Summer Breeze Open Air 2026
Der große Festivalbericht

Konzertbericht

Billing: 200 Stab Wounds, Airbourne, Alcest, Alestorm, Alien Ant Farm, Amorphis, Arch Enemy, Betontod, Blackbraid, Bloodred Hourglass, Brainstorm, Brothers Of Metal, Brymir, Cryptopsy, dArtagnan, Deafheaven, Decapitated, Deicide, Der Weg Einer Freiheit, Deserted Fear, Dethroned, Die Habenichtse, Eisbrecher, Eivør, Erdling, Excrementory Grindfuckers, Fireborn, Fit For An Autopsy, Fulci, Future Palace, Grand Magus, Green Lung, Groza, Haggefugg, Hatebreed, Heavysaurus, Helloween, Hiraes, Haeresis, Illdisposed, Imminence, In Flames, Kadavar, Lamb Of God, Luna Kills, Manntra, Massive Wagons, Miracle Of Sound, Misery Index, Mittel Alta, Motorjesus, Municipal Waste, Mushroomhead, Nanowar Of Steel, Neckbreakker (ex-Nakkeknaekker), Orbit Culture, Our Promise, Paleface Swiss, Paradise Lost, Parasite Inc., Perchta, Phantom Corporation, Sanguisugabogg, Saor, Saxon, Soulfly, Skindred, Soen, Soulbound, Testament, The Butcher Sisters, The Ghost Inside, Thundermother, Thy Art Is Murder, Trollfest, Unprocessed, Urne, Versengold, Vulvarine, Warfield, Waves Like Walls, Wolves In The Throne Room, Wucan und Zerre
Konzert vom 12.08.2026 - 15.08.2026 | Flugplatz, Dinkelsbühl

Donnerstag, 13.08.2026

FULCI

11:30 – T-Stage

FULCI starten am Donnerstag bereits um 11:30 Uhr auf der T-Stage und liefern direkt den ersten Totalabriss des Tages. Ihr brutal groovender Death Metal ist für SUMMER BREEZE-Verhältnisse bemerkenswert kompromisslos und wirkt auf dem ansonsten stilistisch hippen Billing wie ein Fremdkörper. Die Italiener setzen nicht auf eine vorsichtige Annäherung, sondern auf maximale Wucht, Groove und brutale Death-Metal-Attacken.

Die Horrorfilm-Ästhetik ist dabei ein integraler Bestandteil des Bandkonzepts. Vor mehreren Songs werden kurze Filmintros und Dialog-Samples aus italienischen Horrorfilmen gezeigt, die den jeweiligen Song einleiten und immer wieder kleine cineastische Einsprengsel in das brutale Set bringen. Gleichzeitig dienen diese Sequenzen als kurze Verschnaufpausen für Band und Fans: Während der Samples können die Musiker ihre Instrumente stimmen oder etwas trinken, ohne dass die Spannung des Auftritts verloren geht. Dadurch wirken die Übergänge nicht wie künstliche Pausen, sondern wie ein organischer Teil der FULCI-Show.

Mit “Apocalypse Zombie” steht ein echter Klassiker im Set, der wie erwartet ordentlich einschlägt. Noch mehr Eindruck hinterlässt jedoch “Paura Che Uccide” von der aktuellen EP “Risorsero Dalla Tomba E Fu… L’Apocalisse!”. Der Song sitzt extrem tight, hat enormen Druck und entwickelt mit seinem eingängigen Refrain einen regelrechten Burner-Moment. Hier zeigt sich, dass Brutalität und Wiedererkennungswert bei FULCI bestens zusammenpassen.

