Rockharz Open Air 2018
Der große Festivalbericht

Konzertbericht

Billing: In Flames, Powerwolf, Kreator, Hammerfall, Knorkator, Alestorm, Cannibal Corpse, Sodom, Ensiferum, Exodus, Die Apokalyptischen Reiter, Battle Beast, Equilibrium, Finntroll, Eisbrecher, Paradise Lost, Amorphis, Schandmaul, Ross The Boss, Primal Fear, Bannkreis, Amaranthe, Letzte Instanz, Versengold, Goitzsche Front, Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Evergrey, Gloryhammer, Crematory, Eisregen, Trollfest, Grailknights, Avatarium, Skyclad, The Other, God Dethroned, Skálmöld, Annisokay, Winterstorm, Cellar Darling, Ahab, Serenity, Nanowar Of Steel, Obscurity, Diablo Blvd., Nothgard, Walking Dead On Broadway, Manntra, Erdling, I'll Be Damned, Monument, Drone und Blind Channel
Konzert vom 04.07.2018 | Verkehrsflugplatz, Ballenstedt

Rockharz Open Air 2018 – Donnerstag, 05. Juli 2018

Galerie mit 53 Bildern: Rockharz 2018 - Autogrammstunden Donnerstag bis 16 Uhr

BLIND CHANNEL

Galerie mit 10 Bildern: Blind Channel - Rockharz 2018

Den Donnerstag eröffnen BLIND CHANNEL mit einem poppigen Metal-Mix, der die ersten Kampierer auf das Infield lockt. Komplett in weiß gekleidet, legt die Band von Anfang an eine enorme Dynamik aufs Parkett und darf sich dabei schon der ersten, wenn auch kraft der Uhrzeit noch zaghaften Publikumsbeteiligung in Form von verhaltenen Tanzbewegungen und dem obligatorischen Headbangen erfreuen.

Die Finnen blasen dabei eine Menge eingängiger Melodien und Hooks in die Menge und schüttelt ihnen so den Schlaf aus den Augen. Einfache Töne statt komplexer Verrenkungen gibt es auf die Ohren. Und das kommt gut im Feld an. Ein Glück hat das agile Quintett dabei die Härte nicht vergessen. Die verleiht den Songs ausreichend Schmissigkeit und sorgt so für einen gelungenen, donnerstäglichen Auftakt. Den Pop-Metal muss man natürlich nicht unbedingt mögen, doch BLIND CHANNEL sind mit Begeisterung dabei und lassen diese auch gekonnt überschwappen.

(Michael Klaas)

CELLAR DARLING

Galerie mit 15 Bildern: Cellar Darling - Rockharz 2018

Wir können ELUVEITIE nicht komplett aus einem CELLAR-DARLING-Bericht rauslassen, doch es soll bei einer Erwähnung aufgrund früherer Verbindungen und der daraus resultierenden Spannung bleiben. Weitere Vergleiche vermeiden wir, denn CELLAR DARLING ziehen musikalisch ihren eigenen Stiefel durch und möchten auch, dass man das sieht. Diese Einstellung spiegelt sich da oben und die Priorität der Band ist klar zu sehen und zu hören: Musik. Am Anfang stehen nur die männlichen Bandmitglieder auf der Bühne, doch Anna Murphy und eine Gast-Musikerin an der Violine zeigen sich dann auch.

