Summer Breeze Open Air 2026
Der große Festivalbericht

Konzertbericht

Billing: 200 Stab Wounds, Airbourne, Alcest, Alestorm, Alien Ant Farm, Amorphis, Arch Enemy, Betontod, Blackbraid, Bloodred Hourglass, Brainstorm, Brothers Of Metal, Brymir, Cryptopsy, dArtagnan, Deafheaven, Decapitated, Deicide, Der Weg Einer Freiheit, Deserted Fear, Dethroned, Die Habenichtse, Eisbrecher, Eivør, Erdling, Excrementory Grindfuckers, Fireborn, Fit For An Autopsy, Fulci, Future Palace, Grand Magus, Green Lung, Groza, Haggefugg, Hatebreed, Heavysaurus, Helloween, Hiraes, Haeresis, Illdisposed, Imminence, In Flames, Kadavar, Lamb Of God, Luna Kills, Manntra, Massive Wagons, Miracle Of Sound, Misery Index, Mittel Alta, Motorjesus, Municipal Waste, Mushroomhead, Nanowar Of Steel, Neckbreakker (ex-Nakkeknaekker), Orbit Culture, Our Promise, Paleface Swiss, Paradise Lost, Parasite Inc., Perchta, Phantom Corporation, Sanguisugabogg, Saor, Saxon, Soulfly, Skindred, Soen, Soulbound, Testament, The Butcher Sisters, The Ghost Inside, Thundermother, Thy Art Is Murder, Trollfest, Unprocessed, Urne, Versengold, Vulvarine, Warfield, Waves Like Walls, Wolves In The Throne Room, Wucan und Zerre
Konzert vom 12.08.2026 - 15.08.2026 | Flugplatz, Dinkelsbühl

Freitag, 14.08.2026

ZERRE

12:20 – Wera Tool Rebel Stage

Die Würzburger ZERRE sind spätestens mit dem grandiosen „Rotting On A Golden Throne“ kein Geheimtipp mehr. Umso mehr erfreut es uns, dass sie am heutigen Freitag die Wera Tool Rebel Stage eröffnen dürfen. Stilsicher in Hot-Pants, Gym-Shorts oder Skinny-Jeans präsentiert die Band ihren geilen Crossover- und Thrash-Metal-Sound dem Publikum, welches nach spätestens drei Songs kein Halten mehr kennt und fleißig den Sand durch Moshpits aufwirbeln lässt.

Der kurzzeitige Ausfall der Gitarre sorgt zwar für einiges an Frust, wird aber durch den Griff zu einem Ersatzmodell sowie noch schnelleres und aggressiveres Spiel sofort kompensiert. Mit „Concrete Hell“ gibt es dann auch den absoluten Kracher des letzten Outputs, der von einigen Maniacs sicher mitgesungen wird. Trotz sengender Hitze und technischer Probleme liefern Zerre einen Auftritt ab, der durch Hingabe, Hardcore-Energie und Vibes vollends überzeugt. (MS)

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BROTHERS OF METAL

15:00 – Main Stage

Die ordentliche Zuschauermenge, die deutlich bis hinter den FOH-Turm reicht, deutet am Freitagnachmittag vor der Main Stage darauf hin, dass die nächste Band schon sehnsüchtig erwartet wird. Entsprechend betreten BROTHERS OF METAL unter röhrendem Jubel die Bühne und legen, der Hitze und Sonne zum Trotz, direkt mit „Fimbulvinter“ los.

