Full Force Festival 2019
Der Große Festivalbericht

Konzertbericht

Billing: Groovenom, Landmvrks, Bleeding Through, To The Rats And Wolves, Wolfheart, Any Given Day, Polaris, Black Peaks, While She Sleeps, Sondaschule, Municipal Waste, Sick Of It All, Napalm Death, Amenra, Behemoth, The Amity Affliction, Cannibal Corpse, Parkway Drive, Batushka, Carach Angren, Ultha, Malvolence, Crystal Lake, Annisokay, Billybio, Harakiri For The Sky, Crowbar, Massendefekt, Infected Rain, Bury Tomorrow, Jinjer, Animals As Leaders, At The Gates, Smoke Blow, Alcest, Knorkator, Terror, Zeal & Ardor, Arch Enemy, Kadavar, Orange Goblin, Cane Hill, Walking Dead On Broadway, Drug Church, Ignite, Harms Way, Gutalax, Whitechapel, Bad Omens, The Ocean, Beartooth, Power Trip, Tesseract, Lamb Of God, Turnstile, Mantar, Flogging Molly, Our Last Night, Amorphis, Limp Bizkit, Perturbator und Mambo Kurt
Konzert vom 30.06.2019 | Ferropolis, Gräfenhainichen

Sonntag – Hitze, Hitze und Hitze

Der dritte Tag verspricht, der heißeste zu werden – und hält dieses Versprechen auch sehr zum Leidwesen der geschundenen Gemüter, die sich ohnehin schon schwer tun, der Hitze zu widerstehen. Doch es hilft nichts: Einmal geht es noch aufs Gelände. Zunächst zerlegt die Nu-Metal-Band CANE HILL die Hardbowl Stage, dann zertrümmern WALKING DEAD ON BROADWAY mit ihrem mächtigen Deathcore die Mad Max Hauptbühne, während DRUG CHURCH wiederum in der Hardbowl Stage mächtig Staub aufwirbeln. Spätestens hiernach ist man auch schon wach und bereit für das, was kommen wird.

Zum Beispiel IGNITE: Die Hardcore-Punk-Legende aus Orange County spielt zwar nicht gerade vor einem vollen Infield, dennoch ist die Stimmung, die vor der Mad Max Stage herrscht, ausgelassen. Die Kalifornier um Goldkehlchen Zoltán Téglás hauen praktisch einen Hit aus ihrem Repertoire nach dem anderen heraus, von daher wundert die enorme Aktivität im Feld vor der Bühne auch wenig. Das Publikum trotzt der enormen Hitze und gibt alles. Und das ist das mindeste, was man erwarten kann, wenn ein derart energetischer Sound von der Bühne herunter kracht.

Galerie mit 18 Bildern: Ignite – Full Force 2019

Während die Hardbowl Stage indes ein weiteres Mal durch HARMS WAY unter Beschuss genommen wird, treten die Tschechischen Fäkalhumor-Connaisseure GUTALAX auf der Medusa Stage auf, um alles rauszulassen, was keine Miete zahlt. Guter Geschmack? Anspruchsvolle Songs? Technische Kabinettstückchen? Das alles wird hier vollkommen absichtlich und gewinnbringend im Klo herunter gespült. GUTALAX scheißen buchstäblich auf die Musik und bieten Grindcore-artige Enddarm-Ergüsse inklusive gepitchtem Gesang, der wie eine besessene Toilettenspülung klingt. Wie gut, dass man sich beim angrenzenden See erst einmal waschen kann.

Galerie mit 20 Bildern: Gutalax - Full Force 2019

Auch progressive Gemüter kommen auf ihre Kosten

Aber nicht minder schweißtreibend geht es in der Zwischenzeit auf der Hauptbühne zu, auf der sich WHITECHAPEL breit gemacht haben, um ihren mittlerweile gar nicht mehr so simplen Deathcore ins Publikum zu drücken. Dass das für mächtig Bewegung im Pit sorgen würde, kann man sich denken. Doch so langsam fordert die Hitze ihren Tribut, denn mehr und mehr Besucher suchen einen Platz im Schatten, um das Spektakel möglichst ohne Sonnenstich begutachten zu können. Oder man sucht Schutz vor der Hitze in der überdachten Hardbowl Stage, in der zur gleichen Zeit BAD OMENS ihr Unwesen treiben.

