
Summer Breeze Open Air 2026
Der große Festivalbericht
Konzertbericht
Samstag, 25.08.2026
SANGUISUGABOGG
12:55 – T-Stage
SANGUISUGABOGG liefern am Samstagmittag auf der T-Stage das wohl brutalste Set des gesamten SUMMER BREEZE. Schon zu Beginn ist der Sound so extrem, dass man den Eindruck bekommt, die Boxen könnten jeden Moment bersten. Sänger Devin Swank pöbelt das Publikum zunächst als “Motherfuckers“ an und fordert es auf, sich zu bewegen – mit Erfolg: Schon früh entsteht ein großer Pit vor der Bühne.
Im Mittelpunkt stehen die Songs wie “Felony Abuse Of A Corpse“ oder “Abhorrent Contraception“ vom aktuellen Album “Hideous Aftermath“. Aber auch “Feening For Bloodshed” vom Vorgängeralbum “Homicidal Ecstasy” kommt hervorragend an. Besonders brachial wirken die Gitarren: Das gesplittete Signal läuft gleichzeitig über Gitarren- und Bass-Rigs und erzeugt ein extrem dichtes, tiefes Klangbild, bei dem die Riffs regelrecht in den Magen schlagen. Dazu kommen brutale Growls und ein gnadenloser Groove. Die Fans sind vom ersten Song an dabei und machen den Auftritt zu einem der intensivsten des Festivals.
Der Schluss wirkt dagegen fast schon überraschend: Nach all der Pöbelei gibt sich Devin Swank plötzlich beinahe kleinlaut, bedankt sich höflich beim Publikum und bei den Fans, die die Szene am Leben erhalten. Das ist ein sympathischer Kontrast zu einer ansonsten völlig entfesselten und extrem starken Show. (OS)
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PARASITE INC.
12:55 – Main Stage
Direkt nach HEAVYSAURUS in der Mittagssonne am heißesten Tag der Woche auf die Main Stage zu gehen, ist schon eine harte Nuss. PARASITE INC. wissen jedoch, diese mit Bravour zu knacken. Mit der Ansage “Bang your fucking head“ heizen sie den für die frühe Stunde erfreulich zahlreichen Zuschauer:innen von Sekunde eins an ordentlich ein – nicht, dass heute irgendwer ein Aufwärmprogramm nötig hätte! Dem Publikum ist anfangs ein gewisses Zögern anzumerken, die letzten Tage und die fortwährende Hitze fordern einfach ihren Tribut. Dennoch wird die Beteiligung spürbar zahlreicher, je weiter der Auftritt voranschreitet.
Das Quartett aus Aalen liefert mit Songs wie “Headfuck Rollercoaster“, dem an SOILWORK erinnernden “Sunset Overdrive“ und “Cyan Night Dreams“ eine energiegeladene Show, die so ansteckend ist, dass tatsächlich unter der glühenden Mittagssonne ein Circle Pit eröffnet wird. Hier bekommt ein Crowdsurfer sogar eine Ehrenrunde spendiert und wird einmal im Kreis mitgetragen – wie freiwillig, ist leider nicht überliefert. PARASITE INC beenden ihre Show mit “The Pulse Of The Dead“ und “When All Is Said“ und schicken ihr durchgeschwitztes, aber glückliches Publikum dann anschließend wieder in den Schatten. (SS)
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SONS OF HUENS
13:50 – Main Stage
Der absolute Tiefpunkt des Festivals wird am letzten Tag und ausgerechnet auf der Main Stage mit dem Auftritt der SONS OF HUENS erreicht. Alleine der Bandname hätte uns vor eine andere Bühne treiben müssen. Aber manche Gigs sind wie schlimme Autounfälle. Man kann einfach nicht wegschauen oder -hören. Die Setlist verursacht immer noch Windpocken, die Qualität mit der die Songs vorgetragen werden, ist wirklich unterirdisch. Funmetal und Spaß-Coverbands muss man mögen, klar. Wenn sich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend breit macht, das man getrost als Fremdscham bezeichnen kann, dann gibt es aber eigentlich keine zwei Meinungen.
