Dornenreich - Nicht Um Zu Sterben

Review

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Im September 1997 verewigten sich drei leidenschaftserfüllte, junge Seelen mit Nicht um zu sterben. Die österreichischen Dornenreich (welch tiefgenialer Bandname!) spiel(t)en sehr melodiösen, abwechslungsreichen Black-Metal, den sie zurecht als „emotional und grenzenlos“ bezeichnen. Von der besitzergreifenden Kraft her, will ich das Ganze mit Abigors Supreme Immortal Art vergleichen – im Dornenreich wird allerdings gänzlich auf satanisch-böses Gehabe verzichtet. Ja, vor allem lyrisch erschuf man äußerst eigne Wege und zwar in deutscher Sprache! Beeindruckend, wie sich die Schöpfer, trotz aller Gefühlstiefe, (auch musikalisch) nicht in pathetischen Gefilden verlieren. Selbst jene, denen die Musik nicht zusagen sollte, müßten mir immerhin zustimmen, daß es wenig bis nichts vergleichbares an stimmlich intensiv vorgetragener, anspruchsvoller Lyrik, verflochten mit der musikalischen Struktur, gibt. In jeder Hinsicht phantastisch, was Dichtergeist der damals wahrscheinlich teilweise noch 18jährigen an tiefgründiger Sprachgewalt hervorbrachte. Ich kann mich nicht entbrechen: „Vergänglichkeit man wird ihrer gewahr meist zu spät“ ist die einleitende Zeile von „Im flatternden Schleier der Vergänglichkeit“ – „Schlaflos Träumend“ schließt mit „Doch graut mir nicht vor des Morgens Licht, denn ein Erwachen birgt mein Zustand nicht.“ – was natürlich der Gesamtheit entrissen, ohnmächtig schwach ist. Derartige Zeilen sind verständlich geschrien, bar jenes hastigen, unbetonten „Runterkrächzens“, wie es bei praktisch jeder BM-Gruppe erfolgt. Eviga weiß wie akrobatisch er sein Stimmorgan einsetzen und dadurch Verzweiflung vernehmbar machen kann. Die Musik selbst birgt ebenfalls sehr einnehmende Gefühle und Stimmungswechsel – wobei Eviga wiederum seiner Akustikgitarre eine geheimnisreiche Romantik entlockt, was der Musik etwas eigenwüchsigeres gibt, ansatzweise höchstens an Empyriums Zweitwerk und die ersten beiden Alben von Ulver erinnert. Ebenfalls „Altertum“ strahlen die Keyboardklänge aus, die für Variation sorgen, eher im Hintergrund und nicht übertrieben häufig eingesetzt werden, was auch der Aggressivität z.B. des einleitenden „Hasses Freigang“ zuträglich ist. Das Material ist angemessener Weise sehr klar produziert und insgesamt äußerst ausgereift – die Ideen sind hervorragend, wenn auch nicht wirklich bahnbrechend. Mein Lieblingsstück ist „Und wie ein Kind in deiner…“, welches Dunkelkind wunderschön (der Text ist tiefromantisch) erdacht hat und in dem er (leider nur) für dreißig Sekunden eine Kostprobe seiner Gesangqualität gibt. Bald macht er vor, wie man in ein hervorragendes (über neunminütiges) Stück ebenso ausklingen läßt und mit symphonisch-anmutenden Bläsern und Hörnern (erinnert an ihre Landsleute von Summoning) in die Alpenhöhen erhebt. Das „mittelalterliche“, dramatische, von der Akustikgitarre allein getragene „Hofes Fest“ „beschließt den Reigen“ der Tonkunst. Das ganze Klangwerk überblickend, kommt die Rhythmusgitarre selten zum Einsatz, dafür umspielen sich meist die Leadgitarren und dabei ist nicht zu loben, daß bei der Produktion zumindest eines der Instrumente die Höhen ein wenig überzogen sind und es stellenweise unschön grell tönt, was allerdings nicht wirklich stört. Sicherlich hat man auch schon komplizierteres (Gitarren-) Material vernommen, aber Emperors Anthems muß ja auch keine Richtlinie sein. Abschließend will ich dies ans Herz aller BM-Verehrer, darunter vor allem Naturen mit einem gewissen (lyrischen) Anspruch, legen.

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25.04.1999

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1 Kommentar zu Dornenreich - Nicht Um Zu Sterben

  1. angren sagt:

    Es dominieren hohe klirrende Gitarre, Gepolter und Gekreische. Das sollte eigentlich jeder der Trueblackmetal hört begeister sein. Fehlanzeige. Satan und Co geben sich auf diesem Album nicht die Hufen. Dazu sind die Texte auf Deutsch und poetisch. Akustischen Gitarre,Keyboards werden sehr gekonnt in Szene gesetzt . Trotzdem ist das Album kalt und passt herrlich zu einem Winter wie er jetzt ist. Wen jemand jedoch Dornenreich so liebgewinnt, der wird jedoch vom zweiten und vom dritten Album enttäuscht sein.

    10/10