Der große Festivalbericht 2018
Summer Breeze Open Air

Konzertbericht

Billing: Arch Enemy, Behemoth, W.A.S.P., Dirkschneider, Papa Roach, Trivium, Alestorm, Cannibal Corpse, Paradise Lost, Eisbrecher, Doro, Saltatio Mortis, Satyricon, Korpiklaani, Suicidal Tendencies, J.B.O., Bloodbath und Sick Of It All
Konzert vom 15.08.2018 | Flugplatz, Dinkelsbühl

Samstag, 18.08.2018

Galerie mit 80 Bildern: Summer Breeze 2018 - Konzert-Impressionen vom Samstag Galerie mit 16 Bildern: Summer Breeze 2018 – Infield-Impressionen vom Samstag Galerie mit 12 Bildern: Summer Breeze 2018 - Gelände-Impressionen vom Samstag Galerie mit 66 Bildern: Summer Breeze 2018 - Autogrammstunden Samstag bis 17:00 Uhr Galerie mit 55 Bildern: Summer Breeze 2018 - Autogrammstunden Samstag ab 17:00 Uhr

11.00 PARASITE INC.

Galerie mit 19 Bildern: Parasite Inc. - Summer Breeze Open Air 2018

Zugegeben: Dass die Aalener Melodeath-Band PARASITE INC. auf dem Summer Breeze Open Air 2018 spielen würde, dürfte niemand bezweifelt haben. Denn allein die Omnipräsenz von mobilem Merch machte deren Anwesenheit recht eindeutig klar. Ist aber auch kein Wunder, denn PARASITE INC. gehören zu den Bands, die an genau diesem Wochenende die Veröffentlichung ihres neuen Albums feiern. Insofern darf man sich schon einmal feiern lassen.
Apropos: Den Auftritt des Vierers feiert das Publikum zu fürher Stunde ebenfalls kräftig ab. Ein bisschen übersteuern die Gitarren, aber das hält niemanden bei morgentlicher Sonne und morgentlichem Melodic Death Metal davon ab, eine rauschende Party im Pit zu feiern. Freeundliche Unterstützung kommt natürlich von oben, Kai Bigler und Co. lassen es kräftig krachen und servieren der hungrigen Meute einen flotten, zubeißenden Melodeath-Happen nach dem anderen. Das fördert die Nackenmuskulatur und macht Spaß. Und als Gast kommt Johnny Stecker (SOULBOUND) mit auf die Bühne mit der anspruchsvollen Aufgabe, die „Wohooohooos“ vom Titeltrack der neuen Platte „Dead And Alive“ zu singen. Kann man sich als Senkrechtstarter schon mal gönnen. Kann man sich ebenfalls als Todes-Jünger früh am Morgen gönnen.

11.55 BETRAYING THE MARTYRS

Galerie mit 20 Bildern: Betraying The Martyrs – Summer Breeze Open Air 2018

„Augen zu und durch“ heißt es bei BETRAYING THE MARTYRS für all jene, die eher nicht so gut mit Metalcore können. Ein Blick über das Infield vor der Main Stage verrät, dass viele sich den Auftritt aber einfach gleich gespart haben, denn die Zuschauer sind doch recht dünn gesät. Der Altersdurchschnitt ist eher niedrig angesetzt, was aber immerhin dazu führt, dass doch sehr energetisch abgegangen wird, als die Band zum Springen, zum Circle Pit, oder zur Wall of Death aufruft. Fast ein wenig ironisch wirkt es da, als plötzlich eine Kindergruppe im Bühnengraben steht. Eine Festivalführung hat sie hierher verschlagen, und das zur richtigen Zeit. Als Zielgruppe für das nächste Album von BETRAYING THE MARTYRS können sie sich gleich einen Eindruck verschaffen und vielleicht sogar auf den Geschmack kommen.

12.00 ORIGIN

Galerie mit 15 Bildern: Origin - Summer Breeze Open Air 2018

Acht Jahre ist es her, dass ORIGIN das SUMMER BREEZE beehrt haben. Der Empfang ist hitzig, denn die Mittagssone ballert gnadenlos von oben herab. Wehe dem, der jetzt noch am Hangover des Vorabends leidet, denn diesen knallen die US-Amerikaner im Sekundentakt aus dem Schädel. Der Tech-Death der Jungs sintzt präzise und solangsam fällt auch der Schlaf aus dem letzten Augenwinkel. Etwas augenzwinkernd gibt es noch Anekdoten über verlorenes Gepäck und ja, einen verlorenen Bassisten. Diesen ersetz ein Fan aus dem Publikum, der sich voller Motivation seiner Aufgabe widmet: Luftbass spielen!

12.45 FRACTURED INSANITY

FRACTURED INSANITY aus Belgien wollen Technical Brutal Death Metal spielen, haben aber einen schwachen Bandsound, bei dem vor allem die Gitarren viel zu leise sind und sich die Leadgitarre mit seinem Preset-Sound wie ein Plingen auf einer Laute anhört. Außerdem ist beim Songwriting noch Luft nach oben. Frontmann Stefan Van Bael gibt sich zwar alle Mühe, die Meute anzufeuern, aber die Publikumsreaktionen bleiben doch eher überschaubar.

12.50 CARNIFEX

Galerie mit 20 Bildern: Carnifex – Summer Breeze Open Air 2018

Für Fans der moderneren Gangart hat die Main Stage zum Auftakt des Samstags gleich zwei Schmankerl parat. Betraying The Martyrs haben schon ordentlich abgerissen, da treten CARNIFEX auf den Plan und beweisen, wieso sie als eine der Top-Bands des Genres gelten. Der Circle Pit wird sofort zu Beginn von „Drown Me In Blood“ entfacht und soll auch nicht mehr still stehen; während tatsächlichen jedem Song geht die Rennerei im Kreis ab, dabei haben CARNIFEX doch eher mit einem semi-befriedigenden Sound zu kämpfen. Lead-Gitarrist Jordan Lockrey hört man gar nicht und die Samples verwaschen eher, als dass sie zur Atmosphäre beitragen. Sei’s drum, CARNIFEX reissen standesgemäß ab und Fronter Scott Lewis kann sich ans Revers heften, eine der brutalsten Stimmen im Deathcore zu haben.