Die SONS OF HUENS zerrupfen KLAUS LAGE („1001 Nacht“) und WOLFGANG PETRY („Wahnsinn“ – wie profan kann man sein?), dazu hüpfen die Bandmitglieder in utopischen Outfits über die Bühne und reißen einen schlechten Witz nach dem anderen. Es ist kaum zu glauben, dass es eine noch fürchterlichere Band als DIE KASSIERER auf die Hauptbühne eines führenden Metal Festivals in Deutschland geschafft haben. Hinter der Pseudo-Combo steckt eigentlich das Rap-Projekt MEHNERSMOOS, was den Dilettantismus an den Instrumenten vielleicht erklären mag, was es aber nicht besser macht. Bitte nicht wieder. (OD)
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KADAVAR
15:00 – Mainstage
Sengende Hitze vor der Main Stage, staubtrockener Boden – und KADAVAR liefern den passenden Sound für die beinahe-Wüste von Dinkelsbühl. Voller authentisch rüberkommender Leidenschaft und packender Virtuosität präsentieren die bärtigen Berliner eine intensive, mitreißende Live-Performance. Außer einem Backdrop kein Schnickschnack und wenig Gesang. Dafür eine Show, die vor allem instrumental in den Bann zieht.
Perfekt aufeinander eingespielt zelebrieren KADAVAR ihre Mischung aus Psychedelic-, Hard- und Stoner-Rock, der bei aller Professionalität immer wieder den Charakter einer improvisierten, ausufernden Jam-Orgie hat. Der Platz vor der Bühne ist nicht allzu gefüllt, aber die greifbare Energie von verspielten, organischen Groove-Monstern wie “Doomsday Machine“ oder “Die Baby Die“ wird vom Publikum dankbar aufgenommen. Gerade Live entfalten ihre Songs jene Wucht, die bei den Studioaufnahmen etwas zu kurz kommt. KADAVAR nehmen ihre Einflüsse aus den 70ern und überführen sie auch ins Hier und Jetzt. Laut, roh, emotional, großartig! (ME)
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ORBIT CULTURE
16:00 – Main Stage
38 Grad, Staub in der Luft und ORBIT CULTURE auf der Main Stage – viel bessere Voraussetzungen für einen gepflegten Abriss kann man sich eigentlich kaum wünschen. Bereits mit den ersten Takten von “Death Above Life“ ist klar, dass die Schweden nicht gekommen sind, um vorsichtig anzutesten, wie viel Energie das Publikum noch übrig hat. Stattdessen geht es direkt nach vorne. “The Storm“ legt unmittelbar nach und macht endgültig deutlich: Hier wird keine Zeit verschenkt.
ORBIT CULTURE verbinden ihre brachialen Groove-Riffs mit einer düsteren, fast schon monumentalen Atmosphäre. Zwischen wuchtigen Breakdowns und großen Melodien bleibt trotzdem immer genug Raum für diese ganz eigene Epik, die den Sound der Schweden auszeichnet. Wer die Band bereits kennt und gesehen hat, könnte meinen, dass nach all den Shows irgendwann ein gewisser Gewöhnungseffekt einsetzt – dem ist aber nicht so. Auch beim zweiten Besuch in Dinkelsbühl wird aus dem Auftritt wieder ein denkwürdiger – wenn auch vielleicht ein wenig leiser – Frontalangriff. Niklas Karlsson braucht dabei nicht lange, um die nächste Eskalationsstufe einzuläuten: Bei Temperaturen, bei denen sich jeder normale Mensch eigentlich lieber in den Schatten stellen würde, kreist ein Circle Pit nach dem anderen. Vor der Main Stage kommt ordentlich Bewegung auf – und ohne die Wellenbrecher würde vermutlich nicht nur das halbe Publikum, sondern gleich auch der halbe Gastrobereich mit auf die Reise gehen.