Die Band spielt unbändig und mit einer Härte, die auf dem diesjährigen Festival tatsächlich neben SANGUISUGABOGG eine Ausnahme in puncto Brutalität darstellt. Zwischen Horrorfilm-Samples, brutalen Death-Metal-Attacken und wuchtigen Grooves bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. FULCI machen aus dem frühen Slot keine Aufwärmrunde, sondern reißen die T-Stage komplett ab. (OS)

Galerie mit 10 Bildern: Fulci - Summer Breeze Open Air 2026

GRAND MAGUS

14:20 – T-Stage

Mit 27 Jahren Bandbestehen sind GRAND MAGUS fast so alt wie das SUMMER BREEZE selbst und gehören mittlerweile zur gediegenen, gern gesehenen „Altherrenriege“ des Billings. Es dürfte bereits ihr sechster SBOA-Besuch sein und die Aussicht auf weniger moderne Klänge lockt trotz der Hitze ein ansehnliches Publikum vor die T-Stage.

Das schwedische Trio legt mit „I, The Jury“ los und setzt im weiteren Verlauf auf einen soliden Mix ihres Materials ab 2008. Mit „Skybound“, „Dawn Of Fire“ und „Ravens Guide Our Way“ streiten sie auf der sicheren Seite. (Frühere) Fan-Favoriten wie „Starlight Slaughter“, „The Hunt“ oder „Iron Will“ – das Sänger JB in einer Ansage zwar kurz antäuscht, dann aber links abbiegt – bleiben dieser Tage in der Schublade. Zumindest schlägt noch immer lautstark „Steel Versus Steel“ und sorgt für kämpferische Stimmung sowie Bewegung vor der Bühne.

JB Christofferssons markante Stimme setzt sich heute klar gegen die Backings von Basser Fox durch. Was war da los? Geschenkt. Es interessiert die Leute herzlich wenig, die ungeachtet des brennenden Planeten mitsingen und -feiern. GRAND MAGUS brauchen kein Riesenspektakel – ein paar starke Riffs, charakteristische Vocals und eingängige Refrains genügen, um Spaß zu haben.

Das finale „Hammer Of The North“ weckt mit seinem obligatorischen „Whohohooo“-Mitsingchorus noch einmal den Heavy-Metal-Teamgeist und setzt einen würdigen Schlusspunkt ans Ende des Sets. (SL)

Galerie mit 9 Bildern: Grand Magus - Summer Breeze Open Air 2026

RECTAL SMEGMA

15:10 – Wera Tool Rebel Stage

RECTAL SMEGMA liefern auf der Wera Tool Rebel Stage eine routinierte und präzise Live-Show ab. Das niederländische Trio ist seit rund 20 Jahren im Geschäft und entsprechend gut eingespielt. Ihr Grindcore kommt ohne Umwege aus: Kurze Songs, hohes Tempo, brutale Vocals und jede Menge Druck. Dabei sitzt jeder Break und jeder Einsatz, die Band gibt ordentlich Gas und wirkt jederzeit souverän.

Gerade diese Professionalität ist allerdings auch ein kleiner Schwachpunkt des Auftritts. Vieles läuft sehr kontrolliert und routiniert ab, wodurch das ganz große Überraschungsmoment ausbleibt. Das ist nicht unbedingt spektakulär, dafür stimmt die Ausführung bis ins Detail. Damit repräsentieren RECTAL SMEGMA die kompromisslose Underground-Seite des Festivals und liefern einen soliden, handwerklich präzisen Grindcore-Auftritt ab. (OS)

Galerie mit 12 Bildern: Rectal Smegma - Summer Breeze Open Air 2026

KIM DRACULA

16:10 – Main Stage

KIM DRACULA gehören zu den ungewöhnlichsten Acts des gesamten Festivals. Ihr Auftritt beginnt mit einem regelrechten Black-Metal-Gewitter, das zunächst an MARDUK erinnert, bevor sich musikalisch praktisch jede Tür öffnet. Industrial, Pop, elektronische Elemente, Metalcore, harte Breakdowns und unerwartete stilistische Wendungen prallen aufeinander. Was zunächst wie ein kontrollierter Genrewechsel wirkt, entwickelt sich schnell zu einem bewusst wirren Stilmix, bei dem KIM DRACULA vor allem eines vermeiden: musikalische Vorhersehbarkeit.

