statt heiß ersehnter Klassiker aber zu viel Material von den Post-Reunion-Alben geboten, um mich wirklich dauerhaft bei der Stange zu halten. So beschließe ich nach einer guten Dreiviertelstunde, genug gehört zu haben, und streiche die Segel. Die Gogo-Tänzerinnen, bei denen ich immernoch nicht sicher bin, ob ich sie nun zum Anlass für politisch korrekte Kritik an dieser Art der Fleischbeschau nehmen muss oder einfach ihre optischen Reize genießen darf, haben ohnehin gerade ihre erste Runde beendet, so dass mich nun wirklich nichts mehr hier hält. (Florian Schörg)

 

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05.08.2013

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