Rockharz Open Air
Der große Festivalbericht 2015

Konzertbericht

Billing: Alestorm, Behemoth, Betontod, Biohazard, Blues Pills, Cradle of Filth, Die Apokalyptischen Reiter, Dream Theater, Eisbrecher, Eluveitie, Fear Factory, Hammerfall, Kataklysm, Schandmaul, Soulfly, The Black Dahlia Murder und W.A.S.P.
Konzert vom 09.07.2015 | Flugplatz, Ballenstedt

SAMSTAG

Einmal noch aus dem Zelt krabbeln, dann ist alles schon wieder viel zu schnell vorbei … sehr verehrte Damen und Herren, der letzte Tag mit Bands wie DREAM THEATER, SOULFLY, ELUVEITIE und DIE APOKALYPTISCHEN REITER!

Galerie mit 13 Bildern: Impressionen - Rockharz Open Air 2015

ASENBLUT

Galerie mit 11 Bildern: Asenblut - Rockharz Open Air 2015

Guten Morgen! Der letzte Festivaltag bricht an und die DEVIL’S WALL TROPHY-Gewinner ASENBLUT erklimmen die Bühne. Ein erstaunter Blick in die Runde zeigt die wohl größte Ansammlung an Frühaufstehern an diesem Wochenende. Die Göttinger, die beinahe ein Heimspiel haben, sind sichtlich überrascht und belohnen die Meute mit guter Laune und dynamischem Pagan Metal inklusive Songs vom kommenden Album. Guter Auftakt!

(Jan Wischkowski)

WALDGEFLÜSTER

Galerie mit 10 Bildern: Waldgeflüster - Rockharz Open Air 2015

Dieses Mal gibt es keinen Kulturschock zwischen den Bühnen. WALDGEFLÜSTER sind zwar nicht in paganen Gefilden unterwegs, ihr atmosphärischer Black Metal spricht aber ein ähnliches Publikum an. Zwar ist es im direkten Vergleich etwas leerer, doch die Münchener sind bestens aufgelegt und lassen ihr Publikum trotz strahlender Sonne in ihre dichte Atmosphäre abtauchen. So lässt sich der Vormittag trotz aufkommender Hitze aushalten und mit HERETOIR folgt das nächste Highlight auf dem Fuße.

(Jan Wischkowski)

HERETOIR

Galerie mit 10 Bildern: Heretoir - Rockharz Open Air 2015

HERETOIR beehrten das Rockharz bereits im letzten Jahr. In diesem Jahr wurden sie jedoch erst kurzfristig als Ersatz für AGRYPNIE bestätigt, die leider wenige Wochen vor dem Startschuss für die diesjährige Ausgabe absagen musste. Ähnlich dem letzten Auftritt müssen HERETOIR auch an diesem Tag zu früher Stund’ und bei gleißendem Sonnenschein ran, was sicherlich Gründe dafür sind, dass vergleichsweise wenige Zuschauer den Weg vor die Bühne gefunden haben. Am Auftritt liegen kann es jedenfalls nicht: Mit sichtlich Spielspaß zelebrieren die vier Jungs ihre vor Atmosphäre nur so strotzenden Stücke. Blickfang ist ein ums andere Mal Sänger und Gitarrist Dave, der seine lange Zotteln immer wieder über die Bühne fliegen lässt. Den Anfang macht „Eclipse“, gefolgt vom Titelstück des selbstbetitelten Debüts aus dem Jahr 2011. Die Anwesenden geben sich vollends den Klängen hin und entschweben mitsamt der Band dem Hier und Jetzt. Wie schon im Vorjahr haben die Münchner auch dieses Mal neues Material im Gepäck dabei: Im Anschluss an „Graue Brauten“ gibt’s mit „Inhale“ und „The Circle“ gleich zwei neue Stücke, welche die Vorfreude auf das neue Werk ins Unermessliche steigen lassen.

