Dornenreich - Bitter Ist's Dem Tod Zu Dienen

Review

Galerie mit 19 Bildern: Dornenreich - Summer Breeze Open Air 2019

Wahrlich zum verzweifeln: da sollte man sich hier eigentlich auf etwa 2000 Zeichen beschränken und dann offenbart sich einem ein derartiges, einstündiges Glanzwerk, dessen mannigfaltige Vorzüge nun „knapp“ zu erläutern sind: Das rauhere Nicht um zu sterben (siehe Review) ließ die Musikwelt bereits erahnen, was jenen drei jungen Österreichern an schöpferischem Potential innewohnt. Und nun gelang ihnen mit Bitter ist’s dem Tod zu dienen das beeindruckende Debüt um Weiten zu überflügeln. So wurden z.B. die Fähigkeiten was das E-Gitarrenspiel anbelangt ins Hervorragende gesteigert, das Klangbild durch mehr Einsatz von („klassischem“) Keyboard (Piano, Cello und Violine) und Akustikgitarrre (die eine äußerst wichtige Rolle spielt und spanisch-folkloristisch gezupft wird) erweitert und auch die Produktion wurde perfektioniert. Vor allen Dingen aber hat man sich inzwischen u.a. durch außergewöhnlich komplexe, zerrissene Songstrukturen und eine noch gewagtere Stimmbandakrobatik (Korova gleich) hin zu vollkommener
Eigenständigkeit entwickelt – sich anscheinend von allen Einflüssen (einst v.a. Nachthymnen von Abigor) gelöst. CCP tut gut daran das Opus ihrer Schützlinge als „Interpretation des Black-Metal“s zu bezeichnen, da die Musik avantgardistisch und zeitweise nicht direkt als schwarz und Metal erkennbar ist. Ebenfalls erstaunlich sind Evigas (erneut) deutschsprachige und enorm tiefgründige (romantisch-sehnsüchtige, Träume und den Tod behandelnde) Gedichte, die es in einer derart mit der Musik verbundenen Weise nirgends sonst gibt. Der (im positiven Sinne) theatralische, emotionale (verzweifelte Schrei-) Gesang desselben ist mittlerweile noch vielseitiger, da nun teilweise (stimmungsvoll) geflüstert und gesprochen dargeboten v.a. kommt nun auch Valnes (einstmals Dunkelkind) Trauergesang ebenso oft zur Geltung, dessen Leistung sich selbst vor jener Garms (Ulver) keineswegs zu verstecken braucht. Auch die Kompositionen am Synthesizer sind zutiefst rührend und reichern das Ganze mit weiteren verträumten Melodien an. Wahrscheinlich könnten auch Gothic-Anhänger an diesem Werk Gefallen finden, da es nicht wirklich brutal, sondern vielmehr feinfühlig, wehmütig und romantisch ist – Klischees und Pathos sind hier allerdings vergeblich zu suchen. Also bei wem Titel wie „Reime faucht der Märchensarg“, „Wunderküssen“, „Federstrich in Grabesnähe“, „Leben lechzend Herzgeflüster (Eines Gedanken karge Silbensaat)“ Interesse wecken und wer Sinn und Zeit hat sich mit jenem zu befassen, das das vielleicht leidenschaftlichste, poetischste, anspruchsvollste Black-Metal-Album an Ideen (die wohl für zwei Alben gereicht hätten) beseelt, den führt kein Weg am Dornenreich vorbei. Wohlüberlegte 10 Punkte!

04.06.1999

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