Steel Panther
Lower The Bar Tour 2018 in Berlin

Konzertbericht

Billing: Steel Panther, Battle Beast und Kissin' Dynamite
Konzert vom 06.08.2018 | Huxley's Neue Welt, Berlin

Das Leoparden-Spandex-Outfit rausgekramt, das Stirnband angelegt und ordentlich Spray in die Haare: STEEL PANTHER sind in der Stadt! Unterstützt von KISSIN’ DYNAMITE und BATTLE BEAST spielen die Helden des Glam/Sleaze Rock und Heavy Metals im ausverkauften Berliner Huxley’s. Wir waren dabei, um unser Stück vom “Community Property” zu beanspruchen.

KISSIN’ DYNAMITE – It’s getting hot in here

Der Abend startet fulminant mit den fünf kessen Jungs von KISSIN’ DYNAMITE, die energisch die Messlatte für gute Stimmung nach oben stemmen. Selten hat uns die Erste von zwei Vorbands so eingeheizt. Synchrones Männermoschen, eine Mähne, die Bonnie Tyler grün vor Neid machen würde und dazu instrumental und stimmlich astreiner Rock bilden ein rundes Entertainmentpaket. Die Chemie stimmt auf der Bühne und strahlt mit viel Spaß an der Sache ins Publikum.

Die Band besteht bereits seit 2006 und kann auf sechs Studioalben zurückblicken. Das neueste Werk “Ecstasy” ist seit gut einem Monat auf dem Markt und war kurzzeitig auf Platz 7 der deutschen Albumcharts geklettert. Der Song “I’ve Got The Fire” lässt uns spontan denken: ”Yes you do!” und wir hoffen, dass dieses Feuer sie noch weit nach oben bringen wird.

Galerie mit 26 Bildern: Kissin' Dynamite - Lower The Bar Tour 2018

BATTLE BEAST – This woman is on fire

Ein wenig härter und ernster geht es mit BATTLE BEAST weiter, deren Heavy Metal sich gelegentlich mit 80s Synthesizer und Keytar mischt. Am eindrucksvollsten ist Frontfrau und Rockröhre Noora Louhimo. Ihre Bühnenpräsenz ist kraftvoll, fast hypnotisch und ihre Stimme ist an dem idealen Punkt, an dem sie bereits all ihr Potenzial entfaltet hat, aber noch keine Abnutzungserscheinungen auftreten.

Es gibt ein paar technische Schwierigkeiten, weil die Finnen ihr Equipment am Flughafen eingebüßt haben und das der Vorband benutzen. Dafür läuft die Show super. Alle haben sichtlich Spaß auf der Bühne und die zweite Vorband kriegt fast so viel Rückmeldung wie ein Headliner.

Zum Ende hin schwenken sie mehr in Richtung 80er Rock. Wohl auch, um die Überleitung zu erleichtern. Selten haben wir ein Zusammenspiel von Vorbands und Main Act vor und hinter der Bühne erlebt, was so gut ineinandergreift. BATTLE BEAST sind eine hervorragende Live-Band, die wir headbangend und uneingeschränkt weiterempfehlen.

Galerie mit 26 Bildern: Battle Beast - Lower The Bar Tour 2018

STEEL PANTHER – Inferno der Eitelkeiten

Nach kleinen, technisch bedingten Verzögerungen betreten STEEL PANTHER in ihrer ganzen schrillen Pracht die Bühne. Dabei sind selbst Uneingeweihten die Rollen sehr schnell klar: Drummer Stix, redet nicht viel und ist etwas dumpf aber cool. Lexxi, Bassist und selbstverliebter Schönling, der auf der Bühne seine Haare nachsprayt und die Lippen nachzieht. Michael Starr, Leadsänger und Weiberheld und natürlich Gitarrist Satchel, der redet und redet und redet.

Spontan denke ich an die Ärzte, die auch den Großteil ihrer Auftritte mit unterhaltsamen Gequatsche bestreiten. Hier aber ist es ausgefeilter: Satchel und Lexxi versuchen sich in Choreografien, die sie absichtlich sabotieren und spontan wirkende, verbale Schlagabtausche leiten gekonnt von Stück zu Stück. Dabei sind sie musikalisch spitze und beanspruchen abwechselnd Lach- und Nackenmuskeln bis zum Exzess.

Konzertfoto von Steel Panther - Lower The Bar Tour 2018

Stylingpause von Lexxi Foxx. Steel Panther – Lower The Bar Tour 2018

Plateauphase

Schon bevor die stählernen Panther die Bühne unsicher machen, ist die Stimmung so ausgelassen und hungrig, dass sogar die Musik aus der Dose, in diesem Fall “Run To The Hills” von IRON MAIDEN, alle lauthals zum Mitsingen bewegt. Es ist schon spannend, wie sehr sich das Publikum auf dieses absurde Spektakel einlässt. STEEL PANTHER begeistern nicht, obwohl sie sich nicht ernst nehmen, sondern genau deswegen.

Bei all den Obszönitäten, den gelegentlich entblößten Brüsten und den Geschichten von Sex, Drogen und Rock ’n Roll, ist alles am Ende harmlos. Ein Märchen für Erwachsene. Und wir alle wollen glauben, weil es unterhaltende Geschichten sind und wir tun es, weil die Band genau weiß, was sie tut. Das befreit. Verrückt spielen, sich einmal wie ein total versoffener, zugekokster Rockstar fühlen. Hätten wir realitätsnähere Virtual Reality, wäre die STEEL PANTHER Experience sicher ein Renner. Nicht für jeden Geschmack, aber das wäre ja auch langweilig.

Konzertfoto von Steel Panther - Lower The Bar Tour 2018

Michael Starr auf dem Höhepunkt. Steel Panther – Lower The Bar Tour 2018

Höhepunkt

Die Amerikaner spielen alle Hits von “Gloryhole” bis “Community Property” und Satchel brilliert auf der Gitarre, indem er sich in einem Medley durch Rock und Metalhymnen wälzt. Das Publikum ist voll dabei, johlt sich heiser, klatscht sich die Finger taub und lässt die (falschen) Haare fliegen. Die OZZY OSBOURNE Imitation von Michael Starr ist treffend und herrlich geschmacklos. Ein Fan namens Lisa wird mit Minne bedacht und als ihr Freund auf die Bühne kommt, soll er sie heiraten und ach ja, hier wird auch Reality TV gemacht.

Mit fliegenden Gummipenissen und Pleks gibt es einen regen Plastikaustausch auf beiden Seiten des Grabens und als am Ende zu “17 Girls In A Row” die Bühne von zahlreichen weiblichen Fans bevölkert wird, wirkt die Grenze zwischen Publikum und Künstler fast aufgehoben. Bei der Zugabe geben die Jungs nochmal alles und beenden einen denkwürdigen Konzertabend mit glühenden Fans.

Galerie mit 24 Bildern: Steel Panther - Lower The Bar Tour 2018

Text: Tobias Mühlau
Fotos: Andrea Friedrich

14.08.2018

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