Various Artists - Whom The Moon A Nightsong Sings

Review

Selten hat mich die Ankündigung einer Compilation so vorfreudig gestimmt, wie die von “Whom The Moon A Nightsong Sings”, einer Zusammenstellung düsterer, naturbezogener, größtenteils akustischer Musik, die via Auerbach Tonträger, einem Sublabel von Prophecy Productions, erscheint. Dafür wurden 21 ruhige, melancholische Kompositionen von 19 verschiedenen Bands auf zwei CDs gepresst, vertreten sind neben vielversprechenden Newcomern und Geheimtipps dieses Genres natürlich auch Szenegrößen wie ULVER, DORNENREICH oder TENHI, sowie EMPYRIUM, die der Compilation das erste neue Stück seit ihrer Reunion beisteuern. Fast alle Songs wurden exklusiv für “Whom The Moon A Nightsong Sings” aufgenommen oder sind seltene, nicht mehr erhältliche Stücke der Bands, was dieser Zusammenstellung natürlich einen ganz besonderen Reiz verleiht. Erwähnung finden muss hier zudem das wunderschöne Artwork der Compilation, für das sich Fursy Teyssler verantwortlich zeichnet, der auf “Whom The Moon A Nightsons Sings” zudem mit zwei Titeln seiner Band LES DISCRETS vertreten ist.

Würdig eröffnet wird die erste CD der Compilation durch das traurige, kurze, aber eindrucksvolle Akustik-Stück “Hoestmelankoli” der norwegischen Neofolk-Formation VÀLI, die mit “Haredans I Fjellheimen” später auch für den Ausklang der CD sorgen. Es folgt die wohl am gespanntesten erwartete Komposition der Zusammenstellung: “The Days Before The Fall” von EMPYRIUM, eines der wenigen Stücke, das auch von metallischen Elementen Gebrauch macht. Orgelklänge und hinzutretende Streicher kreieren sogleich die typische EMPYRIUM-Atmosphäre und der charakteristische, warme Gesang Ulf Theodor Schwadorfs und Thomas Helms sorgt sofort für Gänsehaut. Keine Frage, mit diesem mystischen, getragenen, ausdrucksstarken Stück beweisen EMPYRIUM, dass sie genau da weiter machen können, wo sie vor vier Jahren aufhörten. Mit “Summer Storm” bieten NEST ein weiteres akustisches Stück an, das, aufgelockert durch eine triste Klaviermelodie in NEBELUNGs recht eintöniges “Ich Würd Es Hören” mündet, das leider zu den schwächeren Songs der Compilation zählt, was besonderes dem meiner Meinung nach recht ausdruckslosen, gewöhnungsbedürftigen Gesang geschuldet ist. Mit dem akustischen “Viima” besinnen sich OCTOBER FALLS auf ihre Dark Folk-Schaffensphase zurück, bevor AINULINDALЁ das berührende, aber etwas langwierige “A Year Of Silence” präsentieren und LES DISCRETS mit “5 Montee Des Epies” eine instrumentale Einleitung zum sehr raren “Aprés L’Ombre” liefern, das bisher nur auf einer streng limitierten Split-CD mit ALCEST erschien. Die Kanadier MUSK OX bieten mit dem lockeren, leichtfüßigen “Solstice” anschließend einen lichten Hoffnungsmoment, bevor HAVNATT trotz hohem, lieblichem Frauengesang wieder in düsterere, melancholischere Klanggefilde entführen und DORNENREICH das für sie typische “Dem Wind Geboren” präsentieren.

Die noch recht unbekannten NHOR aus Großbritannien eröffnen die zweite CD mit dem schwermütigen, bedrückenden Klavier-Stück “Upon The Wind Its Wings Beat Sorrow Into The Stars”. Es folgt der zweite von vielen bestimmt besonders intensiv ersehnte Song dieser Compilation: ULVERs “Synen”, das bisher nur auf der “Souvenirs From Hell”-Compilation aus dem Jahre 1997 zu hören war. Zu ULVER muss ich wohl kaum viele Worte verlieren und das Stück ist absolut typisch, denkt man an die Norweger zu “Kveldssanger”-Zeiten. Mit NEUN WELTEN findet sich mal wieder eine deutsche Formation auf der Compilation, ihren Song “Pan” dem gleichnamigen griechischen Gott des Waldes widmen, obwohl dieser für seine Freude an Tanz, Musik und Fröhlichkeit bekannte Gott nicht unbedingt der ideale Namensgeber dieses Stückes ist, so ist fröhlich wohl einer der am wenigsten passenden Begriffe für die Musik der NEUN WELTEN. TENHI präsentieren nun das bereits vom “Folk Aesthetic 1996-2006”-Album bekannte “Kausienranta”, bevor das Ein-Mann-Projekt BAUDA aus Chile ein abwechslungsreiches Instrumental beisteuert, das sich besonders durch die schönen Flötenmelodien aus der Compilation hervorhebt und ORPLID sich dem Song “Stille”, der bereits auf ihrem Album “Nächtliche Jünger” erschien, bedienen. Besonders durch die bedrohliche Stimmung und den sehr markanten, emotionalen Gesang kann dieses Stück begeistern. Auch NUCLEUS TORN steuern mit “Krähenkönigin III” einen bereits veröffentlichten Track bei, bevor LÖNNDOM mit “Språnget Ur Ursprunget” eine für diese Compilation neu verfasste Komposition präsentieren. Dieser Song hat es mir persönlich besonders angetan, da mich schon das letzte Album der Schweden “Viddernas Tolv Kapitel” restlos begeistern konnte und dieses neue Stück wie aus einem Guss mit den Titeln des Albums entstanden klingt, lediglich der sehr charakteristische Gesang der Herren Sandström und Petterson steht leider nicht im Fokus des Songs. Ihren Abschluss findet die Compilation in einem Stück der finnischen Formation SYVEN. Und einen würdigeren “Rausschmeißer” als das 14-minütige “How Fare The Gods” könnte man sich für “Whom The Moon A Nightsong Sings” kaum vorstellen, denn der stimmungsvolle, schwebende Titel zieht den Hörer sofort in seinen Bann und kann die geheimnisvolle, mystische Atmosphäre über die komplette Länge aufrecht erhalten.

“Whom The Moon A Nightsong Sings” entführt den Hörer auf eine wundervolle, atmosphärische und fesselnde Reise durch die Welt der naturromantischen Musik, doch eines ist klar: Um den vollen Hörgenuss zu erleben, den diese Zusammenstellung zweifelsohne bescheren kann, muss man sich den Kompositionen voll und ganz hingeben und vor allem etwas für diese Art von Musik übrig haben. Denn wenn “Whom The Moon A Nightsong Sings” eines nicht ist, dann kurzweilig oder übermäßig abwechslungsreich, dafür jedoch träumerisch, sehr fantasieanregend und einfach wunderschön.

11.10.2010

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