Summer Breeze Open Air
Der große Festivalbericht 2025

Konzertbericht

Billing: Gutalax, Coffin Feeder, Hellripper, Gutslit, Múr, In Extremo, Borknagar, Aephanemer, Frayle, Dimmu Borgir, Sólstafir, Sunken, Warmen, Hanabie., Benighted, Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Hideous Divinity, Within Temptation, Gojira, Iotunn, Septicflesh, Cult Of Luna, Kanonenfieber, Turbobier, Tabernis, Donots, Unleashed, Evil Invaders, Blind Guardian, Wardruna, Static-X, Heavysaurus, Wind Rose, Vader, Extermination Dismemberment, Beast In Black, Suffocation, Machine Head, Primordial und Blasmusik Illenschwang
Konzert vom | Flugplatz, Dinkelsbühl

Freitag, 15.08.2025

Nach dem gestrigen GOJIRA-Abriss sind wir gespannt, wie sich die heute noch antretenden Death-Metal-Altvorderen von UNLEASHED und OBITUARY gegenüber den Auftritten von BLIND GUARDIAN und WARDRUNA schlagen werden. Wie immer ist auch der Freitag auf dem Summer Breeze also mit viel Abwechslung auf und vor den Bühnen gespickt. Während einem Spaziergang über die Händlermeile treffen wir wieder Stefanie vom „Menstruationsladen“. Dort sind neben allerlei praktischen Artikeln, wie dem Periodenschlüpfer aber auch aufklärende und mutmachende Gespräche geboten.

Bereits den dritten Tag testen wir das bargeldlose Bezahlsystem und können sagen: Bitte fortsetzen. Wer nicht zu oft an der Cocktailbar versumpft, sollte dabei auch den Überblick behalten, zumal sich der aktuelle Kontostand an allen Verkaufsständen problemlos abfragen lässt. Kommen wir zum negativen Aspekt. Bei den ausgerufenen Preisen für Speis und Trank, müssen wir doch öfter als gedacht zur Aufladestation pilgern und den Geldbeutel zücken, um unser Bezahlkonto ganz einfach mit der EC-Karte aufzuladen. Fünfzig Euro sind für einen voll ausgestatteten Tag bei weitem nicht ausreichend.

Bei starker Hitze die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit nicht vergessen!

TURBOBIER – 13:50, Mainstage

Wem DIE KASSIERER ein bisschen zu extrem sind, findet in TURBOBIER eine deutlich gaumenfreundlichere, ziviler gekleidete Alternative aus Österreich, die ihrem Namen getreu, poppigen Punk Rock in und ums Bier spielen. Im Grunde ist damit der Reiz der Band im Allgemeinen und deren Gig auf der Mainstage im Besonderen auch schon umfänglich erklärt. Es gibt Songs voller guter Laune, welche die Bierseligkeit schlechthin zelebrieren und sich keinen Deut um Tiefgründigkeiten scheren. TURBOBIER fachen einfach den Durst im Infield an und erinnern das Publikum in der gleißenden Hitze daran, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen. Na denn, Prost!

Galerie mit 18 Bildern: Turbobier - Summer Breeze Open Air 2025

TABERNIS – 14:00, Campsite Circus

Mit TABERNIS wird es dann obskur auf der Campstage. Das Imker-Duo verhüllt sein Antlitz vor der Welt und beschwört mit mantrahaften Klängen die Herrschaft der Bienen herauf. Die Musik selbst ist eine instrumentale Variante des Dark Folk, die gänzlich ohne Instrumente auskommt. Die Mischung kommt gut an und lädt mit ihrem rätselhaften Charme in eine andere Welt ein. Auch wenn die Bienen an diesem Tag nicht beschworen werden, hat die Band allein aufgrund ihrer Kuriosität einige neue Fans hinzugewonnen.

Galerie mit 18 Bildern: Tabernis - Summer Breeze Open Air 2025

DONOTS – 17:40, Mainstage

Im Vorfeld des DONOTS-Gigs raunt es ein bisschen durch das Infield, was eine Band wie die DONOTS auf dem Summer Breeze zu suchen haben soll. Dann stehen die Ibbenbürener schließlich auf der Mainstage und es dauert nicht lange, bis allen voran Fronter Ingo Knollmann klar macht, warum eine solche Band wichtig für so ein Festival ist. Denn die Westfalen binden das Publikum (und sämtliche Fotografen im Graben) mit in den Gig ein – ob sie wollen oder nicht! Interaktion heißt die Devise und der in Sachen Kontaktfreundlichkeit absolut schmerzfreie Frontmann springt dafür auch gerne mal ins Epizentrum eines größeren Circle Pits, lässt sich sogar bereitwillig huckepack tragen und steckt das gesamte Infield mit seiner Energie an. Und natürlich darf das bekannte TWISTED SISTER-Cover “We’re Not Gonna Take It” in der Setlist nicht fehlen.