(Richard Mertens)

CRIPPER

Galerie mit 10 Bildern: Cripper - Rockharz Open Air 2015

Nach dem düsteren Start in den Tag folgt mit CRIPPER die erste Thrash-Metal-Dampfwalze des Tages. Sehnlichst erwartet stürmen die Hannoveraner die Bühne und sind ob des Publikumszuspruchs sichtlich überrascht. Als Dank gibt es eine energiegeladene Show, welche die hungrige Meute vor der Bühne zu immer mehr Bewegung anheizt und das Publikum längst nicht nur aufgrund der Hitze ins Schwitzen bringt. Ebenso wie die instrumentale Fraktion ist Fronterin Britta „Elchkuh“ Görtz bestens aufgelegt und animiert mit einem Strahlen im Gesicht zu immer neuen Energieleistungen in den vorderen Reihe – gedankt wird es mit fliegenden Haaren in Dauerrotation. Meine Damen und Herren: So geht Thrash Metal live!

(Jan Wischkowski)

HELL

Galerie mit 10 Bildern: Hell - Rockharz Open Air 2015

Nach Hölle klingen die alteingesessenen Heavy Metaller ja nicht, aber HELL haben irgendetwas Besonderes! Mal davon abgesehen, dass Sänger David Bower wie erwartet mit einem Kopfmikrofon ausgestattet ist und diese Gliederfreiheit nutzt, um seiner Darbietung Pathos und Theatralik hinzuzufügen, ist es vor allem sein Organ (heute etwas zu leise), das auffällt – beziehungsweise die deutlich im hohen Bereich liegende Stimmfarbe. Das passt aber gut ins Gesamtkonzept und wird von einer ausgeprägten Rifflastigkeit aufgefangen. Generell muss man konstatieren, dass die Gitarren trotz klassischer Metal-Orientierung angenehm tief gestimmt sind. Das Klatschen der Zuschauer beim Intro verdeutlicht, dass man da einer Meinung ist. Vorfreude!

Schon beim „Auf die Bühne laufen“ werden erste Töne gezockt, kurz darauf betritt auch Bower die Bretter, die das Rockharz bedeuten. Komisch, der Bereich vor der Stage war schon wesentlich besser gefüllt, die Anwesenden recken aber geballt die Fäuste zum Opener „The Age Of Nefarious“ vom letzten Output „Curse & Chapter“: „This is the time – this is the day – this is the age“, meine Freunde. Wer HELL schon mal live gesehen hat, kennt die Showelemente bereits. Auch heute geißelt sich der Fronter wieder (natürlich gespielt, nur zur Info), rennt stetig von einer Seite zur anderen, geht auf die Knie und wirft die Peitsche dann irgendwann ins Publikum, bevor er in den Fotograben springt und ein paar Textzeilen von der Absperrung aus trällert. Kann man so machen! Der Gitarrist post indes mit dem Bassisten parallel um die Wette. Das alles klingt nach einem rundum zufriedenstellenden Auftritt, und genau so ist es auch – nur der Sound ist etwas übersteuert.

(André Gabriel)

ARTILLERY

Galerie mit 11 Bildern: Artillery - Rockharz Open Air 2015

Die Reihen vor der Dark Stage sind vergleichsweise gelichtet, als die Thrasher ARTILLERY die Bühne entern: An der Performance des Quintetts kann es aber nicht liegen – die Dänen haben mit Michael Bastholm Dahl einen äußerst agilen Sänger in ihren Reihen, der nicht nur brillant singen kann, sondern auch ständig von einer Bühnenecke zur anderen fegt. Sicherlich ein cleverer Schachzug der Band, die ihr erstes Album bereits vor 30 Jahren veröffentlicht hat, sich einen jungen Sänger in die Band zu holen. Wobei: die beiden Stützer-Brüder Morten und Michael machen einen durchaus engagierten Eindruck (so lässt es sich Michael Stützer nicht nehmen, bei einem Solo ganz JIMI-HENDRIX-like die Saiten mit den Zähnen zu spielen), und auch mit Mitte 50 machen sie mit ihren Äxten immer noch ordentlich Druck. Die Jungs sind definitiv noch nicht zu alt für deftigen Thrash Metal, und so hauen sie zum Schluss auch mit „Terror Squad“ einen ihrer größten Hits aus dem Ärmel. Wenn der Auftritt also nicht die großen Massen gezogen hat, dürfte er doch alle Anwesenden zufriedengestellt haben.

