Opeth
Das meint die Redaktion zu "Pale Communion"

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Das wohl spannendste Detail zum neuen OPETH-Werk „Pale Communion“ hatte Frontmann Mikael Åkerfeldt ja bereits im Vorfeld verraten: Das Album wird keine Growls beinhalten, und das, wissen wir jetzt, würde auch nicht zur Musik passen. Jedenfalls nicht so richtig, denn OPETH führen den auf „Heritage“ eingeschlagenen Weg konsequent fort. Das bedeutet: Die Musik ist zwar progressiv wie ehedem, aber mehr Rock als Metal. Taugt „Pale Communion“ trotzdem etwas? Können Fans der alten Werke mit dem neuen Album glücklich werden? Nachdem Kollege Alex Klug „Pale Communion“ bereits ausführlich gewürdigt hat, lest Ihr hier weitere Meinungen der KollegInnen Tobias Kreutzer, Sven Lattemann, Tamara Deibler und Falk Wehmeier zum Album.

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Okay, die Growls sind passé. Das war bekannt, dürfte nach „Heritage“ niemanden mehr verwundern und soll deshalb hier auch kein Thema sein. Am Vorgänger schieden sich 2011 schon die Geister. Ich persönlich kann das Album, nach anfänglicher Enttäuschung, mittlerweile wirklich genießen und lege es gerne ab und an wieder ein. „Pale Communion“ geht den eingeschlagenen Weg weiter und hat von allem etwas mehr. Mehr Prog, mehr Hard Rock, mehr Orchester und immer noch viele Akustikpassagen. Nachdem „Cusp Of Eternity“ nicht schlecht, für meine Erwartungen an OPETH, auch 2014, jedoch etwas zu simpel gestrickt war, gefiel mir „Eternal Rains Will Come“ schon deutlich besser, vor allem dank des wunderbaren Mittelteils. „Moon Above, Sun Below“ sind zwar eigentlich zwei Songs, allerdings aber zwei gute. Das sinistere OPETH-Feeling kommt durch und ein paar Riffs wären mit etwas mehr Gain auch auf „Blackwater Park“ nicht aufgefallen. Zudem klingt stellenweise beinahe ein bisschen Aggressivität in Åkerfeldts Stimme an. „Elysian Woes“ und „Goblin“ sind dann aber leider fast so etwas wie „Heritage“-B-Seiten und den Southern Rock-Einstieg von „River“ kann und will ich nicht nachvollziehen. „Voice Of Treason“ und „Faith In Others“ meinte Åkerfeldt wohl, als er im Vorfeld von massivem Orchestereinsatz bei einigen Songs sprach. Vor allem Letzterer ist aber einfach wirklich schön.

OPETH machen es mir nicht leicht. „Pale Communion“ ist am Standard der Band gemessen leider nur durchschnittlich. Die wahrlich großen Momente sind spärlicher gesät als auf den Veröffentlichungen vor „Heritage“, aber es gibt sie. Wie ein Verdurstender hangelt man sich also von Wasserloch zu Wasserloch und genießt die Minuten der puren Brillianz. Den Nimbus der Unfehlbarkeit hat die Band leider vorerst für mich verloren. Ihre Ausnahmestellung in der Musik an sich, nicht nur im Metal, wird sie deshalb so schnell nicht los. Auf ein Neues.

(7/10 | Tobias Kreutzer)

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Der liebe Herr Åkerfeldt hat es seiner Fangemeinde in den letzten Jahren ja wirklich nicht einfach gemacht: Getreu dem Motto „My Way Or The Highway“ wurde der Sound von OPETH entwickelt, verändert, zerschlagen und neu zusammengesetzt. Ich kenne kaum eine (Metal-) Band, deren Sound so unmittelbar von der musikalischen Entwicklung und Vorliebe ihres Frontmanns bestimmt ist wie der OPETHs – und „Pale Communion“ macht hier nahtlos weiter. Da hat der Kollege Alex Klug sicher recht: Auch „Pale Communion“ wird erneut polarisieren.

Dabei fühlt sich „Pale Communion“ zunächst einmal deutlich stärker und kraftvoller an als „Heritage“, aber auch, bandhistorisch betrachtet, konservativer. Das beinahe uferlose und grenzenlose Gefühl des Vorgängeralbums wurde zugunsten von mehr Struktur aufgegeben – was  „Pale Communion“ zu einer Mischung aus „Damnation“ und „Heritage“ macht und von beiden Alben die Stärken aufnimmt. Man geht ein bisschen düsterer zu Werke und gibt den Tracks neben der – offensichtlich und unbestritten vorhandenen instrumentalen Klasse der Truppe – nun auch ein Gewand, in dem man sich als Hörer besser orientieren kann. Auch diese Veränderung wird sicherlich an den aktuellen musikalischen Einflüssen des Herren Åkerfeldt liegen, der sich anscheinend wieder ein wenig vom jazzigen Ur-Prog abwendet und seine soundtracklich-orchestrale Seite – inklusive noch mehr Hammond-Orgel Einsatz und -Dominanz – entdeckt.