Für diesen Auftritt wurde über die sozialen Medien ein vom gemeinnützigen Verein Metality veranstalteter inklusiver Rollstuhl-Circlepit angekündigt. Der Ansage von Frontmann Mats Nilsson nach, soll beim dritten Song „Hel“ ein Circle Pit veranstaltet werden, zu dem er ein bisschen unbestimmt zur rechten Fläche vor der Bühne deutet: „I have seen some guys in wheelchairs there.“ Uneingeweihte werden aber leider nicht wirklich verstanden haben, worum es hier geht, denn diese etwas wurschtige Aussage in Verbindung mit der Ankündigung des Circle Pits macht ohne den nötigen Zusammenhang keinen Sinn und hätte man zu diesem Zweck effektiver gestalten können. Was schade ist, denn es handelte sich hier tatsächlich um den allerersten Rollstuhl-Circle Pit des SUMMER BREEZE. Wir setzen einfach voraus, dass der Sänger nicht alle notwendigen Info zur Verfügung hatte.

Dies bleibt jedoch auch der einzige Kritikpunkt eines ansonsten triumphalen Auftritts, der keine Wünsche offen lässt. Die versammelten Zuschauer machen trotz glühender Hitze brav alles mit, was Mats Nilsson von ihnen fordert, und erweisen sich zudem als erstaunlich textsicher. Die Dreiviertelstunde Spielzeit ist schneller um, als man sich gefühlt einmal umdrehen kann, was auch an den vielen zotigen Witzen von Mats Nilsson liegt. Ob nun ein „Flirt“ auf Deutsch mit einem der Kameramänner oder ein kleiner Exkurs zum Thema „Richtig, und vor allem auf Schwedisch prosten“ – er lässt nichts aus. Die ersten Crowdsurfer:innen fliegen ab „Ride Of The Valkyries“ über die Menge, und erst bei der inoffiziellen Bandhymne „Yggdrasil“ wird es ein bisschen ruhiger. Dafür aber umso emotionaler, was sich an den feuchten Augen von Sängerin Ylva zeigt, die sich nach dem Song sichtlich bewegt bei den Zuschauern bedankt, die eifrig und laut jedes Wort mitgesungen haben.

Der Auftritt endet mit „Defenders Of Valhalla“ und einem ebenso emotionalen Mats Nilsson, der den „Peasants Of Summer Breeze“ freudestrahlend mitteilt, er habe zwanzig Minuten vor dem Auftritt die Nachricht erhalten, dass er Vater eines kleinen Jungen wird. Wir gratulieren von Herzen! (SS)

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SPEED

15:45 – T-Stage

Selten wurde ein Hardcore-Act wie die Australier SPEED innerhalb von derart kurzer Zeit so groß. Die Band wurde erst 2019 gegründet und hat derweil nur ein vollwertiges Album im Gepäck. Trotzdem schafften sie es, sich heimlich an vielen Konkurrenten vorbeizuschieben und auf den Hauptbühnen der Welt anzukommen. Frontmann Jem Siow wirkt an diesem Freitagmittag begeistert von diesem Tempo und nimmt seinen Stolz darüber ernst. Er kommentiert etwa, wie wahnsinnig er es findet, mit wenigen Sprachkenntnissen plötzlich nach Deutschland reisen zu dürfen. Fast schon Tradition bildet hingegen der erste Flöteneinsatz Siows, bevor breitbrüstige Hardcore-Wände Staub aufwirbeln.

Musikalisch orientiert sich das Quintett an Szene-Klassikern wie AGNOSTIC FRONT oder TERROR, bricht das eher starre Genre jedoch mutig auf, ohne seinen Kern zu verlieren. Siows Gesang kippt zeitweise fast in Richtung Hip-Hop oder Rap, gestützt von einem passenden instrumentalen Flow, ehe wieder Breakdowns für die volle Breitseite sorgen. Während der Show übernimmt Bruder Aaron gelegentlich das Mikrofon, wobei Jem in Richtung Bass wechselt. (PO)

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THE GHOST INSIDE

17:40 – Main Stage

Zeit, Metalcore-Herzen höher schlagen zu lassen – und zugegeben, den Staub noch mehr aufzuwirbeln. Dass THE GHOST INSIDE auf deutschen Festivalbühnen eher seltene Gäste sind, zeigt sich auch am Publikumsandrang. Es ist schon besonders, den Fünfer, der 2015 nach einem schweren Busunglück jahrelang pausieren musste, heute auf der Mainstage zu sehen. Dass Band und Publikum mächtig Bock aufeinander haben, wird direkt beim Opener „Avalanche“ klar. Trotz brutzelnder Sonnenstrahlen können die ersten Reihen dieser Energie kaum widerstehen – die ersten Pits lassen entsprechend nicht lange auf sich warten.