(Eckart Maronde)

THE HAUNTED

Galerie mit 10 Bildern: The Haunted - Rockharz Open Air 2015

Also, hier hat man nun wirklich mehr Andrang erwartet. Zugegeben, die Sonne knallt heftig, doch THE HAUNTED sind keine kleine Nummer. Die Schweden sind aber kaum gestört vom vereinzelten Licht in den Reihen und ballern sofort los. Der Sound drückt mächtig, die Riffs sind gut hörbar. Passt, denn die Nummern in der Schnittmenge aus Thrash und Melodic Death Metal sind schön gitarrenlastig, die moderne Extranote tut ihr Übriges, um den Tracks ordentlich Bumms zu verleihen. Folglich dreht sich bereits beim zweiten, sehr auf Midtempo setzenden Lied ein erster kleiner Pit, und ein Typ hüpft mal eben auf die Schultern seines Kumpels, um aus der Huckepackposition zu bangen. Stimmlich verläuft der Gig eher eintönig, instrumental versuchen THE HAUNTED aber immer wieder, so abwechslungsreich wie möglich zu agieren. Anders formuliert: Die Mischung aus schnelleren Thrash-Parts und melodischen Momenten stimmt, und es wird auch mal eine ruhige, äußerst harmonische Passage, begleitet von gedämpften Vocals, eingebaut. Im Verlauf der Show vergrößert sich auch der Pit, und die Animationsversuche von Marco Aro zünden.

(André Gabriel)

VARG

Galerie mit 12 Bildern: Varg - Rockharz Open Air 2015

Die Wölfe ziehen ein und die dazugehörige Wolfsmeute wartet bereits sehnlichst vor der Bühne: In charakteristischer, rot-weißer Kriegsbemalung betreten VARG die Bühne und stürmen furios mit „Wir sind die Wölfe“ los. Die Stimmung schäumt bereits zu Beginn über, so dass schon bei „Blutaar“ die erste Wall Of Death zu bestaunen ist. Da die Hitze nicht nur der Band auf der Bühne zu schaffen macht, kümmert sich Fronter Philipp „Freki“ Seiler auch um die Flüssigkeitsversorgung vor der Bühne, ehe es mit „Naglfar“ auf das Totenschiff geht und in „Schwertzeit“ das Treuebekenntnis „Schwarz und rot, das sind meine Farben“ zum Besten gegeben wird. Trotz kleiner Soundwackler lässt sich die feierwütige Wolfsmeute nicht beirren und gibt alles. Als Belohnung dürfen zum abschließenden „Rotkäppchen“ alle gewillten Damen die Bühne erklimmen. Respekt an dieser Stelle an das weibliche Geschlecht für die Leistungen und die Synchronizität beim Headbangen. Die männlichen Begleiter stehen indes weiter vor der Bühne und wedeln fleißig mit ihren T-Shirts. Ein imposanter Abschluss.

(Richard Mertens)

ORDEN OGAN

Galerie mit 10 Bildern: Orden Ogan - Rockharz Open Air 2015

Power Metal und Rockharz, das funktioniert! ORDEN OGAN versammeln die bislang höchste Zahl an Musikgierigen. Die Band selbst setzt in Form eines riesigen Backdrops, mit zwei Aufstellern und durch zwei in Kutte und Maske Gekleidete, die lediglich auf der Bühne stehen, auf optische Elemente. Brütend heiß ist es immer noch, doch schon der Opener „F.E.V.E.R.“ lässt die Sonnenstrahlen Sonnenstrahlen sein: „False believer, true deceiver“! ORDEN OGAN präsentieren sich als einwandfrei eingespielte Truppe, und gerade der parallele Gesang macht schon Eindruck. Animieren müssen die Deutschen kaum, die Leute klatschen von ganz allein. Trotzdem kann ein typisches „Scream for me Rockharz“ ja nicht schaden, obwohl die extrem eingängigen Strophen und Hookline-Refrains eher zum Mitsingen anregen. Zusammengefasst: Es gibt Seifenblasen, rasanten Power Metal und Sonnenschein – was will man mehr?

