Ragnarök Festival
Der große Festivalbericht - Ragnarök Festival 2007

Konzertbericht

Billing: Aaskereia, Cruachan, Eluveitie, Fjoergyn, Gernotshagen, Heidevolk, Hel, Helfahrt, Helheim, Kampfar, Koldbrann, Kromlek, Månegarm, Minas Morgul, Moonsorrow, Riger, Swallow The Sun, Sycronomica, Tyr, Urgehal, Vreid und Wolfchant
Konzert vom 2007-03-31 | Stadthalle, Lichtenfels

SWALLOW THE SUN
Nun, nach 1,5 Tagen Festival-Treiben scheinen selbst die für Normabweichungen empfänglichen Gemüter die mentale Verfassung für Humppa-freie Klänge eingebüßt zu haben und so deucht der nun gebotene Death-Doom empfindlich deplaziert zwischen den partylüsternen Heiden. Sei’s drum: die große stilistische Ausnahme auf dem diesjährigen Billing kommt aus dem Land der tausend Selbstmorde und erfreut uns mit kellertiefen Tönen und erheiternden Geschichten über dahinscheidende Gespielinnen.

SWALLOW THE SUN beginnen ihr Set krachend mit „Descending Winters“ – eine grandiose Wahl, gleich weiß man wo’s lang geht. Die Riffs stampfen massig daher und bieten durchaus den Takt zum rhythmischen Nackentraining, was die Jungens auf der Bühne jedenfalls auch schön synchron praktizieren. Der geschickte Wechsel zu bittersüßen, melodiegeprägten Passagen und zurück zum Dampfhammer erzeugt eine gar kribbelnde Spannung. Bemerkenswert die Stimmeskunst von Mikko Kotamäki, der gänzlich untrue mit Basecap auf der Bühne steht. Er variiert leichthändig zwischen gefühlvollen Flüstertönen, melancholischem, klarem Gesang und tief dröhnenden Growls. Damit erzeugen SWALLOW THE SUN nicht gerade wilde Orgien im Saal, dafür aber – unterstützt von der stimmungsvollen Lichtshow – eine unvergleichlich bombastische Atmosphäre, die viele Neugierige vor der Bühne unerwartet mitreißt.

Interessanterweise liegt der Schwerpunkt auf dem ersten Album „The Morning Never Came“. Vom aktuellen Album „Hope“ werden mit „ Don’t Fall Asleep“ und „These Hours Of Despair“ lediglich 2 neue Songs gepriesen. Schmerzlich vermisse ich ausserdem „Hold This Woe“ – aber 40 Minuten Spielzeit sind für eine Band dieses Kalibers einfach zu kurz. Trotzdem ein toller Gig, der den Finnen hoffentlich einige neue Fans beschert hat. (Bibble)

Setlist:
Descending Winters
Out Of This Gloomy Light
Don’t Fall Asleep (Horror pt 2)
These Hours Of Despair
Deadly Nightshade
Swallow (Horror pt. 1)

Ragnarök Festival

MOONSORROW
Blutbeschmierte Finnen – lecker! Nachdem wir gerade bei ihren Landsmännern so genüßlich am grausamen Schicksal verzweifelt sind, ist nun aber der Moment für ein fröhliches Gemetzel gekommen. Die Halle ist komplett gefüllt und das Publikum wartet sehnsüchtig auf epische Songs, majestätische Chöre und markerschütterndes Kampfgeschrei.

Aufgrund technischer Probleme verzögert sich der Beginn allerdings um etwa 30 schier unerträgliche Minuten. Doch als es endlich losgeht, wird selbst das Intro „Tyven“ begeistert von tausenden Stimmen aus dem Publikum begleitet. Weiter geht es mit „Pimeä“ und schon nach wenigen Takten klebt Jannes Zöpfchen schweißnaß auf seiner Glatze fest. Die Jungens haben wohl mächtig vom finnischen Nationalgetränk (starker Kaffee natürlich) genascht und rennen, springen und kämpfen wild über die Bühne, halten keine Sekunde still, als stünden sie unter feindlichem Beschuss (oder wollen meinem Objektiv ausweichen…) – das Publikum steht ihnen in ihrem Bewegungsdrang derweil in nichts nach und feiert ausgelassen jeden Ton.

Unter Begeisterungsstürmen des Publikums wird „some very old shit“ von der „Täma Ikuinen Talvi“ aufgefahren. Und dann bringen sie mit „Tuleen Ajettu Maa“ vom aktuellen Output einen immerhin 26-minütigen Song auf die Bühne. Dankenswerter Weise live-tauglich gekürzt, denn bei mir stellen sich bei Minute 9:53 (gefühlte Länge 23:09) bereits leichte Konzentrations-Defizite ein. Zum Glück beweist die Masse mehr Stehvermögen. Die Stimmung wird zwar ruhiger, aber man lauscht weiterhin gebannt und frönt sichtlich dem von Sänger Ville angekündigten „langen Leiden“. Bei „Sankaritarina“ sind potenzielle Ermüdungstendenzen gänzlich überwunden und es wird noch mal aus allen Kehlen mitgesungen. Das Humppa-lastige „Pakanajuhla“ setzt den würdigen Schlusspunkt eines wirklich tollen Auftritts.