THE GHOST INSIDE spielen danach genau das aus, was sie so stark macht: Kantige Hardcore-Töne, melodische Zwischenparts und starke Refrains, bevor die Zügel immer wieder angezogen werden und der nächste Uptempo-Part die Staubkörner in die Luft wirbelt. Dass trotz der spätnachmittäglichen Hitze bei Tageslicht Pyros zum Bühnenbild gehören – geschenkt. Nettes Beiwerk, aber schwitzig genug ist die Angelegenheit hier eh schon. Sei’s drum, THE GHOST INSIDE liefern einen Querschnitt durch ihre Geschichte: „Going Under“ (von „Searching For Solace“, 2024) und „Dear Youth“ (vom gleichnamigen 2014er-Album) finden sich ebenso in der Setlist wie „Dark Horse“ (von “Get What You Give“, 2012).

Emotionales Highlight ist und bleibt aber „Aftermath“, die erste Single nach dem tragischen Unglück. Schon die Song-Ansage von Fronter Jonathan Vigil lässt das Herz schwer und leicht zugleich werden. Und das setzt sich während des Songs fort: Im Hintergrund wird das Video zum Song mit Bildern aus der Reha und liebevollen Fan-Nachrichten gezeigt. Das trifft. Doch THE GHOST INSIDE belassen es nicht bei der Schwere, sondern drehen die Stimmung Stück für Stück ins Positive. So wird aus einer gewissen Beklemmung schnell eine spürbare Lebensfreude, die sich rasant aufs Publikum überträgt.

Bleibt festzuhalten: Es ist wundervoll, dass sich THE GHOST INSIDE zurückgekämpft haben und heute wieder auf der Bühne stehen – denn sie machen hier ziemlich unmissverständlich klar: Sie gehören zum Besten, was das Genre zu bieten hat! (JW)

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DEICIDE

18:35 – T-Stage

Die Sonne steht tief, ein dunkler Schatten legt sich vor die T-Stage. Der Fürst der Finsternis ist mit DEICIDE und ihren Anhängern. Oder hat doch Gott Erbarmen mit den in überschaubarer Anzahl versammelten Fans, deren Durchschnittsalter vor der Bühne nun erwartungsgemäß höher liegt? Jedenfalls ist das natürlich passend für den blasphemischen Death Metal voller Bösartigkeit in Wort und Klang.

DEICIDE überraschen wenig und hämmern mit einer derartigen Wucht ihren authentischen, kompromisslosen Old School Death in das Feld. Zumindest instrumental können die Amerikaner auch mit dem Druck moderner Kollegen noch mithalten. Steve Asheim ist ein Hexer hinter den Kesseln mit seinem wilden, alles niedertrümmernden und gleichzeitig versierten Schlagzeugspiel. Auch die brutal sägenden Riffs und Soli sitzen präzise, ein eingespieltes Abriss-Geballer. Oberbösewicht Glen Benton müht sich sichtlich ab, seine Growls sind aber nicht mehr ganz so deftig wie in der Vergangenheit. Dafür freuen wir uns über die wunderbar gottlosen Screams. Dabei schaut er mit starrem Blick immer wieder gen Himmel, dorthin, wo der Feind sitzt. Herrlich, dieser plakative Satanismus.