Auch abseits der Bühne gibt es einiges zu sehen: Im nicht mehr enden wollenden Strom rauspilgernder Stagediver:innen rasen auch Jesus und PALEFACE SWISS-Frontmann Zelli durch den Fotograben. Währenddessen bekommt das Publikum von ganz anderer Seite die dringend benötigte Erfrischung. Der Chef der Grabenschlampen schnappt sich den Wasserschlauch und macht ziemlich unmissverständlich klar, dass er heute selbst entscheidet, wer nass wird. Bei dieser Wüsten-Hitze ist der Wasserschlauch am Samstagnachmittag neben dem Kühl-Handtuch vermutlich eines der beliebtesten Instrumente des gesamten Festivals.
Musikalisch geht es derweil ohne Gnade weiter. “Rasen“, “Hydra“ und schließlich “Vultures Of North“ setzen den Schlusspunkt unter einen Auftritt, der von der ersten Minute an keine Gefangenen gemacht hat. ORBIT CULTURE lassen die Main Stage dabei nicht einfach hinter sich – sie hinterlassen sie komplett zerlegt. Was soll nach diesem Abriss noch kommen? (TD)
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THUNDERMOTHER
17:10 – T-Stage
“Heavy metal is not dead!“ – mit dieser Ansage macht Linnéa Vikström unmissverständlich klar, womit versammelte Mann- und Frauschaft auf dem vollen Bühnenvorplatz zu rechnen hat. Und ja, nicht nur die vier Schwedinnen auf den Brettern sind “here for some fucking Rock’n’Roll“! Ihre musikalischen Wurzeln schlagen nicht nur im Sound, sondern auch in der Performance durch, wenn in AC/DC-Manier mit der Gitarre von links nach rechts gepest wird, oder sich im Gleichtakt zu “Dog From Hell“ Haupt und Gitarre neigen. Die Temperaturhölle ist mit dem folgenden “Whatever“ jedoch kurz vergessen, als die GRABENSCHLAMPEN die umfunktionierten Schneekanonen links und rechts der Bühne anschmeißen.
Für die “Little Girls from Sweden“ sei es eine große Ehre auf einer Bühne der Giganten zu stehen, sagt Sängerin Vikström und prostet mit einem Kellerbier in der Hand und einem “Skål“ in die Menge. In selbiger nimmt Bandgründerin Filippa Nässil – mit bemerkenswertem St. Pauli-Schweißband am Arm – während “Shoot To Kill“ sogar ein Bad. Das Solo-Graben-Intermezzo reizt sie allerdings ein wenig zu lange aus. Da kommt das Rock-Medley mit beginnender IRON-MAIDEN-Hommage gerade recht, um die Stimmung zum Finale wieder anzuheizen. (SZ)
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TESTAMENT
17:40 – Mainstage
Back To The Roots katapultieren uns die Bay Area-Legenden TESTAMENT. Die Eröffnung aus der Konserve mit dem BEASTY BOYS Hit “(You Gotta) Fight For Your Right (To Party!)“ gefolgt vom mächtigen “Into The Pit“ bringen die ersten Reihen gleich zum Kochen – die Thrash-Metal-Urgesteine rund um den dauergrinsenden Frontbrocken Chuck Billy nehmen heute keine Gefangenen. Wer jetzt noch nicht in ausgelassener Party-Stimmung ist, ist entweder ein Groll Troll oder hier einfach falsch. Wie zu erwarten, dürfen wir uns über einen bunten Mix aus altem und neuem Material freuen. Aber bei einer über 40-jährigen Karriere und 14 Studioalben fehlen natürlich leider schon einige Fan-Favoriten wie “The New Order“. Neue Songs wie “Shadow People“ oder “Nature Of The Beast“ fügen sich nahtlos neben Klassikern wie “Practice What You Preach“ oder “Low“ ein.