Für viele Altmetaller ist das eher großes „Vampirtheater“ als ein klassischer Metal-Gig. Die Breaks kommen teilweise völlig unvermittelt, extreme Vocals wechseln mit klaren oder fast opernhaften Gesangspassagen. Dazu kommen Saxofon, elektronische Sounds und eine Show, die stark auf visuelle Wirkung ausgerichtet ist. KIM DRACULA setzen dabei nicht auf eine klare musikalische Linie, sondern auf die Kontraste zwischen den einzelnen Elementen. Das kann überdreht und stellenweise geradezu absurd wirken, ist aber offensichtlich Teil des Konzepts. Der Auftritt ist deshalb auch über die reine Show hinaus interessant. KIM DRACULA zeigen ziemlich deutlich, wohin sich ein Teil der aktuellen Musikszene bewegt: Genregrenzen werden nicht mehr als feste Vorgaben verstanden, sondern als Material, das beliebig miteinander kombiniert werden kann. Dass dabei auch eine eigene Version von Lady Gagas „Paparazzi“ Platz findet, passt perfekt in dieses Szenario.

Mit klassischem Metal hat das allerdings nur noch sehr wenig zu tun. Der Auftritt ist weniger ein Metal-Gig als eine bewusst inszenierte Grenzüberschreitung zwischen Metal, Pop, Industrial und Performance. Das kann man als erfrischend, irritierend oder schlicht völlig überdreht empfinden. Der Unterhaltungswert ist bei KIM DRACULA garantiert – Irritationen und Unverständnis allerdings ebenfalls. (OS)

Galerie mit 25 Bildern: Kim Dracula - Summer Breeze Open Air 2026

SALTATIO MORTIS

18:35 – T-Stage (Surprise Show)

Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Surprise-Show auf dem SUMMER BREEZE – und dieses Mal hilft auch kein intensives Studium des Billings auf den aktuellen Festivalshirts, denn den offensichtlichsten Spoiler vermeiden die Veranstalter in diesem Jahr. Wer hingegen die Social-Media-Kanäle aufmerksam verfolgt, weiß, was ihm nun auf der T‑Stage blüht – für alle anderen ist das regenbogenfarbene Dudelsack-Banner, mit dem die Bühne zu Beginn verhängt wird, ein deutlicher Hinweis. Acht Jahre nach ihrem letzten Gastspiel in Dinkelsbühl geben sich SALTATIO MORTIS wieder einmal die Ehre! Im kommenden Jahr dürfen die Mittelalter-Rocker bereits wieder auf die Main Stage und das gewaltige Gedränge vor der T-Stage verdeutlicht, warum dies eine gute Idee ist.

Ob beim epischen Ritt von Frontmann Alea im gewaltigen Gummie-Drachenboot zu den Klängen von „My Mother Told Me“ oder beim Circle Pit um SUMMER-BREEZE-Maskottchen Mikey herum zu den Klängen von „Vogelfrei“ – das wilde Getümmel im Publikum wirbelt mächtig Staub auf, den sich die Band zwischen den Stücken immer wieder herzhaft von der Lunge hustet. So gestaltet sich dieser wilde Ritt als eine der intensivsten Shows des gesamten Festivalwochenendes und zeigt überdeutlich, warum Dudelsäcke zum Leidwesen aller Trveness-Wächter einen festen Bestandteil jedes großen Metal-Festivals darstellen. Absoluter Höhepunkt ist jedoch das überragende und schon beim Erscheinen 2024 zum Instant-Klassiker gewordene Über-Epos „Finsterwacht“, dessen integrierter Gänsehaut-Choral für die Kriegsgöttin Rondra aus tausenden Kehlen lautstark mitgesungen wird – ziemlich unwahrscheinlich, dass alle Mitsingenden überhaupt wissen, wem sie hier gerade Tribut zollen …

