Gunship - Dark All Day

Review

„Dark All Day“ ist der Nachfolger zu dem selbstbetitelten Debüt der englischen Drei-Mann-Formation GUNSHIP – und unser Synthwave-Album des Monats Oktober. Das 2015er-Werk „Gunship“ hat einen mächtigen Eindruck hinterlassen: Titel wie „Tech Noir“ und „The Mountain“ zaubern vielen Synthwave-Fans ob ihrer gelungenen Mischung aus Pop-Appeal und Schwermut immer wieder ein wohliges Lächeln aufs Gesicht.

Yippee ki-yay, Schweinebacke!

„Dark All Day“ ist bunte 80er-Nostalgia auf Steroiden: Mehr Anlehnung an die Popkultur der 1980er-Jahre geht kaum. Überall wittert man Zitate aus Filmen, Spielen oder Literatur. Höhepunkt dieser Verehrung: Die Metabetrachtung der Popkultur über den Song „Art3mis & Parzival“ aus READY PLAYER ONE – das sich selbst diesem Jahrzehnt sehr umfangreich widmet und Anspielungen darauf zum Kern seiner Geschichte macht.

Aber auch Cindy Lauper erfährt eine Ehrung in Form einer Coverversion: Ihren Titel „Time After Time“ erkennt man bei einem Blinddurchlauf allerdings erst beim zweiten Hinhören. Die Nummer ist in der GUNSHIP-Version, durchaus stimmig in den bandeigenen Sound transferiert, noch balladiger und zuckeriger ausgefallen als im Original – was wirklich arg an den Zahnwurzeln zieht. Es ist damit quasi der Kontrapunkt zum schmissigen und höchst gelungenen „Maniac“ von CARPENTER BRUT.

War der Vorgänger „Gunship“ bei aller Eingängigkeit allerdings noch angenehm düster und vage endzeitlich gehalten, so begibt man sich mit „Dark All Day“ – der Titel hätte es nun wirklich nicht vermuten lassen – weitestgehend in Richtung einer flockigen Popproduktion. Gastauftritte der bekannten Tattoogestalterin Kat von D und der Trip Hop/ Elektronic-Künstlerin INDIANA weisen hier die Richtung.

In Ansätzen schaut VANGELIS‘ „Blade Runner“-Soundtrack und ein bisschen TRON-Ästhetik zwar noch vorbei und auch der gelungene Titeltrack mit seinen ungewöhnlichen Saxophoneinspielungen von Tim Cappello (der auch im MAD MAX-Soundtrack von Tina Turner zu hören ist) weiß zu gefallen – und genau immer dann, wenn es etwas schwermütiger wird und die Zuckerdose eingepackt wird, wird „Dark All Day“ richtig gut. Aber das ist halt nur gelegentlich der Fall.

Ich habe eine Wassermelone getragen

Für „Dark All Day“ muss man bereit sein sich vollkommen auf dieses umfassende Nostalgie-Pop-Konzept von GUNSHIP einzulassen, darf keine Berührungsängste mit Dreamwave, Manga oder Popballaden haben und sollte phasenweise eine sehr verklärende und wenig ernsthafte Sicht auf die Mainstream-Errungenschaften der 1980er-Jahre einnehmen. Es wird munter alles durcheinandergewürfelt, von den „Ghostbusters“ über „Miami Vice“ bis zu „Thriller“. Gelingt diese Sicht, dann beschert der neue Release von GUNSHIP ein paar unterhaltsame Hördurchgänge – sicherlich mit Licht, aber auch mit Schatten.

Zweifellos muss man allerdings anerkennen, dass es GUNSHIP gelingt über die Verschmelzung von Synthwave und Pop eine eigene Duftmarke zu setzen und einen erfolgreichen Stilmix gefunden zu haben, durch den man seine Wohlfühlnische im „Underground“ verlässt  – Platz 34 in den englischen Album-Charts spricht da auch für sich.

Die Klasse des ungestümen Debüts allerdings, das auch nach dem drölfzigsten Durchlauf noch immer zündet, erreicht „Dark All Day“ nicht – oder um es mit Roger Murtaugh zu halten: „I’m too old for this shit“.


Kein Metal und trotzdem für viele Metaller interessant: Synthwave. Die elektronische Spielart rund um apokalyptische Endzeit, Palmen in Miami und Neonreklame wird einmal monatlich auf metal.de mit einem ausgewählten Release gewürdigt. Also: Synth Or Die!

19.10.2018

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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