Big Mike Colonia - Videowelt

Review

Bei unserem Synthwave-Release des Monats September gehen wir mal auf ganz ungewöhnliche Pfade. Denn im Gegensatz zu den meisten Genrevertretern setzt BIG MIKE COLONIA auf Songs mit Gesang – und liefert darin zahllose Popkulturreferenzen.

Mit Vollgas in die „Videowelt“

Trotz des für das Genre ungewöhnlichen hohen Gesangsanteils stellt Synthwave ganz klar den musikalischen Unterbau auf „Videowelt“ dar. Die Synthesizer pumpen straight nach vorne. Hier und da macht sich auch eine Gitarre breit. Dazu kommt ein abgefahrenes Rahmenkonzept.

Das Intro mit dem endlos geilen Titel „Cryo Justice“ verrät uns, dass Mike B. Anfang der Neunziger in Cryoschlaf versetzt wurde. Nach einer Auseinandersetzung mit der Polizei, versteht sich. Knapp 30 Jahre später taut er auf, um endlich sein Debütalbum zu veröffentlich. „Demolition Man“ lässt grüßen.

Anschließend ballert der Titelsong „Videowelt“ mit treibenden Synthies und einem arschcoolen Gitarrenriff aus den Boxen. Der Refrain fräst sich schnell in die Gehörgänge. Zudem macht BIG MIKE COLONIA eine klare Ansage: „Mach dich bereit für Action Power all night“.

BIG MIKE COLONIA powert durch

Genau die liefert er im Anschluss. „Overpower“ feiert die US-amerikanische Übermacht ohne Gnade. „Feel the power of America in my veins“ heißt es da. In den Strophen reiht BIG MIKE einfach nur alles aneinander, was das Land Of The Free einst zum Traum aller Freiheitsliebenden machte. Das geht von Johnny Cash über Grandmaster Flash hin zu ZZ TOP und Clint Eastwood. Ist das vollkommen unreflektiert? Klar. Macht es Spaß? Verdammt nochmal, ja!

„Springbreak Im Neandertal“ gestaltet sich dank seiner „Ugha-Agha-Ugha-Agha“-Rufe genauso geil-bescheuert, wie es der Titel verspricht. „Keine Party knallt so brutal/ Wie Springbreak im Neandertal“. Kann man kommentarlos so stehen lassen.

Dass BIG MIKE COLONIA seine Heimatstadt liebt, zeigt allein der Künstlername. Die kölschen Texte lassen daran ebenfalls keinen Zweifel. Dementsprechend verwundert es wenig, dass die Hymne an seine Kölner Kumpels, „Bad Boys“, als einer der stärksten Hits des Albums über die Zielgerade geht. Angesichts der griffigen Hookline, möchte man den hier besungenen Muskeltempel direkt selbst aufsuchen.

Eine neue Religion

Apropos Muskelsport: BIG MIKE COLONIA veranstaltet gerne auch eine „Party im Gym“. Die zeichnet sich durch ordentlich Testosteron und einen alles wegpustenden Beat aus. Dazu kommen lyrische Glanzleistungen wie „1000 Volt im Arm, doch in der Birne/ Geht das Licht nicht an, Heavy Metal/ Fliegt hier durch die Luft.“ Und klar, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone sind die Apostel der neuen Muskelreligion.

Einziger ernsthafter Stimmungsdämpfer der Party ist „Jackpot“, BIG MIKE COLONIAs Liebeserklärung an seine Frau. Auch wenn der Vergleich „Wie Bizep und Trizep sind wir ein starkes Team“ durchaus seinen Charme hat, dümpelt der Song ein wenig vor sich hin. „Disco Stellare“ gelingt es ebenfalls nicht ganz, das Partylevel auf 100 Prozent zu halten.

Mit „Videowelt“ liefert BIG MIKE COLONIA ein wahres Hitfeuerwerk ab. Die wenigen Durchhänger fallen angesichts seiner massiven Power kaum ins Gewicht. Wer etwas mit Synthwave oder Synthie Pop anfangen kann und offen für eine völlig neue Interpretation dieses Sounds ist, wird hier glücklich.


Kein Metal und trotzdem für viele Metaller interessant: Synthwave. Die elektronische Spielart rund um apokalyptische Endzeit, Palmen in Miami und Neonreklame wird einmal monatlich auf metal.de mit einem ausgewählten Release gewürdigt. Also: Synth Or Die!

01.09.2020

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1 Kommentar zu Big Mike Colonia - Videowelt

  1. Base4ever sagt:

    Oh Gott ist das schlecht… der „Gesang“ geht mal gar nicht! Der Retrowave Sound würde ja noch klar gehen, aber der Rest erinnert mich doch zu sehr an Großer Bruder von Jürgen und Zlatko. Einfach nur übel

    2/10