Apropos mitsingen: Beim letzten Song fordert Sebastian „Seeb“ Levermann genau dazu auf, doch der Versuch geht erst mal in die Hose. So etwas löst man am besten mit einer heiteren Ansage, und die klang so: „Die da hinten, die gucken schon die ganze Zeit so komisch, die warten auf SLAYER“. Der Gag sitzt, und das gemeinsame Singen haut doch noch hin.

(André Gabriel)

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

Galerie mit 11 Bildern: Die Apokalyptischen Reiter - Rockharz Open Air 2015

Gewohnt souverän geht es mit DIE APOKALYPTISCHEN REITER weiter: Die Band ist auf der Bühne zu Hause und hat die Meute vom ersten Moment an im Griff. Dafür sorgt natürlich Fronter Fuchs, der mal eine überdimensionierte Fahne schwenkt, während sich das Podest, auf dem er steht, in die Höhe schraubt, oder er bei „Seemann“ ins Kapitänsgewand schlüpft. Der Mann zelebriert die Songs und schreckt auch nicht vor Theatralik und ein bisschen augenzwinkerndem Pathos zurück. Vor allem hat die Band aber jede Menge bekannter Songs, die von den zahlreichen Fans gebührend gefeiert werden. Etwas heikel wird es, als Fuchs die Menge zum Hüpfen animiert – während noch zahlreiche Crowdsurfer in der Luft sind -, aber auch das hat jeder schadlos überstanden, genauso wie die obligatorische Wall Of Death.

(Eckart Maronde)

THE BLACK DAHLIA MURDER

Galerie mit 10 Bildern: The Black Dahlia Murder - Rockharz Open Air 2015

Damit hat vermutlich niemand gerechnet, aber THE BLACK DAHLIA MURDER liefern einen der stärksten Auftritte an diesem Wochenende ab. Die Jungs aus Detroit, Michigan ballern ohne Ende und sorgen dadurch für einen kochenden Pit vor der Bühne. Technisch absolut tight und in bester Laune kracht der moderne Melodic Death Metal/Metalcore des Quartetts von der Rock Stage. Die Doublebass knallt, die Gitarre sägt und Fronter Trevor Strnad ist nach der Dreiviertelstunde sicher nicht nur schweißgebadet sondern auch heiser. Der Funke springt über und trotz schweißtreibender Aktivität lassen sich die Fans noch zu einem Circle Pit hinreißen – wer nach THE BLACK DAHLIA MURDER kein erfrischendes Bierchen oder eine Dusche braucht, der hat an diesem Wochenende ziemlich viel falsch gemacht.

(Jan Wischkowski)

ELUVEITIE

Galerie mit 10 Bildern: Eluveitie - Rockharz Open Air 2015

Bereits vor zwei Jahren konnten ELUVEITIE bei ihrem ersten Besuch auf dem ROCKHARZ eine dicke Party entfachen. Darauf soll selbstverständlich aufgebaut werden und die Voraussetzungen stehen nicht schlecht, befindet sich die achtköpfige Band doch seit geraumer Zeit auf Tour für ihr aktuelles Album „Origins“ und läuft wie eine gut geölte Metal-Maschine. Leider möchte der Sound zum Beginn des Gigs mit „King“ nicht so recht mitspielen, was sich glücklicherweise in der Folge ändert. Im Fokus stehen dabei nicht nur Stücke jüngeren Datums („Neverland“, „The Silver Sister“), vielmehr wird auch auf altgediente Songs der Marke „Uis Elveti“ oder „Tegernakô“ gesetzt. Gefühlstechnischer Höhepunkt stellt das von Anna Murphy atemberaubend intensiv dargebotene „The Call Of The Mountains“ dar, welches kurzerhand in „De Ruef Vo De Bärge“ umgedichtet wird. Und das, obwohl die gute Dame aktuell mit einer Erkältung zu kämpfen hat – Respekt. Vor der Bühne ist es brechend voll und es wird gefeiert, was das Zeug hält. Neben einem Händemeer zu „AnDro“ und einer Wall Of Death bei „Kingdom Come Undone“ finden sich crowdsurfende Einhörner und im Wind flatternde Nationalflaggen der Schweiz. Den finalen Absch(l)uss besorgt das herbeigesehnte „Inis Mona“. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten gerät auch dieser Auftritt der Schweizer ELUVEITIE zu einem wahren Triumph.

