Katatonia
Dead End Kings Tour

Konzertbericht

Billing: Alcest, Junius und Katatonia
Konzert vom 16.11.2012 | Huxleys, Berlin

Katatonia

Fotos von Andrea Friedrich

Auch wenn mich das neue KATATONIA-Album „Dead End Kings“ nicht allzu fest in seinen Griff bekommen hat, sind die Schweden live doch immer wieder sehenswert. Mit ALCEST und JUNIUS gibt es dazu noch ein hochkarätiges Vorprogramm, das wohl kaum besser hätte passen können. Also auf ins Berliner Huxleys, an einem kühlen Herbstabend.

JUNIUS:

Galerie mit 16 Bildern: Junius - Dead Ends Of Europe Tour 2012 - Berlin

Die US-Amerikaner dürfen den Abend eröffnen und wirken zunächst ob der Größe des Saals etwas verloren. Es ist, rein auf die Größe des Huxleys bezogen, noch ziemlich leer, doch JUNIUS legen ungestört los. Post-Metal, der bisweilen seine Melancholie hörbar aus Einflüssen des heutigen Hauptacts zieht. Der Sound ist brachial und so differenziert und druckvoll, dass es eine wahre Freude ist. Leider sind JUNIUS auf lange Sicht aber reichlich unspektakulär, etwas zu viele Längen in den Songs lassen es die später ankommenden zumindest nicht zutiefst bereuen, weite Teile des Openers verpasst zu haben. So richtig auftauen will dann niemand, zwar fällt der Applaus recht stattlich aus, doch wahre Begeisterung stellt sich nicht ein. Das ist es auch, was am Ende bleibt. Ein solider Eindruck, der Potenzial für mehr offenbart und als das letzte „Thank you“ ertönt, dürfte niemand allzu traurig sein – vielleicht wäre die Musik in einem kleinen Club auch deutlich besser gekommen … .

ALCEST:

Galerie mit 17 Bildern: Alcest - Dead Ends Of Europe Tour 2012 - Berlin

Genau das lässt sich auch auf ALCEST beziehen. Die eigenwilligen Franzosen, deren verträumte Atmosphäre eigentlich dafür sorgt, tief in die Welt der Band einzutauchen, hat über den ganzen Gig mit Soundproblemen zu kämpfen. Allen voran Neiges Vocals verschwinden immer wieder im Soundbrei. Zwar bessern sich die Umstände nach der ersten Hälfte des Auftritts, doch richtig „traumhaft“ wird es nur selten. „Souvenirs d’un autre monde“ schafft es zwar einen einigermaßen hypnotischen Sog zu erschaffen und mit dem dynamischen (übrigens einzigen Schrei-Song des Abends) „Percées de lumière“ wird dann ein jeder noch einmal wachgerüttelt. Schade nur, dass kurz darauf auch schon Schicht im Schacht ist. Am Ende bleibt etwas Ärger über die Soundprobleme zu Beginn und das Resümee, dass ALCEST vor zwei Jahren im K17 deutlich intensiver wirkten. Der Eindruck bleibt durchwachsen.

KATATONIA:

Galerie mit 15 Bildern: Katatonia - Dead Ends Of Europe Tour 2012 - Berlin

Zeit für den Headliner, Zeit für Melancholie, vertontes Leid, ja einfach Zeit für KATATONIA! Wie zu erwarten beginnen die Schweden ihr Set mit Material von der aktuellen Scheibe „Dead End Kings“ und zunächst stellt sich bittere Ernüchterung ein. Das inzwischen höchst professionelle Auftreten der Band beraubt dem Material so einiges an Authentizität und musikalisch will anfangs wenig passen. Gerade bei den zweistimmigen Vocals wirkt Per „Sodo“ Erikssons sehr hohe Stimme eher störend, vor allem, da er mit Jonas zu diesem Zeitpunkt noch nicht 100% harmonisch wirkt. Als dann nach kurzer Zeit auch schon eine technische Störung das Set unterbricht, ist die Stimmung zunächst deutlich am Boden. Zwar versucht Jonas es mit ein paar netten Worten und erntet dafür auch Applaus, doch der bittere Eindruck einer überflüssigen Unterbrechung bleibt. Danach wird es aber zusehends besser, sofern die Augen geschlossen bleiben. „My Twin“ geht als erster einwandfrei dargebotener Song durch und mit dem folgenden „Burn The Rememberence“ setzen sie den ersten emotionalen Höhepunkt. Weitere Higlights geben sich bei der überraschend ausgewogenen Setlist die Klinke in die Hand: „Teargas“, „Soil’s Song“, „Omerta“, „Deadhouse“ um nur einige der Band-Klassiker zu nennen. Trotz allem bleibt der Eindruck aber auch nach „Day And Then The Shade“ , welches das offizielle Set abschließt, reichlich durchwachsen. KATATONIAs Auftreten wirkt zu konzipiert und dass sich die Gitarristen gerne mal geschlossen hinter die Aufsteller begeben wirkt dann doch zu aufgesetzt, auch Jonas übertrieben überschwängliche Entertainer-Ansagen nach jedem Song wollen nicht so ganz passen. Dennoch retten sich KATATONIA dank einer deutlichen Steigerung nach der unfreiwilligen Unterbrechung, dem starken Set und dem mächtigen Sound in Richtung gutem, aber keineswegs überragenden Auftritt. Nach drei Zugaben ist dann auch schließlich Feierabend, am Ende müssen sich die Schweden gefallen lassen, dass sie auf Kosten der Emotionalität und Authentizität ihre Professionalität gesteigert haben … .

Setlist:

01. The Parting
02. Buildings
03. Deliberation
04. My Twin
05. Burn the Remembrance
06. The Racing Heart
07. Lethean
08. Teargas
09. Strained
10. The Longest Year
11. Soil’s Song
12. Omerta
13. Sweet Nurse
14. Deadhouse
15. Ghost of the Sun
16. July
17. Day and Then the Shade

Zugaben:

18. Dead Letters
19. Forsaker
20. Leaders

01.12.2012

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