Vielleicht liegt es an der erneut brennenden Sonne, dass das Publikum zunächst verhalten reagiert. Auf der anderen Seite wissen erfahrene Rockharz-Gänger, dass hier vor allem auf Party ausgerichtete Stimmungsmacher-Bands am besten ankommen. Ein großes Plus des hiesigen Publikums: So wirklich abgelehnt wird keine Kombo, also erwidert die Masse die Begrüßung von Anna pommesgemäß mit Fingergabeln. Es bleibt jedoch bei ausgewählter Kommunikation, denn bei CELLAR DARLING herrscht fast nur eine Richtung, die Anna bewusst betont, als sie ihre einzige längere Ansage an die Zuschauer richtet: Die Fronterin verliert vor dem Lied „The Hermit“ einige Worte über ihre Band, die sie als „Geschichtenerzähler aus der Schweiz“ bezeichnet, und äußert ihren Dank fürs frühe Erscheinen. Auch wenn sie generell lieber ihre Gesangsstimme einsetzt, wie sie verrät, untermalen ihre gesprochenen Worte den musikalischen Fokus von CELLAR DARLING sehr gut. Ihre stimmlichen Facetten kann die Sängerin dann auch endlich beim Lied „Avalanche“ darbieten. CELLAR DARLING machen keinen Geheimnis daraus, worum es ihnen geht. Das steht zwangsläufig im Kontrast zum feiernden Gehabe der meisten anderen Festival-Bands, also bleibt zu hoffen, dass die Menschen den Auftritt erfrischend authentisch wahrnehmen und nicht statisch. So oder so erneut ein Kompliment ans angenehm ausgewogene Billing.

(André Gabriel)

NOTHGARD

Galerie mit 15 Bildern: Nothgard - Rockharz 2018

Nach dem Auftritt von CELLAR DARLING scheinen einige Besucher abgewandert zu sein. Einen ersichtlichen Grund gibt es dafür allerdings nicht, denn der NOTHGARD-Auftritt startet vielversprechend mit einem gleichermaßen düsteren und epischen Intro, das Lust auf mehr macht. Die Band hält, was das Intro verspricht, und legt treibend und synchron headbangend mit „Draining Veins“ los.

Für das Publikum ist es möglicherweise noch etwas früh, doch Death Metal am Morgen vertreibt ja bekanntlich Kummer und Sorgen. Das tut auch das schnellere „Age Of Pandora“. Spätestens bei diesem Song dürfte dann auch jedem aufgefallen sein, dass NOTHGARD besonderen Wert auf mitreißende und zum Teil fast sehnsüchtige Solos legen, die sie filigran präsentieren. Auf die Spitze treiben sie dieses Hobby mit ihren Doubleleads, mit denen der eine oder andere Song gespickt ist. Ein wenig roher wird es mit „Warhorns Of Midgard“. Das Stück vom Debütalbum kommt vor allem bei den Folk-Metal-Anhängern gut an. Allgemein taut das Rockharz-Publikum langsam ein wenig mehr auf. Bei „The Sinner’s Sake“ vergrößert sich der Moshpit dann noch. Nach ein paar weiteren neuen Songs kulminiert das NOTHGARD-Set schließlich in „Lex Talionis“. Der dramatische Touch und die erwähnten Doubleleads bieten der Menge hier noch mal ein dickes Ding zum Abschluss.

(Angela Queisser)

SKÁLMÖLD

Galerie mit 22 Bildern: Skálmöld - Rockharz 2018

Ihre Autogrammstunde findet bereits zu High Noon statt, und auch auf die Bühne müssen oder dürfen die Viking Metaller SKÁLMÖLD erstaunlich früh – der Auftritt der sechs Isländer gerät aber zu einem Heimspiel. Das Publikum feuert die Band schon beim Intro an, erst recht als die Musiker nacheinander auf die Bühne kommen. Als dann die ersten Töne des Openers „Gleipnir“ ertönen, ist alles so wie immer: Beste Stimmung auf und vor der Bühne. Die Mitglieder von SKÁLMÖLD antworten auf die Anfeuerungen mit einer Mischung aus Bescheidenheit und natürlicher Freude. Man merkt es ihnen an, dass sie den Zuspruch auch im neunten Jahr nach Bandgründung immer noch nicht als eine Selbstverständlichkeit ansehen. Erst recht nicht, als das Publikum unvermittelt das isländische „Huh“ anstimmt. (Kommt das nicht sowieso immer am Ende?) Frontmann Björgvin klopft sich dann nach kurzem Zögern mit der Faust auf die Brust, während Leadgitarrist Þráinn etwas schüchtern grinsend den Daumen hebt.