(Richard Mertens)

SOULFLY

Galerie mit 10 Bildern: Soulfly - Rockharz Open Air 2015

Es ist doch unglaublich: Da ist der Cavalera-Maxe bei weitem nicht mehr der jüngste, hat in den letzten Jahren auch so manches Kilo zugelegt, und ohne Gras geht bei ihm ja auch nicht viel … und trotzdem hüpft der Mann auf der Bühne nach wie vor rum wie ein Flummi. Schön zu sehen, wie der Mann nach so vielen Jahren noch in seiner Musik aufgeht. Apropos Cavalera: SOULFLY wächst immer weiter zu einem Familienprojekt heran, nachdem Max‘ Sohn Zyon Cavalera bereits seit 2013 die Trommelstöcke bei SOULFLY schwingt, ist in diesem Jahr auch der Bassposten mit einem Familienmitglied besetzt worden: Der zu FEAR FACTORY gewechselte Tony Campos wurde ersetzt durch Sohnemann Numero zwei, Igor Cavalera Jr.

Musikalisch lässt die Familienbande natürlich nichts anbrennen und zockt sich durch ein fettes Set, das mit wenigen neueren Stücken auskommt und dafür viele, viele Klassiker in petto hat. Mit dem flotten Opener „Frontlines“ von „Dark Ages“ eröffnen SOULFLY die Moshsaison, bevor mit „Prophecy“ gleich einer DER Bandklassiker an zweiter Stelle steht und zum ersten Circle Pit des Gigs einlädt. „Seek’n’Strike“ von „?“ klingt fett, „Blood Fire War Hate“ von „Conquer“ wird zu einem einzigen Mitgröhlfest. „Carved Inside“ (wiederum von „Dark Ages“) folgt, bevor Maxe sich an alte SEPULTURA-Tage erinnert und „Refuse/Resist“ schmettert. Dazu verlangt er vom Publikum den größten Circle Pit des Festivals – und der, den er bekommt, kommt zumindest in die engere Auswahl. Mit „We Sould Our Soul“ gibt es einen Song vom kommenden Album (übrigens der erste Song auf der Setlist, der aus diesem Jahrzehnt stammt), der so eingängig ist, dass das Publikum den Refrain beim zweiten Mal bereits mitsingen kann. Dann geht’s mit „Tribe“ weiter im SOULFLY-Klassikerarchiv, bevor sich der SEPULTURA-Klassiker „Roots“ einmal mehr als der Ultrastampfer erweist. Mit „Back To The Primitive“ und dem abschließenden Medley aus „Jumpdafuckup“, „Eye For An Eye“ und einer Menge Rumgescherze zwischendurch (ein wenig nervig … stattdessen hätte man auch beide Songs am Stück durchspielen können) ist es dann leider viel zu schnell wieder vorbei.

Dem Publikum, das sich fast wie bei SCHANDMAUL bis ganz nach hinten stapelt, gefällt das ganze Set. Auf jeden Fall ist es ein kluger Schachzug der Band, das Augenmerk auf ältere Songs zu legen, denn jedes einzelne Stück wird frenetisch abgefeiert, die Circle Pits sind groß, größer, am größten und die Schreichöre bei fast jedem Refrain textsicher vorhanden. Eigentlich hätten SOULFLY auch Headliner sein können.