Doch sei’s drum, für gute Laune ist ein tieferes Textverständnis auch nicht notwendig. Dass SALTATIO MORTIS die pure Lebensfreude verströmen und darin doch ein unmissverständliches Zeichen für Vielfalt, Toleranz und ein solidarisches Miteinander setzen, wird nicht erst mit den entsprechenden Ansagen von der Bühne herab deutlich. Beim SUMMER BREEZE fällt diese klare Haltung natürlich auf fruchtbaren Boden und so wundert es nicht, dass sich die Band am Ende ihres fulminanten Triumphzuges sichtlich gerührt zeigt und Sänger Alea bei der Verabschiedung von den begeisterten Fans das eine oder andere Tränchen nicht verdrücken kann. Wir freuen uns bereits auf ein Wiedersehen vor der Main Stage im nächsten Jahr! (FS)

Galerie mit 23 Bildern: Saltatio Mortis – Summer Breeze Open Air 2026

SAXON

19:10 – Main Stage

Nachdem auf der Hauptbühne des SUMMER BREEZE am Donnerstagnachmittag vor allem modernere Klänge dominierten, öffnet sich jetzt ein erfrischend zeitloser Rahmen für das englische Heavy-Metal-Schlachtschiff SAXON. Sänger Biff Byford trifft den Punkt nicht nur sprachlich mit vielen Publikumsinteraktionen, sondern auch musikalisch: Der 75-Jährige und seine Mitstreiter wirken fast erschreckend frisch. Von Anfang an befindet sich die gesamte Band in ihrem Element – und genau das merkt man.

Die Setlist ist ein Abriss über fast fünf Jahrzehnte und fährt sowohl die frühen, noch stärker im Hard-Rock verankerten Jahre als auch die kommenden NWOBHM-Kracher auf. Highlights gibt es quasi ohne Unterbrechung: das möglicherweise stärkste Solo beim Stück über den Tod John F. Kennedys, „Dallas 1 P.M.“, das flotte „Motorcycle Man“ und die große epische SAXON-Seite bei „Crusader“.

Zwischendurch gelangen Hut und Kutte eines Fans Richtung Bühne. Bei „Denim And Leather“ greifen Byford, die Gitarristen und Bassist Nibbs Carter dahingehend zu und tragen die Kluften aus dem Publikum – die Betroffenen jubeln vor Freude. So entsteht eine lupenreine Old-School-Heavy-Metal-Party, die längst nicht nur bei der älteren Generation punktet. Beim Abschluss mit „Princess Of The Night“ liefern SAXON den Beweis, dass sie in der NWOBHM-Bundesliga absolut konkurrenzfähig sind und ihre Klassiker genau das liefern, worauf die Fans gehofft haben. (PO)

Galerie mit 12 Bildern: Saxon - Summer Breeze Open Air 2026

FIT FOR AN AUTOPSY

20:30 – T-Stage

Nach einem brütend heißen Tag ist auf dem SUMMER BREEZE inzwischen ein echter Staubkrieg ausgebrochen. Durch den Partikelschleier wirkt der Bereich vor der T-Stage wie in einer Endzeit-Nummer: Viele Anwesende binden sich Tücher vor das Gesicht, um die Atmung zu entlasten. Die US-Amerikaner FIT FOR AN AUTOPSY kontrastieren diese Vorsicht allerdings – ihr moderner, rifforientierter Deathcore aus New Jersey befeuert Circle Pits, Wall Of Deaths und generell Bewegung ohne Pause.

Erstaunlich ruhig bleibt dabei Schlagzeuger Josean Orta, der selbst bei schnellen Tempowechseln stoisch Kaugummi kaut. Frontmann Joe Badolato dagegen schaltet auf Vollgas. Als er mit „Hostage“ den Opener ihres aktuellen Albums „The Nothing That Is“ ankündigt, wirkt die Band vor allem spielfreudig. Man bekommt Grund zur Annahme, dass nach dem 2024er-Werk durchaus bald wieder Neues kommen könnte, da auch das eine oder andere neue Stück seinen Weg in die Setlist findet.