Die Zuschauer feiern aber nicht nur die Midtempo-Hymnen ab, sondern auch das langsamere, melodische „Narfi“ – schließlich kann man auch dabei schön die Fäuste gen Himmel recken. Beim abschließenden „Kvaðning“ zeigt das Publikum aber die ganze Klaviatur der Zustimmung: In kurzer Abfolge bildet sich ein Moshpit, ein Crowdsurfer schwebt in Richtung Bühne, und dann setzen sich ganze Reihen auf den Boden, um wie in einem Wikingerboot zu rudern. Klare Sache: Dieser Auftritt ist ein voller Erfolg! Das liegt aber auch an der Band, die nach wie vor ihre Musik mit Hingabe und Freude zelebriert: Irgendwann hält es Drummer Jón Geir nicht mehr im Sitzen, und so spielt er „Kvaðning“ einfach im Stehen weiter. Und dann gibt es da noch den Double-Lead-Part, den die beiden Gitarristen Þráinn und Baldur in bester NWoBHM-Manier anstimmen. Da bleibt eigentlich nur noch die Frage offen, warum SKÁLMÖLD bereits mittags auf der Bühne stehen: Frontmann Björgvin klärt auf, dass die Band sofort zurück nach Island zurückfliegen muss, weil Schlagzeuger Jón Geir heiratet. Da bleibt uns nur zu sagen: Alles Gute!

(Eckart Maronde)

DIABLO BLVD

Galerie mit 19 Bildern: Diablo Blvd - Rockharz 2018

Viking Metal gegen dunklen Poprock – wer gewinnt? Klar: Gegen das Heimspiel von SKÁLMÖLD haben es die Belgier DIABLO BLVD im direkten Vergleich schwer. Die Reihen vor der Bühne sind weniger dicht gefüllt, und ihr grooviger Poprock ist „cooler“, eher für Clubs geeignet als für die sonnige Freilichtbühne bei 25 Grad im Schatten. Da kommt die an sich stimmige Backline mit den „DB“-Logos trotz blauen Scheinwerferlichts nicht recht zur Geltung. Die ganz in schwarz gekleideten Belgier müssen sich folglich in den Gig reinarbeiten und sich ihren Zuspruch erarbeiten. Sänger Alex Agnew gibt sich aber jede Mühe: Mit seinen sympathischen Ansagen zwischen Deutsch und Englisch erreicht er schließlich das Publikum und animiert es zu Jubel und Mitklatschen.

Nach etwas verhaltenem Beginn steigern sich aber auch die Songs – die letzten Songs im Set sind sogar richtig gut tanzbar: „This is a dancing song for the end of the world“, sagt der sonnenbebrillte Sänger beim vorletzten Song „Sing From The Gallows“ an. „I want you to dance – especially the ladies.“ Das hindert aber auch die Herren im Publikum nicht, die Hüften kreisen zu lassen. Zum Abschluss bedankt sich Alex Agnew im besten Denglisch bei den Fans: „Deutschland, vielen Dank für alles, Sie sind immer wie eine zweite Heimat für uns – and we’re very grateful for this!“ Da lässt sich das Publikum nicht zwei Mal bitten und bewegt sich geschmeidig zur groovigen Basslinie des letzten Songs. Für die fünf Belgier aus Antwerpen bedeutet die Show auf dem ROCKHARZ einer der letzten Auftritte überhaupt – denn nach den letzten Shows löst sich die Band auf.

(Eckart Maronde)

GRAILKNIGHTS

Galerie mit 23 Bildern: Grailknights - Rockharz 2018

Gute Unterhaltung und die GRAILKNIGHTS scheint für viele Besucher fast synonym zu gelten. Live machen die in Superhelden gekleideten Herrschaften auch einiges her. Konsequent wird die Geschichte um die Suche nach dem heiligen Gral konsequent durchgezogen – neben eingängigen Hymnen gibt es nämlich auch viel Story zu bestaunen. Wem das für 45 Spielzeiten etwas zu ermüdend ist, dem wird mit „Grail-Aerobic“ der Tag versüßt. Musik gibt es natürlich auch, so lassen die GRAILKNIGHTS „Lazor Raptor 3D“, „Pumping Iron Power“ sowie ein Superhelden-Medley hören. Letzteres ist allen voran für Fans von den Teenage Mutant Ninja Turtles, Spiderman … und den Helden schlechthin, SLAYER, gewidmet. Ach ja, erfolgreich war die epische Schlacht übrigens auch – denn der heilige Gral wird von Dr. Skull zurückerobert. Weitermachen.