(Stephan Möller)

CRADLE OF FILTH

Galerie mit 11 Bildern: Cradle Of Filth - Rockharz Open Air 2015

Und es bestätigt sich: Klar schauen sich einige CRADLE OF FILTH an, aber Bands anderen Kalibers ziehen beim Rockharz einfach mehr. Überraschend ist auch die Wahl des Backdrops, denn der hintere Bühnenbereich wird vom „Bitter Suites To Succubi“-Cover geziert. Los geht es mit einem unheilvollen Intro, viel blauem Licht und waberndem Kunstnebel. Nur das Tageslicht nervt. Während der Sound sich erst einspielen muss (die Vocals sind zu leise), beweisen die Briten ein gutes Händchen bei der Songauswahl. „Cthulhu Dawn“ vom Meisterwerk „Midian“ läutet das Set ein, im Anschluss folgt, mehr muss man wohl nicht sagen, „Listen to them, the children of the night, what sweet music they make“. Song Nummer drei macht deutliche Sprünge in die Diskografie-Zukunft, „Honey And Sulphur“ vom „Godspeed On The Devil’s Thunder“-Album zieht aber die ersten Crowdsurfer mit sich. Dani Filth will indes einen Pit und bekommt ihn auch.

Der Gig entwickelt sich nach und nach zu einem waschechten Highlight, zumal auch der Sound immer besser bis hin zu „richtig gut“ wird. Die hohen Schreie sitzen, es dämmert so langsam, Dani verbindet Ansagen und kommende Songs ziemlich gekonnt miteinander und findet ganz allgemein eine gelungene Mischung aus dezenter Pöbelei und Witz. „That was fucking shit, make some noise!“ Irgendjemand nimmt sich die Aufforderung besonders zu Herzen und brüllt so laut und so lange er kann – auch ganz lustig. Noch amüsanter ist die Wall of Death, die das Publikum plötzlich von ganz allein startet. Nur passt der Song nicht wirklich, denn „Nymphetamine Fix“ ist die gemächlichste Nummer im heutigen Set – an der Stelle kann aber die Gesangsleistung der Keyboarderin Lindsay Schoolcraft gelobt werden.

Was gibt es noch zu berichten? Zu „Her Ghost In The Fog“ rotiert der nächste Pit, die neuen Gitarristen zeigen eine vortreffliche Leistung, beim letzten Song bangt Dani direkt am Schlagzeug, und es wird lediglich ein Song vom neuen Album „Hammer Of The Witches“ gespielt. In der Summe: Es passt fast alles! Allein showtechnisch hat man CRADLE OF FILTH schon wesentlich pompöser gesehen. Zwar fuchtelt eine barbusige Dame während „From The Cradle To Enslave“ am Ende mit Feuer herum, aber das war es dann auch schon – keine übergroßen Kreaturen, die über die Bühne staksen, keine funkensprühenden Kreissägen. Trotzdem liefern die düsterromantisch veranlagten Extremmetaller einen der besten Auftritte des Festivals!

(André Gabriel)

DREAM THEATER

Galerie mit 11 Bildern: Dream Theater - Rockharz Open Air 2015

Nachdem SOULFLY und CRADLE OF FILTH zwei Übergigs voller unerwartete Klassiker hingelegt haben, ist es an DREAM THEATER als Headliner, dies zu toppen. Nachdem der Chef-Veranstalter sich vor dem Auftritt kurz für das Anreisechaos entschuldigt und für das nächste Jahr ein völlig neues Konzept für die Anreise versprochen hat, bleibt die Rock Stage zunächst völlig dunkel, während ein Bombastintro vom Band die Meute in Stimmung bringen soll. Wie schon bei SCHANDMAUL oder SOULFLY stapeln sich die Leute bis ganz nach hinten zu den Fressbuden und erwarten den Gig der „größten Progressive-Metal-Band aller Zeiten“, wie DREAM THEATER eben noch zurecht vom Veranstalter angekündigt worden sind.

In Blautöne gehüllt fängt es dann an, die Band stolziert auf die Bühne und legt los. Nun lässt sich beobachten, wie falsch DREAM THEATER auf dem Headlinerposten sind. Die richtigen Voraussetzungen sind eigentlich gegeben: Die Hitze ist weg, es herrschen angenehme Temperaturen und es ist trocken. DREAM THEATER ist ein bekannter Name, der ja auch ordentlich Leute vor die Bühne gelockt hat. Die großen Songs hat die Band auch im Gepäck, mit James LaBrie gibt es dazu einen Charakterkopf als Frontmann. Der Sound ist wuchtig, klar und ausgewogen. Die Lichtshow sieht toll aus.