13.15 NAPOLEON

Galerie mit 16 Bildern: Napoleon - Summer Breeze Open Air 2018

NAPOLEON, die einen der ungeliebten frühen Slots auf der T-Stage erwischt haben, stehen soundtechnisch ganz in der Tradition ihrer Landsmänner von ARCHITECTS und BRING ME THE HORIZON. Zum in der Sonne Braten wird technisch verspielter Metalcore mit einprägsamen Refrains und einer gesunden Portion Breakdowns geboten. Nicht sonderlich eigenständig aber durchaus sympathisch und spielerisch einwandfrei, können die Jungs damit auch schnell einige Zuschauer ziehen, die sich auch für Hüpfspiele nicht zu schade sind. Obschon möglicherweise nicht das ganz große neue Metalcore-Ding machen NAPOLEON an diesem Mittag durchaus Spaß und ihre Sache gut.

13.45 BANNKREIS

Galerie mit 20 Bildern: Bannkreis - Summer Breeze Open Air 2018

„Das muss sich für euch wie ein Kulturschock anfühlen“, kommentiert Frontmann Eric Fish die Tatsache, dass hier eine Band ohne E-Gitarre auf der Bühne steht. Doch natürlich greift Gitarrist Bodenski schon wenig später wieder zur elektrisch verstärkten Klampfe und spätestens ab hier wirken BANNKREIS, die im Festival-Billing immerhin neben Bands wie SCHANDMAUL oder MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN auftauchen, gar nicht mehr so exotisch. Ganze vier SUBWAY-TO-SALLY-Musiker stehen im Line-Up der Band, weshalb sich der überdeutliche Einfluss der Potsdamer auch über die Namenswahl hinaus allenthalben bemerkbar macht. Wer deren Spätneunziger-Phase (mit Alben wie eben dem 1997er „Bannkreis“) mochte, dürfte auch mit BANNKREIS klarkommen. Der Gesang von Frontlady Johanna Krins verleiht dem Sound zwar eine zusätzliche Poppigkeit, das sollte man jedoch keinesfalls als Schimpfwort begreifen. Dass die junge Frau seit ihrer Geburt schwer sehbehindert ist und sich von ihrem Sangeskollegen Eric Fish beim Betreten und Verlassen der Bühne sanft an die Hand nehmen lassen muss, tut ihrer Stimmgewalt freilich keinen Abbruch. So verleiht sie der als „Totenbaum“ eingedeutschten Version des „Tribute von Panem“-Soundtrack-Hits „The Hanging Tree“ eine überragende Eindringlichkeit und meistert auch den EURYTHMICS-Klassiker „Sweet Dream“, ohne dabei in die Falle zu tappen, die unvergleichliche Annie Lennox halbgar zu imitieren. Nur beim ursrprünglich mit den grauselig kitschigen Schunkel-Seebären SANTIANO aufgenommenen „Doch ich weiß es“ lässt sich eine missbilligend hochgezogene Augenbraue nicht vermeiden. Zwar handelt es sich gerade in der Seemannschor-befreiten Live-Fassung um ein gefälliges Stück Musik, jedoch ähnelt es so sehr dem SUBWAY-TO-SALLY-Klassiker „Veitstanz“, dass man hier geneigt ist, es ebenfalls als Coversong einzustufen.

14.00 RANDALE

Galerie mit 18 Bildern: Randale - Summer Breeze Open Air 2018

Die für Kinder geeigneten RANDALE gehören inzwischen fast zum Festival-Inventar. So ist auch heuer die Stimmung bei den Bielefeldern gut – auch vor der Bühne. Neben den Hüpfburgen vor der Bühne wird vor allem textsicher mitgesungen, von jung und alt. Zu bestaunen gibt es auch gleich zwei neue Songs und die längste Polonaise des Festivals. Läuft!

14.00 THE SLEEPER

Galerie mit 18 Bildern: The Sleeper - Summer Breeze Open Air 2018

Zum Einschlafen ist es nicht, was THE SLEEPER da am frühen Nachmittag auf der Camel Stage präsentieren aber vielleicht sind ja einige noch nicht aus ihrem Mittagsschlag erwacht. Etwas träge geht es nämlich vor der Bühne zu, obwohl die Leipziger doch eigentlich richtig Dampf und gut auf die Mütze geben. Der melodische Metalcore mit klar technischer Kante bietet genug Härte auf, um auch Anhänger weniger eingängiger Kost auf seine Seite zu ziehen aber Fronter Steven hatte seine Schwierigkeiten, den halbvollen Platz zu begeistern. Irgendwann aber sprang der Funke dann über und es entwickelte sich ein kleiner Pit. Ein schönes Abschiedsgeschenk an Bassistin Anja, die nach eineinhalb Jahren Vertretung heute auf der Bühne wieder an den eigentlichen Basser Erik übergab.

14.30 EINHERJER

Galerie mit 14 Bildern: Einherjer - Summer Breeze Open Air 2018

Wo EINHERJER draufsteht, ist stampfender Viking Metal drin. Ohne Intro geht es direkt in einen grollenden Midtempo-Hattrick, der die Menge vor der T-Stage immer wieder dazu animiert, die Fäuste zu recken und mitzubangen. Auf der Bühne sind es vor allem Frontmann Frode Glesnes und Gitarrist Aksel Herløe, die posen und umhertigern, während der junge Leadgitarrist Ole Sønstabø dem Gesamtsound gut tut. Der Sound stimmt also und die Songs gehen gut in den Nacken – wenn man jetzt noch die Texte verstehen würde, könnte man auch lauthals mitgrölen. Da ist es schade, dass das Mitsingspielchen bei „Alu Alu Laukar“ wirkungslos verpufft und beim wesentlich hymnischeren „Far Far North“ besser aufgehoben wäre. Unterm Strich steht aber ein gediegener Gig, der dem Publikum wenn nicht frenetischen, so aber immerhin lauten Jubel entlockt.