(Jan Wischkowski)

GOD DETHRONED

Galerie mit 10 Bildern: God Dethroned - Rockharz 2018

Pfeilschneller, mit rasiermesserscharfen Stacheln besetzter Death Metal ist sicherlich nicht alltäglich auf dem ROCKHARZ. Doch Abwechslung bereichert nicht nur das Leben, sondern auch jedes Jahr das Billing vom ROCKHARZ. Vorhang auf, oder besser, Feuer frei für GOD DETHRONED, die voller Angriffslust aus den Niederlanden angereist sind. Diese kann zu Beginn des Auftritts bei „The World Ablaze“, dem Titeltrack des aktuellen Albums, leider nicht vollends ausgespielt werden, da leichte Soundprobleme auszumachen sind. Das erfahrene Quartett (immerhin existiert die Band, mit kurzer Unterbrechung zwischen den Jahren 2012 und 2014, schon seit dem Jahr 1991) lässt sich jedoch keineswegs aus der Ruhe bringen und nagelt die Setlist mit fortwährender Spieldauer mit immer besserem Sound runter. Dies kommt auch den groovenden Passagen zu Gute, in denen das Publikum den geforderten Slamming Pit liefert. Frontmann Henri ist aufgrund seiner Statur und den brutalen, aber immer noch klar zu verstehenden Vocals der Fels in der Brandung, während Michiel van der Plicht Sperrfeuer vom Schlagzeug gibt. Ob nun „Nihilsm“, „No Man’s Land“, „Poison Fog“ oder „Boiling Blood“, das Quartett bietet ausschließlich bockstarkes Material. Das eingängige „Sigma Enigma“ beendet den Auftritt und zeigt, dass auch Death Metal durchaus seinen Platz auf dem ROCKHARZ hat.

(Richard Mertens)

LETZTE INSTANZ

Galerie mit 16 Bildern: Letzte Instanz - Rockharz 2018

2018 scheint ein Jahr voller Jubiläen zu sein. Das ROCKHARZ feiert 25-jähriges Bestehen und lädt sich mit LETZTE INSTANZ prompt eine Band ein, die es anno 2018 immerhin schon 20 Jahre gibt. Die Band mit den Wurzeln in Dresden stellen passend dazu im Harz einen aussagekräftigen Querschnitt ihres Schaffens vor, an dessen Anfang mit „Morgenland“ und „Maskenball“ gleich zwei Kracher stehen. Anhand der Reaktionen darauf lässt sich folgern: Das Publikum hat Bock! Das merkt man auch an der regen Teilnahme an lustigen Mitmachspielchen. Im Song „Disco D’Amour“ passt das Wort „Bier“ allerdings auch perfekt in den Refrain, sodass alle Beteiligten bei der verbalen Ausbesserung der Lyrics sichtlich vergnügt wirken.

Zu einer amtlichen Best-Of-Setlist gehören allerdings auch die richtig alten Schinken. LETZTE INSTANZ serviert eben jene in Form von „Mein Todestag“ unter frenetischem Jubel. Doch auch die ernsten Töne sollen angesprochen werden. Aussagen über gesellschaftlichen Wandel und die eigene Überzeugung scheinen in gewissen Bevölkerungskreisen offenbar weniger beliebt zu sein, sodass die Band laut Sänger Holly jüngst einen Shitstorm erntete. Die Begründung: LETZTE INSTANZ solle sich nicht politisch positionieren. „Sich gegen Hass und für mehr Menschlichkeit einzusetzen, ist keine politische Einstellung!“ Für diese Aussage erntet die Band vom Publikum zurecht jede Menge Beifall! „Wir sind allein“ sorgt im Anschluss für die passende musikalische Untermalung mit eingebauter Gänsehautgarantie.

Es soll jedoch bitteschön noch getanzt werden. Der beste Song dazu: „Rapunzel“. Das finden auch einige Fans aus dem Leipziger Club Dark Flower, die mit ihrer Aktion zum gemeinsamen Tanzkreis offensichtlich viele Leute überzeugt haben. Lustig anzusehen ist es allemal, ebenso wie der Spaß der Fans beim eingebauten DIE ÄRZTE-Cover: „Rico? Warum hast du nichts gelernt?“ – Herrlich! Nach dem finalen „Komm!“ entlässt die LETZTE INSTANZ ein ordentlich durchgetanztes und höchst zufriedenes Publikum.

