Various Artists - Maere Compilation

Review

Das Jahr 2010 war ein ausgesprochen guter Düster-Folk-Jahrgang. Nicht nur erschienen die recht bekannten Compilations „To whom the moon a nightsongs sings“ von Prophecy und „We bring you a king with a head of gold“ von Cold Spring, sondern auch die ganz erstaunliche und ohne Hilfe eines Labels veröffentlichte Maere-Compilation, die den beiden erstgenannten locker ebenbürtig ist. Diese ist auf 500 Exemplare limitiert und bietet überwiegend exklusive Stücke sowohl bekannterer Bands als auch vielversprechender junger Interpreten.

Der Name dieser CD leitet sich aus ihrer thematischen Ausrichtung ab: Die beteiligten Bands waren angehalten, jeweils ein Lied zu einem Märchen oder mit einer anderweitig märchenhaften Atmosphäre zu schreiben. Was nicht bedeutet, dass es sich hier um Friede-Freude-Eierkuchen-Musik handelt; vielmehr haben die Interpreten Märchen- und Sagenmotive offenbar ernstgenommen und gerade die unheimlichen Seiten derselben nicht unter den Tisch fallen lassen. Einige der Lieder sind durchaus romantisch und sphärisch, andere melancholisch und dunkel.

Die Kategorisierung der Maere-CD als Neofolk muss ich gleich einschränken. Der ist zwar auch vorhanden, aber der musikalische Rahmen ist viel weiter gesteckt, so dass auch die bluesrocklastigen SIEDLER, der Akustik-Folkrock von STORMSTERK und der Dark Ambient von TRIST vertreten sind. NEUN WELTEN, FAELWA und HEL steuern schön dämmerigen Alternativ-Folk bei, während bei THRONDT der Black-Metal-Hintergrund deutlich vernehmbar ist. Die Norwegerin TIRILL hat sich die Völuspa vorgenommen und begeistert auch hier wieder mit ihrem Ambient-Folkpop. Die sehr nach Hexenzauber und Winterlandschaft klingenden karelischen SATTUMA erinnern entfernt an ältere TENHI und HEDNINGARNA. VURGART, dessen Beitrag mich etwas an SONNE HAGAL erinnert, hält die Fahne des Neofolk im engeren Sinne hoch. AINULINDALË, ELANE und ELVELLON sorgen derweil geschmackvoll für die besonders romantischen Momente dieser CD. Obwohl mir alle hier vertretenen Lieder gut bis sehr gut gefallen, möchte ich auf zwei von ihnen besonders hinweisen. Das amerikanische Projekt IN GOWAN RING liefert mit „Cruel Sister“ eine hervorrage Volksliedinterpretation ab, die gleichermaßen träumerisch und finster ist, und LÖNNDOM berichten mit sirrenden Stromgitarren und punktuellen Keyboards im 90er-Moonfog-Stil von den Waldgeistern des schwedischen Outbacks. Das ist fraglos eine im guten Sinne abenteuerliche Mischung, die wunderbar funktioniert und nach knapp 80 Minuten eine runde Sache ergibt.

Auswahl und Anordnung der Lieder zeugen von einer großen Sorgfalt, die sich ebenso in der außergewöhnlichen Verpackung zeigt: Die CD wird in einer Spandose geliefert, die von Hand gestaltet wurde, so dass jedes Exemplar ein Unikat ist. Neben der CD enthält die hölzerne Rundhülle die Tracklist auf handgeschöpftem Papier sowie zwei kleine Überraschungen. Auf der Homepage zum Projekt finden sich weitere Informationen zu den Interpreten und ihren Liedern. Damit sollte dann auch klar sein, dass jeder sich diese Compilation zulegen sollte, der Folk und angrenzende Stile zu schätzen weiß.

23.01.2011

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