14.55 PHILL CAMPBELL & THE BASTARD SONS

Galerie mit 17 Bildern: Phil Campbell And The Bastard Sons – Summer Breeze Open Air 2018

Wenn das Intro aus DEEP PURPLEs „Highwaystar“ und dem Main Theme von „Ritter der Kokosnuss besteht, kann eigentlich schon nichts mehr schief gehen. Dementsprechend souverän starten PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS in ihr Set. Neben Material von ihrem Debütalbum „The Age Of Absurdity“ gibt es selbstverständlich auch ein paar MOTÖRHEAD-Songs zu hören. Mit im Gepäck haben PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS unter anderem „Rock Out“ und „Born To Raise Hell“.

Als Tribut an alle verstorbenen MOTÖRHEAD-Mitglieder spielt die Band wiederum den Klassiker „Silver Machine“ von Lemmys Urcombo HAWKWIND. Kurz vor Schluss gab es noch ein kleines Kuriosum. Die British Airways hatten leider den Bass von Tyla Campbell unterwegs verlegt, weshalb er sich den Viersaiter von FRACTURED INSANITY ausleihen musste. Deshalb fordert Neil Starr das Publikum dazu auf mit ausgestrecktem Mittelfinger „Fuck you British Airways“ in seine Handykamera zu rufen. Anschließend erreicht die Show mit „Ace Of Spades“ ihren Höhepunkt. Da filmt sogar mancher Security-Mann mit.

15.15 SIBIIR

Galerie mit 18 Bildern: Sibiir - Summer Breeze Open Air 2018

Nein, das halbstündige Set der Jungs von SIBIIR wird so schnell vermutlich keiner der Anwesenden vergessen. Mit ihrem fies-finsteren Gemisch aus erbarmungslosem Hardcore Punk und rohem Black Metal sorgt das Quintett aus Oslo dafür, dass die wild gewordene Menge den bestialisch-brutalen Sound auch in den Folgetagen noch in den Knochen und insbesondere im Nacken spüren wird. Verglichen mit dem hitzigen Rausch, in den die fünf Norweger das feiernde Publikum spielen, fühlen sich sogar die 30 Grad im Schatten angenehm kühl an. Das gnadenlose Finale „These Rats We Deny“ krönt die aufstrebenden Skandinavier dann endgültig zu den unangefochtenen Abriss-Champions der Camel Stage.

15.45 ORANGE GOBLIN

Galerie mit 21 Bildern: Orange Goblin – Summer Breeze Open Air 2018

ORANGE GOBLIN bringen ihren Stoner-beeinflussten Heavy Metal-Sound in diesem Jahr zum allerersten Mal auf das Summer Breeze. Mit perfektem Sound und einem ehrlich begeisterten Frontman erobern die Briten die ansehnliche Zuschauerschaft im Sturm. Wobei es nicht so wirkt, als hätte es viel zu erobern gegeben. Sänger Ben Ward schmeißt fleißig Wasser-Tetrapacks ins dankbare Publikum und lobt den Spirit der Metal-Gemeinde. Man nimmt es ihm sofort ab, als er nach 45 Minuten verkündet, dass derartige Festival-Momente ORANGE GOBLIN auch nach 23 Jahren des Bestehens die Kraft zum Weitermachen geben. Man kann es sich angesichts eines derart starken Gigs nur wünschen.

16.00 INSANITY

Galerie mit 18 Bildern: Insanity - Summer Breeze Open Air 2018

Mit ihrem ehrlichen, handgemachten Hardcore Punk, wie er in den Straßen New Yorks beheimatet ist, sorgen INSANITY aus der Schweiz für ein Fest der guten Laune. So manch eine Band aus dem Big Apple würde die fünf Schweizer wohl um ihren authentischen Sound, die kraftvolle Performance und die beeindruckende Atmosphäre beneiden. Die Jungs gehören ganz klar zu den besten Bands, die auf der sonst eher durchwachsen besetzten Ficken Party Stage spielen dürfen.

16.05 FEUERSCHWANZ

Galerie mit 21 Bildern: Feuerschwanz Methämmer Release Show - Summer Breeze Open Air 2018 Galerie mit 22 Bildern: Feuerschwanz - Summer Breeze Open Air 2018

Nach übereinstimmender Meinung der gesamten anwesenden Redakteursschar klingt FEUERSCHWANZ nach einer üblen Geschlechtskrankheit – und leider ist diese Aussage gar nicht mal so missverständlich wie der unbedarfte Leser meinen könnte. Vor der Bühne versammelt sich eine bierselige Meute, auf die subtilere Formen des Humors vermutlich vollkommen verschwendet wären, weshalb sie sich den Fremdscham-Holzhammer umso bereitwilliger um die Ohren hauen lassen. Doch auch wenn die Menge auf ihrer hedonistischen Spaßsuche das eigene Schamgefühl bereitwillig abgegeben zu haben scheint, ist ihr ausgelassenes Treiben nichtdestoweniger beeindruckend. Es bleibt dennoch die Hoffnung, dass die von FEUERSCHWANZ im Rahmen ihres „Methämmer“-Rituals ausgerufene Parole „Bringt den Hammer an die Macht!“ nur ein metschwangerer Alptraum bleibt (PINK FLOYDs „The Wall“ anyone?). Wobei – angesichts der Richtung, in die die nationale und internationale Politik derzeit immer mehr abzudriften scheint, wäre eine hedonistische Alkoholikerfraktion, die zum Zwecke eines gemeinsamen Propellierens von Kleidungsstücken alle Bürger zum Entblößen ihrer Oberkörper nötigt, vermutlich noch das kleinere Übel. Einen wirklich schönen Anblick bietet dies zwar letztlich auch nicht, aber so lange sich die gröbsten Ärgernisse durch den flächendeckenden Einsatz einer T-Shirt-Kanone beheben lassen, wird man darauf schon irgendwie klarkommen.

16.30 ACRANIUS

Galerie mit 18 Bildern: Acranius - Summer Breeze Open Air 2018

Obwohl sie offiziell unter Brutal Death laufen, klingen ACRANIUS eher nach Grindcore. Alle, die sich gerne ein volles Brett geben, sind hier also richtig aufgehoben. Das sind immerhin einige, auch wenn es nicht wirklich voll vor der Bühne ist. Einige Fans hat die Truppe aber dabei, denn es werden fleißig Texte mitgesungen. Sänger Björn Frommberger begibt sich wenig später auch zu ihnen nach unten, um die Menge noch etwas weiter anzustacheln. Beim Publikum kommen ACRANIUS an, doch ein wenig eintönig und platt wirkt ihre Musik nach einigen Stücken leider schon.

