Ragnarök Festival 2026
Der große Erlebnisbericht
Konzertbericht
Samstag
Noch mal: Die Unterkunft ist sehr zu empfehlen. Wir kokettieren auch nur ein wenig mit unserer Blasphemie. Wobei wir die Blicke der „Normalos“ beim Frühstück schon auch genießen. Hier vermischen sich Ausflugsmenschen mit Metalheads zu (schwarzem!) Kaffee, Rührei und Brötchen – ist doch auch irgendwie nett.

Der Biergarten der Brauerei Trunk öffnet bereits um 10 Uhr. Grandios! Die Gelegenheit lassen wir nicht liegen und frühschoppen noch fix, bevor uns der Bus nach Lichtenfels fährt. So abgelegen auf ein öffentliches Verkehrsmittel zu warten, ist wie Eier kochen – auch wenn man die Zeit im Auge behält, weiß man nie, was bei rauskommt. Wir erreichen unser Ziel aber nur mit leichter Verzögerung.

Wer hat gestern brav aufgegessen, damit heute so ein schönes Wetter ist? Die Sonne wärmt uns schon zu früher Stunde – entsprechend gut gelaunt kommen wir an, passieren den „Panzerbus“ auf dem Parkplatz sowie einen Typ mit aufblasbarer Gitarre und singen zu „Carry On Wayward Son“ mit, während wir bejahend zum Pavillon nicken und unweigerlich an „Supernatural“ denken.
Bleiben können wir nicht, denn GRIMMING spielen gleich. Tatsächlich geht der Trachten-Death-Metal richtig gut in die Beine und in den Kopf – optisch fragwürdig, aber musikalisch macht das mächtig Laune. „Alle ausgeschlafen“, konstatiert Fronter Samuel Dukic und animiert zur faustreckenden Morgengymnastik.

Grimming beim Ragnarök 2026
Wir verschwinden mal eben, um einen dritten Kaffee zu trinken. Wie schon im 2025er-Ragnarök-Bericht dargelegt, ist das ein großer Pluspunkt des oberfränkischen Kultfestivals: Während man bei vielen anderen Events ab vom Schuss ist, sind hier in unmittelbarer Nähe verschiedene Läden, Cafés und Restaurants fußläufig erreichbar. Und wie jedes Jahr gilt: Lichtenfels trägt wieder Kutte. Überall sehen wir Meddl-Leude, wundervoll! Sogar im Supermarkt haben ein paar Angestellte augenscheinlich freiwillig Ragnarök-Shirts übergezogen.

Istapp beim Ragnarök 2026
Draußen Biergartenwetter, drinnen ISTAPP-Winter. Wir entscheiden uns für Letzteres, denn die melodischen Black-Metal-Hymnen locken wie Eiswasser nach einem Saunagang. „Spürt ihr die Kälte?“, fragt Gjallar im sympathischen Fast-richtig-Deutsch. Nicht wirklich, aber die Songs reißen wie immer mit. Schade nur, dass der wichtige Klargesang erneut vom Band kommt.

Agrypnie beim Ragnarök 2026
Wir nehmen noch etwas von AGRYPNIE mit, aber jetzt ziehen uns die Sonnenstrahlen doch in den satt gefüllten Biergarten. Schau an, Gerd ist auch wieder am Start. Seine sexualisierten Altherrenwitze sind wie schon im letzten Jahr cringe, um es mit einem deutlich jugendlicheren Wort zu beschreiben. Bei einigen kommt das Programm aber an – und liedseitig auch durchaus Stimmung auf.
Dass das Ragnarök Festival immer ein Gesamterlebnis ist, haben wir ebenfalls im letztjährigen Bericht thematisiert. Am heutigen Samstag kommt eine weitere Facette hinzu, denn mitten in Lichtenfels findet ein kleines Frühlingsfest statt. Klar, dass wir da mal vorbeischauen. Die Brauerei Lippert hat einen Bierwagen – klar, dass wir da mal vorbeitrinken. Achtung: Das mild klingende Frühlingsbier schmeckt rauchig.
Zu HORN sind wir wieder zurück. Ohrwurmtag beim Ragnarök: Nach „I Väntan På Den Absoluta Nollpunkten“ (gern geschehen) von ISTAPP beschert uns Nerrath mit „Turm Am Hang“ (danke schön) den nächsten. Sein persönlicher Favorit ist laut eigener Aussage heute aber „The Fading Landscape’s Glory“ vom 2005er-Debüt „Jahreszeiten“. Bewährte Hits, ein Gastauftritt von MT (THE SPIRIT), eine Nummer mit Humppa-Attitüde – HORN beglücken uns mit einer vielseitigen Reise durch den Pagan Black Metal, der inzwischen sehr viel schwärzer daherkommt.

Horn beim Ragnarök 2026
Hach, dieses Wetter. Und dann ist gleich nebenan dieser Biergarten. Und da gibt es – sorry, dass wir es noch mal erwähnen müssen – nun mal das leckerere Bier. Äußerst durchmischt ist die Konservenmusik – von Oldies über Schlager bis „Master Of Puppets“ und MEHNERSMOOS.
Schnell zurück: VREID verzaubern das Ragnarök mit epischem Extreme Metal, der oft erfreulich nah an WINDIR ist. Danach wird es speziell, aber im ganz positiven Sinne: EIHWAR ist ein französisches Duo, das uns mit ihrem „Viking War Trance“ komplett in seinen Bann zieht und vom Look bis zur Performance (ob elektronisch, akustisch oder gesanglich) mächtig Eindruck hinterlässt. Dazu zieht eine Polonaise durch die Reihen und Surfer:innen gleiten über die Crowd. Ein Festival-Höhepunkt!

Eihwar beim Ragnarök 2026
Bei HARAKIRI FOR THE SKY schwelgen (oder weinen) erwartungsgemäß viele Anwesende zu den melancholischen Post-Black-Songs der Band aus Österreich. Zum letzten Lied geht J.J. ins Publikum, um den Schmerz noch näher an die Menschen zu bringen.

Harakiri For The Sky beim Ragnarök 2026
ABBATH ist anschließend einfach Abbath: einer der coolsten Dudes im Black Metal, der den Krebsgang perfektioniert und trotz aller musikalischen Härte immer eine Grimasse parat hat. Weil er heute auch wieder IMMORTAL-Songs spielt, mögen wir ihn noch mehr.
Mit Peter Tägtgren steht im Anschluss die nächste Metal-Legende auf der Bühne. Der Mann ist Routinier durch und durch, was in keiner Weise negativ gemeint ist, sondern ein Versprechen, dass jede HYPOCRISY-Show eine hochqualitative Angelegenheit ist. Ja, die Band ist oft zu sehen, aber viele bekommen auch einfach nicht genug von den Schweden.
Weil VOMITORY mit MIST OF MISERY getauscht haben, beenden die Letztgenannten das Ragnarök 2026. Doch die Energie hat sich bei etlichen in Müdigkeit verwandelt, sodass der Zuschauerraum überschaubar ist. Damit endet das Festival keineswegs betrübt, sondern mit persönlicherem Charme. Aber es endet – was natürlich betrübt, denn es war wie immer ein Fest, das auch länger hätte dauern dürfen.
Text: André Gabriel
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