Motörhead
Zum Tode Ian "Lemmy" Kilmisters - Der Versuch eines Nachrufs

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Wie beginnt man einen Nachruf auf Ian „Lemmy“ Kilmister? Was schreibt man über diesen Mann, über den schon alles gesagt wurde? Gerade heute – Facebook, die Nachrichtenmagazine der Welt, alles ist voll von Nachrufen, die mal heiter, mal unpassend eloquent und intellektuell ausfallen. Der MOTÖRHEAD-Frontmann ist gestorben, und alle, selbst die Spießer der Online-Welt, ergehen sich in klickträchtigen Specials und Nachrichtenartikeln. Am Rande habe ich mitbekommen, wie angeblich sogar Rechtspopulisten den Tode Lemmys auszuschlachten wissen. Dabei wusste doch schon Lemmy selbst: „Nazi sein bedeutet, dass du verloren hast, bevor du anfängst. Du kannst nicht gewinnen. Du bist nur dumm.“

Auch wir haben über Lemmys Tod berichtet. Unsere News aus der vergangenen Nacht ist binnen weniger Stunden rund 60.000 mal geklickt worden. So wird in der Online-Welt gedacht – in Zahlen, in Klicks, Likes und Shares. Das gilt für metal.de genauso wie für die Onlineauftritte der Bild, des Spiegels, der Welt und allen anderen. Ohne Frage: Das war nicht die Welt des Lemmy Kilmister. Aber es ist die unsere. Und natürlich muss deswegen auch bei uns ein Nachruf her.

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Aber was genau schreiben? Wieder kommen die Phrasen und Worte in den Kopf, die man heute schon unzählige Male gelesen hat: „Urgestein“. „Original“. „Legende“. Sammler von Nazi-Utensilien. Whiskey-Liebhaber. Ausgerechnet der Postillon hat wohl eine der im Sinne Lemmys geschmackvollsten Headlines zum Thema gebracht – Jack Daniels, so das Satiremagazin, befürchte nach dem Tode Lemmys einen Umsatzeinbruch. Uns, die wir uns als ernsthafte Stimme aus dem Rock- und Metalbereich sehen, stehen solche Optionen weniger offen, und da zu diesem Zeitpunkt eh schon alles gesagt ist und diese zynische Leichenfledderei eh höchstens Nachplappern wäre, tun wir das doch ganz offen und erinnern uns an Lemmy, indem wir den Mann selbst nochmal zu Wort kommen lassen. Erinnern wir uns an die MOTÖRHEAD-Konzerte, die wir erlebt haben – in meinem Fall zum Beispiel 2008 auf dem Wacken Rocks Seaside. SAXON und MACHINE HEAD mitten in der ostfriesischen Pampa, und MOTÖRHEAD als Headliner, der nicht nur in Sachen Lautstärke allen die Schau stiehlt. Erinnern wir uns an die schönen Stunden, die die diversen MOTÖRHEAD-Alben uns daheim beschert haben. Das erste Mal, als „Ace Of Spades“ lief, die Ernüchterung, die neuere Alben der Band vielleicht bei einigen hinterlassen haben, aber auch an das, relativ unumstritten, ziemlich großartige neueste (und letzte?) MOTÖRHEAD-Album „Bad Magic“.

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Und erinnern wir uns an Lemmy selbst – an seine unsterblichen Zitate und Weisheiten. Hier ein paar davon, frei zusammengeklaut aus den unzähligen Memes, Nachrufen, Klickstrecken und Archivartikeln, die seit heute Nacht durch Facebook geistern:

„Scheiß auf Gott und scheiß auf den Teufel und scheiß auch auf die Kirche. Ich bin für meine Handlungen verantwortlich. Ich muss mich hinter nichts verstecken. Ich hab es getan … was auch immer ich getan habe.“

„Wenn du ein verdammter Rockstar sein willst, benimm dich wie einer!“

„Ich musste das Rauchen und Trinken und was auch immer zurückschrauben. Aber so ist es nunmal. Ich hatte ein gutes Leben, einen guten Lauf. Ich tue noch immer was ich tue. Ich bin mir sicher, dass ich on the road sterben werde, auf die eine oder die andere Weise.“

„Ich habe immer davon geträumt, Papst zu werden. Leider habe ich die falsche Religion erwischt.“

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Und damit entschuldige ich mich nun – ich muss Geld, Jack Daniels und Cola für heute Abend holen. Denn wie haben es doch MOTÖRHEAD selbst in ihrer Bestätigung von Lemmys Tod geschrieben:

„Wir werden in den kommenden Tagen mehr dazu sagen, aber jetzt, bitte … spielt MOTÖRHEAD laut, spielt HAWKWIND laut, spielt Lemmys Musik LAUT.

Nehmt einen Drink oder ein paar.

Erzählt Geschichten.

Feiert das LEBEN, das dieser liebenswerte, wundervolle Mann selbst so lebhaft gefeiert hat.

ER WÜRDE GENAU DAS WOLLEN.“

Der Autor dankt Alex Klug, Anton Kostudis, Norman Sickinger, Jan Wischkowski und Eckart Maronde für Anmerkungen, Lob, Kritik und Mitarbeit.

Galerie mit 3 Bildern: Motörhead - With Full Force 2014
29.12.2015

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3 Kommentare zu Motörhead - Zum Tode Ian "Lemmy" Kilmisters - Der Versuch eines Nachrufs

  1. olaf sagt:

    sehr geil geschrieben mehr muss man nicht sagen

  2. Christian sagt:

    So isses. Alles drin und mehr muss man nicht sagen. Danke an Stephan & Co. Lesenswert von den vielen Nachrufen ist sonst nur noch dieser hier: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/pop-und-jazz/der-roeck-n-roell-ist-toet/story/19106677. Vom Titel bis zum Schlusssatz.

  3. tieukha vu sagt:

    70 Jahre und sehr Weise.