Das Feuerwerk aus vielzitierten Thrash-Riffs, charismatischem Gesang und mitreißenden Hooklines überzeugt ebenso wie die coolen Entertainment-Eigenschaften vom gutgelaunten Chuck, womit TESTAMENT noch ein paar extra Sympathie-Punkte gewinnen. Herausragend wie immer Saitenhexer Alex Skolnick, der völlig lässig seine technisch brillanten Soli in Szene setzt und sich mit Kollege Eric Peterson präzise wie dynamische Gitarrenduelle liefert. Mit “Over The Wall“ vom Debüt “The Legacy“ und “Sins Of Omission“ endet der Auftritt viel zu früh. TESTAMENT spielen musikalisch ganz oben mit und liefern professionell und mit viel Hingabe ab. (ME)
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ALESTORM
19:10 – Main Stage
“Was mögt ihr lieber, Enten oder Piraten? “ fragt Frontmann Chris Bowes das SUMMER-BREEZE-Publikum. Doch obwohl das Voting ziemlich eindeutig zugunsten des Federviehs ausfällt, haben die Veranstalter:innen eben ALESTORM gebucht und damit den Regler ganz weit in Richtung “Piraten “ gedreht. Um es sich aber mit der Menge nicht gänzlich zu verscherzen (jedenfalls nicht vor der obligatorischen “Fuck You All “-Beschimpfung im Rausschmeißer “Fucked By An Anchor “), haben ALESTORM jede Menge überdimensionierte Gummieentchen im Gepäck. Drei davon dienen als feste Bühnendeko, rund ein Dutzend weiterer wird gegen Ende des Sets in die Freiheit entlassen und darf minutenlang auf den Händen der Fans herumdümpeln. Die schottischen Piraten sind sich eben für keine Albernheit zu schade und setzen mit ihren schrillgrünen Neonakzenten auch modische Highlights. Wer diesem Klamauk eher mit Würgereflexen als mit Partylaune begegnet, hat vermutlich ohnehin längst die Flucht ergriffen. Das Treiben vor der Bühne signalisiert indes eindeutig: Die Spaßfraktion ist auch auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE zahlreich vertreten.
Auf der Setlist stehen jede Menge Party-Kracher, von “Keelhauled “ über das schicke “Hangover “-Cover bis hin zu “Drink “, dazwischen mit “Nancy The Tavern Wench “ aber auch eine Schunkel-Ballade, damit sich die Staubwolken vorübergehend legen und Crowdsurfer:innen sowie Grabenschlampen eine kurze Verschnaufpause bekommen können. Wer ALESTORM kennt, erlebt hier heute keine Überraschungen, was zugleich bedeutet, dass hier eine Stunde lang ungeniert gefeiert und die Sau rausgelassen werden darf. Die Piraten verstehen eben ihr Handwerk und liefern routiniert ab, nicht mehr, aber sicherlich auch nicht weniger. (FS)
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SOULFLY
20:30 – T-Stage
Dass eine große Band wie SOULFLY mittlerweile nicht mehr auf der Main Stage steht, zeigt zum einen, dass sich die Interessen der Fans im Mainstream-Metal-Sektor zu moderneren Spielarten verlagert haben, aber auch, dass die Dichte an großen Acts beim Summer Breeze extrem hoch ist. Trotz der Umstände ist Max Cavalera heute sehr gut gelaunt: Schon neben der Bühne bemerkt man, dass der legendäre Frontmann mit seinen Musikern einiges zu lachen hat und ein breites Grinsen im Gesicht trägt.
