Master Boot Record - Floppy Disk Overdrive

Review

Soundcheck März 2020# 7

Mit MASTER BOOT RECORD erscheint ein weiterer Act auf der Bühne der Metal-Community, der aus den Tiefen der Synthwave-Chiptune-Electro-Szene gezogen wurde – und ist unser Synth Or Die!-Album des Monats April. Dabei ist es sogar weniger schräg, als man glauben könnte, dass das Projekt aus Italien mit „Floppy Disk Overdrive“ nun auf dem renommierten Label Metalblade sein Debüt gibt: Denn im Kern war MASTER BOOT RECORD sogar stets mehr Metal als viele – auch bereits in dieser Kategorie behandelte – elektronische Projekte, die es bereits in die Herzen vieler Metaller geschafft haben.

„Floppy Disk Overdrive“ – Bay Area meets Commodore 64

So kommen das achtminütige „EDIT.COM“ oder das knallige “ SMARTDRV.EXE “ phasenweise wie klassische Thrasher daher, die, immer wieder durchsetzt von barocken Klängen, eine Mischung aus METALLICA und „Castlevania“-Soundtrack darstellen. Aber damit ist noch nicht alles gesagt:
„FDISK.EXE“ nimmt sich eher mit seinen epischen , beinahe doomigen Elementen zurück, „DBLSPACE.EXE“ hingegen lehnt sich mehr an klassischen Heavy Metal an – hier fehlt nur noch die synthetische Twin-Guitar. Allein diese Titel zeigen, wie hoch die Bandbreite (Pun intended) von MASTER BOOT RECORD ist, was die Inspirationen angeht: Das metallische Einmaleins sitzt. „Synthesized Heavy Metal“ als selbstgewählte Einordnung des dargebotenen trifft es recht gut.

Und dennoch geht es auch elektronisch gut zur Sache: „RAMDRIVE.SYS“ erinnert an die famosen HOLLYWOOD BURNS, „EMM386.EXE “ könnte auch einem kruden Fantasy-RPG der frühen 1990er-Jahre entnommen sein. Aber eben diese Mischung aus verschiedenen Ansätzen, aus unterschiedlichsten Richtungen, macht MASTER BOOT RECORD so spannend. Aber auch ziemlich nerdig. Zugegeben. Dass MASTER BOOT RECORD übrigens auch wunderbar Gaming-Soundtracks adaptiert ist wenig verwunderlich und eine schöne Randnotiz – diese Coversongs zu entdecken macht ebenfalls richtig Spaß, aber das ist eine andere Geschichte.

MASTER BOOT RECORD sind ziemlich speziell – aber auch ziemlich besonders

Schwächen kann man nur da attestieren, wo es nicht so recht gelingt, einen schlüssigen Song aus den mannigfaltigen Ideen zu formulieren. Da wird „Floppy Disk Overdrive“ etwas weniger gut, es fordert ein gewisses Durchhaltevermögen, um diese Sequenzen zu überbrücken – ein glücklicherweise selten auftretendes (so beim Abschlustitel „EMM386.EXE“), aber dennoch verbesserungswürdiges Phänomen.

MASTER BOOT RECORDS gibt sich auf „Floppy Disk Overdrive“ insgesamt ein wenig gezähmter und songdienlicher, als man es aufgrund der bisherigen Arbeiten, insbesondere auf „Direct Memory Access“, vermuten könnte. Richtig gefällig ist zwar immer noch anders, aber „Floppy Disk Overdrive“ hat einen besonderen Charme, eine herrlich unverbrauchte Herangehensweise, die genregrenzen spielend überwindet (Pun intended again) und dennoch nicht gekünstelt oder unvereinbar klingt. Fetzt.


Kein Metal und trotzdem für viele Metaller interessant: Synthwave. Die elektronische Spielart rund um apokalyptische Endzeit, Palmen in Miami und Neonreklame wird einmal monatlich auf metal.de mit einem ausgewählten Release gewürdigt. Also: Synth Or Die!

24.03.2020

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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2 Kommentare zu Master Boot Record - Floppy Disk Overdrive

  1. royale sagt:

    selbstverständlich schon in meiner Sammlung 😀

    8/10
    1. doktor von pain sagt:

      In meiner auch, sogar auf CD.