Galerie mit 20 Bildern: Donots - Summer Breeze Open Air 2025

Death Metal Victory

UNLEASHED – 18:35, T-Stage

Mehr Old School geht kaum: UNLEASHED aus Schweden zelebrieren ihren Viking Death Metal in Reinkultur und könnten das kaum plakativer auf die Bühne bringen. Zugegeben, der Sound rumpelt ordentlich und kann mit dem Druck moderner Kapellen an diesem Abend nicht mithalten. Dafür macht die Setlist aber klar, in welche Richtung es heute gehen soll: Gen Asgard! Mit dem Opener von „Across The Open Sea“ begeben sich die Musiker auf eine Reise in die Vergangenheit, die zwar auch ein paar aktuellere Zwischenstopps einlegt, aber weitestgehend dem rumpligen Old-School-Death-Metal der alten Tage frönt. Neben der obligatorischen Promotion des aktuellen Albums gibt es einen weitreichenden Ausflug in den Backkatalog von UNLEASHED, der bis zu den Anfangstagen reicht und mit Songs wie „Into Glory Ride”, „The Immortals” oder „Before The Creation Of Time” sogar Urfans erreicht, die mit der stark vom Black Metal beeinflussten Musik der Neuzeit nicht mehr so viel anfangen können. Prost, Johnny! Das hat uns sehr gut gefallen!

Galerie mit 26 Bildern: Unleashed - Summer Breeze Open Air 2025

EVIL INVADERS – 19:40, Wera-Tool-Rebel-Stage

Thrash Metal gefällig? Die EVIL INVADERS liefern diesen und noch mehr auf der Wera-Tool-Rebel-Stage ab und reizen dabei die Möglichkeiten in Sachen Effekthascherei ganz schön aus. Der Platz auf der im Vergleich zu den anderen Bühnen eher kleinen Bühne steht vollgestopft mit Insignien der Band, geschmackvoller Kulisse sowie Nebelmaschinen, Flammenwerfern und was sonst noch alles drauf passt. Letztlich hätten die Belgier dieses dramatische Aufgebot fast nicht gebraucht, denn der Thrash der Herren kracht dermaßen heftig ins überdachte Feld vor der Bühne, dass das Publikum wie von selbst in Flammen steht. Aber dass die EVIL INVADERS hier keine Kosten und Mühen gescheut haben, zeigt, wie wichtig im Thrash doch eine anständige Live-Präsenz ist. Alles richtig gemacht also.

Galerie mit 14 Bildern: Evil Invaders - Headbangers Open Air 2024

Now you all know… The Cause Of Death

BLIND GUARDIAN – 21:15, Mainstage

Eigentlich haben BLIND GUARDIAN dieses Jahr gleich eine ganze Reihe an Jubiläen zu feiern, unter anderem 30 Jahre “Imaginations From The Other Side”. Dennoch bringen Hansi Kürsch und Co. ein reichhaltiges Set an Songs mit vielen Vertretern aus neueren Platten mit und bieten daher bei ihrem Headliner-Auftritt am Freitag einen Querschnitt aus dem eigenen Schaffen. Das kommt bei Fans natürlich sehr gut an, die jede Textzeile mitbeten können, und bereitet Hansi Kürsch auch nach so langer Zeit auf den Bühnen der Welt nach wie vor eine spitzbübische Freude.

Die großen Klassiker wie der unvermeidbare “Bard’s Song”, “Mirror Mirror” und “Valhalla” hat das Publikum weitestgehend ohnehin mit der Muttermilch aufgesogen – hier scheint es wie üblich bei Konzerten der Krefelder fast, als würden sich die Stücke dank Publikumsbeteiligung wie von selbst spielen. Alles in allem bieten BLIND GUARDIAN ein Rundum-Sorglos-Paket für Fans jeder Stunde, bei dem für jeden, der nur irgendwie in irgendeiner Schaffensphase der Band jemals mit ihnen in Kontakt getreten ist, etwas dabei gewesen sein dürfte.