(Matthias Weise)

PRIMAL FEAR

Galerie mit 14 Bildern: Primal Fear - Rockharz 2018

Erst zum zweiten Mal macht das German Metal Command halt auf dem Rockharz, dabei handelt es sich bei den Herren aus dem Schwabenländle um eine absolute Institution des deutschen Stahls. Muskelmann Ralf Scheepers wird gerne mal als „deutscher Rob Halford“ bezeichnet und zeigt von Beginn an mit hohen Screams, die ihresgleichen suchen, wo dieser Vergleich herkommt.

Eine ansehnliche Menge hat sich vor der Dark Stage versammelt, um die hauptsächlich im Midtempo zu verortenden Stampfer von PRIMAL FEAR bei druckvollem Sound mal ordentlich abzufeiern. Natürlich ist hier Fäusterecken eher angesagt als der totale Abriss. Scheepers weiß aber genau, wie er die Fans auf Betriebstemperatur hält. Seine Mitsingspielchen kommen bestens an und werden aus voller Kehle mitgeschmettert. Der Meister dankt es prompt und dichtet eine Textzeile von „Running In The Dust“ einfach in „I‘m on my way to ROCKHARZ“ um.

Nicht mehr nur auf dem Weg, sondern endgültig angekommen ist man dann aber mit der Überhymne „Metal Is Forever“. Ist das textlich auch manchmal auf MANOWAR‘schem Fremdschamniveau? Vielleicht. Aber sind wir mal ehrlich: Was kann es schöneres geben, als in der Frühabendsonne auf einem Festival seinen kühlen Hopfentrunk gen Himmel zu recken und genau dies mitzugrölen? Richtig – nicht viel!

(Mirko Pidde)

EQUILIBRIUM

Galerie mit 22 Bildern: Equilibrium - Rockharz 2018

Zu den Bands, die das Publikum nicht zweimal bitten müssen, gehören zweifelsohne EQUILIBRIUM. Sie müssen es nichtmal ein einziges Mal bitten, denn die Hände gehen schon nach oben, als nur die ersten Töne des Intros angespielt werden. Sänger Robse wird sogleich mit Jubel auf der Bühne empfangen. Mit zwei kahlen Bäumen als Deko hat sich die Band außerdem für eine schlichte, aber wirkungsvolle Optik entschieden. Mit „Prey“ starten sie dann in ein energiegeladenes Set, das den Headbangern des Rockharz einiges abverlangen wird. Heiß wird es aber erst mal für EQUILIBRIUM selbst. Um Haaresbreite scheinen die Musiker den losgehenden Pyros zu entkommen.

Zu „Heimat“ hüpft das Publikum flächendeckend und die Grabenschlampen haben einen Feuerwehrschlauch aufgetrieben, um die erhitzten Leiber der Fans zu kühlen. Das ist bei den Anstrengungen auch bitter nötig, denn weiter geht es unter anderem mit „Waldschrein“, „Blut im Auge“ und „Verbrannte Erde“. Wo es mit der Wall Of Death auf der vergangenen Tour noch nicht so gut geklappt hat, gibt es jetzt Dank Anzählens der Action keine Probleme mehr. Der Staub, der sich erhebt, spricht eine eindeutige Sprache.

Ein kleines Problemchen haben EQUILIBRIUM dann aber doch noch: Der geplante Rausschmeißer „Born To Be Epic“ (was sonst?) findet leider nicht mehr statt. Zu eng kalkuliert ist die Spielzeit. So wird „Apokalypse“ der letzte Song bleiben. Schade, denn man munkelt, die Band habe noch ein echtes Pyro-Highlight für den Abschluss geplant. Schön gewesen ist es am Ende aber natürlich trotzdem.

