Blind Guardian
Interview mit Hansi Kürsch zum 25-jährigen Band-Jubiläum

Interview

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In die Zeit zwischen „A Twist In The Myth“ und „At The Edge Of Time“ fällt mit „Sacred Worlds“ auch euer Beitrag zum Computerspiel „Sacred 2“. Bist du selbst ein begeisterter Zocker?

Nö, ich hab, um so ein bisschen in dieses Spiel reinzukommen und für mich auch kompositorisch Analogien zu dem zu schaffen, was in dem Spiel passiert, zum ersten Mal überhaupt in so ein Spiel reingespielt. Ich fand’s nicht schlecht, aber das wäre jetzt nix, womit ich meine Freizeit verbringen würde. André und Marcus (Siepen, Gitarrist – Anm. d. Red.) sind aber begeisterte Zocker, vor allem von „World of Warcraft“. Sie waren auch Die-Hard-„Sacred“-Fans, von daher war es für sie sowas wie ein Ritterschlag, da mitmachen zu dürfen. Für uns ist es generell immer sehr spannend, solche Kooperationen zu machen, weil man ein bisschen anders denken muss, auch anders denken darf, und das Endergebnis dann auch immer ein bisschen anders ist. Ich glaube, „Sacred Worlds“ ist – obwohl es eben hundertprozentig in so ein Computerspiel reinpasst – eine perfekte Symbiose aus dem, was uns während der „Imaginations“-Zeit und der „Nightfall“-Zeit ausgemacht hat. Und deswegen wäre ich froh, wenn wir häufiger solche Aufträge bekommen würden, weil dann passiert doch irgendwie noch ein bisschen was anderes.

Schon vor dem „Sacred“-Spiel habt ihr ja bereits ein Lied zum Soundtrack des „Dungeon Siege“-Films beisteuern dürfen. Was ist für euch die größere Ehre, bei einem Computerspiel beteiligt zu sein oder bei einem Uwe-Boll-Film?

Klar, die Arbeit, die man in so ein Computerspiel steckt, wenn man dann auch extra einen Song dafür kreiert, wird von uns ein bisschen höher bewertet. Aber einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul. Bei einem Film mal mitmachen zu dürfen, ist für uns auch eine interessante Sache gewesen. Und der Film war jetzt nicht so weit weg von den Thematiken, die wir im Grunde genommen auch immer ganz gerne besingen, so dass das für uns auch eine schöne Sache gewesen ist. Aber da ist ja nicht extra irgendwas dafür kreiert worden, sondern da sind Sachen von unserem Album genommen worden, aber deswegen war es trotzdem gut, dabei sein zu dürfen.

Ich frage vor allem auch deshalb, weil Uwe-Boll-Filme ja so eine Sache für sich sind…

Klar, da kann man drüber streiten, ob das jetzt ein Weltklasse-Film ist oder nicht, dem einen wird’s gefallen, dem anderen nicht. Das war für uns aber gar nicht so wichtig. Für uns war wichtig, in einem Film dabei zu sein. Wir haben die Anfrage gekriegt und spontan ja gesagt. Dadurch, dass es dann eben noch Musik von unserem damals aktuellen Album gewesen ist, war es für uns letztlich auch ein leichtes, ein ok zu geben. Man hätte auch sagen können: „Nee, das ist uns nicht toll genug“ oder was auch immer. Aber das ist ja Quatsch. Man will da auch mal reinschnuppern. Wir sind damals auch in dem Studio gewesen und durften uns da die Soundtrack-Musik anhören und gucken, wie bestimmte Sachen miteinander kombiniert werden. Da haben wir auch viel gelernt, keine Frage.

Seid ihr dabei auch – ungeachtet dessen, dass ihr ja schon viel länger an eurem Orchester-Projekt arbeitet – auf den Geschmack gekommen, für „At The Edge Of Time“ erstmals mit einem echten Orchester zusammenzuarbeiten?

Nein, das hatte damit nix zu tun. Aber für unser Orchester-Projekt war es gut zu sehen, wie Musik wirkt, wenn Bilder dabei sind. Seitdem weiß ich eben, dass unser Orchester-Projekt so, wie wir es momentan anliegen haben, nicht als Soundtrack geeignet wäre, weil es teilweise einfach viel zu bombastisch wäre und auf jeden Fall zuviel vom Bild ablenken würde. Man muss Score-Musik im Grunde genommen tatsächlich den Bildern anpassen. Mit anderen Worten: Wenn man mal die Chance bekommen sollte, an so einem Projekt teilzuhaben, muss man die Musik genau dafür konzipieren. Man kann nicht einfach sagen, ok, wir haben hier jetzt „Herr der Ringe“-mäßige Musik gemacht – was wir mit unserem Orchester-Projekt haben – und die kann man für den Film benutzen. Das wird so nicht funktionieren.

Mich hat es halt gewundert, dass ihr überhaupt erst so spät mit einem echten Orchester gearbeitet habt. Denn ihr hattet ja schon auf der „Somewhere Far Beyond“ mit „Theatre Of Pain“ ein Lied, das förmlich nach einer Orchester-Version schreit. Und auch „And Then There Was Silence“ ließe sich so noch einmal auf ein völlig neues Level heben.