Musikalisch suchen FIT FOR AN AUTOPSY nicht nur den nächsten, möglichst brutalen Breakdown, sondern schreiben Songs mit Druck und Kontur – etwa „Heads Will Hang“. Dabei zeigt Badolato sein beachtliches Stimmvolumen, das er mühelos abrufen kann. Mit „Savior Of None/Ashes For All“ nimmt die Show langsam Fahrt in den Zielgeraden-Bereich auf: Die Sonne ist weg, doch im gleißenden Licht türmen sich die Staubschwaden weiter – da die Amis tatsächlich Schutt und Asche hinterlassen. (PO)

Galerie mit 26 Bildern: Fit For An Autopsy – Summer Breeze Open Air 2026

EISBRECHER

21:15 – Main Stage

Donnerstagabend bringen EISBRECHER einen kühlen Hauch auf die Main Stage des SUMMER BREEZE. Das Infield ist sehr gut gefüllt und die Zuschauermasse summt vor freudiger Erwartung. Die erfüllt die Band auch direkt und steigt mit „Everything Is Wunderbar“ und „Himmel, Arsch Und Zwirn“ deftig ein. Fronter Alexx stellt dann auch passend fest, dass es nicht wichtig ist, wo man herkommt, sondern dass man mit den richtigen Leuten am richtigen Ort ist, so wie heute hier auf dem SUMMER BREEZE. Und da am Ende eh alles kommt, wie es kommt, geht es gleich mit „So Oder So“ weiter.

Es folgt ein routinierter Auftritt, der die Zuschauermenge bis in die letzten Reihen in Bewegung bringt und zum Tanzen animiert, obwohl jedem der Staub und die Hitze des Tages noch in den Knochen sitzen. Das Publikum hat sogar noch die Energie, den Überraschungsauftritt von Legende JOACHIM WITT zu feiern, der für einen Gastbeitrag zum Song „Zeitgeist“ auf die Bühne kommt und mit EISBRECHER zusammen abrockt. Alexx Wesselsky verabschiedet JOACHIM WITT mit „Schau sie dir an, die Metalgemeinde“ und merkt belustigt an, dass er mit dessen silberner Haarmähne wohl nicht mehr wird konkurrieren können. Danach stellt der Fronter die Frage, was ein Mann braucht, „um in der Welt des Rock und Metal bestehen zu können“, und kommt zu dem Schluss: Auf jeden Fall die Grabenschlampen! Dann die Malteser und die Feuerwehr, denn „ohne die geht hier gar nix, ich könnte zur Not jetzt hier ganz entspannt einen Herzinfarkt kriegen“.

Die Aufzählung geht weiter mit „geiles Wetter und einen Jürgen!“. Woraufhin dieser sich mit seiner Akustikgitarre dazugesellt. Hierbei stellt Fronter Alexx dann ganz unromantisch fest, dass er LED-Lichter hasst. „Könntest du bitte dein grauenhaftes LED-Licht ausmachen, das blendet mich!“, bittet er einen Zuschauer und stellt fest, dass er LED-Lichter insgesamt „scheiße findet“ und lieber altmodisch die Raucher ihre Feuerzeuge hochhalten sieht. „Wie vorhin Biff Byford von SAXON schon erzählt hat, so haben wir in den Achtzigern Musik gemacht, und das klingt dann so!“ Woraufhin ein kurzer akustischer Abstecher folgt mit einer Akustikversion von „Miststück“, nur begleitet auf der Gitarre von Gitarrist Jürgen Plangger und romantisch rot beleuchtet.

