
Wacken Open Air 2018
Der große Festivalbericht
Konzertbericht
Schlammige Dixis, Bierpipeline und Wrestling? Von wegen! – Auf zur bunten Party-Polonaise
Aus einer kleinen schleswig-holsteinischen Dorfkirche ertönt anstelle eines sakralen Kirchenchors kreischender Frauengesang. Was ist da los? Die globale Metal-Gemeinde weiß es sofort: „Wackööööön!“ ist gestartet.
Das weltweit größte Festival der härteren Gangart hat sich als kultige Eröffnung des Spektakels doch tatsächlich Metal-Queen DORO auserkoren. Aufmerksam lauschen die Kuttenträger auf den Kirchenbänken ihrer akustischen Darbietung.
So was gibt’s wohl nur in Wacken! Überhaupt: Wer in dem 2000-Seelen-Städtchen um diese 5. Jahreszeit zum ersten Mal aufschlägt, kommt mit den wahnsinnigen Menschenmassen nur schwer klar. In der abgesperrten Hauptstraße reihen sich neben dem „Kuhstall“-Bierzelt auch der Wacken Store mit allerhand Merchandise und zig weitere Stände dicht an dicht.
Von der Ankunft der Shuttle-Busse auf dem riesigen Vorplatz bis zum Check-In läuft alles wie am Schnürchen. Jeder Wacken-Fan greift sich den kostenlosen „Full Metal Bag“ ab, der neben weiteren brauchbaren Utensilien auch ein Regencape (sollte bei der unerwartet stabilen afrikanischen Hitze eingepackt bleiben: neues Wacken-Motto jetzt „Shine or shine!“) und einen wieder befüllbaren Wasserbeutel enthält. Das Wasser soll noch eine bedeutende Rolle in 4 Tagen Festival-Madness spielen.
Ein großes Plakat beim Vorbeigehen an einem der Stände erinnert den jetzt rundum versorgten Festivaladdict nochmals: „Freu‘ Dich, Du bist in Wacken!“
Danke für den Reminder. Der kommt wohl einigen, die sich absichtlich nicht mehr in den Norden begeben, gerade recht. Denn neben dem Fakt, dass Wacken abermals vorab ausverkauft ist, kommt es in manchem schlammigen Vorjahr zu Statements wie: Das ist doch nur noch ein einziger Zirkus!
Tatsache – geboten wird ein wahrer Stimmungszirkus: Eine bunte Polonaise zieht durch ein Meer aus schwarzen Bandshirts. An der drückenden Hitze in dem großen Festzelt stört sich in dieser Mittwochnacht längst niemand mehr. Die Augen sind auf einen schlanken kahlköpfigen Mann in senffarbenem Anzug gerichtet. Er gehört zu Wacken wie der brennende Kuhschädel zwischen den Hauptbühnen und herrscht über den gesamten Saal. Seine orangerot getönte Brille passt perfekt zu der von zwei pinken Flamingos gesäumten Heimorgel, auf der in großen 70er Jahre Lettern “MAMBO KURT“ geschrieben steht.
Alles erinnert hier ein bisschen an eine polnische Hochzeitsfeier. Nur tanzen hier anstatt hübscher Mädchen hunderte langhaarige Männer zu bekannten Gassenhauern durch den Abend. Von den Black Eyed Peas über Dr. Alban bis hin zu ABBA ist so ziemlich alles dabei, was in den nächsten Tagen auf sieben weiteren Bühnen fehlen wird.
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Ricarda Noeres 
































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