(Angela Queisser)

SODOM

Galerie mit 15 Bildern: Sodom - Rockharz 2018

Immer mal was Neues: SODOM benutzen als Intro sphärische Klänge, die mit Thrash Metal so gar nichts zu tun haben. Dann aber leiten die Ruhrpottler mit „The Conqueror“, gefolgt von „Sodomy And Lust“, direkt über ins Thrash-Massaker. Zu ersteren spendiert ihnen das Rockharz-Publikum dann auch gleich ersten, garantiert aber nicht die letzten Crowdsurfer des frühabendlichen Auftritts. Dass es bei SODOM ein bisschen weniger rundgeht als zu den Klängen von EQUILIBRIUM, sei dem Publikum verziehen, so richtig still steht hier schließlich auch niemand: Etliche Matten fliegen und rotieren, und egal, ob Tom Jubel, Pommesgabeln oder Ergänzungen von Songtiteln fordert („Outbreak Of?“ – „EVIL!“), er bekommt sie.

Die Setlist ist auf ältere Stücke ausgelegt, nur wenige Songs des heutigen SODOM-Auftritts sind lange nach 1989 entstanden. Das findet das Rockharz-Publikum cool und dankt es der Band durch engagiertes Mitmachen sowie ein ums andere Mal frenetischen Jubel. Ob „Agent Orange“, „Blasphemer“, „Remember The Fallen“ oder „Bombenhagel“, die Meute feiert die Songs, singt sie lautstark mit und lässt einen staubigen Circle Pit nach dem anderen rotieren. Schönes Ding, SODOM, und schönes Ding, Rockharz!

(Stephan Möller)

AMORPHIS

Galerie mit 24 Bildern: Amorphis - Rockharz 2018

Mit ihrem aktuellen Album „Queen Of Time“ haben AMORPHIS bekanntlich mal wieder richtig abgeräumt. Auch wenn die Vorab-Single „The Bee“ etwas gewöhnungsbedürftig war, so kommt das Stück live doch sehr viel besser als erwartet. Mit diesem Song eröffnet die Band nämlich ihr Set beim diesjährigen Rockharz. Auf Platte noch etwas zahm, hämmert es sich hier druckvoll in die Gehörgänge. Dass man sich auf eine Stunde Melo Death vom Feinsten freuen darf, wäre hiermit klargestellt. Vor allem die unverkennbare Stimme von Sänger Tomi Joutsen wird einen bis ans Ende des Sets nicht mehr loslassen.

„It’s good to be back“, läutet er „My Sacrifice“ ein, das von Winter, Frost und Schnee erzählt. Jeglichen Finnen-Klischees zum Trotz zeigt sich Tomi extrovertiert und schlägt geradezu mit dem Mikroständer um sich, wenn er nicht gerade singt. Mit „Silver Bride“ liefern AMORPHIS einen echten Klassiker, den auch all jene kennen dürften, die mit der Band sonst nicht so vertraut sind. Die wirklich mitreißende Melodie des Stücks ist eine, die man so schnell nicht vergisst. Tomis Growls kontrastieren die weiche Seite des Songs effektvoll. Diese Mischung aus heavy und melodisch haben nur wenige andere Bands derart perfektioniert.

Ab circa der Mitte des Sets nehmen AMORPHIS das Rockharz-Publikum dann mit auf eine kleine Zeitreise durch die Bandgeschichte. Zuerst gibt es mit „Bad Blood“, „Wrong Direction“ und „Daughter Of Hate“ noch Stücke vom aktuellen und vom vorletzten Album. Dann geht aber die Metalversion einer 90er-Party los. „Against Widows“ und „Cast Away“ haben beide schon über 20 Jahre auf dem Buckel. „Death Of A King“ haut im Anschluss noch mal richtig rein, bevor die Hymne „House Of Sleep“ das AMORPHIS-Set beendet. Letzterer Song ist so bekannt und beliebt, dass Tomi den Refrain noch nicht mal selbst singen muss. Das Rockharz-Publikum übernimmt es gerne für ihn.