Sicher nicht der beste MOONSORROW-Gig meines Lebens (Nüchternheit sei Dank), ein Dauer-Abo für’s Ragnarök-Festival wäre meiner Ansicht nach aber durchaus vertretbar. Da MOONSORROW immerhin zum zweiten Mal in Folge zum Fest geladen waren, handelt es sich nach herrschender Meinung sowieso um eine Tradition – und die darf eh net gebrochen werden. Erst recht nicht im traditionsbewussten Freistaat. (Bibble)

Setlist:
Pyven (iIntro)
Pimeä
Taistelu Pohjolasta
Tuleen Ajettu Maa
Kylän Päässä
Sankaritarina
Pakanajuhla

Ragnarök Festival

RIGER
Direkt in medias res gehen dann RIGER und zelebrieren einmal mehr Understatement pur. Einfach nur gute Musik! Ein Klassiker jagt den andern und ganz beiläufig wird der Gassenhauer „Auf die Ahnen“ mitten ins Set eingeflochten. Frontmann Ingo braucht keine großen Worte oder aufbauschendes Rumgeschwalle. Die Kommunikation mit dem Auditorium ist auch so perfekt: kaum zwei Takte gespielt, schon wissen alle, worum es sich handelt und brechen auch gleich in Jubelstürme aus. Hier passt einfach alles und die Kollektivstimmung ist bei keiner anderen Band auf diesem Festival so gigantisch. Veni, vidi, vici – könnten sie dann durchaus sagen. Danke RIGER und auf weitere 10 Jahre! (Karminski)

Ragnarök Festival

AASKEREIA
Was ist denn jetzt los? Schlachtet da gerade einer Donald Duck auf der Bühne ab? Ach halt, das sind ja die durch und durch bösen, schwarzen Jungs aus dem SCHWARZwald. Nachdem man den anfangs breiigen Sound durch einige Nachkorrekturen nach drei Songs in den Griff bekommt, entpuppt sich das Gerumpel doch noch als echt annehmbare Musik. Der urige Black Metal erinnert unter anderem durch die alberne Stimme sehr stark an BURZUM, da kann die Band in altgewohnt arroganter Black Metal-Art noch so oft behaupten, man würde keinerlei Einflüsse anderer Bands heraushören. Dennoch machen insbesondere die melodischen Akustikgitarren im Wechsel mit rohen Black Metal-Parts wirklich was her. Musikalisch abwechslungsreich heizt Wodans Wilde Jagd dem Publikum deshalb selbst zu dieser späten Stunde noch gehörig ein. Respekt übrigens an der Stelle an das – im Gegensatz zum Schreiberling – standfeste Publikum, das trotz widrigster Umstände nach zwei duzend Bands in zwei Tagen noch super abfeiert. Zum Thema widrige Umstände: Ich war bisher noch nie auf einem Festival mit einem dermaßen klebrigen Fußboden; imprägniert der Veranstalter heimlich die ganze Halle mit einem Bier-Sekundenkleber-Gemisch, sind die Leute zu grobmotorisch ihr Getränk festzuhalten oder sind neuerdings alle Trinkhörner undicht? Apropos Hörner: Die Hinterwäldler im Publikum, die einen ständig mit ihren selbstgebastelten Hörnern beschallen, nerven total. Kann denen mal bitte einer sagen, dass man sich damit voll lächerlich macht, es sei denn man heißt Boromir oder gehört sonst irgendwie zu dem Pack aus Gondor? Der Klebefußboden und die „Horns-of-Gondor“ wurden übrigens auch schon auf dem letztjährigen Ragnarök amüsiert zur Kenntnis genommen. Es gibt also doch noch ein paar Konstanten im Leben. Wie dem auch sei, AASKEREIA sind jedenfalls ein netter vorzeitiger Rausschmeißer und wenn man sich den Gesang mal wegdenkt eigentlich ganz gut. Oder um es mal mit den Worten von Grim zu sagen „kann euch das eigentlich auch scheißegal sein“. (Zwergenkönig)

Ragnarök Festival

VARG
Nach einer halben Packung Coffeintabletten schaffe ich es dann doch noch, mich zu VARG zu schleppen. Zum Glück können die relativ schnellen Songs die Wirkung des synthetischen Kaffees ganz gut verstärken. Trotz der wenigen noch Anwesenden muss man den Jungs von VARG ja wirklich lassen, dass sie noch eine ganz schöne Show abziehen. Mit Fackeln, Feuerspeien und allem drum und dran. So gesehen ist es dann doch ein bisschen schade, dass nur noch wenige versprengte Gestallten vor der Bühne zugegen sind.

Musikalisch sind VARG… na ja, lassen wir das. Aber immerhin ist der gemeinsame Song mit Ingo (Sänger von RIGER) wirklich gut. Wobei mich das Gefühl beschleicht, dass Ingo auch schon ganz schön einen sitzen hat. Anfangs sieht es so aus, als hätten ihm die Fackeln einen echten Schreck eingejagt und als er dann von der Bühne geht, verlegt er auch noch das Mikro. Bin ich eigentlich der Einzige, der den Verdacht hat, dass VARG eine einzige Vollzeit-RIGER-Support-Band sind? Um diese Zeit wäre zwar kein musikalischer Rausschmeißer mehr nötig, aber wenigstens haben sich die Wölfe noch ordentlich ins Zeug gelegt. Bleibt mir nur noch allen bis zum nächsten Ragnarök eine gute Nacht zu wünschen. (Nordavarg)

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22.04.2007

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