Mit „Sturmfahrt“ und „Auf Die Zunge“ treten EISBRECHER das Gaspedal dann wieder voll durch. Für „Auf Die Zunge“ kommt sogar noch ein Überraschungsgast auf die Bühne: Frank Herzig von SCHATTENMANN. Direkt danach gibt es die volle Dröhnung für Bayern-Fans (nicht des Vereins, des Freistaats). „This Is Deutsch“ bekommt ein Intro aus bayerischer Marschmusik, bayerischer Flagge, bayerischem Steingutkrug und eine Ansage in bairischer Mundart.

Es folgen „FAKK“, „Zwischen Uns“, „Was Ist Hier Los“ und „Verrückt“, bevor EISBRECHER mit „Out Of The Dark“ von Falco, für das Frank Herzig von SCHATTENMANN und JOACHIM WITT noch einmal auf die Bühne kommen, einen kurzweiligen und sehr unterhaltsamen Auftritt beenden, der bis zum Ende das Publikum auf dem bis zum Schluss proppenvollen Infield bewegt und begeistert hat. (SS)

Galerie mit 24 Bildern: Eisbrecher - Summer Breeze Open Air 2026

CRYPTOPSY

21:35 – Wera Tool Rebel Stage

Immer wenn die Kanadier eine Bühne malträtieren, sind ein paar erquickliche Momente garantiert. Immerhin bekommt Frontmann McGachy die Symbiose aus tiefsten Growls und High Screams immer noch perfekt hin. Anders als sein Genre-Kollege Benton. Aber auch sonst walzen sich CRYPTOPSY erbarmungslos durch ihre Diskografie. Oder fast. Heute finden sich auf der Setlist ausschließlich Songs von den beiden ersten („Blasphemy Made Flesh“, „None So Vile“) und den beiden letzten („As Gomorrah Burns“, „An Insiatible Violence“) Alben, wobei insbesondere das Referenzalbum „None So Vile“ geehrt wird.

Wir haben mächtig Spaß, als „Slit Your Guts“ und „Crown Of Horns“ in die heiße Nacht entlassen werden, und während ein halbgarer Circle Pit für Staublungen sorgt, knallt der Sound so richtig schön dick von der Bühne. Ganz am Anfang beglücken uns CRYPTOPSY bereits mit „Serial Messiah“ und beenden ein furioses Set mit „Malicious Needs“ vom aktuellen Tonträger. Das war… spitze! (OD)

Galerie mit 21 Bildern: Cryptopsy – Summer Breeze Open Air 2026

MUSHROOMHEAD

22:25 – T-Stage

Gemessen an der Zuschauermenge Donnerstagnacht vor der T-Stage haben viele Zuschauer den ersten Auftritt von MUSHROOMHEAD schon lange sehnsüchtig erwartet. Die neun Musiker, die vom visuellen Konzept sehr an SLIPKNOT erinnern, legen nach einem kurzen Intro zu „Sponge Bob Schwammkopf“ auch direkt mit Extraenergie und „Eye To Eye“ los.

Das Publikum bekommt eine dynamische Show geboten, die sehr von der visuellen Inszenierung mit den zwei von innen rot beleuchteten Percussionkits links und rechts auf der Bühne und den Kostümen und Masken lebt. Die Percussions werden abwechselnd entweder von den beiden Gitarristen als Podest benutzt oder von Trommlern bespielt, wobei die nassen Schlagfelle durch die Beleuchtung einen extra Kick in die Optik der Performance zaubern.

Musikalisch ist die Show leider jedoch kein großes Highlight und versumpft eher im Einheitsbrei. MUSHROOMHEAD lassen immer dann aufhorchen, wenn Sängerin Jackie LaPonza zum Mikro greift, und das tut sie leider viel zu selten in dem einstündigen Slot. Trotzdem kann sich die Band aus Cleveland, die an diesem Abend Songs wie „Qwerty“, „Heresy“ oder „Madness Within“ spielt, über rege Beteiligung aus dem gut gefüllten Zuschauerbereich und etliche Crowdsurfer:innen freuen. MUSHROOMHEAD beenden den Abend mit „Empty Spaces“ und „Born Of Desire“, und Shouter Waylon Reevis wirft sich vor Begeisterung als Schlussakkord in den letzten Tönen des Songs mit Schwung direkt in die ersten Reihen im Publikum. (SS)

