Master Boot Record - Personal Computer

Review

Soundcheck Mai 2022# 7

Mit einem beachtlichen siebten Platz in unserem Mai-Soundcheck melden sich MASTER BOOT RECORD zurück: „Personal Computer“ heißt der Nachfolger zum gelungenen 2020er-Vorgängerwerk „Floppy Disk Overdrive“ – Synth Or Die! wirft mal einen genaueren Blick auf die eigenständige Mischung aus Chiptune, Synthwave und Metal.

Rückkehr nach ungewohnt langer Auszeit

Zunächst eine gute Nachricht: Grundlegend hat MASTER BOOT RECORD an seinem Sound gar nicht viel verändert – in diesem Sinne ist „Personal Computer“ nur ein kleines Update der eigenwilligen Klangwelt des ansonsten veröffentlichungstechnisch sehr umtriebigen Italieners, also mitnichten ein Major Release. Insgesamt wirken MASTER BOOT RECORD jedoch noch ein wenig gefälliger – soweit man dies so beschreiben kann – als noch auf „Floppy Disk Overdrive“. Das ist zwar nur in Nuancen zu hören, aber der Takt von „Personal Computer“, die industrialhaften Beats, klingen tatsächlich ein wenig weicher – und das ohne, dass die Härte oder Energie grundsätzlich verloren gegangen ist. Hinzu kommen Fortschritte im Bereich der songdienlichen Komposition, eine Kritik, die sich „Floppy Disk Overdrive“ noch abschließend gefallen lassen musste, nämlich nicht immer stringent die vielfältigen Ideen auch zu guten Songs zu verarbeiten zu können.

Hinzu kommt dieser einmalige Retro-Sound, der jedem 8- und 16-Bit-Sound-Jünger die Freudentränen ins Gesicht treiben dürfte. „8086“ würde ziemlich gut als Super Probotector-Soundtrack funzen, „80186“ birgt mit seinen barocken Anleihen und dem Spinett-Intro eine Castlevania-Atmosphäre, „80386“ hingegen schielt eher in den Blade Runner-haften Cyberpunk-Raum des „Virtuaverse.ost“. Der Rausschmeißer „80686“ führt gar in Dracula-hafte Kellergewölbe und Adventure-Abenteuer. Beinahe jedes Game-Genre wird also passend von MASTER BOOT RECORD bedient. Und mit „80286“ und „80586“ verbergen sich auch richtige (Thrash-)Metal-Banger auf „Personal Computer“ – Nerd-Herz, was willst Du mehr?

Viel Nostalgie auf einem ordentlich zeitgemäßen Elektro-Brett

Es ist also für jeden Synth- und Gaming-Fan der späten 1980er und 1990er-Jahre etwas dabei zum Anknüpfen – und ja, Nostalgie ist sicherlich ein gewichtiger Faktor, wenn es darum geht die Klasse von „Personal Computer“ zu bewerten.

MASTER BOOT RECORD ist „Personal Computer“ nach wie vor nichts für jeden Anlass, kein Easy Listening. Aber die Zusammenstellung von knalligen Gitarren und flotten Melodien, gebettet auf ein harsches Synthie-Brett, ist ziemlich einmalig und herausragend. Kaum vorstellbar, dass dies von MASTER BOOT RECORD beackerte Terrain zwischen Metal, Synthwave und Industrial absehbar besser besetzt werden könnte. Starkes Teil.


Kein Metal und trotzdem für viele Metaller interessant: Synthwave. Die elektronische Spielart rund um apokalyptische Endzeit, Palmen in Miami und Neonreklame wird einmal monatlich auf metal.de mit einem ausgewählten Release gewürdigt. Also: Synth Or Die!

15.05.2022

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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