Die Fans brauchen eine Weile, bis sie auftauen, was dann insbesondere bei Klassikern wie „Dead By Dawn“, „Sacrificial Suicide“, „Once Upon The Cross“, „Serpents Of The Light“ oder dem mit einem „Lämmer“-Intro eingeleiteten „Satan Spawn, The Caco-Daemon“ der Fall ist. DEICIDE haben Lust, ihre extreme Kunst zu präsentieren, und konzentrieren sich auf einen guten Querschnitt durch ihre Alben statt auf viel Interaktion mit uns. Die einzige Ansage lautet: „Thank you, it’s good to be here! We have a few more!“. Mehr braucht es nicht, um uns glücklich zu machen. (ME)

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LAMB OF GOD

19:10 – Main Stage

LAMB OF GOD brauchen keine lange Anlaufphase: Kaum betreten die US-Amerikaner die Bühne, verwandelt sich die Main Stage in einen wuchtigen Groove-Metal-Kessel. Die ersten Takte von „Ruin“ treffen auf ein lautstarkes „LAMB OF GOD!“ aus der Menge – der Headliner ist angekommen.

Von Beginn an macht die Band deutlich, dass sie heute nicht mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Jeder Schlag sitzt, die Gitarrenriffs kommen mit ordentlich Druck und Randy Blythe sorgt mit seinem markanten Gebrüll dafür, dass vor der Bühne keine Langeweile aufkommt. Der Frontmann ist dabei ständig in Bewegung und schwingt sein Mikrofon beinahe wie ein Lasso durch die Luft. Vor der Bühne fliegen derweil die Haare. LAMB OF GOD präsentieren sich spielfreudig und drücken ordentlich aufs Tempo. Lediglich während des Gitarrensolos bei “Grace“ bekommt das Publikum kurz die Gelegenheit, Luft zu holen. Haare sortieren, Schweiß abwischen, vielleicht noch eine Portion Deo – dann geht es auch schon weiter. Als Blythe die Fans auffordert, ihre Hände in die Höhe zu strecken, schießen unzählige Arme nach oben. Das SUMMER BREEZE lässt sich natürlich nicht lange bitten und antwortet mit entsprechendem Lärm. Der Sänger bedankt sich bei den Fans, die trotz der sommerlichen Temperaturen vor der Bühne ausharren und den Abend gemeinsam mit der Band feiern.

“Take a walk with me“, fordert Blythe wenig später. Die Einladung wird mit “Walk With Me In Hell“ musikalisch umgesetzt. Gleichzeitig wird es vor der Bühne tatsächlich noch heißer: Feuerfontänen schießen in die Höhe und sorgen besonders in der ersten Reihe für zusätzliche Temperaturen. Wer dort steht, bekommt neben der Musik also gleich noch eine ordentliche Portion Hitze ab. Auch die Crowdsurfer:innen haben an diesem Abend Hochkonjunktur. Fast im Minutentakt geht es über die Köpfe der Menge hinweg in Richtung Graben. Besonders kurios wird es, als sich sogar einige Doppeldecker-Crowdsurfer:innen durch das Publikum bewegen und damit für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen.

Bei der Songauswahl setzen LAMB OF GOD auf bewährte Qualität statt auf große Experimente. Die Setlist verbindet ältere Abrissbirnen mit neueren Songs und bietet damit einen Querschnitt durch die Bandgeschichte. Von “Laid To Rest“ bis “Memento Mori“ ist für Fans verschiedener Schaffensphasen etwas dabei. Wer auf große Überraschungen gehofft hat, wird allerdings nicht unbedingt fündig. LAMB OF GOD bleiben an diesem Abend weitgehend in ihrer Komfortzone. Das ist allerdings keineswegs ein Nachteil, denn die Band weiß genau, welche Zutaten bei ihrem Publikum funktionieren. Die US-Amerikaner müssen das Groove-Metal-Rad schließlich nicht neu erfinden. Stattdessen liefern sie eine souveräne Mischung aus druckvollen Riffs, wuchtigem Groove, jeder Menge Pyrotechnik und einer routinierten Headliner-Show. Damit sorgen LAMB OF GOD für einen gelungenen Abend an der Mainstage und geben dem Publikum genau das, wofür es gekommen ist. (JG)