(Angela Queisser)

SCHANDMAUL

Galerie mit 16 Bildern: Schandmaul - Rockharz 2018

Es drohte sich bereits bei der Autogrammstunde bei uns am Stand an – bei SCHANDMAUL sollte es voll werden! Nach einer gefühlten Ewigkeit spielt die Bayerische Folk-Rock-Institution endlich wieder im Harz und legt mit „Vor der Schlacht“ die Latte von Beginn an hoch. Beim anschließenden, liebgewonnenen Klassiker „Hofnarr“ beweist das Publikum eindrucksvolle Textsicherheit. Zum Lied „Bunt und nicht braun“ liefern SCHANDMAUL an diesem Festivaltag nicht das erste starke Statement für mehr Menschlichkeit und Toleranz, auch wenn es laut Sänger Thomas Lindner auf dem Rockharz nicht die richtige Zielgruppe trifft. Nichtsdestotrotz singt das Publikum mit starker Stimme mit und unterstreicht so die positive Botschaft des Liedes ebenso wie die tolle Lichtshow.

SCHANDMAUL hauen an diesem Abend aber auch einen Hit nach dem anderen raus. Der erste Song der Bandgeschichte, „Teufelsweib“ mitsamt lauten Fanchören, fehlt ebensowenig wie das kräftig rockende Sigfrid-Finale „Krieger“ und die Partyhymne „Der Teufel…“, wobei die Tanzeinlage des Publikums zu letzterem inklusive Zombie-Slowmotion sicherlich den optischen Höhepunkt des Abends bildet. Apropos „Tanzen“: Während sich am Anfang die Tanzfreudigkeit der Leute wundernswerterweise noch in Grenzen hält, gibt es spätestens zum Überhit „Walpurgisnacht“ kein Halten mehr. Im Harz ist das aber auch kein Wunder!

Bei anderen Bands rege ich mich herzlich gern über das ewige „Zugabe“-Gehabe auf. SCHANDMAUL sammeln da definitiv Sympathiepunkte. Wo andere Bands Minuten ins Land streichen lassen, bevor sie sich zu einer Zugabe bequemen, fragt die Band einfach, ob denn Interesse an einer solchen bestünde. Klare Sache: Das Rockharz will mehr! Da bis dahin noch keine einzige Schnulze erklang, wollen SCHANDMAUL diesen Fehler möglichst schnell korrigieren. Was passt da besser als „Dein Anblick“, bei dem nicht nur Gastviolinistin Ally (SUBWAY TO SALLY, ASPS VON ZAUBERERBRÜDERN, und und und…) bezaubernd schön Geige spielt, sondern auch das Publikum mitsingt als gäbe es kein Morgen? Egal, wie oft man diesen Song schon live gehört hat, er erzeugt immer einen wohligen Schauer. Besser kann ein Konzert wohl kaum enden.

(Matthias Weise)

POWERWOLF

Galerie mit 23 Bildern: Powerwolf - Rockharz 2018

Ein Jubiläum ist ein besonderer Moment, der besondere Bands verlangt. Eine solche für das ROCKHARZ ist sicherlich POWERWOLF. Die Band ist mit dem heutigen Auftritt bereits zum vierten Mal in Ballenstedt dabei. Nicht sonderlich viel in 25 Jahren, könnte man da meinen; allerdings existieren POWERWOLF erst seit dem Jahr 2003. Dass die Jungs aus Saarbrücken mittlerweile zu den aktuell am heißesten gehandelten Bands aufgestiegen sind, zeigt der Zuschaueransturm vor der Bühne deutlich – ein Headliner, der diesen Titel mehr als verdient hat. Die Besucher stapeln sich vor beiden Bühnen, um „Europas größter heiligen Heavy-Metal-Messe“ beizuwohnen. Es versteht sich von selbst, dass die Fans dabei aber nicht fromm und still wie in Kirchenbänken sitzen, was auch der fette Einstieg mit „Blessed And Possessed“ eindrucksvoll unterstreicht.