Galerie mit 14 Bildern: Whitechapel – Full Force 2019 Galerie mit 19 Bildern: Bad Omens - Full Force 2019

Eher ruhiger geht es in der Zwischenzeit auf der am Wasser gebauten Medusa Stage passenderweise mit THE OCEAN weiter, deren sphärisches Intro und konsequenter Stimmungsaufbau in einen sehr satten Sound mündet. Was begeistert ist, dass Sänger Loïc Rossetti seinen Fans während des dritten Songs entgegen hechtet und ohne Berührungsängste crowdsurft. Mit der Mischung aus Sludge und Progressive Metal kühlen die Gemüter zumindest etwas ab. Dabei hat die Band natürlich auch Songs vom neuen Album im Gepäck. THE OCEAN haben nach viel Fluktuation wohl endlich die tragfähige Truppe aus Musikern gefunden und das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

Galerie mit 20 Bildern: The Ocean – Full Force 2019

BEARTOOTH lärmen sich hiernach auf der Mad Max Stage durch ihr Set, während POWER TRIP es ihnen von der Hardbowl Stage aus gleich tun. Auf der Medusa Stage geht es indes weiter mit TESSERACT, die leider an diesem Abend ohne ihren Lichttechniker auskommen müssen, da dieser krank ist. Das tut der Spielfreude der Briten jedoch keinen Abbruch, deren Progressive Metal, gepaart mit der Energie Daniel Tompkins und seinem wunderbaren Klargesangs. Das Repertoire überzeugt an dem Abend, wobei die Titel des jüngsten Albums “Sonder” etwas zu sicher, etwas zu wenig innovativ daher kommen. Trotzdem: Ein tolles Konzert in wunderschöner Atmosphäre.

Galerie mit 12 Bildern: Beartooth – Full Force 2019 Galerie mit 18 Bildern: Tesseract – Full Force 2019

Zum Ende hin gibt das Lineup noch einmal alles

Von hier an zieht das Full Force 2019 noch einmal alle Register für ein amtliches Finale, beginnend mit LAMB OF GOD, die sich auf der Mad Max Stage austoben. Getreu dem Credo „We came here to fuck this place up“ lassen die Herren aus Richmond Worten Taten folgen. Randy Blythe präsentiert sich wie üblich als Rampensau, die fast vor Energie zu platzen droht. Fette Grooves und mindestens genauso fette Riffs brechen sich wie Wellen im Publikum und lassen die Köpfe wie von selbst mitnicken. Da ist es schon ein bisschen schade, dass das Feld vor der Stage nicht bis zum Rand gefüllt ist.

Galerie mit 12 Bildern: Lamb Of God – Full Force 2019

Die US-amerikanischen Hardcore Punker TURNSTILE bespaßen hierauf die Hardbowl Stage, während MANTAR auf der Medusa Stage das tun, was MANTAR nun mal am besten können – reine, rohe Energie ins Publikum blasen. Die Strandatmosphäre ist dabei ein massiver Pluspunkt für das Konzert des Zwei-Mann-Abrisskommandos, dem die etwas schunkelfreudigere Folk-Punk-Band FLOGGING MOLLY auf der Hauptbühne folgt. Hier lässt das Wetter so langsam nach, was sich wiederum im deutlich gefüllteren Infield vor der Stage bemerkbar macht. Dabei fängt die Band die Stimmung gekonnt ein, um die Menge bei Laune zu halten.

Galerie mit 20 Bildern: Flogging Molly - Full Force 2019

Wieder geht es Hardcore-mäßig zu bei der Hardbowl Stage, aber das kennt man mittlerweile nicht anders. Dieses Mal sind es OUR LAST NIGHT, welche die Bühne auseinander nehmen, während als letzter Act des Festivals auf der Medusa Stage AMORPHIS einen zum Besten geben. Und die glänzen nicht nur durch einen beispielhaften Sound, sondern auch durch Musiker in Höchstform. Vor allem Tomi Joutsen zeigt sich von seiner Schokoladenseite und feiert mit seinen Recken ein gelungenes Set ab, das als finaler Auftritt am Strand noch einmal richtig was hermacht. Würde man von den Finnen aber auch nicht anders erwarten, oder?

Galerie mit 20 Bildern: Amorphis - Full Force 2019

LIMP BIZKIT runden mit Nu-Metal-Nostalgie ab

Dann ist es schließlich so weit: Die Nu-Metal-Schwergewichte LIMP BIZKIT treten endlich auf der Mad Max Stage auf und entfesseln, was man am ehesten als 2000er-Nu-Metal-Nostalgie in Reinkultur beschreiben kann. Was im Infield abgeht, ist beeindruckend. Nahezu jeder Song, den Fred Durst und Co. ins Publikum entlassen, wird von diesem textsicher wiedergegeben, was Durst selbst relativ gelassen zur Kenntnis nimmt hin zum Punkt, wo er sich die Arbeit von zwei engagierten Fans sogar mal kurzzeitig abnehmen lässt. Ein bisschen schade ist, dass das Set fast nur aus Songs von „Significant Other“ und „Chocolate Starfish“ besteht. Immerhin hält auch das Debüt ein paar starke Songs bereit. Doch letzten Endes trägt allein die Stimmung im Publikum den Auftritt mühelos über die gesamte Zeit hinweg.