17.00 WOLFHEART

Galerie mit 18 Bildern: Wolfheart - Summer Breeze Open Air 2018

Wenn selbst den Die-Hard-Fans von WOLFHEART das Intro unbekannt vorkommt, liegt das daran, dass es sich dabei um einen brandneuen Track vom kommenden Album „Constellation Of The Black Light“ handelt. Einer nach dem anderen betreten die Musiker die Bühne und steigen dann mit „Aeon Of Cold“ ein. Ab diesem Moment gibt es für die Nackenmuskulatur keine Pause mehr. Getrieben von Joonas Kauppinens Maschinengewehr-Drums reißt WOLFHEART-Mastermind Tuomas Saukkonen ein Hypergeschwindigkeitsriff nach dem anderen. Zu seiner Linken und Rechten windmillen Gitarrist Mika Lammassaari und Bassist Lauri Silvonen was das Zeug hält. Tuomas selbst steht derweil felsengleich im Zentrum der Bühne.

Es bleibt aber natürlich nicht beim Geballer alleine. Wenn WOLFHEART für etwas bekannt sind, dann unter anderem für ihre mitreißenden Melodien. So haut Mika ein geniales Solo nach dem anderen raus. Besonders bei der neuen Single „Breakwater“ zeigt sich aufs Neue, wie perfekt WOLFHEART brachiales Gewitter mit fesselnden Melodien verbinden. Zum Abschluss gibt es noch „Boneyard“, das vor zwei Jahren auf dem Summer Breeze Premiere feierte. Anschließend werden WOLFHEART mit Jubelgeschrei verabschiedet.

17.00 A SECRET REVEALED

Galerie mit 15 Bildern: A Secret Revealed - Summer Breeze Open Air 2018

Ehrlich, die Ficken-Stage ist immer einen Abstecher wehrt um ein paar vermeintlich kleine Acts besser kennenzulernen. Jetzt im Programm: A SECRET REVEALED. Deren Qualität hat sich schon längst herum gesprochen und so füllt sich der Bühnenvorplatz rasant. Die Jungs danken es den trotz der Hitze feiernden Besuchern mit Leidenschaft und musikalischer Qualität allererster Güte. Fakt ist aber: Der atmosphärische Post-Hardcore würde bei dunklem Himmel deutlich beeindruckender rüberkommen als im Tageslicht. Spaß macht’s trotzdem und den verdienten Lohn streichen A SECRET REVEALED in Form eines tosenden Applaus‘ ein.

17.20 KORPIKLAANI

Galerie mit 21 Bildern: Korpiklaani - Summer Breeze Open Air 2018

Der typische KORPIKLAANI-Sound ist auf seine Weise unverwechselbar. Leider erkaufen sich die Finnen dies mit einer gewissen Austauschbarkeit. Im Endeffekt erweckt ein Großteil der Stücke den Eindruck, auf ein und derselben Akkordeon-Grundmelodie zu basieren. Nichtsdestoweniger macht die Folk-Metal-Show auch heute wieder jede Menge Spaß. KORPIKLAANI strotzden vollkommen zu Recht vor Selbstbewusstsein und feuern mit „Wooden Pints“ ihren größten Hit direkt als Opener in die Menge. Angesichts des homogenen Klangbilds und der Tatsache, dass man nicht unnnötig viel Zeit auf lange Ansagen verschwendet, fühlt es sich in der Folge fast an, als hätten sie eben jenen Song einfach auf eine volle Stunde Spielzeit gestreckt. Negativ fällt eigentlich nur der arg heisere und mehr als einmal kurz vor dem Umkippen zu stehen scheinende Gesang von Frontmann Jonne Järvelä auf, der jedoch die gute Stimmmung unter den Fans in keinster Weise beeinträchtigt. So brandet ein urgewaltiger Lärm auf, als die Musiker zum Abschied gleich mehrfach eine fette La-Ola-Welle anstoßen, deren Ausläufer bis in den hintersten Winkel des Infields schwappen.

17.45 ONDT BLOD

Galerie mit 19 Bildern: Ondt Blod - Summer Breeze Open Air 2018

Hui, ONDT BLOD legen heute ganz schön mächtig los. Cooles Riffing der New- Yorker- Hardcore-Schule trifft auf brachiale Shouts. Doch was ist das? Im Refrain gibt es plötzlich weinerlichen Klargesang, der Erinnerungen an A DAY TO REMEMBER und BLINK 182 weckt. Dieser krude mix zieht sich leider durch die gesamte Show. Nur einmal überraschen ONDT BLOD mit einem angeblackten Gitarrenriff. Einen beeindruckend hohen Energielevel legen die Norweger zwar an den Tag. Das Songmaterial allerdings bremst sich heute immer wieder selbst aus.

18.00 WATCH THEM FADE

Galerie mit 15 Bildern: Watch Them Fade - Summer Breeze Open Air 2018

Ist die Bühne etwa zu klein? Diese Frage stellen sich wohl einige während sie springen, moshen oder den Kopf kreisen lassen. WATCH THEM FADE knallen nämlich mit dermaßen viel Schwung aus den Boxen, dass es kein Halten gibt. Der melodische Metalcore hat ordentlich Energie und die Würzburger leben ihren Sound live entsprechend aus. Der Meute gefällt es und so haben die Jungs leichtes Spiel und gewinnen sicher auch ein paar neue Fans.

18.15 OMNIUM GATHERUM

Galerie mit 18 Bildern: Omnium Gatherum - Summer Breeze Open Air 2018

Bei OMNIUM GATHERUM steht schon alles im Zeichen ihres neuen Albums „The Burning Cold“, das am 31.08.2018 veröffentlicht wird. Ihr Backdrop haben die Melodeather bis zum heutigen Tag übrigens selbst gar nicht gesehen, denn geliefert wurde es druckfrisch direkt ans Summer Breeze. Nach einem Intro, das ebenfalls vom neuen Album stammt, geht es mit „Frontiers“ los. Sänger Jukka Pelkonen ist permanent in Bewegung, steigt über Monitore, fällt vor dem Publikum auf die Knie und bemüht sich außerdem, jeden einzelnen Fan mindestens ein Mal persönlich anzusingen. Er bringt den Zuschauern auch das Omni-Sign näher, das aus zwei sich zugewandten Pommesgabeln besteht.

