Marduk - Opus Nocturne

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

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MARDUKs Drittwerk “Opus Nocturne” erschien zu einer Zeit, als die großen norwegischen Bands endlich ihre wegweisenden Alben veröffentlichen konnten: „In The Nightside Eclipse“ kam ebenso wie „De Mysteriis Dom Sathanas“ im Laufe des Jahres 1994 in die Läden, einer Zeit, als Euronymous längst tot war, Faust, Samoth und Varg Vikernes einsaßen und das schlimmste Treiben in der norwegischen Szene abgeflaut war.

MARDUK ziehen ihr Ding durch

Davon unbeeindruckt zogen MARDUK im fernen Norrköping ihr Ding durch. Oder vielleicht hat es die Jungs ja sogar angespornt, denn eins zeigt „Opus Nocturne“  gegenüber seinem Vorgänger „Those Of The Unlight“ auf beeindruckende Weise: Schwärzer geht immer. Bevor es dazu kam, gab es aber im Proberaum von MARDUK erst einmal ein mittelgroßes Stühlerücken, und das ist ganz wörtlich gemeint: Gitarrist Devo Andersson verschwand (und kehrte erst eine Dekade als Bassist zurück), Schlagzeuger und Sänger Jocke Göthberg (aka „Joakim av Gravf“) wechselte ans Mikrofon und auf seinem Drumschemel nahm Fredrik Andersson Platz. Und der katapultierte die Band gleich in ganz andere Geschwindigkeitssphären.

Mit diesem neuen Line-Up und mit neuen Songs verschanzten sich die Jungs um Gitarrist Morgan Håkansson im September 1994 im Studio, um unter den wachsamen Augen von Dan Swanö „Opus Nocturne“ aufzunehmen. Welch ein Hassbatzen: Schwärzer, härter, schneller. Mit einem Sound, der in die Magengrube geht. Jedenfalls bohren sich die Gitarren in die Eingeweide, während Schlagzeug und Gesang angemessen verhallt sind, was den acht Songs (plus Intro) eine über- oder vielmehr unterirdische Aura verleiht.

Ein schwefelig riechender Sturm aus der Unterwelt

„Opus Nocturne“ beginnt mit sakralen Orgelklängen, wobei die angeschlagenen Akkorde allerdings auf eine gestörte Messe schließen lassen, die schließlich durch die „Sulphur Souls“ endgültig beendet wird. Ein schwefelig riechender Sturm aus der Unterwelt, der zwischen Höchstgeschwindigkeit und kurzem Einhalten wechselt. Hier zeigt sich bereits, dass der Wechsel am Schlagzeug Wunderdinge bewirkt hat: Fredrik Andersson ist technisch eine ganz andere Liga als sein Vorgänger, spielt zwar hörbar ohne Klick (und mit leichten Temposchwankungen), aber gefühlt doppelt so schnell.

Weiter geht es flott und fies mit „From Subterranean Throne Profound“ und „Autumnal Reaper“, bevor mit „Materialized In Stone“ in der Albummitte gepflegtes Midtempo steht. Und sind das da wirklich melodische Anflüge in der Gitarrenarbeit, wo sie sonst mit ihrem wunderbar komprimierten Sound einen Schlag in die Magengrube setzt? Dafür krächzt sich Joakim av Gravf durch seine bizarren Texte, dass es eine teuflische Wonne ist. Soundmeister Swanö hat zudem ordentlich Hall aufgelegt, was der manischen Vokaldarbietung eine extrafiese Note verleiht.

Manische Vokaldarbietung und ordentlich Hall

Nicht zuletzt wird „Deme Quaden Thyrane“ dadurch angemessen vertont – geht es in dem Lied doch um die Taten des Blutgrafen Vlad Dracul. Vielleicht der beste Titel auf einem wahrlich starken Album. Mit dem Titeltrack haben MARDUK noch ein Interludium am Start, bei dem It Särkkä (ABRUPTUM) Text und klaren, leicht gebrochenen Gesang beisteuerte – ein stimmungsvolles Zwischenspiel zwischen dem restlichen Hochgeschwindigkeitsgetrümmer.

„Opus Nocturne“ ist in seiner Gesamtheit jedenfalls eine pechschwarze Demonstration, was im Black Metal möglich ist. Mit seiner Fülle an zupackenden Riffs ist das Album über seine gesamte Spielzeit spannend – von den einleitenden Orgelklängen bis hin zu den abschließenden Gewitterklängen von „The Sun Has Failed“. Anders als der Vorgänger „Those Of The Unlight“ ist zudem die Balance zwischen Getrümmer (viel) und Verschnaufpausen (kürzer) wesentlich ausgewogener, wordurch die Spannung nie verloren geht.

„Opus Nocturne“ zeigt, was möglich ist

Jedenfalls haben MARDUK im Dezember 1994 mit „Opus Nocturne“ den Stand der schwarzen Kunst mitbestimmt. Ob sie das Album noch toppen konnten, dazu gehen die Meinungen auseinander. Der Verfasser dieser Zeilen legt sich indes fest und möchte diese Aussage verneinen. Fakt ist, dass das Line-Up in der Folge wieder umgekrempelt wurde, Sänger Joakim av Gravf gehen musste und von Legion ersetzt wurde. Dadurch und durch einen weiteren Schritt bewegten sich MARDUK in wesentlich kontrollierteren Gefilden. Aus Bandsicht durchaus erwünscht, im Sinne des Gesamterlebnisses allerdings auch nicht ganz so spektakulär. „Heaven Shall Burn… When We Are Gathered“ widmen wir aber zu gegebener Zeit eine eigene Folge in unserer „Blast From The Past“-Rubrik.

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12.06.2024

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1 Kommentar zu Marduk - Opus Nocturne

  1. Gabbagandalf sagt:

    Absolutes Killeralbum, einzig „Materialized in Stone“ wollte bei mir so richtig zünden, der Rest besteht ausschließlich aus Hits. Der Sound ist ebenso genial, groß war Schock ob des neuen Soundgewandes beim Nachfolger, zum Glück hat man sich ab „Wormwood“ wieder einen anderen Sound gegeben.
    Garniert wurde das Ganze auch noch mit einem grandiosen Artwork, für mich eines der besten Marduk Alben ihrer Bandhistorie, da kannste nicht unter 9P bleiben, wäre Materialized besser gewesen, häts ne 10 gegeben

    9/10