Galerie mit 20 Bildern: Limp Bizkit - Full Force 2019

Schließlich haben sowohl Medusa Stage als auch Mad Max Hauptbühne den Betrieb eingestellt, allein auf der Hardbowl Stage geht es noch einmal ab. Wer aber Metalcore oder dergleichen erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen lässt PERTURBATOR noch einmal kräftig die Keulen im Publikum schwingen. Während ein Großteil der Festivalbesucher schon gegangen zu sein scheint – es ist immerhin Sonntag – holen tanzfreudige Metaller zu den knackigen Synthwave-Tracks, die von der Bühne geweht kommen, noch einmal alles aus sich heraus, während das Festival durch den gewohnt ulkigen Auftritt von MAMBO KURT schließlich seinen Abschluss erfährt.

Galerie mit 18 Bildern: Perturbator - Full Force 2019

Tja, geil war’s, Full Force! Man muss natürlich eine Affinität für den Hardcore und seine verwandten Genres mitbringen, dennoch sind Stimmung und Gelände die Reise wert gewesen. Die sympathische Grundstimmung, die gerade bei den Temperaturen nicht selbstverständlich ist, sowie die gelungene Organisation machen das Full Force Festival zu einem Highlight der Saison. Gerne wieder!

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29.07.2019

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1 Kommentar zu Full Force Festival 2019 - Der Große Festivalbericht

  1. TheBookOfSouls sagt:

    Sorry, aber das ist mir für einen Festivalbericht viel zu oberflächlich und vorallem gibt es auch ein paar Dinge zu kritisieren. Natürlich hat man mit Parkway Drive wieder eine sichere Nummer buchen können und einer glorreichen Zukunft als Headliner der größten Festival steht nichts im Wege, aber an Einfallsreichtum gibt es dafür schonmal eine 6. Limp Bizkit war eine Katastrophe! Nach den ersten Songs sind auch sehr viele Besucher gegangen und waren sehr enttäuscht. Fred Durst kam eher einem Hampelmann nahe, als einem modernen Entertainer und Sänger (Corey Taylor *hust). Gerade einmal 9 (!!!) Songs gab er zum Besten. Eine Schande für einen Headliner, der eine Spielzeit von 70-80 Minuten bekommt. Auch der Verdacht des Playbacks lässt sich nicht von der Hand weisen. Einzig mit Nostalgiepunkten konnte man vielleicht noch etwas trumpfen. Wirklich Schade. Arch Enemy konnten mit ihrer Professionalität glänzen und haben gezeigt, wie man es macht. Natürlich wirkt das mittlerweile alles sehr eingespielt und „künstlich“, aber das muss man wahrscheinlich als zukünftiger Headliner mitbringen. Das Festivalgelände kann nun seit dem Umzug mit seiner Einzigartigkeit vollends überzeugen. Hier hat der neue Veranstalter ein paar Änderungen am Konzertgelände vorgenommen, die bei mir persönlich sehr gut ankamen. Die Seebühne: Der Hammer! Hauptbühne nun über das gesamte Konzertfeld: beeindruckend und sinnvoll. Der Hardbowl wieder etwas weiter weg von der Hauptbühne – auch sinnvoll, aber das Zelt wirkt zu klein! Organisatorisch ist alles glatt, sauber und überzeugend. Das Gelände wirkt größer und macht den Eindruck, mehr bieten zu können. Das Line Up im Gesamten entfernt sich leider etwas vom ursprünglichen With Full Force. Hier setzt der neue Veranstalter auf Modern Metal, mit sehr großem Schwerpunkt auf Metalcore/Djent/Nu. Auch gab es mehr Stoner und Sludge zu bestaunen. Dies war alles schon immer Teil eine Full Force Line Ups, aber in diesem Jahr musste vor allem der Black/Death und Thrash Metal sehr darunter leiden. Auch Old School HC gibt es weniger zu bestaunen. Schade. Ich würde mir da wieder mehr Ausgewogenheit wünschen. Exoten waren immer gerne gesehen, aber man sollte nicht vergessen, was das Festival einmal war. Die Zuschauerzahlen sind durch das breitere Line Up nun auch nicht besonders gestiegen. Das dürfte gerade für einen neuen Veranstalter interessant sein, der kommerzieller ausgerichtet ist, als die vorherige Truppe. Ich bin gespannt auf das Line Up für 2020, denn davon mach ich abhängig, ob ich dieses Festival noch einmal besuche.