Die Party tobt ab dem ersten Song und endet erst nach dem letzten Ton. Allen voran Sänger Attila Dorn und Keyboarder Falk Maria Schlegel legen sich mächtig ins Zeug, dem Publikum auch zwischen den Songs Feuer unterm Hintern zu machen. Interaktionsspielchen hier und Sprechchöre dort sind eindeutiges Indiz für die ausgelassene Stimmung im Publikum. Dass die Show auch wirklich bis in die letzte Sekunde hinein durchprogrammiert und einstudiert ist, ist aufgrund der Qualität der POWERWOLF-Songs eher zweitrangig. Allein ein Blick in die Setlist zeigt, wie viele Hochkaräter die Saarländer in ihrer Bandgeschichte bereits angesammelt haben: „Werwolves Of Armenia“, „We Drink Your Blood“, „Sanctified With Dynamite“ und weitere heizen dem Publikum durchweg ein, sodass die Spannung zu keinem Moment abfällt. Bei „Resurrection By Erection“ fühlt sich eine Zuschauerin gar dazu verleitet, vermeintlich unbebobachtet zu überprüfen, ob im Schritt ihres männlichen Begleiters alles seine Ordnung hat.

In Kürze steht mit „The Sacrament Of Sin“ ein neues Album von POWERWOLF an, weshalb es nicht überrascht, dass das Quintett mit „Demons Are A Girl’s Best Friend“ und „Fire & Forgive“ gleich zwei Kostproben dabeihat, die sich auch nahtlos in die restlichen Songs einfügen. Den Abschluss besorgt dann aber eine mehr als erprobte Variante: „Lupus Dei“ mit mächtigem Pyroeinsatz stellt für den heutigen Tag ein letztes Mal unter Beweis, weshalb POWERWOLF zurecht den Headliner-Slot ausfüllen.

(Richard Mertens)

MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN

Galerie mit 15 Bildern: Mr. Hurley & Die Pulveraffen - Rockharz 2018

MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN – unserrre Lieblingspirrratenband aus dem karrribischen Osnabrrrück hat 2017 wohl einen derrrarrrt bleibenden Eindrrruck hinterrrlassen, dass man sie 2018 errrneut verrrpflichten musste. Werrr sich an das Konzerrrt im vorrrigen Jahrrr errrinnerrrt, derrr weiß, warrrum das eine grrroßarrrtige Entscheidung ist. Eskalation ist garrrantierrrt! Die wohl witzigste Folkband Deutschlands lädt uns errrneut ein, mit nach “Torrrtuga“ zu kommen, den Wirrrt mit dem Schlachtrrruf „Achtung, Ferrrtig, Prrrost“ zum Kapitän zu beförrrderrrn oder dem schlechtesten Koch derrr Welt zu huldigen, schließlich gibt es „Schrrrumpfkopf im Rrrrumtopf“. Hierrr gibt es von derrr errrsten Sekunde an eine fette Pirrraten-Parrrty, bei derrr des komplette Infield ausrrrastet.

Das rrrestliche Konzerrrt bietet alles, wofür man MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN kennt und liebt: Es wirrrd gepöbelt („Ach ja!?“ – Komma her!), Spacken auf die Backen gehauen („Mit’n Schwerrrrt“ natürrrlich) und das Publikum zu Volksmusik motivierrrt („Nüchterrrn“). Derrr nicht ganz so heimliche Starrr des Abends ist jedoch Pegleg Peggy, welche die Band durrrch ihrrren Einsatz am Bass neuerrrdings mit orrrdentlich Bumms verrrsorrrgt.

Zusammen mit ihrrren drrrei Brrrüderrrn brrringt sie den Harrrz zum Beben, Tanzen, Lachen und Feierrrn. Der ultimative Höhepunkt des Abends ist wohl das abschließende Medley aus Irrrish-Folk-Klassikerrrrn („Whisky In The Jarrr“ und ähnliches), allerrrfeinstem Trrrash („Barrrbie Girrrl“) und mit „Looking Forrr Frrreedom“ sogarrr einen politischen Megahit. Das Ganze gipfelt im legendärrren „Blau wie das Meerrr“, das unfassbarrr laut mitgesungen einen würrrdigen Abschluss bildet. MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN kommen nach wie vorrr grrroßarrrtig an und es würrrde wohl niemanden wunderrrn, wenn diese Band ab soforrrt jedes Jahrrr im Line-Up steht.

(Matthias Weise)

Galerie mit 99 Bildern: Rockharz 2018 - Autogrammstunden Donnerstag ab 16 Uhr

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17.07.2018

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