Galerie mit 30 Bildern: Lamb Of God – Summer Breeze Open Air 2026

PERCHTA

20:30 – Campsite Circus

Der Staub-Peak des Festivals ist erreicht. Durch dichten Erdnebel begeben wir uns zum jenseits des Hauptgeländes liegenden Campsite Circus, auf dem PERCHTA zu noch etwas zu heller Sonnenuntergangsstunde ihren österreichischen Folk Black Metal zum Besten geben. Doch Frontfrau Frau Percht entzieht bereits mit ihrem ersten, markerschütternden Schrei nach den ersten Tönen von “Ois wås ma san“ dem Tageslicht die Macht.

Vor uns entfaltet sich ein düsteres Schauspiel, voller Gestik und Mimik und tiefgreifenden Texten zu Missbrauch, Menstruation und Mutterschaft. Weit aufgerissene, schwarze Augen und Mund, schwarze, klauenartige Finger die sich dem Nebel entgegenrecken, eskalierende Black-Metal-Parts und in ihrer Melodie fesselnde Hackbrett- und theatralische Sprech-Passagen wie „Summa“. Das aktuelle Album „D’Muata“ nimmt eine tragende Rolle ein und wird Songs wie „Vom Verlånga“, dem elegisch-verstörenden „Långtuttin & Stampa“ und dem episch-tragenden “Hebamm“. Ein maximal bewegender Einstieg in die kühlende Nacht. (SZ)

Galerie mit 16 Bildern: Perchta - Summer Breeze Open Air 2026

ARCH ENEMY

21:15 – Main Stage

Pünktlich um 21:15 Uhr erklingen Sirenen aus den Lautsprechern vor der Main Stage. Das Infield platzt aus allen Nähten. Die Erwartungen sind hoch, wenn auch teilweise mit gemischten Gefühlen seitens der Crowd. Der rote Vorhang fällt. ARCH ENEMY präsentieren mit „Yesterday Is Dead And Gone“ ihre neue Frontfrau Lauren Hart, die heute ihre SBOA-Premiere feiert.

Was folgt, ist eine energiegeladene Abrissshow ohne überraschende Spitzen. Hart erobert die Bühne ab der ersten Sekunde. Mit scheinbar grenzenloser Power wirbelt sie über die überwiegend rot beleuchtete und in Flammen gehüllte Stage. Dabei wird schnell klar: Hart setzt neue Akzente, was nicht nur an ihren kraftvollen Growls liegt. Nach einem ausufernden Bällebadregen zu „War Eternal“ stellt sich Lauren auf Deutsch vor. Mit den Worten „Hallo, ich bin Lauren und ich bin neu hier.“ Mit dieser sympathischen Ansage kündigt sie die aktuelle Single „To The Last Breath“ an. Danach folgt ein besonderer Leckerbissen: Mit „Dead Bury Their Dead“ kredenzen ARCH ENEMY einen Klassiker vom ersten Album, den sie schon lange nicht mehr live performt haben. Als schließlich „We Will Rise“ und „Nemesis“ zum Abschluss des Sets erklingen, gibt es kein Halten mehr. Das Publikum feiert die Schweden mit voller Kraft bis zur letzten Sekunde.