Doch auch Bandkopf Markus Vanhala beweist seine Rampensauqualitäten. Sobald er mit einem Solo loslegt, sind alle Augen und vor allem Ohren auf ihn gerichtet. Mit der Gitarre auf dem Knie aufgebockt lässt er seine Finger über die Saiten fliegen und entlockt ihnen gar himmlische Töne. Neben den beiden neuen Singles „Refining Fire“ und „Gods Go First“ spielen OMNIUM GATHERUM auch Pflichtsongs wie „Skyline“ und „New Dynamic“. Besonders cool kommt bei letzterem Stück der Klargesang, den Jukka zusammen mit Gitarrist und Backing Vocalist Joonas Koto bestreitet. Dieser kommt auch im letzten Song, „New World Shadows“ zum Einsatz, der das Set der Band gefühlt viel zu früh beendet.

18.35 DIRKSCHNEIDER

Galerie mit 21 Bildern: Dirkschneider - Summer Breeze Open Air 2018

Das ACCEPT-Kapitel sollte 2016 endgültig geschlossen werden. Ob Udo DIRKSCHNEIDER sein Versprechen dieses Jahr wahr machen wird, bleibt abzuwarten. Bislang hat man die Tour ja doch immer wieder verlängert. Aber natürlich nur „für die Fans“, schon klar. Doch solch zweifelhafte Aussagen mal bei Seite geschoben, ist die heutige DIRKSCHNEIDER-Show ein ziemliches Brett. Bei einem reinen ACCEPT-Set gibt es natürlich Hits am Fließband. „Metal Heart“ direkt am Anfang, das ist auf jeden Fall ein klares Zeichen von Selbstbewusstsein.

Udo ist immer noch gut bei Stimme. Auch die hohen Schreie sitzen Einwandfrei. Musikalisch wiederum überzeugt seine Band auf ganzer Linie. Gegen Ende wirkt Uns-Udo bei der Frage nach dem nächsten Song ein wenig verloren. Ob seine Unwissenheit bezüglich des weiteren Verlaufs der Setlist ein bewusster Witz war oder tatsächliche Ahnungslosigkeit, ist nicht so ganz klar. Von diesem seltsamen Moment einmal abgesehen, gibt’s aber nix zu meckern. Die Stimmung ist super und „Fast As A Shark“ sowie „Balls To The Wall“ lassen am Ende keine Fragen offen.

19.00 JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE

Galerie mit 12 Bildern: Japanische Kampfhörspiele - Summer Breeze Open Air 2018

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE aus Krefeld stehen für knackige Deathgrind-Salven (mit konsumkritischen Texten!), und dazu zerlegen die anwesenden Fans den Platz vor der Ficken Party Stage nach allen Regeln der Kunst. So dauert es nicht lange, bis der erste Circle Pit zustandekommt. Sänger Christian Markwald sorgt zwischen den neunzehn Songs immer wieder für die richtigen Aufforderungen: „Schweinepogo!“ – „Tanzen!“ – „Moshpit! Bewegt eure Ärsche!“ – „Da geht noch mehr – Circle Pit!“

Aber JAKA können nicht nur schnelle, sondern auch stampfend langsame Songs; entsprechend will der Sänger in der Rot-Weiß-Essen-Shorts den langsamsten Circle Pit des Summer Breeze sehen. Spätestens hier ist klar, dass der Auftritt ein Siegeszug werden würde. Noch was? Sogar Jesus darf sich zweimal beim Crowdsurfen versuchen. Und JAKA dürfen sogar eine Zugabe spielen – und das stellt die Jungs vor spontane Probleme: „Wir suchen unseren Gitarristen – der ist backstage, um sich einen runterzuholen, weil es hier so geil war.“ Pause. „Das Gute ist: Er ist schon fertig!“ Alles klar?

19.00 ROLO TOMASSI

Galerie mit 15 Bildern: Rolo Tomassi - Summer Breeze Open Air 2018

Mit typisch britischer Höflichkeit stellen sich ROLO TOMASSI beim Publikum vor, doch mit besagtem Anstand ist es schnell vorbei, als sich die ersten, lärmenden Hardcore-Wellen im Publikum brechen und die zuvor noch elegant mit den Hüften schwingende Sängerin Eva Spence plötzlich wie vom Teufel besessen einfach alles niederbrüllt. James Spence am Keyboard, der immer wieder die Ansagen übernimmt, steigt zuweilen mit ins Gebrüll ein, hat hinter der Frontfrau jedoch das Nachsehen, sowohl in visueller als auch auditiver Hinsicht.

Dabei ist nicht alles gleich Gewalt. Es gibt für den Prog-Aficionado krumme, synkopierte oder auch einfach nur mal abgehackte Takte, über allem liegt immer ein zarter Hauch Jazz und die Atempausen nutzt Eva Spence, um auch mit ihrer klaren Stimme zu überzeugen. Wer gedacht hat, dass die einzig sehenswerte, brüllende Powerfrau auf dem Festival Alissa White-Gluz heißen würde, hat sich also definitiv getäuscht.

19.30 KADAVAR

Galerie mit 20 Bildern: Kadavar – Summer Breeze Open Air 2018

Musikalisch existieren die Berliner KADAVAR seit jeher irgendwo zwischen dem rebellischen Sound der Spätsechziger und dem psychedelisch-wilden Rock der Siebziger. Wer jedoch bis dahin geglaubt hat, die Hauptstädter seien verstaubte Nostalgiker, der wird an diesem frühen Samstagabend sein blaues Wunder erleben. Das Trio, welches sich gerne auch mal im Bereich des Stoner, Hard und Classic Rock bedient, sorgt mit doomigen Riffs, markanten Basslines und groovigem Drumming für einen absoluten Ausnahmezustand vor der T-Stage. Melodische Meisterwerke wie „Black Sun“ lösen Tanzfieber unter den Anwesenden aus, während der Kracher „Die Baby Die“ zum Mitsingen einlädt. Frontmann Christoph „Lupus“ Lindemann treibt mit seiner sympathischen Art die Euphorie schließlich auf den Höhepunkt und stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass KADAVAR in absolut jeder Hinsicht eine Bereicherung für die deutsche Musikszene sind.