Und so kommen SOULFLY heute auch super sympathisch auf der Bühne rüber und geben vor allem Songs aus ihrer harten Groove-Metal-Phase, die zum Springen anregen (“Back To The Primitive“, “Prophecy“, “Jumpdafuckup“, “Eye For An Eye“), zum Besten. Die Fans folgen dem Ruf mit reichlich Hüpfeinlagen und ein sichtlich fitterer Max zockt sich souverän durch das Set. (MS)
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HELLOWEEN
21:15 – Mainstage
HELLOWEEN feiern Geburtstag und wir sind dabei! Die Zahlen sind beeindruckend: 40 Jahre Bandgeschichte, drei Sänger / drei Gitarristen, Festival-Headlinershow mit satten zwei Stunden Spielzeit. Die Mammutshow gleicht einem Rundumschlag und nimmt uns auf eine Zeitreise, zurück zu den Anfängen der Hamburger Kürbisköpfe, über alle Phasen bis zur aktuellen “Pumpkins United“-Besetzung. Seit der vielfach herbeigesehnten Reunion schwimmen HELLOWEEN wieder auf einer ordentlichen Erfolgswelle und die überwiegend Ü-60-Band erlebt ihren zweiten Frühling.
Sie macht das aber auch wirklich gut. Schon alleine die Besetzung mit den beiden Rückkehrern Sänger Michael Kiske und Gitarrist/Sänger Kai Hansen führt zurück in die legendäre “Keeper“-Zeiten, nahezu von allen herbeigesehnt. Und gleichzeitig das Festhalten an Sänger Andi Deris und Gitarrist Sascha Gerstner, die einen wesentlichen Anteil am Songwriting haben, seit weit über 20 Jahren HELLOWEEN maßgeblich prägen und auch in schwierigen Zeiten an der Band festhielten. Die sympathisch auftretenden Profis sind top aufeinander eingespielt, man merkt die intensive Live-Erfahrung der letzten Jahre.
Dazu kommt die aufwendige Show. Große Videoleinwände, die jedes Stück visuell unterstützen, opulente Light-Show und Feuersäulen, das große Besteck eben. Dazu kommt zwischen den Songs immer mal wieder “The Keeper“ zur Unterhaltung auf die Leinwände. Die Zeitreise beginnt passend – nachdem alle Alben chronologisch über die Leinwand flogen, steigen HELLOWEEN mit “March Of Time“ fulminant ein. Nicht wenige im Publikum sind schon deutlich über 40 Jahre alt und werden damit natürlich emotional abgeholt. Die Band glänzt vor Spielfreude, Andi und Michael teilen sich den Gesang, die hohen Töne sitzen bei beiden und beide grinsen um die Wette.
Das fanfreundliche Feuerwerk an Hits setzt den Fokus auf die beiden “Keeper Of The Seven Keys“-Alben, die damals den europäischen Power Metal maßgeblich geprägt hatten. Das sind immerhin acht Songs, sowie zumindest das Finale vom epischen Titelstück. Die Höhepunkte sind hierbei “Future World“ mit der “Hall Of The Mountain King“-Einleitung von Kai Hansen, der Kiske und Deris in dem Song auch beim Gesang unterstützt. Aber auch “I Want Out“ und “Halloween“ in voller Länge (!) und “Dr. Stein“, hier kommen die riesigen aufblasbaren Kürbisse ins Publikum, sind und bleiben Fanlieblinge und werden entsprechend abgefeiert und frenetisch mitgesungen. In “Eagle Fly Free“ meistert Kiske alleine die hohen Töne mit souveräner Leichtigkeit. Den Klassiker “Ride The Sky“ vom Debüt singt Hansen alleine, wie auch schon bei den letzten Touren. Wermutstropfen – er trifft die Höhen zumindest heute nicht immer.