Galerie mit 27 Bildern: Blind Guardian - Summer Breeze Open Air 2025

OBITUARY – 23:20, T-Stage

Spät am Abend weht ein muffiger Wind über das Gelände vor der T-Stage, ehe unvermittelt der erste (von zugegeben nicht vielen) Akkorden von „Redneck Stomp“ mit einer derartigen Wucht aus den Boxen hämmert, dass uns die Haare zu Berge stehen. Nach einer verkürzten Version des Intros, stapft John Tardy auch schon halb gebeugt über die Bühne und fordert das Publikum mit schlacksigen Bewegungen auf, einzusteigen. Aber gerne doch. Ist für viele der GOJIRA-Auftritt ein Höhepunkt geblieben, rudern einige bei dieser, vor Energie nur strotzenden Performance noch einmal schüchtern zurück. OBITUARY setzen heute Abend ein Statement. Der Gig ist eigentlich perfekt (einzig das wunderbar antreibende „Visions In My Head“ fehlt), bei der Setlist angefangen und beim druckvollen Sound und der düsteren Licht-Inszenierung noch lange nicht aufgehört. Da hört man doch einige GOJIRA-Fans „merci beaucoup“ flüstern…

Galerie mit 12 Bildern: Obituary - Summer Breeze Open Air 2025

Zeremonielle Schönheit, die ohne Kitsch auskommt

WARDRUNA – 23:25, Mainstage

Für einen elegischen Abgang ist es eigentlich noch zu früh, aber die Reihen lichten sich deutlich, als WARDRUNA die Mainstage betreten und mit ihrer wunderschönen Variante des Nordic Folk das Summer Breeze verzaubern. Die Akustik ist fantastisch, das Bühnenbild traumhaft und die Darbietung könnte nicht zauberhafter sein. Bandkopf Einar Selvik zelebriert mit Lindy-Fay Hella und einer fantastischen Liveband einen intensiven Seelentrip in die Welt der nordischen Mythologie. Das Set ist wunderschön, in seiner Nachdenklichkeit aber sicherlich nicht jedermanns Sache. Daher bleibt die Frage, ob ein solcher Auftritt wirklich auf der Mainstage stattfinden muss, nachdem Powermetal die Anwesenden in ganz andere Sphären gebeamt hat. Wie auch immer, es ist ein ergreifendes Set, das mit dem abschließenden „Helvegen” fulminant, aber kitschfrei endet. Eine Band wie WARDRUNA ist als Liveact noch um einiges packender als auf Scheibe und im Kontext von Spaß und Festival auch nach dem ganzen Klamauk und Viking-Kitsch ein harter Brocken, der in seiner klassischen Einfachheit die Bühne nicht zerlegt.

Galerie mit 12 Bildern: Wardruna - Summer Breeze Open Air 2025

STATIC-X – 01:00, Mainstage

Wie hat man sich STATIC-X ohne Wayne Static vorzustellen? Der neue Sänger Xer0, der mittlerweile auch schon seit 2018 zum Lineup der US-amerikanischen Nu/Industrial-Metal-Schwergewichte zählt, lässt Zweifler relativ schnell verstummen und adaptiert die Stimmbandweite seines Vorgängers praktisch bis ins kleinste Detail hinein, während das Publikum nicht anders kann als das Tanzbein zu schwingen. Die teilweise etwas (auf charmante Weise) alberne Show mit Strobo-Effekten, flimmernden Animationen, seltsamen Maskottchen und dergleichen mehr, entschädigt dabei die erzwungene Pause mittendrin, als Tieftöner Tony Campos technische Probleme beklagt und die Band kollegial auf die Berichtigung dieser Probleme wartet. In Sachen Setlist stehen alle Zeichen auf Nostalgie, besteht schließlich ein großer Teil des Sets aus Tracks aus “Wisconsin Death Trip”, dessen legendärer Opener “Push It” auch als passender Rausschmeißer fungiert.

Galerie mit 29 Bildern: Static-X - Summer Breeze Open Air 2025

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13.12.2025

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1 Kommentar zu Summer Breeze Open Air - Der große Festivalbericht 2025

  1. metal-maniac sagt:

    Irgendwie habe ich es geschafft bis auf Suffocation, Benighted und gojira alles zu umschiffen was hier angesprochen wird 🙈

    Kleine Kritik: Die Anreise-Slots gabs schon letztes Jahr und Extermination Dismemberment haben auch in Schlotheim gespielt aber ihr wart bei Illenschwang 😜