Trotz anfänglicher Skepsis gelingt Lauren Hart mit ARCH ENEMY ein überzeugendes Debüt. Spätestens nach den ersten Songs wird klar: Die neue Frontfrau hat ihren Platz auf der Bühne gefunden. (BH)

Galerie mit 29 Bildern: Arch Enemy – Summer Breeze Open Air 2026

ILLDISPOSED

21:35 – Wera Tool Rebel Stage

Wir erreichen den überdachten Vorplatz der WT Rebel Stage gerade rechtzeitig, um das QOTSA-ähnliche Radiointro für die anstehende Show der dänischen Death-Metal-Veteranen mitzubekommen. Der Auftakt kommt mächtig, die Erscheinung von Sänger Bo Summer (auf das Schenkelklopfer-Wortspiel zur Veranstaltung verzichten wir an dieser Stelle) ist obercool und der Sound drückt ordentlich aus den Speakern. Da bleibt kein Auge im Publikum trocken. Schon alleine wegen der erneut aufgewirbelten Staubkörner nicht, die sich unerbittlich unter den Lidern und auf den Schleimhäuten festsetzen.

ILLDISPOSED geben parallel einen kurzen Überblick über ihr bisheriges Lebenswerk und streifen die beiden letzten Alben („Reveal Your Soul For The Dead“, „In Chambers Of Sonic Disgust“) mit jeweils einem Song, zitieren die spätere Anfangsphase der Band („The Prestige“, „1-800 Vindication“) großzügiger und haben immer noch Platz für die Mitte. Ein anständiges Set also, dass auch ILLDISPOSED-Debütant:innen einen guten Überblick über die Musik der Dänen ermöglicht. (OD)

Galerie mit 24 Bildern: Illdisposed – Summer Breeze Open Air 2026

DER WEG EINER FREIHEIT

22:25 – T-Stage

Eine Sache vorneweg: Es ist hervorragend, dass immer mehr Post- und Black-Metal-Bands ihre Bühne überwiegend von unten beleuchten, statt die Strahler von oben zu nutzen. Ein Bühnenelement, dass nicht zu unterschätzen ist und auch zur Atmosphäre der heutigen DER-WEG-EINER-FREIHEIT-Show beiträgt. Das Quartett, für das es beinahe ein Heimspiel ist, erlebt heute gewaltigen Zuspruch. Dicht gedrängt steht das Publikum vor der T-Stage – bis in die hintersten Reihen. Gedankt wird es den Gästen mit einem Auftritt, der die fantastische Entwicklung der Band unterstreicht.

Die Bäume im Hintergrund, die – ich wiederhole mich gerne – grandiose Lichtshow und ein fulminanter Sound erzeugen ein Setting, in dem eigentlich alles stimmt. Ein Set, das zum Träumen, Versinken oder einfach nur Staunen einlädt. “Marter“ markiert den Start und geht nahtlos in “Xibalba“ über, worauf das grandiose “Immortal“ folgt. Bei diesem singt Nikita Kamprad im Gegensatz zur Studioversion den Klargesang selbst und sorgt damit für einen der Gänsehautmomente des Festivals.

Gänsehaut ist ohnehin das Stichwort. Heute stimmt einfach alles. Und als die letzten Klänge von “Forlorn“ verklingen, muss man sich ob dieser Klasse erst mal schütteln. Ein denkwürdiger Auftritt! (JW)

Galerie mit 14 Bildern: Der Weg Einer Freiheit - Summer Breeze Open Air 2026

VERSENGOLD

23:25 – Main Stage

“Eure Gehörgänge wurden jetzt ordentlich mit Metal durchgespült,“ betont Sänger Malte Hoyer zu Beginn des VERSENGOLD-Gigs das Offensichtliche und erntet auf sein anschließendes “Habt ihr Bock auf ein bisschen Folk Rock?“ den ersten von einer ganzen Reihe an Begeisterungsstürmen, durch die die Bremer ihren nicht nur metaphorisch auf die Bühne gebrachten Kutter mit gewohnter Souveränität manövrieren. Im Gepäck hat das Sextett mit “Eingenordet“ ein seebärenstarkes aktuelles Album, das mit gleich vier Liedern die Setlist dominiert. Darunter freilich auch die Anti-Populisten-Hymne “Falscher Leuchtturm“, die Malte Hoyer mit dem noch deutlicheren Alternativtitel “Fick die AFD!“ ankündigt. VERSENGOLD stehen eben nicht nur für launige Partysongs wie das plattdeutsche “Dans Op De Deel“ oder das unvermeidliche “Thekenmädchen“, sondern auch für klare Botschaften, mit denen sich die Band lieber für exzellente Haltungsnoten als für weichgespülte Gefälligkeit bewirbt.

