Various Artists - Merseburger Zaubersprüche

Review

Auch an dieser Stelle sei gesagt: das Auftauchen einer solchen CD, die eigentlich nicht viel mit Metal am Hut hat, ist wohl nicht alltäglich aber berechtigt! Wer interessiert ist, kann meine Ausführungen zum Thema in dem Review der CD TRIBUT AN OUGENWEIDE – MINNE, ROCK UND ZAUBERSPRÜCHE (gleich die ersten Absätze) lesen.

Die Merseburger Zaubersprüche faszinierten zu Beginn ihrer Entdeckung wohl eher die Sprach- und Geschichtswissenschaftler als Musiker. Dennoch gab es einige Vertonungen der Verse und eine der bekanntesten und wohl wichtigsten ist die der Folk-Rocker OUGENWEIDE. Wer heute eine Version der Zaubersprüche hört, der hört mit großer Wahrscheinlichkeit die Komposition des kürzlich verstorbenen OUGENWEIDE-Mitbegründers FRANK WULFF. Auf diesem wunderbar umgesetzten Konzeptalbum wird das Material nun so weit vertieft, dass man als Hörer einfach nur noch mitgerissen, halt beinahe verzaubert, wird.
Mitgewirkt haben unter anderem IN EXTREMO, DIE IRRLICHTER, ONI WYTARS und TRISKILIAN – ohne alle zu benennen bereits jetzt eine ausgezeichnete Besetzung mit ausgezeichneten Musikern. Das wirklich erfrischende an diesem Album ist, dass nicht jede Band einfach ein eigenes Liedlein herunterleiert, sondern dass jedes Lied von mehreren Künstlern bearbeitet wurde. Und anscheinend hatten bei dem umfassenden Konzept alle ein Wörtchen mitzureden. Ansonsten könnte ich mir nicht erklären, wie es zu einem solch phantastischen Gesamteindruck kommen könnte, bei dem einfach alles zusammenpasst. Rock- und Blueseinflüsse gehen Hand in Hand mit Metal- und Mittelalteraspekten, und so fügt sich die E-Orgel neben Chorgesang, Hasenklapper, Drehleier und E-Gitarre ein, als ob sie zu nichts anderem geschaffen wurde. Vom ersten Stück an beginnt eine Reise durch so verschiedene musikalische Facetten, wie es nur eben geht – und das alles unter der Fahne uralter, einst verschollener Verse. Ist das letzte Stück verklungen, wacht man auf, wie aus einem tiefen Traum, und muss sich über sich selbst wundern, wie leicht man zu bezaubern war.

Kurzum ein absolutes Sahnestück mit mächtigem Synergieeffekt aus der engen Zusammenarbeit verschiedener Künstler! Und den einen Punkteverlust möchte ich hier in aller Deutlichkeit begründen: diese konzeptuelle Leistung, und sei sie noch so kurz, hätte mehr als nur einen einfachen Pappschuber verdient, den man womöglich noch hinter das CD-Regal gleiten lässt und wochenlang nicht mehr wiederfindet. Und für 22 Minuten Spielzeit und die einfachste aller Verpackungen finde ich 10 Euro eigentlich etwas teuer. Ich muss aber eingestehen: ausgeben würde ich das Geld dafür trotzdem.

01.01.2011

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