Galerie mit 25 Bildern: Mushroomhead - Summer Breeze Open Air 2026

AMORPHIS

23:25 – Main Stage

AMORPHIS machen 2026 die „Zehn“ voll. Die Finnen stehen seit 2001 regelmäßig auf den Bühnen des SUMMER BREEZE, was angesichts ihrer konstanten, mehr als 30-jährigen Präsenz im Metaluniversum wohlverdient ist.

Am späten Donnerstagabend gehört ihnen einmal mehr die Main Stage, die sie initial mit „Bones“ vom aktuellen Album „Borderland“ erschüttern. Auf ihrer jüngsten Scheibe liegt verständlicherweise ein gewisser Fokus, was bei 70 Minuten Spielzeit vs. 15 Platten zwangsläufig zulasten einiger Phasen/Alben der Bandgeschichte geht.

Aber Fans der ersten Stunden bekommen feuchte Augen, als das Intro von „The Castaway“ erklingt – zusammen mit dem verpflichtenden „Black Winter Day“ sind das die ältesten Stücke des heutigen Sets. Sänger Tomi Joutsen verströmt (ganz unfinnisch) eine unbändige Energie, die das Publikum allerdings etwas zögerlich zurückgibt. Mit ein wenig Animation klappts dann doch. Bei „Silverbride“ und insbesondere beim All-Time-Fave „House Of Sleep“ köcheln die Gemüter im reichlich gefüllten Infield garantiert hoch. Hier sind die Anwesenden auch absolut textsicher.

Auf der Bühne passiert optisch viel – eine stimmige Light- und Videoshow taucht die Main Stage in wechselnde Bilder und Farben, wobei Blau mit Abstand dominiert. Der übergroße Vogelschädel, der vor einer Woche beim Party.San noch als starres Bühnenaccessoire für Stirnrunzeln sorgte, enthüllt jetzt als Teil des visuellen Konzepts seinen Zweck.

Musik, Licht und Projektionen greifen perfekt ineinander und in diesen Momenten zeigt sich das Potenzial aufwändiger Produktionen: Aus der „bloßen“ Festivalshow wird eine atmosphärische Inszenierung, die im Gedächtnis bleibt. (SL)

Galerie mit 27 Bildern: Amorphis – Summer Breeze Open Air 2026

GROZA

23:30 – Wera Tool Rebel Stage

Wir sind große GROZA-Fans und begeben uns mit einem größeren Trupp von Redaktionsmitgliedern zur Wera Tool Rebel Stage, auf der uns die Musiker mit ihren verhüllten Masken empfangen. Doch nicht nur wir scheinen dem Ruf der Band gefolgt zu sein, sondern auch zahlreiche andere SUMMER-BREEZE-Besucher:innen, die es vor der Bühne schnell sehr voll werden lassen. Vom letzten Album „Nadir“ bekommen wir „Asbest“ als Opener serviert, der gleich klarmacht, dass heute Abend soundtechnisch absolut alles sitzt.

Man hat zudem das Gefühl, dass die Band neben ihrer spielerischen Klasse auch die perfekte Mischung aus verhüllten Gesichtern beziehungsweise Maskerade und dennoch echter Interaktion mit dem Publikum hinbekommt – etwas, das bei den großen polnischen Vorbildern so wohl niemals vorkommen würde. P.G. erhebt zum Abschluss die Flasche Wein auf den verstorbenen ehemaligen GROZA-Bassisten Mike und hinterlässt damit einen tiefen, emotionalen Eindruck bei den Fans. (MS)

Galerie mit 25 Bildern: Groza - Summer Breeze Open Air 2026

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04.09.2026

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