Was „Pale Communion“ aber ohne jeden Zweifel ist, ist ein bockstarkes Album der Schweden. Jeder der acht Songs sitzt – „all killers, no fillers“ – und jeder einzelne Titel zeigt die Variabilität und kompositorische Klasse dieser Jungs. Trotz durchgehend hohem Niveau stechen einige Tracks dann aber doch heraus, allen voran das faszinierende und mitreißende „Moon Above, Sun Below“, eine tolle Mischung aus gesanglicher Leistung, eingängigen Melodien und einem zauberhaften Zwischenspiel in der Mitte des Songs – ganz knapp gefolgt von „Voice Of Treason“, das durch seinen orientalischen, exotischen Einschlag und ungewohnten Walzerklängen zum Abschluss dauerhaft im Kopfkino rotiert.

Weshalb man dann auch nicht zu irgendwelchen Etiketten oder Labels greifen möchte: OPETH gelingt es auf „Pale Communion“, ein tolle Atmosphäre zu erschaffen – ganz im Sinne eines vollständig eigenständigen, anspruchsvollen und doch unterhaltsamen Gesamtkunstwerkes, ganz so, als könnte Herr Åkerfeldt nun endlich musikalisch das Ausdrücken, was er zu Beginn der Bandgeschichte mit den Mitteln des Death Metal stellenweise nur andeuten konnte. Damit ist „Pale Communion“ auch kein Prog, kein Art-Rock, kein Soundtrack und kein Todesmetall – sondern einfach OPETH.

(9/10 | Sven Lattemann)

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Manchmal sind es die Bands, die das Unerwartete liefern und sich nicht kategorisieren lassen, die mit ihrer Art stärker bewegen, als man zunächst angenommen hat. Ein weiteres Mal legen OPETH ein Album vor, welches sich vorab nicht einschätzen ließ und wieder einmal kann man von „Mut“ sprechen, der mit den Klängen von „Pale Communion“ und der eingeschlagenen und gestärkten Richtung einhergeht. Sind die Gemüter bereits seit dem letzten Album gespalten, bleiben diese Lager vermutlich auch jetzt bestehen: Wer mit „Heritage“ nichts anfangen konnte, der wird auch an „Pale Communion“ keine Minute verschwenden. OPETH erstrahlen in neuer Prog-Form und jegliche Death-Anleihen gehören mit einem großen Ausrufezeichen der Vergangenheit an.

„Pale Communion“ ist warm und organisch und dabei doch OPETH-typisch melancholisch, es ist ein liebgewonnener und unverkennbar melodischer Ohrwurm, der mit Abwechslung und leichter Verspieltheit trotzdem nicht überladen wirkt, sondern seicht über die Geschichten hinweg trägt. Die OPETHschen Stärken wie Songstruktur und Instrumentierung sind besonders bei den Songs „Elysian Woes“, „Goblin“ und „River“ zu vernehmen – letzterer ist allerdings erst ab der Hälfte als OPETHsches Werk abgesegnet. Alles in allem hat das, was als eine Art „Stilbruch“ begonnen hat, dem Gefühl des „angekommen seins“ Platz gemacht und OPETH überzeugen – immer noch und immer mehr!

(8/10 | Tamara Deibler)

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Natürlich könnte ich mich an dieser Stelle in generischen Lobpreisungen der OPETHschen Fähigkeiten verlieren. Natürlich könnte ich zigfach gehörte Phrasen dreschen, die jeder Anhänger der Schweden nur zur Genüge kennt. Fakt ist jedoch: Es bestehen keinerlei Zweifel mehr daran, dass Åkerfeldt und seine Mitmusiker nicht nur ihr Handwerk, sondern auf ihre ureigene Art auch weite Teile des salopp als „Prog“ bezeichneten Feldes beherrschen. OPETH müssen niemandem mehr etwas beweisen – sie können sich höchstens immer wieder selbst beweisen, dass sie in der Lage sind, ihre künstlerische Vision besser und besser in Form zu gießen.

Nichts anderes ist nämlich „Pale Communion“: Künstlerische Vision, in einem Guss. War „Heritage“ zwar auf seine Weise genial, aber eben auch sehr sperrig und zuweilen überbordend und -fordernd, stellt „Pale Communion“ die Perfektion der auf dem Vorgänger gezeigten Ansätze dar: Die Stil-Elemente mögen oberflächlich betrachtet vergleichbar sein, doch fügen sich diese einem Mosaik gleich zu einem größeren Bild zusammen; das Ganze ist (um nun endlich doch dem Phrasenschwein seinen Tribut zu zollen) mehr als die Summe seiner Teile. Ob das die wunderbar synkopische Ride im Opener ist, der tolle mehrstimmige Gesang in „Moon Above, Sun Below“, der (und das ist vollkommen wertungsfrei gemeint!) Fernsehkrimi-Titelsong „Goblin“ oder die ungewöhnlich prägnanten Flächen im abschließenden „Faith In Others“: Alles dient hörbar dem Fluss des Albums; dem Ausdruck der künstlerischen Integrität, deren bisherigen Höhepunkt OPETH mit „Pale Communion“ erreicht haben.

(9/10 | Falk Wehmeier)

Galerie mit 28 Bildern: Opeth - Wacken Open Air 2019
25.08.2014

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2 Kommentare zu Opeth - Das meint die Redaktion zu "Pale Communion"

  1. Alex Klug sagt:

    Goblin eine Heritage-B-Seite? Tobias, wir müssen mal reden 😀

  2. Tobias sagt:

    Seit Tagen lese ich in jeder Rezension von der vermeintlichen Brillianz dieses Tracks. Ich habe wirklich versucht dahinter zu steigen, aber ich finde ihn immer noch belanglos. Da lieber noch nen „richtigen“ Song mit Vocals draufpacken 😀 Sorry!