20.10 PAPA ROACH

Galerie mit 20 Bildern: Papa Roach - Summer Breeze Open Air 2018

“Fuck PAPA ROACH!” – Ein Meer aus empor gereckten Mittelfingern postiert sich vor der Bühne zu den Worten einer elektronischen Frauenstimme. Wie ein Mantra beten tausende Fans diese drei Worte herunter, bis die Show beginnt. PAPA ROACH haben viel vor an diesem Abend – Für ihren Debut-Auftritt auf dem Summer Breeze haben sie 18 Songs für eineinhalb Stunden im Gepäck. Vereinzelt polieren sie ihr Set mit angezählten Covern wie “Lose Youself“ von Eminem oder Linkin Parks “In The End“ auf.

Apropos Linkin Park: Sänger Jacoby Shaddix nutzt die Gelegenheit, um noch einmal an den verstorbenen Frontmann Chester Bennington zu erinnern. Dabei verschweigt er auch nicht seine ganz persönlichen Erfahrungen in Punkto Alkoholabhängigkeit und Depressionen. Die Menge zu seinen Füßen vergöttert ihn dafür umso mehr. Denn was gibt es schöneres als große Musiker, die sich ein hohes Maß an Menschlichkeit und vor allem Aufgeschlossenheit bewahren?
Auch nach 25 Jahren Bandgeschichte bedanken sich PAPA ROACH artig für den regen Einsatz und de nicht zu überhörende Textsicherheit ihrer treuen Gefolgschaft und überhäufen ihre Fans regelrecht vor, während und nach den Songs mit lieben Worten. Jeden Auftritt muss zelebriert werden, als wäre es der letzte. Das findet zumindest Shaddix und stellt es bis zum Ende der Show eindrucksvoll unter Beweis.

Die Crowd ist sichtlich erfreut – eine wahrliche Legion aus dicht an dicht springenden Menschen tobt zum Abschluss vor der Bühne auf und ab – Minutenlang ertönen “Last Resort“-Rufe, bevor zur Krönung endlich der Song kommt, den wirklich ausnahmslos alle kennen: Ein “Cut my life into pieces –“ und es gibt kein Halten mehr. Das Publikum schreit den Rest der Lines heraus beschert damit sicherlich auch der Band ein unvergessliches Erlebnis.

20.30 ORPHANED LAND

Galerie mit 23 Bildern: Orphaned Land – Summer Breeze Open Air 2018

Es mag sich stets nur um Kleinigkeiten gehandelt haben, aber jedes Mal, wenn ich ORPHANED LAND in den letzten Jahren live zu Gesicht bekommen hatte, schien irgendetwas in ihrer Performance zu fehlen oder nicht zu passen. Heute jedoch sind alle Zweifel beseitigt, und die Band legt einen in jeglicher Hinsicht absolut fantastischen Auftritt auf die Bretter der Camel Stage. Mit ihrer tighten Performance überzeugen sie eine erfreulich große und immer weiter anwachsende Zuschauerschar, so dass man sich ernsthaft die Frage stellt, warum sie keinen lukrativeren Slot auf einer der größeren Bühnen zugewiesen bekommen haben. Die Musik der Israelis lebt von zahlreichen orientalischen Melodien und Rhythmen, die sich tief in die Gehörgänge eingraben und die Körper der Umstehenden zum ekstatischen Zucken bringen. Dabei stellt angesichts ihrer Herkunft, interkulturellen Beliebtheit und auch der Liedtexte jeder einzelne Auftritt von ORPHANED LAND natürlich auch einem politischen Statement gleichkommt. Daran ist auch Sänger Kobi Farhis positive Ausstrahlung und sein charismatisches Auftreten nicht unschuldig, der mit einer bewegenden „habt euch alle lieb“-Ansprache zum Ende des Sets hin das verbindende Element des Metals beschwört. Seine größte Leistung dürfte es allerdings sein, dass er die gewaltige Zuschauerschar bei der überragenden Hymne „All Is One“ nicht nur zum kollektiven Mitklatschen bewegen kann, sondern diese dabei trotz des nicht ganz simplen Rhythmus-Schemas tatsächlich den Takt halten können – bei einem Konzert in Deutschland sieht man das nicht allzu oft.

21.15 CALIBAN

Galerie mit 21 Bildern: Caliban – Summer Breeze Open Air 2018

Na klar, Metalcore zieht immer noch, und so darf sich die deutsche Metalcore-Institution CALIBAN einen Abriss auf die Fahnen schreiben. Schon der Opener „This Is War“ sorgt vor der Bühne für ordentlich Alarm und Bewegung. Da gerät es zur Nebensache, dass sich Sänger Andreas Dörner direkt bei seiner ersten Ansage verhaspelt. Nein, für seine Ankündigungen wird der Rauschebartträger sicherlich keinen Preis gewinnen, selbst wenn er sich bescheiden zeigt: „So Leude, wer war denn bei PAPA ROACH? Und dann seid ihr zu uns gedackelt? – Meganice!“

Schön sind vielmehr die Stücke und die Party, die die Leute vor der Bühne veranstalten. Egal ob alte Stücke oder Tracks vom aktuellen Album „Elements“: Harte Beats und messerscharfe Riffs werden untermalt durch flächige Synthiesamples, die Screams von Dörner kontrastiert durch Klargesang von Gitarrist Denis Schmidt. Eine Mischung, die derzeit nur wenige Bands neben CALIBAN so gut hinbekommen. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Frontmann nach einer Wall of Death verlangt (und sie vom Publikum bekommt), Circle Pits und Rudern initiiert und Crowdsurfer in Richtung der Grabensecurity losschickt.

Untermalt wird das Metalcore-Spektakel durch eine effektvolle Lichtshow mit einem beleuchteten Backdrop im „Elements“-Design und Spots in den staubigen Nachthimmel. Die Coverversion von RAMMSTEINs „Sonne“ wird lauthals mitgesungen, und für den abschließenden Song haben sich die Jungs etwas Besonderes für das Publikum einfallen lassen: So wird jedem Crowdsurfer beim Rauslaufen aus dem Bühnengraben ein T-Shirt mitgegeben. Schön.

