Various Artists - Swedish Death Metal

Review

Vor gut zwei Jahren veröffentlichte Daniel Ekeroth sein Buch „Swedish Death Metal“, das einen gelungenen Überblick über die Anfänge und die Frühphase der Death-Metal-Szene in Schweden bietet. Zeitgleich mit der deutschen Übersetzung des Werkes veröffentlicht der Index Verlag nun den dazu passenden Soundtrack: Ebenso „Swedish Death Metal“ betitelt, enthält diese Zusammenstellung auf gleich drei CDs frühe Tondokumente der Vorläufer, Demoaufnahmen und Tracks der ersten Plattenveröffentlichungen der wichtigsten Vertreter dieser Musikszene sowie seltene oder vergessene Aufnahmen und Geheimtipps aus der Blütezeit des Death Metal made in Sweden. Dabei folgt die Auswahl der Bands und Tracks dem Verständnis des Buchautors für Death Metal: Vertreter des Thrash Metal werden ebenso ausgespart wie Punk- und Grindcore-Veröffentlichungen und die späteren Melodic-Death-Metal-Erfolge, und nur kurz wird auf CD 2 ein Blick in Richtung des schwedischen Black Metal gewagt.

Die erste CD widmet sich hauptsächlich der Anfangszeit der Szene, als Mitte bis Ende der Achtziger Jahre die ersten Bands auf der Suche nach einer eigenen Ausdrucksform herumexperimentierten. Anfangs noch von Bands wie BATHORY inspiriert und vom alles beherrschenden Thrash-Metal-Boom beeinflusst, sind die hier präsentierten Aufnahmen eher Zeitdokumente denn wirklich zeitlose Werke. Dennoch sind dabei nicht nur rumpelige Proberaumaufnahmen herausgekommen, sondern teilweise schon richtig großartige Ansätze: Man höre sich nur die Stücke von MEFISTO, OBSCURITY oder MORBID (mit Per Yngve Ohlin am Mikro) an. Dazu gibt es Tracks von MERCILESS und der ENTOMBED-Vorgängerband NIHILIST, die einen prägenden Einfluss auf die frühe Stockholmer Death-Metal-Szene hatten. Abgerundet wird das (akustische) Bild durch Demostücke von DISMEMBER, GRAVE, AFFLICTED CONVULSION, EXPULSION und den Göteborger Vorreitern GROTESQUE, aus denen später die Bands LIERS IN WAIT und AT THE GATES hervorgehen sollten.

Der Schwerpunkt der zweiten CD liegt auf den ersten Album-Veröffentlichungen der Szene, die nicht nur in Schweden, sondern verteilt über den gesamten Erdball ein großer Erfolg wurden. Dabei wird das Augenmerk nicht nur auf Tracks der großen Klassikeralben von ENTOMBED, GRAVE, UNLEASHED, TIAMAT, EDGE OF SANITY oder AT THE GATES gelegt, sondern auch auf vergessene, aber immens wichtige Bands wie NIRVANA 2002, LIERS IN WAIT und AFFLICTED, die immerhin bei Nuclear Blast unterkamen, später aber in Richtung Power Metal umschwenkten und sich auflösten. Den Abschluss bilden Bands wie MARDUK und DISSECTION, die zwar im Zuge der Death-Metal-Welle ihre ersten Gehversuche starteten, schließlich aber immer weiter in Richtung Black Metal vordrangen.

CD 3 gibt schließlich einen Überblick über die Vielfalt und Stärke des schwedischen Death Metal in seinem goldenen Zeitalter: Den Auftakt macht dabei eine Demoaufnahme von EVOCATION, die es in den Neunzigern einfach versäumten, ein Album aufzunehmen und sich statt dessen auflösten – beileibe kein Einzelfall (immerhin hat sich die Band reformiert und jüngst zwei starke neue Alben eingespielt). Andere Namen wie SEANCE, FURBOWL, HOUSE OF USHER, CRYPT OF KERBEROS, die schwedischen CREMATORY, UNCANNY oder INTERMENT sind zwar weiterhin bekannt, konnten sich aber während der Death-Metal-Explosion in den frühen Neunzigern nicht nachhaltig durchsetzen. Den Bogen zur Gegenwart spannt Daniel Ekeroth mithilfe der Band KATALYSATOR (mittlerweile in INVIDIOUS umbenannt), die sich dem Death Metal ursprünglicher Prägung verschrieben hat. Alle experimentelleren Strömungen jedoch, die sich aus dem puren Death Metal der Anfangstage entwickelt haben, sind nicht auf dieser Compilation enthalten.

Insgesamt bietet die „Swedish Death Metal“-Compilation genügend Stoff, um auf eine lange und interessante Entdeckungsreise zu gehen. Nicht nur als Untermalung des gleichnamigen Buches empfehlenswert, hält das 3-CD-Package neben den bekannten Klassikern somit einige Überraschungen parat, ein paar Perlen und genügend vergessenen Stoff. Das gilt zuallererst für die raren Demoaufnahmen, die zwar zu Beginn des Death-Metal-Booms in Schweden in Tapetraderkreisen zirkulierten, heute aber annähernd unerhältlich sind. Und auch wenn einige andere Stücke irgendwann einmal auf CD erschienen sind – gerade die der längst aufgelösten Bands –, so sind diese Auflagen doch häufig nur noch schwer zu finden. Über die Soundqualität sollte an dieser Stelle nicht weiter dikutiert werden, sie ist naturgemäß so unterschiedlich wie die auf dieser Compilation enthaltene Musik. Und die hier enthaltenen Tracks stellen doch bisweilen eher Zeitzeugnisse als Klassiker dar, weswegen auf eine Benotung verzichtet wird. Dennoch ist diese Compilation uneingeschränkt zu empfehlen, nicht zuletzt durch die nette Verpackung im Digipak inklusive 16-seitigem Booklet mit Liner-Notes von Daniel Ekeroth zu allen Tracks.

11.03.2009

- Dreaming in Red -

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