Zwischendrin sind Andi und Michael, letzterer mit Akustikgitarre, alleine auf der Bühne. Kiske gibt kurz alleine “Yesterday“ und “Let It Be“, dann zusammen “A Tale That Wasn’t Right“. Alle drei Lieder mitgesungen von zigtausenden Menschen, Gänsehaut pur! Dazwischen immer wieder einige neuere Songs wie das fantastische “This Is Tokyo“, allesamt echte Hits die sich gut in die Show einfügen, gegen die Klassiker aber beim Publikum einen schweren Stand haben. HELLOWEEN sind ein würdiger Headliner, eine geschlossene Mannschaftsleistung voller Spielfreude, Energie und Entertainment. (ME)
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PALEFACE SWISS
22:25 – T-Stage
Schon nach den ersten Takten ist klar: PALEFACE SWISS sind nicht gekommen, um auf der T-Stage vorsichtig warmzulaufen. Marc Zellweger, von allen nur “Zelli“ genannt, übernimmt das Kommando und fordert mit einem lautstarken “Hatred!!“ maximale Eskalation. Während Seifenblasen über dem Festivalgelände schweben, verwandelt sich der Bereich vor der Bühne innerhalb kürzester Zeit in einen brodelnden Hexenkessel.
Der Sänger weiß genau, wie er das Publikum packt. Mit einem Grinsen erzählt er, dass die Band aus einer kleinen Stadt in der Schweiz stammt und nun ausgerechnet die T-Stage des SUMMER BREEZE als Headliner bespielen darf. Müdigkeit und Alkohol lässt er als Ausreden nicht gelten. Schließlich sei der letzte Festivaltag keine Entschuldigung dafür, weniger Energie zu zeigen. Seine Aufforderung kommt an: Das Publikum dreht komplett auf. Bei PALEFACE SWISS geht es längst nicht mehr darum, einfach nur vor einer Bühne zu stehen und einer Band zuzuhören. Hier wird mitgemacht. Die Zuschauer:innen stürzen sich in die Musik, Circlepits entstehen und immer mehr Crowdsurfer:innen werden über die Köpfe der Menge getragen. Für einen Moment scheint alles andere ausgeblendet. Deathcore auf Anschlag, Alltag aus.
Auch musikalisch lassen die Schweizer nichts anbrennen. Bei “Best Before: Death“ hallen die Zeilen “The World Is Wrong. The People Are Wrong.“ über das Gelände, während die Menge die entsprechenden Chöre übernimmt. Zelli nutzt die Gelegenheit und fordert größere Circlepits. Wenig später sorgt “I Am The Orphan“ für die nächste Welle an Crowdsurfer:innen. Kaum jemand bleibt still und die Band scheint mit jeder Reaktion des Publikums noch mehr Energie zurückzugeben. Vor dem nächsten Song heißt es: „Genießt den Moment mit uns, ’cause everything’s fine.“ Wirklich ruhig wird es natürlich nicht. Ganz im Gegenteil. Die T-Stage wird von einer enormen Wucht aus Gitarren, Schlagzeug, Gebrüll und einer völlig entfesselten Menge überrollt. Dabei haben PALEFACE SWISS nicht gerade den einfachsten Gegner im Festivalprogramm. Parallel spielen HELLOWEEN auf der Main Stage. Die Metal-Legenden ziehen erwartungsgemäß große Teile des Publikums an und können mit Pyrotechnik und zahlreichen Special Effects auffahren. Für PALEFACE SWISS scheint diese Konkurrenz allerdings kaum eine Rolle zu spielen. Die T-Stage bleibt bestens gefüllt und die Menge gibt alles.
Für Gitarrist Yannick bekommt der Parallel-Slot sogar eine besondere Bedeutung. Er erzählt, dass HELLOWEEN für ihn persönlich der Einstieg in den Metal gewesen sei. Ausgerechnet jetzt gleichzeitig mit den eigenen musikalischen Vorbildern auf demselben Festival zu spielen, schließt damit einen Kreis. Auf der T-Stage bedeutet das jedoch keineswegs einen Moment zum Durchatmen. Im Gegenteil: Zelli fordert weiterhin kompromisslos die nächste Eskalationsstufe. “Reißt die Barrikaden auf! Wir zerficken hier alles“, brüllt er ins Publikum. Kurz darauf hämmert “The Gallow“ über das Festivalgelände. Was sich anschließend vor der Bühne abspielt, ist schwer anders als mit purem Chaos zu beschreiben: Schweiß, Gebrüll, Circlepits und Crowdsurfer:innen vermischen sich zu einer einzigen gewaltigen Bewegung. Die Menge scheint am letzten Festivaltag noch einmal sämtliche verbliebenen Reserven mobilisieren zu wollen.