22.00 W.A.S.P.

Galerie mit 15 Bildern: W.A.S.P. - Summer Breeze Open Air 2018

Eingefleischte 80’s-Fans lauschen auf, als ein kurzes Medley aus “Wild Child“, “I Wanna Be Somebody“ und etlichen anderen Megahits von der Bühne schallt. Der unverkennbare Kratzgesang lässt so manche Erinnerung hochkommen. Ein finaler Knall und das Summer Breeze ist mitten im Konzert von W.A.S.P..

Blackie Lawless ist alt geworden. Der Pony sitzt noch immer wie gewohnt und umrahmt sein mittlerweile etwas aufgedunsenes Gesicht. Mit weißen Cowboyboots, engen Jeans und Bandshirt der eigenen Fraktion röhrt er mit etwas ausgedünnter, aber nach wie vor kratziger Stimme unbeirrt einen Schocker nach dem anderen in die Nacht.
Die Menge wird schlagartig zurück in die 80er katapultiert. Eine Zeit, in der Social Media und Smartphones nie eine Rolle gespielt hatten – und doch finden sich vereinzelt flugs gezückte Handys, die den Auftritt filmen. Und dabei munkelt man, Lawless hätte aus Eitelkeit ein Fotografier- und Filmverbot ausgesprochen.

Spätestens bei “Love Machine“ übernehmen W.A.S.P. das Regiment über ihr Publikum nun komplett – mit “L.O.“ macht die Band den Anfang, dann rollt der Zug von ganz allein durch die Menge – “V.E. – All I Need’s My Lovemachine“.
Die Stimmung ist bis zum Schluss ausgelassen und wird von typisch hohen klangvollen Gitarrensoli mittendrin noch weiter angefacht. Grund zum Schämen gibt’s für W.A.S.P. nach dieser Darbeitung keinesfalls!

22.15 JINJER

Galerie mit 19 Bildern: Jinjer - Summer Breeze Open Air 2018

Am letzten Festivaltag liefern JINJER auf der Camel Stage einen der eindrucksvollsten Auftritte des gesamten Wochenendes ab. Sängerin Tatiana Shmailyuk bringt ein unfassbares Gesangsrepertoire auf die Bühne, das von maximal tiefen Growls über giftigstes Geschrei bis hin zu durchdringenden Klargesangspassagen wirklich alle vorstellbaren Spielarten umfasst. Die extrem tighte Instrumental-Mannschaft der Ukrainer bietet dazu das entsprechend belastbare und durchaus technische Djent-Fundament auf. Obendrein mit einem lauten und dennoch glasklaren Sound ausgestattet ziehen JINJER an diesem Abend mehr Menschen vor die Bühne, als man sie an allen Tagen zuvor beobachten konnte. Ein Auftritt wie eine mächtige Visitenkarte. Von dieser Band wird man noch hören.

23.00 SÓLSTAFIR

Galerie mit 24 Bildern: Sólstafir – Summer Breeze Open Air 2018

Normalerweise ist ein Konzert der isländischen Post-Rocker SÓLSTAFIR die wahrscheinlich eindrucksvollste Live-Erfahrung, die man überhaupt machen kann. An diesem Abend ist das leider nur bedingt der Fall. Die Isländer wirken gehetzt und teilweise etwas nervös, was wohl angesichts ihrer hektischen, viel zu späten Anreise mehr als verständlich ist. Hinzu kommt, dass Frontmann Aðalbjörn Tryggvason sehr unglücklich über den Sound auf der T-Stage zu sein scheint und dem Tontechniker dies mehrfach signalisiert. Tatsächlich stört der überladene, teils viel zu laute Bass die angenehm einfühlsame Atmosphäre, die gefühlvolle Meisterwerke wie „Ótta“ oder „Fjara“ sonst verströmen. Nichtsdestotrotz bewahrt das Quartett einen kühlen Kopf und beschert mit dem legendären „Goddess of the Ages“ seiner Show dann doch noch einen mehr als würdigen Abschluss.

23.45 BLOODBATH

Galerie mit 20 Bildern: Bloodbath - Summer Breeze Open Air 2018

Vor drei Jahren haben BLOODBATH noch die Pain Stage dermaßen regiert, dass ein Upgrade auf einen Slot auf einer größeren Bühne eigentlich wie die logische Schlussfolgerung erschien. Ergo spielen die All-Star-Death-Metaller heute (immer noch mit Nick Holmes am Mikro, dafür heute ohne Jonas Renkse am Bass und auch ohne den neuen Gitarristen Joakim Karlsson) auf der verbliebenen, größeren Hauptbühne. Und die erweist sich dann doch vielleicht als eine Nummer zu groß. BLOODBATH liefern zwar eine absolut professionelle Show ab, wie man sie von Bands ihres Kalibers erwarten darf und auch muss. Allerdings will im Vergleich zu 2015 der berühmte Funke heute nicht ganz überspringen. Auch wenn natürlich die Matten fliegen und die Hörner in die Luft gereckt werden: BLOODBATH entfachen keine Begeisterungsstürme, zu abgespult wirkt ihr Auftritt heute (zum Beispiel verzichtet Holmes anders als vor drei Jahren komplett auf seinen trockenen Humor) und der deutlich weitläufigere Platz vor der Main Stage lässt die angetretene Menge dann doch etwas wenig erscheinen. Das hat man schon etwas motivierter und auch überzeugender von BLOODBATH gesehen.

00.00 BROKEN TEETH HC

Galerie mit 10 Bildern: Broken Teeth HC- Summer Breeze Open Air 2018

Ja, der Name ist Programm bei den britischen Hardcore-Rabauken BROKEN TEETH, die so klingen, als brächten sie gleich noch eine Wagenladung brennender Mülltonnen aus der Bronx mit. Von der Camel Stage schallt pünktlich zur Mitternacht ein mächtiger, testosterongeladener Hardcore-Sound, der für mächtig Wirbel im Feld sorgt. So viel Testosteron gar, dass es Frontshouter Dale Graham nach nur einen Song schon aus seinem Longsleeve sprengt.
Mit enormer Toughness dargeboten trümmern die Briten eine Hardcore-Hymne nach der anderen ins Mark des Publikums hinein. Graham fordert immerzu Circle Pits, was er gar nicht müsste, denn die ergeben sich von ganz alleine. Hinzu formt sich alsbald auch ein größerer Pit, indem die hungrige Meute dann so richtig die Sau rauslässt, während BROKEN TEETH weiterhin fleißt die Zähne in schweißtreibender Manier fliegen lassen. Es hat so richtig BÄM gemacht.

