Various Artists - Bikers Paradise

Review

Endlich der Soundtrack zu einem gelungenen Bikersonntag, wie er an einem wunderbaren Sommertag wie diesem stattfinden könnte… damit beglückt uns Membran Music in Form einer schicken schwarzen Ledertasche, in der sich drei Compilations befinden, die offenbar die emotionale Bandbreite des Metallers darstellen sollen. Kaum rotiert die erste Scheibe im Player, tut sich vor dem geistigen Auge ein völlig klares, höchstens von zu viel Klischeedenken getrübtes Bild auf…

THE CLASSICS

Wir wachen auf, mit einem riesigen Kater vom gestrigen Abend, durch das offene Fenster knallt die Sonne, und das schon morgens um 13 Uhr. Die Nachbarskinder kreischen beim Planschen im Pool, irgendwo legt jemand die erste Scheibe Schweinebauch auf. Wir legen eine andere Art Scheibe auf, „The Classics – The Finest In Rock History“. Zur ersten Kippe dröhnen BACHMAN-TURNER OVERDRIVE, und noch während der Kaffee durchläuft, schnappen wir uns die Luftgitarre und rocken zu STATUS QUO, URIAH HEEP, BLACK SABBATH, RAINBOW, DEEP PURPLE oder UGLY KID JOE durch die Wohnung, natürlich nicht ohne geschickt um die zerschlagenen Bierflaschen und die übervollen Ascher zu manövrieren. Das ist das wahre Rockerleben, zu den echten und wahren Klassikern wie „Rockin‘ All Over The World“, „Paranoid“ oder „Sweet Home Alabama“ die Schmerzen aus der Rübe schütteln. Das macht reichlich Spaß, die Versionen sind alle so herrlich retro, unversaut und pumpen das Testosteron gleich dosenweise in den müden Körper. Herrlich.
Damit hätten wir die erste und grausamste Stunde des neuen Tages hinter uns gebracht. Zeit, die Kumpels anzurufen und sich für den Nachmittag mit den Öfen zu verabreden.

THE HARD RIDE

Es ist 15 Uhr, als wir in voller Montur den Biergarten betreten. Helmut „Hellrider“ Knötelheimer hat seinen Ghettoblaster dabei und beschallt die Bierzeltgarnituren aktuell mit „Ace Of Spades“. Spätestens nach MOLLY HATCHET, ZZ TOP und DIO ist der Laden von Nichtbikern leergefegt, bis auf die Clique und ein paar schwarzgekleidete Mädels älteren Datums, die verstohlen, aber interessiert herüberschauen. Das verstärkt sich, als wir zu SAXONs „Wheels Of Steel“ im Ententanz über die Bänke fegen, bangend und mit prall gefüllten Weizengläsern in den Händen, um unsere überbordende Männlichkeit unzweifelhaft zu präsentieren. Das funktioniert mit der Auswahl an Hardrock-Klassikern, von denen allerdings auch einige eher Pseudoklassiker sind (schon mal was von THE TOM ROBINSON BAND gehört? Ich auch nicht.), bestens, wie sich bald herausstellt. Noch bevor die CD nach einer Stunde durchgelaufen ist, sitzt eine der interessierten Schnecken bei mir auf dem Schoß und flüstert mir was von „The Soft Side“ ins Ohr, einer CD, die sie gerne mal mit mir zusammen hören wollen würde. Alleine, versteht sich.

THE SOFT SIDE

Die Sonne geht gerade unter, als wir zusammen auf ausgebreiteten Öllappen aus unseren Maschinen über der brütend heißen Stadt auf einer Wiese liegen. Sie hat gerade ihren Discman angeschmissen, und nun säuseln die zärtesten Rockballadenklänge, die ein Biker aushalten kann, durch das Gras. „Just Between You And Me“ singen APRIL WINE, und das stimmt auch… Mit MR. BIGs „Wild World“ kommen mir die ersten Ideen, wie dieser Tag ideal zu Ende gehen könnte, und kurz darauf summe ich mit Brummstimme „Waiting For A Girl Like You“ mit. Das scheint zu fruchten: spätestens bei URIAH HEEPs „Lady In Black“ ist dann alles verloren, bei „Ride Like The Wind“ von CHRISTOPHER CROSS stürzt sich die Frau auf mich (wie passend) und lässt mich die ganze Spielzeit von „Every Rose Has Its Thorn“, BLACKFOOTs „Highway Song“ und LYNYRD SKYNYRDs „Free Bird“ über nicht mehr los. Definitiv die romantischsten 70 Minuten des Tages, auch wenn der Schmalz direkt an den Seiten aus dem Player läuft. Wenn ich nachher wieder alleine in meiner Bude hocke, muss ich dann allerdings auch erstmal dringend wieder MOTÖRHEAD hören.

10.06.2007

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