Nicht weniger eindringlich, dafür aber wesentlich persönlicher und geradezu besinnlich wird es dagegen bei “Haut mir kein‘ Stein“, das die Band allen Verstorbenen widmet, “allen voran heute einem Christian, auch Ossi genannt, der gerne hier gewesen wäre, aber das Schicksal wollte es nicht so“. Es sind halt immer die Falschen, die von uns gehen müssen, während die Arschlöcher leider nie aussterben. Doch auch für diese haben VERSENGOLD ein Lied geschrieben, das launige “Klopapier“ nämlich – ein Lied von dem die Band im Strophentext ganz unumwunden augenzwinkernd bekennt: “Es ist für’n Arsch, es ist für dich!“ Passenderweise greifen die Fans tief in die GUTALAX-Trickkiste und so kommt es zu einer wilden Klopapier-Schlacht im Zuschauerraum.

Nach dem “Kobold Im Kopp“ scheint es, als wolle die Band mit der von Bassist Eike Otten angeführten “Kobold In Your Head“-Shredding-Orgie auf Zeit spielen. Doch die sich anschließende minutenlange Stille markiert kein vorzeitiges Showende, sondern dient Malte Hoyer und Eike Otten dazu, sich einen Weg durchs Publikum zu bahnen, um aus deren Mitte heraus den finalen Doppelpack, bestehend aus „Die Letzte Runde“ und „Butter Bei Die Fische“, anzustimmen. Man kann nun freilich streiten, ob die dadurch verlorengehende Spielzeit nicht besser in ein weiteres Stück – womöglich gar einen alten Klassiker wie das schmerzlich vermisste „Ich Und Ein Fass Voller Wein“ – investiert gewesen wäre, doch immerhin nutzen die Musiker so die Chance, einen gemächlich um sie herum trabenden Circle Pit anzuleiten und dabei ganz viele Fan-Hände zu schütteln oder abzuklatschen. An Spaß mangelt es also weder Band noch Publikum, als die Show mit dem wieder zurück auf der Bühne sechsstimmig zelebrierten A-Cappella-„Abgesang“ ihr Ende findet. (FS)

Galerie mit 23 Bildern: Versengold - Summer Breeze Open Air 2026

DEAFHEAVEN

00:20 T-Stages

Nachdem die gleißende Sonne längst über dem SUMMER BREEZE verschwunden ist, kommen nun die düsteren Atmosphäriker wie DEAFHEAVEN an die Reihe. Das Quintett aus San Francisco spannt dabei eine breite Palette an Emotionen auf und nimmt das Publikum mit auf eine erstaunlich vielschichtige Reise durch die Nacht. Maßgeblich dafür ist ganz zentral die jüngste Platte “Lonely People With Power“ aus dem vergangenen Jahr, deren Vielfalt die Band an diesem Freitagabend besonders eindrucksvoll aufgreift.

Optisch bleiben DEAFHEAVEN dabei ihrem Stil treu: Dezent in Schwarz gekleidet, setzen sie einen Kontrast zur sonst stark von Dunkelheit und Düsternis dominierten Szenerie, die hier jedoch deutlich über die üblichen Grenzen hinausgeht. Im Zentrum steht Sänger George Clarke, dessen eindringliches Gekeife am ehesten an Black-Metal-Einflüsse erinnert. Dem gegenüber stehen weiträumige, flächige Post-Rock-Arrangements, die von CULT OF LUNA bis zu weiteren atmosphärischen Düster-Acts reichen. Die Gitarren entfalten diese ausufernden Passagen mit starkem Nachhall – viele Zuschauer:innen im Publikum geraten eher in eine nickende Trance als in exzessive Bewegung. Am Ende lässt sich diese Show mit einem Wort zusammenfassen: Intensiv. (PO)