00.45 CARPATHIAN FOREST

Galerie mit 16 Bildern: Carpathian Forest - Summer Breeze Open Air 2018

CARPATHIAN FOREST sind heute die einzige Black-Metal-Band auf dem Festival, und das Setting passt: Dunkler Nachthimmel und (verglichen mit der Gluthitze der Mittagsstunden) eisige Temperaturen. Doch die Anwesenden sind bei den morbiden Schwarzmetallsongs schon bald auf Betriebstemperatur: „Through Self-Mutilation“, „Knokkelmann“ oder das neue Stück „Likeim“ rocken einfach. CARPATHIAN FOREST ist aber nicht nur die einzige Black-Metal-Band am heutigen Tag, sondern auch eine der merkwürdigsten Bands: Jedenfalls „bestechen“ die Ansagen von Nattefrost durch Eigenwilligkeit: Sagt er da „Alles gut? SUMMER BREEZE! Alles gut?“ – oder doch eher „schlafen gut?“ Unstrittig ist hingegen, dass sich der Frontmann vor dem TURBONEGRO-Coversong „All My Friends Are Dead“ eine Art Voodoo-Puppe auf die Bühne holt, die er erst einmal ausgiebig herzt. Und auch ein großes umgedrehtes Holzkreuz, das vor seiner Brust baumelt, darf nicht fehlen. Satanismus, y’know?! Seine Backingband macht ihre Sache gut und zockt die Songs ohne größere Zwischenfälle herunter – der Star auf der Bühne ist halt Herr Nachtfrost himself. Da sollten auch die bösen Maschinengewehr-Posen des Bassisten nicht drüber hinwegtäuschen. Trotzdem ein ordentlicher und kurzweiliger Auftritt.

01.00 CARPENTER BRUT

Galerie mit 6 Bildern: Carpenter Brut - Summer Breeze Open Air 2018

Das Festival neigt sich dem Ende zu – und einem der letzte, großen Höhepunkte. Die Asse werden bekanntlich immer zum Schluss ausgespielt und so betreten die Franzosen CARPENTER BRUT schließlich wortlos die Main Stage als letzter Act dieses Jahres, um diese eine Stunde später ebenso wortlos wieder zu verlassen. Was dazwischen passiert, kann man eigentlich nur als Reizüberflutung bezeichnen. Im besten Sinne des Wortes.

Metallischer Synthwave bohrt sich noch einmal kräftig in die Schädel des Publikums, das infolgedessen kaum anders kann als zu den mitunter aggressiven Rhythmen mitzutanzen. Und „Bohren“ ist auch ein gutes Stichwort, denn im Hintergrund werden verschiedene Splatterszenen im 80er-Look gezeigt, bei denen nur zu gerne am höchst attraktiven, weiblichen Objekt gearbeitet wird. Sex sells, Violence im Metal auch, und so passen Sound und Bildfluss wunderbar zusammen, um eine der surrealeren Auftritte dieser Ausgabe des Summer Breeze Open Air perfekt zu machen. Leather kills again.

01.45 ATTIC

Galerie mit 18 Bildern: Attic - Summer Breeze Open Air 2018

Als zu später Stunde ATTIC die Bühne erklimmen, sind eher wenig Zuschauer vor ebenjener. Woran es liegt, lässt sich eher schwer ergründen. Fakt ist: Die KING DIAMOND-Enthusiasten machen ihre Sache gut und haben wirklich an alles gedacht: Die Camel Stage ist von zahlreichen Kerzenleuchtern illuminiert, Weihrauch-Duft umwabert die ersten Reihen, und auch ein ganzes Arsenal an Requisiten darf nicht fehlen, mit dem man eigentlich eine mittelgroße Kirche hätte füllen können. Nicht zuletzt die Kirchenbankeinfassungen schränkten den Aktionsradius der Westfalen so aber ein wenig ein: Zwei mit Flying-V-Gitarren bewehrte Sechssaiter, ein Bassist sowie der Sänger müssen sich den knappen Platz am Bühnenrand teilen.

Letztlich macht das aber nichts, denn die sorgsam komponierten Metal-Songs kommen bei den Fans bestens an: Die Anwesenden feiern die Stücke halt umso inbrünstiger ab. Und der charismatische, ganz im Stile des KINGs vorgetragene Gesang von Meister Cagliostro überzeugt. So ist es kein Wunder, dass die Meute von Beginn an mitgeht und nicht zuletzt den Rausschmeißer „The Headless Horseman“ mit frenetischem Jubel bedenkt. Bleibt nur noch eine Frage: Warum sind die Ansagen der Band aus Gelsenkirchen eigentlich auf englisch? Das Festival mag zwar in Bayern stattfinden, aber trotzdem …

02.15 PERTUBATOR

Galerie mit 13 Bildern: Perturbator - Summer Breeze Open Air 2018

Und noch einmal Synthwave zum Abschluss, dieses Mal auf der T-Stage. Die Ehre, nicht nur die T-Stage, sondern auch das Festival abschließen zu dürfen, haben die zum Duo herangewachsenen Pariser PERTURBATOR, die zunächst einmal mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, was das Bühnenbild betrifft. Entsprechend verspätet betreten beide die Bühne, lassen ihrem Auftritt aber einen nicht minder intensiven Synthwave-Reigen folgen und überziehen entsprechend auch ein wenig – nicht, dass das irgendjemanden wirklich am letzten Festivaltag stören würde.

Und der Gig hat es in sich: Pumpende Rhythmen und bombastische Synths brechen sich wie gewaltige Wellen im Pit und sorgen bei allen, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch irgendwie auf den Füßen gehalten hat, für schwingende Keulen. Publikum und Band feierten des Nachts einen regelrechten Rave, der noch einmal alles aus den müden Knochen heraus holt, die sich vor der T-Stage versammelt haben, um diesen eher ungewöhnlichen Abschluss für das diesjährige Summer Breeze Open Air zu feiern.

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02.09.2018

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