Dabei überzeugen PALEFACE SWISS nicht nur mit ihrer Bühnenpräsenz. Die Deathcore-Band liefert technisch äußerst präzise ab. Jeder Song sitzt, die Härte bleibt durchgehend kompromisslos und die einzelnen Tracks schlagen mit einer Wucht ein, die kaum Raum zum Verschnaufen lässt. Bei “Please End Me“ wirkt der Titel am Ende beinahe wie ein Erlösungsschrei – allerdings einer, den das Publikum offenbar gerne noch ein weiteres Mal hören würde. Nach diesem Abriss verabschieden sich PALEFACE SWISS mit einer deutlich friedlicheren Botschaft: “Peace, Love and Respect.“ Zurück bleibt eine T-Stage voller verschwitzter Shirts, erschöpfter Körper und zufriedener Gesichter. Der Auftritt hat eindrucksvoll gezeigt, dass man auch gegen eine Metal-Institution wie HELLOWEEN bestehen kann – wenn man das Publikum derart kompromisslos mitreißt. (JG)
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THY ART IS MURDER
23:55 – Main Stage
Endspurt! Nachdem HELLOWEEN das Infield gefühlt bis zum letzten Staubkorn gefüllt haben, herrscht Abschiedsstimmung. Doch noch ist nicht Schluss und wer zum Main-Stage-Finale noch etwas Luft in den verstaubten Lungen (Sorry, aber der Staub war überall!) übrig hat, blickt THY ART IS MURDER zumindest neugierig entgegen. Denn nachdem ihr langjähriger Frontmann Chris “CJ“ McMahon bereits seit einiger Zeit kein Teil der Band mehr ist, steht nun bereits der zweite Nachfolger auf der Bühne. Und der darf sich erst mal Pfiffe anhören … immerhin nimmt es Jerry Grimefeld mit Humor. Das belegt schon sein Shirt mit dem augenzwinkernden Rückendruck “Who The Fuck Is Jerry Grimefeld?“. So sorgt man für gute Laune! Denn die Stimmung ist für den brutalen Deathcore-Sound zunächst ausgesprochen gut.
Während die Breakdowns donnern und Grimefelds Growls aus dem Höllenfeuer zu stammen scheinen, dreht der Circle Pit vor der Bühne im Eiltempo seine Runden. Dazu fette Pyros und der finstere Nachthimmel – viel passender könnte die Kulisse kaum sein. Doch plötzlich ist Schluss. Während “Death Squad Anthem“ kommt es zu einem medizinischen Notfall, der eine mehrminütige Pause nach sich zieht und zunächst für einen Schock sorgt. (Die gute Nachricht: Dem Betroffenen geht es den Umständen entsprechend gut! – Anm. der Redaktion) THY ART IS MURDER müssen sich anschließend kurz sammeln, setzen ihre Show aber entschlossen und voller Leidenschaft fort.
Es folgen unter anderem “Make America Hate Again“, “Human Target“ und spätestens zu “Holy War“ kocht der Pit wieder. Grimefeld hinterlässt bei seinem ersten Auftritt mit THY ART IS MURDER beim SUMMER BREEZE einen guten und vor allem sympathischen Eindruck, stachelt das Publikum immer wieder an, sorgt mit kleinen Späßchen aber auch regelmäßig für ein Schmunzeln. “Reign of Darkness“ ist das krachende Finale, mit dem THY ART IS MURDER in diesem Jahr das Mainstage-Programm beenden und den Abschiedsschmerz größer werden lassen … immerhin geht es auf anderen Bühnen ja noch weiter. (JW)
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