Galerie mit 30 Bildern: Deafheaven – Summer Breeze Open Air 2026

SKINDRED

01:00 – Main Stage

Spät nachts am Freitag steht noch eine wirklich spannende Band auf dem Programm: SKINDRED aus Wales! Das Quartett steht für eine irre Mischung aus Ska, Hip Hop, Metal und Rap und für energetische Auftritte, die das Publikum mitreißen. Entsprechend geht es auch schon gut los mit einem Mix aus dem “Imperial March“ von Star Wars und fetten Beats, zu denen Fronter Benji Webbe mit einem schwarzen Pailetten-Gehrock mit Satin-Schal und riesiger Ohrenklappenmütze aus rotem Plüsch auf die Bühne springt wie ein Schachtelteufel. Von Sekunde eins wird klar, Stillstehen ist ein Fremdwort im Vokabluar des Sängers, der die komplette Länge der Main Stage während des Auftritts eifrig nutzt, um die Zuschauer immer wieder zum Mitmachen zu animieren.

Für die späte Uhrzeit und den extrem heißen Tag ist die Fläche vor der Bühne erstaunlich voll. Selbst während des ersten Songs “This Is The Sound“ vom aktuellen Album werden es immer mehr Leute, die aus allen Ecken herbeigeströmt kommen, als würden sie von den Klängen SKINDREDs angelockt wie die sprichwörtlichen Ratten von der Flöte des Rattenfängers. Noch erstaunlicher: Alle machen mit. Selten sind um diese Uhrzeit so viele Leute anwesend und auch noch bereit, sich so eifrig an Mitmachspielchen zu beteiligen.

SKINDRED gibt es seit sechsundzwanzig Jahren erzählt der quirlige Frontmann in einer kurzen Musikpause, und immer, wenn sie nach Deutschland kommen, egal ob nach Wacken, zum Southside, Hurricane oder zum SUMMER BREEZE, immer fühlen sie sich hier zuhause. Dafür wollen sie sich bedanken, sagt Benji Webbe, bevor es mit “Can I Get A“ einen weiteren Titel vom aktuellen Album “You Got This“ auf die Ohren und in die Beine gibt. Entsprechend steigt das Stimmungsbarometer mit Songs wie “That’s My Jam“, “Radio 01633“ oder “Gimme That Boom“ immer weiter nach oben, je länger SKINDRED zugange sind. Benji Webbe, der anscheinend einen halben Kleiderschrank auf der Bühne untergebracht hat und öfter sein Outfit teilweise wechselt oder mit Accessoires wie Hüten oder Schals aufpeppt, spart nicht mit deftigen Ansagen oder Absagen. So kann er einen begeisterten “Don’t Stop Me Now“-Chor des Publikums, den er selbst gestartet hat, nur mit einem resoluten “Shut The Fuck Up!“ stoppen.

Zum Abschluss als die Stimmung den Siedepunkt erreicht hat, gibt es zum Song “Warning“ noch den “Newport Helicopter“, bei dem der unermüdliche Frontmann einmal mehr nachdrücklich durchgreifen und für Ruhe sorgen muss, bis alle Anwesenden, die sich beteiligen wollen, ihre Shirts oder Schals zwischen beiden Händen gespannt ausgestreckt in die Höhe halten und auf sein Kommando damit anfangen zu wedeln. SKINDRED hinterlassen nach einer Stunde ein nassgeschwitztes, verausgabtes aber sehr glückliches Publikum, das einhellig die Meinung teilt, hier einen der besten und mitreißendsten Partyauftritte des bisherigen Festivals gesehen zu haben. (SS)

Galerie mit 20 Bildern: Skindred - Summer Breeze Open Air 2026

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04.09.2026

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