Das würde auch automatisch irgendwann passieren, wenn wir dann eventuell diese Classic-Rock-Idee für unser „Blind Guardian Festival“ in die Tat umsetzen würden. Klar, die Idee haben wir auch seitdem, aber es ist grade in den Neunzigern so gewesen, dass es geldtechnisch nicht machbar gewesen wäre, überhaupt mit einem Orchester zu arbeiten. Wir hatten auch nicht die Leute, die uns hätten helfen können, um einen Orchester-Score für „Theatre Of Pain“ zu kreieren. Wir haben damals schon gute Ideen gehabt, wie ein Orchester klingen könnte, und wir hatten auch noch Leute, die uns geholfen haben, aber die hatten nicht diesen klassischen Bezug, sondern waren – genau wie wir – einfach nur Sound-Ästheten und Freaks, die was ausprobieren wollten. Und dann kam irgendwann so etwas wie „Theatre Of Pain“ heraus und später dann „And Then There Was Silence“. So richtig in dieses Metier abgedriftet oder eingetaucht sind wir eigentlich erst seit „A Twist In The Myth“. Da gab es dann konkrete Überlegungen mal direkt mit einem Orchester zu arbeiten, die haben wir aber leider Gottes zu den Akten legen müssen, weil unsere ersten Erfahrungen mit einem Orchester, das Songs für uns gespielt hat, negativ waren, so dass wir davon abgesehen haben. Die richtigen Leute haben wir, wenn man so will, erst mit „Sacred Worlds“ und „Wheel Of Time“ getroffen.

Wo wir jetzt schon wieder bei eurem Orchester-Album angekommen sind, muss ich natürlich fragen: Wird dieses das nächste BLIND-GUARDIAN-Album werden?

Das kann ich so noch nicht unterschreiben. Wir arbeiten jetzt schon an neuem Material und haben wieder beide Sachen parallel laufen. Da müssen wir letztendlich gucken, womit wir schneller fertig sind. Ich würde mir wünschen, dass beide Alben zeitnah zueinander veröffentlicht werden würden, ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass wir uns schlussendlich wieder dazu durchringen, zuerst ein reguläres BLIND-GUARDIAN-Album zu veröffentlichen. Das hängt tatsächlich einfach von der Entwicklung ab.

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Alles klar. Jetzt komme ich aber nicht umhin, dich auch noch nach der Zukunft von DEMONS & WIZARDS zu fragen, deinem Nebenprojekt mit Jon Schaffer. Da dieser nun mit ICED EARTH endlich wieder richtig durchzustarten scheint, sinken wohl auch die Chancen für ein neues DEMONS & WIZARDS-Album, oder?

Die sinken eigentlich nur zeitlich. Wir wissen noch nicht genau, wann wir es machen, wir werden es aber auf jeden Fall machen. Es ist so, dass wir in der Lage sind, relativ schnell miteinander ein Album zu komponieren. Wir müssen eigentlich nur eine Möglichkeit finden, die freie Zeit, die wir haben, zu bündeln. Ich würde mal davon ausgehen, dass es in den nächsten drei Jahren auch ein DEMONS & WIZARDS-Album geben wird. Wann das der Fall sein wird, kann ich allerdings nicht sagen, das fällt mir auch ein bisschen schwer. Auf jeden Fall gibt es erste grundsätzliche Gedanken über musikalische Konzepte und es gibt auch erste gedankliche Austausche über die Musik selbst.

Ich würde DEMONS & WIZARDS auch furchtbar gerne einmal live sehen…

Das ist so ein Ding, was wir schon auch berücksichtigen. Für uns ist klar, dass wir, wenn wir ein drittes Album machen, auch ein bisschen Zeit zur Verfügung stellen müssen für zumindest eine Festival-Tour. Das wird in jedem Fall dann auch passieren. Von daher kann man eigentlich sehr schwer davon ausgehen, dass wir nochmal aktiv werden.

Das freut mich sehr. Mein heimlicher Traum wäre immernoch eine Art Doppel-Headliner-Tour von ICED EARTH und BLIND GUARDIAN, wo ihr als krönender Abschluss dann zusammen ein paar DEMONS & WIZARDS-Stücke spielt.

Das ist – egal wie die Konstellation dann aussehen würde – für mich extrem schwer. Wenn ich ein reguläres BLIND-GUARDIAN-Set von 100-110 Minuten gesungen habe, bin ich durch. Da geht dann nix mehr. Und ich könnte weder vorher noch nachher auf die Bühne für DEMONS & WIZARDS-Geschichten. Und dann eine Konstellation zu finden, wo das funktioniert, ist sehr ungünstig. Aber auch Jon sträubt sich da ein bisschen. Zwischenzeitlich wäre es für ihn mal machbar gewesen, aber mittlerweile sagt er auch, das ist zu aufwändig.

Selbst wenn es nur für einen Song wäre, würdet ihr damit wohl viele Fans bereits tierisch glücklich machen…

Ja, ein Song geht natürlich immer, aber das ist nicht unbedingt das, was uns beiden dann da vorschweben würde.

Na gut. Jetzt haben wir ziemlich lange gequatscht. Meinetwegen können wir natürlich gerne noch weitermachen, aber…

(lacht) Ich hab auch eigentlich den nächsten Interviewer schon seit einer Viertelstunde in der Leitung. Der arme Kerl denkt wahrscheinlich jetzt, ich würde gar nicht mehr anrufen.

Oh, das tut mir leid. Dann machen wir’s einfach kurz. Danke für das Gespräch, es hat mir viel Spaß gemacht. Gibt es noch irgendwas, was du euren Fans zum Abschluss mit auf den Weg geben willst.

Och, ist eigentlich alles gut soweit. Du hast eigentlich alles wichtige gefragt. Ich denke mal, die Leute haben das Album eh schon oder werden es sich holen. Und wenn nicht, dann sollen sie sich schämen!

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13.02.2012

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