Und trotzdem will der Funke nicht überspringen. Klar, DREAM THEATER schreiben komplexe Songs, zu denen das Abfeiern schwer fallen kann. Trotzdem haben auch DREAM THEATER-Songs Refrains, die sich mitsingen ließen, wenn sich die Band denn Mühe gäbe, die Leute mitzunehmen. Aber Fehlanzeige: Die erste Ansage von LaBrie kommt nach drei Songs – drei DREAM THEATER-Songs! Sprich: nach rund 20 bis 25 Minuten. Jetzt ist es aber schon viel zu spät, denn bereits beim dritten Song haben sich zunehmend Leute zurückgezogen, beim fünften Song strömen die Leute in Scharen an unserem Stand vorbei zurück zum Campground oder den Imbiss-/Getränkebuden.

Das ist schade, denn die Band spielt einen technisch quasi-perfekten Gig und zeigt einmal mehr, was für grandiose Musiker am Werk sind. Folgerichtig stehen die Fans der Band nach einer Weile relativ gemütlich und nicken mit dem Kopf im Takt, gegen Ende werden auch vereinzelte Crowdsurfer gesichtet. Für Fans sicherlich einer toller Auftritt, als Headliner eines solchen Festivals sind DREAM THEATER aber fehl am Platz – dafür ist der Auftritt zu höhepunktarm, zumindest etwas echte Interaktion mit dem Publikum hätte nicht schaden können.

(Stephan Möller)

TROLLFEST

Galerie mit 11 Bildern: Trollfest - Rockharz Open Air 2015

Als wahre Verkleidungskünstler präsentieren sich die „True Norwegian Balkan Metaller“ TROLLFEST: Während sich die vielköpfige Truppe bei der Autogrammstunde noch im knappen Denim-Look präsentierten, haben sie nun zu später Stunde die Hotpants (!) der Optik ihres aktuellen Albums entsprechend gegen weiße Forscherkittel getauscht. Und auf der Bühne regiert der geballte Irrsinn: Erst animiert Frontmann Trollmannen die Meute, Ompa (die norwegische Humppa-Variante) zu tanzen, dann covert die Combo den BRITNEY-SPEARS-Song „Toxic“ – und im Endeffekt wird auch daraus ein echter TROLLFEST-Song. Kurzum: Die Norweger werden der Tradition des Rockharz gerecht, wonach zum Festivalende eine Band nochmal für Stimmung und gute Laune sorgt. Passt!

(Eckart Maronde)

GHOST BRIGADE

Galerie mit 11 Bildern: Ghost Brigade - Rockharz Open Air 2015

GHOST BRIGADE wird die Ehre zuteil, die diesjährige Ausgabe des Festivals beschließen zu dürfen. Uhrzeittechnisch inmitten der Nacht nahezu perfekt platziert, finden sich leider nicht allzu viele Nasen vor der Bühne für den melancholischen, doom-angehauchten Dark Metal der Finnen ein. Auch wenn der Gesang heute sicherlich nicht ganz auf der Höhe ist (insbesondere die Growls verrecken auf halbem Weg zwischen Bühne und Auditorium), können Wille Naukkarinen und seine Mannen dennoch im Gesamteindruck überzeugen. Angefangen bei einer enorm stimmungsvollen, wenn auch simplen Lichtshow, spielen GHOST BRIGADE mit Songs vom neuen Album „VI – One With The Storm“ („Wretched Blues“, „Aurora“, „Electra Complex“) und etwas älteren Stücken wie „Breakwater“ sowie dem überragenden „Into The Black Light“ einen Trumpf nach dem anderen. Schade nur, dass aufgrund der überlangen Songs und knapp bemessenen Spielzeit keine Zeit für Großtaten vom Debüt bleibt. Das flotte „Eläma On Tulta“ rüttelt die ausdauernde Menge ein letztes Mal wach und setzt einen kontrastreichen Schlusspunkt.

(Richard Mertens)

Galerie mit 47 Bildern: Autogrammstunden - Rockharz Open Air 2015

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20.07.2015

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